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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

14. Oktober 2009

Handwerker täten sich schämen

Manchmal kann mich schon ein kleines Detail schockieren. Es taucht unvermittelt auf aus einer Sauce der Mittelmässigkeit, die von ganz offenkundig völlig überforderten Leuten in beschönigend Redaktion genannten Stollen angerichtet wird. Redaktion: dort wird doch redigiert, sollte man annehmen. Meine Güte. Das war einmal. Redaktion heute, das heisst wie gesagt überforderte, wahrscheinlich auch übernächtigte Leuggeli, die ihrem Berufsbild versuchen gerecht zu werden. Das Berufsbild heisst – ach, keine Ahnung, wie das heisst – Zeilenknecht? Online-News-Umschreiber? Copy-Paster?

Als kleiner Mitarbeiter in einem der vielen Journalistenbüros der 70er Jahre war ich immer sehr gelangweilt, ja befremdet eigentlich, wenn die älteren Kollegen quasi in Ehrfurcht erstarrten, wenn der Name OSKAR RECK fiel. Für mich ein BOF.  Das wollte ich schon lange mal bekennen. Denn heute verstehe ich. Jetzt, wo ich allergrösste Mühe hätte, einen Journalisten zu nennen, der durch Kenntnisse, Verstand, Analyse, Klarheit des Ausdrucks, staatsbürgerliche Verve und persönliche wie berufliche Integrität glänzt. Jetzt weiss ich, was wir an einem Oskar Reck hatten. So. Das musste mal gesagt sein.

Heute befindet sich der Journalismus dermassen in einem Tief, dass wir schon die sporadischen frechen Einwürfe eines Constantin Seibt als DAS ABSOLUTE MANNA einsaugen. Nichts gegen Seibt. Aber alles gegen die fahle Wand, gegen die sich abzuheben keine grossartige Kunst ist. Er macht einfach das, was ich von einem Journalisten erwarte. Und er glänzt deshalb, weil es wenige seiner Klasse mehr gibt.

Ich wollte aber eigentlich nicht über Seibt schreiben. Sondern eigentlich vor allem mal meiner Bewunderung für all die Handwerker Ausdruck geben, die ich so oft bei der Arbeit beobachten kann. Sei es, weil bei mir ein Gasofen eingestellt wird, sei es, weil ich die präzisen, prägnanten, zielgerichteten Handgriffe der Seilbahnmonteure beim Leubringenbähnli vom Bürofenster aus beobachte – achtet euch selber mal, wie würdig, selbstsicher und eben auch kompetent diese Leute auftreten. Und damit aufzeigen, wo eigentlich noch gute Arbeit geleistet wird.

Denn es geht offenbar auch anders.

Da führt man sich wieder einmal eine unserer neuen Onlinezeitungen zu Gemüte, wie zum Beispiel diesen dreimal vermaledeiten Tamedia-Mist, wo ich heute Abend, um 22:25, immer noch den Satz vom Seite-3-Girl, welches prangert, lesen kann. Der Satz wurde heute morgen um 07:48 geschrieben- seit 15 Stunden steht dieses Wort, das in keinem Duden steht und einfach völlig falsch angewendet wird, das die völlige sprachliche Überforderung des Autors anprangert, im Lead zum Artikel über den Blick.

Es prangt ein Pferdehalfter an der Wand dumm dumm dumm dumm (Sorry, das Lied kennt siche niemand)

Es prangt ein Pferdehalfter an der Wand dumm dumm dumm dumm (Sorry, das Lied kennt sicher niemand)

Und kein Schwein dort merkt etwas, sagt etwas, korrigiert das. Kann man das für möglich halten?

Ganz ehrlich: Handwerker würden sich nach einer solchen Blamage nicht mehr aus dem Haus wagen. Journalisten aber, die merken das nicht einmal.

Und dann wundern die sich noch über das sinkende Ansehen ihres Berufsstandes.

(via)

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 22:39

24. Juni 2009

Dämlicher Tagesanzeiger

Ich kann niemals so lustig sein wie die Realität. Aber so alt wie die alte Fasnacht, das kann ich jederzeit. Kurzum, zwei Gründe genügen für einen Blogeintrag, heute.

Dass die Online-Redaktion von Miesnetz einen Beitrag so ankündigt: Absolut dämlicher Beitrag des Tagesanzeigers – diese Pointe ist einfach nicht zu übertreffen.

Pascal Witzigte es schon am Samstag hier, die Medienlese am Montag, ich nun am Mittwoch. Merkst was?

PS:  Nun die Simone Meier anzupflaumen, wie das ein Kommentator bei Witzig tut, das ist jetzt aber total unpassend. Immerhin darf Simone Meier für sich in Anspruch nehmen, die Kolumne-wie-wir-sie-heute-bis-zum-Überdruss-kennen erfunden zu haben. Unvergessen, wie sie dramaturgisch geschickt ihren Lebensabschnittspartner als Pausenfüller (unter dem technokratischen Begriff  ’mein Liebesleben’) auftreten liess; verdankenswert, dass sie die Regenbogenpresse in die damals noch seriösen Spalten des Ich-bremse-auch-für-Aktionäre-Tagesanzeigers einbrachte. Dass beides unterdessen Standard gewordene Pflicht ist, ist sicherlich nicht Meier anzulasten. Ein dem Epigonentum innewohnender Drang macht halt immer aus einem Chacheli feiner frischer Kuhmilch einen Teller breitgetretenen Quark. Siehe dazu auch die Paarung Kurt Felix – Sven Epinay.

So, jetzt noch die tägliche Lektüre von Klatschheftli, dann aber subito in die Küche!

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:15

9. Juni 2009

Am liebsten Französisch II

Martin Kall heisst der Killer meines Lobgesangs. Der Mann, der weiss, wie man streicht und kürzt und zusammenlegt und abbaut, der Mann, der nur noch Kosten kennt, keine Kunden, der Mann, der ebenso gut Ski wie Zeitungen verkaufen könnte. Aber da jetzt Sommer ist, verkauft er eben Zeitungen.

Kall und Konsorten sparen momentan die deutschschweizer Presselandschaft kaputt. Lest alles darüber bei ugugu vom journalistenschredder, Chronist des Grauens, Mahner in der Wüste, Finger in der Wunde.

Ursprünglich war dieser Beitrag gedacht als Loblied auf die französischsprachige Presse aus der Romandie. Vor allem auf die Zeitung, die ich abonniert habe. Den Deutschschweizern wollte ich unter die Nase reiben, wie gut die Romands noch bedient werden. Ich wollte die gedruckte Ausgabe, die Kolumnisten, die Webseite loben. Ich wollte erwähnen, dass ich mich wirklich gut bedient fühle, und mich die 420 Franken jährlich überhaupt nicht schmerzen. Dass ich sogar mehr bezahlen würde. Ich hätte sogar angegeben, wie viel.

Aber unterdessen habe ich in die Hölle geschaut, in die Hölle der Kontroller und Erbsenzähler und politischen Illetristen, in die Hölle der Kalls und Konsorten. Und dabei erst ist mir aufgegangen: Verflucht, die haben ja kürzlich auch meine Zeitung gekauft!!! Und mein eigentlich schon geschriebenes detailliertes Lob würde grad die Streichliste der Zeitungskiller und Aktionärsvasallen von tamedia ergeben. Denn es sind genau die Sonderleistungen, die die Zeitung von der Konkurrenz abheben. Im Kall’schen Paralleluniversum: überflüssige Kosten.

Schade. Schade um die jetzt noch wirklich empfehlenswerte, scheints sogar profitable Zeitung. Schade um mich, dem sie täglich ein Lichtblick im kallgeschorenen Einerlei bietet. Schade um euch, ich hätt’ euch wirklich eine GUTE ZEITUNG gegönnt. Aber bis ihr euch an das Franz gewöhnt habt, ist sie vielleicht weg. Schade zu guter Letzt um die Zeitung und deren Journalisten und Kolumnisten und das ganze Backoffice. Denn wie man es auch dreht und wendet: Kall killt bald auch in der Westschweiz! Und es wird furchtbar sein.

Wetten dass?

Was sagen eigentlich die Politiker zum Verschwinden des Journalismus? Wieso nehmen die Leser das einfach so hin? Aber wahrscheinlich kriegt eben jedes Land die Presse, die es verdient. Wer am liebsten deppert in der Landschaft rumfährt, will auch nicht lesen.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 13:53

2. Juni 2009

Dem Magazin eine Liste!

Das Wehklagen nimmt kein Ende: die zärtlich “Tagi” genannte Zürcher Zeitung verabschiedet sich aus der Zivilisation, so wie wir sie sehen. Und das zärtlich “Magi” genannte Magazin versinkt in der Beliebigkeit und im Geröll des Kurzfutters, gerne auch der Listen.

Besonders Ugugu und Frau Zappadong befinden sich seit Tagen, ja seit Wochen im Waldorf-und-Statler-Modus. Schön. Ich bin ein Waldorf-und-Statler-Fan! Bitte gebt uns endlich die gesammelten Werke der Muppet Show auf 50 DVD. Den Kaufpreis von geschätzten 780 Franken würde ich mir nötigenfalls auch als Fremdenführer verdienen. ‘Kultstätten der Nostalgie’ würde die Tour heissen.

Was ich den Fremden zeigen würde? Bitte mir zu folgen:

Hier stand bis vor kurzem das Warenhaus EPA mit seinen unübertroffen firmentreuen Verkäuferinnen. Gegenüber haben wir das Ex-ABM, ein genau so herzzerreissender Kram- und Ramschladen wie die EPA, bloss etwas teurer und langweiliger. Aber die Praliné waren besser. Ein paar Meter weiter, bitte, ja, hier an der Ecke, da konnte man vom Reissnagel bis zum Spaten alles finden, was in eine Eisenwarenhandlung passt. Und das ist nicht wenig, erst die Decke markiert das Limit. Was da nicht rein passt, packen der Besitzer, seine Frau und die Verkäuferinnen jeden Morgen auf das Trottoir (ist ein CH-Blog hier…): Die Laubrechen (nein, hat nichts mit Brechen zu tun), die Ofenrohre (die passen noch auf die fünf Stufen, die zum Eingang hinauf führen), das Kinderdreirad.

Gehen wir uns kurz ausruhen, die paar Stufen runter in die kleine Eckkneipe mit dem gemütlichen Kanonenofen, wo der Algerier immer noch 95 Rappen kostet – genau gleich wie der Barbera. Neben den Nüssli liegen noch die feinen Schoko-Cornets für nur 1.20, die in irgend einem Krachen nur für den Beizenbedarf hergestellt und in glänzendrotes oder -blaues Staniol einzeln von Hand eingerollt werden. Unschlagbar gut!

Doch wir, wir müssen weiter: Dort steht der Blick-Verkäufer in angeregter Unterhaltung mit dem Dienstmann, der bei der Familie des Bäckers die Koffer abholt, selbstverständlich mit Pferdegespann und Brügiwagen. Die müssen zum Bahnhof, denn die Bäckersfrau leistet sich mit den Kindern drei Wochen Ferien in Bad Ragaz. In dieser Zeit kommt die Schwägerin aus der armen Verwandtschaft im Welschland, um auszuhelfen. Doch der Dienstmann hat keine Eile, er zündet sich zunächst mal eine Toscanelli an und wendet sich dem Neuankömmling zu, Gaston, der den Express und La Suisse aus seiner grossen Ledertasche verkauft, die Schlagzeilen an den alten Kondukteurhut geheftet. Diesen steifen Hut hat Gaston auf einer seiner zahlreichen Reislein, die er Dritter Klasse durch die ganze Schweiz unternimmt, geschenkt bekommen. Vom Kondi, klar doch.

So – STOPPPP…. sonst komme ich noch mit dem Hufschmied im Dorfzentrum, gleich neben dem Schlachthof des Dorfmetzgers, mit dem Wulelädeli der Witwe Bolte, den verschüchterten Schulkindern, die täglich dem Abwart die Hand geben durften, der am Eingang zum Schulhaus respektheischend die Parade abnahm.

Drum sag ich’s noch ein mal: Vergesst doch diese Pfeifen dort in Zürich oben, die scheinbar noch nicht gehört haben, dass es siebenmal teurer ist, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu behalten. Aber das haben die sicher schon gehört. Was also ist die Absicht? Die Absicht ist genau diese: Die wollen euch nicht mehr. Begreift das doch endlich. Die bestehenden Kunden müssen weg. Die schaden dem Ruf des Produkts.

Anders lässt sich diese ganz gezielte Demontage jahrzehntealter erfolgreicher Marken beim allerbesten Willen nicht erklären.

Wie Analyst im Heise-Forum seinerzeit erfolgreich immer wiederholte: Denkt mal drüber nach ;-)

PS: vermisst wird Analyst – das war noch ein Spass. Killed by blogs.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:58

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