Handwerker täten sich schämen
Manchmal kann mich schon ein kleines Detail schockieren. Es taucht unvermittelt auf aus einer Sauce der Mittelmässigkeit, die von ganz offenkundig völlig überforderten Leuten in beschönigend Redaktion genannten Stollen angerichtet wird. Redaktion: dort wird doch redigiert, sollte man annehmen. Meine Güte. Das war einmal. Redaktion heute, das heisst wie gesagt überforderte, wahrscheinlich auch übernächtigte Leuggeli, die ihrem Berufsbild versuchen gerecht zu werden. Das Berufsbild heisst – ach, keine Ahnung, wie das heisst – Zeilenknecht? Online-News-Umschreiber? Copy-Paster?
Als kleiner Mitarbeiter in einem der vielen Journalistenbüros der 70er Jahre war ich immer sehr gelangweilt, ja befremdet eigentlich, wenn die älteren Kollegen quasi in Ehrfurcht erstarrten, wenn der Name OSKAR RECK fiel. Für mich ein BOF. Das wollte ich schon lange mal bekennen. Denn heute verstehe ich. Jetzt, wo ich allergrösste Mühe hätte, einen Journalisten zu nennen, der durch Kenntnisse, Verstand, Analyse, Klarheit des Ausdrucks, staatsbürgerliche Verve und persönliche wie berufliche Integrität glänzt. Jetzt weiss ich, was wir an einem Oskar Reck hatten. So. Das musste mal gesagt sein.
Heute befindet sich der Journalismus dermassen in einem Tief, dass wir schon die sporadischen frechen Einwürfe eines Constantin Seibt als DAS ABSOLUTE MANNA einsaugen. Nichts gegen Seibt. Aber alles gegen die fahle Wand, gegen die sich abzuheben keine grossartige Kunst ist. Er macht einfach das, was ich von einem Journalisten erwarte. Und er glänzt deshalb, weil es wenige seiner Klasse mehr gibt.
Ich wollte aber eigentlich nicht über Seibt schreiben. Sondern eigentlich vor allem mal meiner Bewunderung für all die Handwerker Ausdruck geben, die ich so oft bei der Arbeit beobachten kann. Sei es, weil bei mir ein Gasofen eingestellt wird, sei es, weil ich die präzisen, prägnanten, zielgerichteten Handgriffe der Seilbahnmonteure beim Leubringenbähnli vom Bürofenster aus beobachte – achtet euch selber mal, wie würdig, selbstsicher und eben auch kompetent diese Leute auftreten. Und damit aufzeigen, wo eigentlich noch gute Arbeit geleistet wird.
Denn es geht offenbar auch anders.
Da führt man sich wieder einmal eine unserer neuen Onlinezeitungen zu Gemüte, wie zum Beispiel diesen dreimal vermaledeiten Tamedia-Mist, wo ich heute Abend, um 22:25, immer noch den Satz vom Seite-3-Girl, welches prangert, lesen kann. Der Satz wurde heute morgen um 07:48 geschrieben- seit 15 Stunden steht dieses Wort, das in keinem Duden steht und einfach völlig falsch angewendet wird, das die völlige sprachliche Überforderung des Autors anprangert, im Lead zum Artikel über den Blick.

Es prangt ein Pferdehalfter an der Wand dumm dumm dumm dumm (Sorry, das Lied kennt sicher niemand)
Und kein Schwein dort merkt etwas, sagt etwas, korrigiert das. Kann man das für möglich halten?
Ganz ehrlich: Handwerker würden sich nach einer solchen Blamage nicht mehr aus dem Haus wagen. Journalisten aber, die merken das nicht einmal.
Und dann wundern die sich noch über das sinkende Ansehen ihres Berufsstandes.
(via)





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