Hey, ging da ein garstig Knistern durch der Schweizer Blogger’s Bildschirme, gestern. Jungjournalist David Bauer, kaum eben der Universität entronnen, die ihn zum Meisterjournalisten ausgebildet hat, legte in der Sonntagszeitung eine Probe seines Könnens vor. Selber Blogger, begibt er sich auf die Suche nach der Relevanz der Schweizer Blogs. Und wird nicht wirklich fündig… Was seinen Arbeitgeber sicherlich freuen wird, denn die Tamedia steht dem Phänomen Blog naturgemäss sehr defensiv gegenüber. Was die Leser vom Artikel halten, der auf der Computerseite der Zeitung erschien, lässt sich an den Reaktionen in den Blogs ablesen. Etwa beim bugsierer oder bei lupe. Eine Sammlung gibts bei rivva.
Was ich nun ganz und gar nicht verstehen kann: Was lernen die eigentlich an der Journalismusuniversität? Ganz ehrlich: Darauf habe ich keine Antwort. Schon gar nicht mehr, wenn ich mir Bauers Arbeit anschaue. Ich bin ja nur ein einfacher Knecht ganz ohne Ausbildung als Schreiber, aber ich hätte diesen Artikel besser gemacht!!!! Ich schwöre es!!!
Schauen wir uns doch schon mal die Kernfrage nach der Relevanz der Schweizer Blogs näher an. Bauer hat Mühe, diese auszumachen. Ja, mein Gott, hätte er doch mich fragen können!!! Denn schon als ganz gewöhnlicher Zeitungsleser, ohne Zugang zu den teuren Datenbanken, die Bauer zweifelsohne nutzen könnte, hätte ich ihm ein paar Tipps aus der jüngsten Vergangenheit aus dem Gedächtnis liefern können!
Also, Bauer, aufpassen, jetzt kommen sie:
Museen von La Chaux-de-Fonds
Am 26. September 2008 stellen die Behörden von La Chaux-de-Fonds einen Bericht über die Zukunft ihrer vier Museen vor. Schon in den Jahren vorher waren mehrere Anläufe unternommen worden, die Museen auf eine solidere Basis zu stellen, die aber kaum Resultate zeitigten. Eine auswärtige Projektleiterin wurde angestellt, welche innert weniger Monate den umfangreichen Bericht fertigstellen und gleichzeitig ihre künftige Arbeit als Gesamtverantwortliche der vier Museen definieren sollte.
Offenbar hatten die Behörden von La Chaux-de-Fonds die Macht der desavouierten bisherigen Kuratoren sträflich unterschätzt. Der Bericht wurde nämlich alsobald in einem eigens geschaffenen Blog “Sauvons nos musées” (Rettet unsere Museen) nach Strich und Faden zerzaust. Der Blog kann einen Sieg auf der ganzen Linie für sich verbuchen. Der Bericht wurde von den Behörden zurückgezogen, das Projekt sistiert, die Projektleiterin ist für immer demontiert und wird wohl bei der nächsten Gelegenheit gehen – und dieser Erfolg ist einzig und allein dem Blog zuzuschreiben, über den die welsche Presse mehrfach berichtet hatte. Und es ist erst wenige Wochen her…. Zumindest dieser Fall hätte in einem Artikel über die Relevanz der schweizer Blogs gewürdigt werden müssen. Aber das googelt sich halt nicht so einfach – Suchbegriff: “Relevanz schweizer Blogs” führt z.B. nicht weiter – da braucht’s jetzt wirklich Recherche
Peter Knechtli
Wenige Tage vor Erscheinen der Bauerschen Mini-Recherche berichtete der Tagesanzeiger* über den möglicherweise erfolgreichsten Schweizer Blog: Die Berichterstattung von Peter Knechtli. Knechtli ist ein richtiger Recherchierjournalist aus der Zeit, wo es noch keine Journalistenschulen und -Unis gab. Als Zeitungsleser war mir sein Name in den 70ern schon aufgefallen. Dafür brauchte es keine besonderen Recherchen: Knechtli war damals einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz. Eigentlich absolut erstaunlich, dass diese Karriere den heutigen Journalisten so wenig Aufmerksamkeit wert ist. Aber wahrscheinlich hätte die Tamedia darüber weniger Freude als an der Bauerschen Totschweigerei…
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* Ich kann nicht mehr sicher sagen, wo ich’s las. Gibt man im öffentlichen Bereich des TA-Archivs Peter Knechtli ein, kommt nix. Muss aber praktisch der TA gewesen sein, denn den les ich nur noch gelegentlich, und ich weiss, ich las es gelegentlich….
Nestlé – der erste Erfolg eines schweizer Blogs
Es war im Sommer 2006, als Jean Nouvel seiner Freundin Nelly Wenger die Karriere versaute. Nelly Wenger, meine absolute Lieblings-Expo-Direktorin, war bei Nestlé in die Nesseln getrampt, als sie die verstaubten Marken mit dem Odem des gehobenen Lifestyle veredeln (und verteuern;-) wollte. Jean Nouvel kreierte ihr zu diesem Zweck eine neue Architektenverpackung, die ausser gut aussehen überhaupt nichts Sinnvolles tat. Und beim Publikum durchfiel. Denner schmiss die Ware aus den Regalen. Höchste Gefahr drohte.
In dieser Situation begann ein Nestlé-Kader auf Konfrontation zu bloggen. Die Presse nahm dies zum Anlass, über die internen Zwistigkeiten zu berichten. Nelly Wengers Tage waren von da an gezählt. Nach einer Krankheitspause kehrte sie nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück.
Das sind nur einige Beispiele, die mir beim Melken grad so eingefallen sind. Ich bin selbstverständlich kein Journalist, und nie würde ich von mir behaupten, ich könnte immer es besser. Auf der anderen Seite muss ich schon fragen: Herr Bauer, wie konnte das bloss passieren? Ganz offenkundig kennen Sie die aktuelle Berichterstattung aus Ihrem ureigenen Ressort nicht!!! In der herkömmlichen Journalistenausbildung wären Sie damit nie durchgekommen. Denn die herkömmliche Journalistenausbildung, bevor es die Schulen und Masters gab – ach, ich mag gar nicht drüber reden. Sollen doch die Jungen weiterhin glauben, es reiche, viele Schulen zu besuchen, viele Seminarscheine zu sammeln, viele obskure Auszeichnungen einzuheimsen. Wir Leser, wir wissen es besser
ein PS: Verrückt, musste Lisi die Klauen schneiden, das ging satte 3 Tage, insgesamt. Ist eine Schwierige. Deshalb habe ich gar nicht alles um den Bauerschen Ausraster mitverfolgen können, darum wichtiger Nachschlag:
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