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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

6. November 2009

Preisträger Marty André

Nach den langen und interessanten Diskussionen in der Beiz 2.0 zu Minaretten, prügelnden Jugendlichen und dem (Un-)Sinn des leer einlegen als Protest freue ich mich ganz einfach. Und zwar über den Preisträger 2009. André Marty wird der Kath. Medienpreis zugesprochen.

Herzliche Gratulation.

Kommt gerade im richtigen Moment, dieser Preis an den unerschrockenen Nahost-Korrespondenten, der auch auf seinem Blog immer wieder aus der Kampfzone Israel, den besetzten Gebieten und Gaza berichtet.

(via Augenreiberei, wo Titus den Preisträger mit einem längeren Beitrag würdigt – merci)

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 13:45

21. Oktober 2009

Blogger’s Paradise

Gemerkt? Dieser Beitrag spielt an auf Läden wie ‘Johnny’s Paradise’, also auf Johnny Hallyday, also auf Frankreich, also auf den Clan Sarkozy. Logischer Durchstich… selbstrefentieller Einstieg für neblig-trübe Tage und lange Nächte. Also, schalte das Radio ein, nimm dir Zeit und folge mir ein oder zwei Stündlein. Das hier ist nichts für 20 Minuten..

Apropos 20 Minuten: Je langweiliger die Schweizer Presse geworden ist in den letzten Monaten, desto mehr frequentiere ich die französischen Medien, vor allem im Netz natürlich – denn TV habe ich nicht, Presse ist teuer und papierverschwenderisch, und das Zusammenwachsen der Medien ist in Frankreich schon so weit fortgeschritten, dass die Verlinkereien uferlos sind. Ich kann locker einen ganzen Tag im Franzosennetz verbringen, und finde Material für eine Woche, wahrscheinlich gar für einen Monat.

Zusammen ohne die HIV-Positiven, die Schwulen, die Obdachlosen, die Immigranten, die ...

Zusammen ohne die HIV-Positiven, die Schwulen, die Behinderten, die Immigranten, die ...

Allein die Eskapaden des Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der aus Frankreich eine präsidentielle Monarchie gemacht hat, mit Königin Carla und Thronfolger Jean – das allein gibt Tag für Tag neuen Stoff her, Dallas im Elysée, sozusagen. Mit Nebendarstellern wie der in Ungnade gefallenen Alibi-Immigrantin Rachid Dati oder dem bedingungslosen Polanskiverteidiger Frédéric Mitterand, dem nun seine früheren Ausflüge als Sextourist nach Thailand um die Ohren geschlagen werden, vor einer Kulisse eher dumpfer Sozialdemokraten, die immer mehr vermuten lassen, dass sie keine Alternative zu den Rechten sind. Lektüre, Stoff für Stunden, eben.

Und Videos für Tage, wie hier auf Le Post, wo die frappante Ähnlichkeit in der Rhetorik von Vater und Sohn auf die Schippe genommen wird, oder hier, wo in Sekunde 12 der kleine Sarko denselben Trick wie sein Vater verwendet, indem er den Interviewer direkt mit seinem Namen anspricht: “Jamais, Jean-Jacques Cros, depuis le début de mon parcours politique…”. Auf der selben Seite übrigens wird beschrieben, welche Klimmzüge die TV-Redaktion vorführen musste, um Prinz Jean in der Sendung zu haben: Vorbesprechung der Fragen, fast doppelte Redezeit gegenüber ‘normalen’ Politiker – diese Unverfrorenheit ist fast nicht zu glauben, aber vielleicht sieht das nur für uns hier so aus, und unsere Blochers Mörgelis Brunners wirken genau so. Oder? Mit dem Unterschied natürlich, dass sie keine vergleichbare Macht haben.

Louise Bourgoin, Schönheit als Strategie

Louise Bourgoin, Schönheit als Strategie

Bei dieser Devotheit allethalben muss Schützenjäger Sarkozy Père schäumen wegen der stinkfrechen Schönheit Louise Bourgoin, deren Spezialität vor allem die Persiflage aufgeblasener Personen ist. ‘People’ heissen diese ‘Promis’ in Frankreich. Und Louise Bourgoin ist mir begegnet als Jean Sarkozy, einfach göttlich, wenn man die Anspielungen halbwegs versteht – etwa auf den gestohlenen Roller des Präsidentensöhnchen, und den Aufruhr, den der damalige Innenminister und Chef der Polizei, Papa Sarkozy, deswegen veranstaltete. Aber auch als Carla Bruni, als Ségolène Royale, als Shawne Fielding beim Pistolenschiessen hehehe (allerdings ohne Brustimplantate), Louise Bourgoin in Cannes, Louise Bourgoin überrumpelt Eli Roth am Internationalen Tag der Blutspende – ich kann nicht mehr, schaut selber weiter, es scheint noch Dutzende der Clips zu geben.

le 7 sur Sète

le 7 sur Sète

So darf man ruhig sagen, die Ära Sarkozy, die länger dauern kann, da der Thronfolger ja bereits installiert wird, hat sicher ihr Gutes. Sintemalen man mal davon ausgehen darf, dass die Franzosen sich mehr für ein gutes Essen als für Politik interessieren. Das habe ich nicht aus einer wissenschaftlichen Studie, nur aus unzuverlässigen Quellen wie ‘Une année en Provence‘ oder eigenem Erleben als alleiniger Chef, Redakteur und Gourmettester für die Website ‘Gargantuas Homepage’, seit 1997 im Projektstadium; in dieser Funktion habe ich mich vor allem auf die französischen Lastwagenfahrer- und Land- sowie Kleinstadtbeizen kapriziert. War ganz fein, und ich vermisse den Meerfrüchte- und Meerschneckensalat im ‘7 sur Sète‘ ganz extrem, dort, wo sie dir ungefragt einen Liter Rotwein auf den Tisch stellen, das Menu €12.50 kostet, vin café compris, das Dessert wahlweise aus etwas Süssem oder einer freien Auswahl von der Käseplatte besteht (unbedingt den Käse nehmen und noch einen Nachschlag Wein dazu!!!). Unbedingt mal hinfahren, liegt zwar an einer lebensgefährlichen Raserstrecke, aber wer es lebend schafft, wird mit einem gratis Schlafplatz belohnt – hinterm Haus hat es einen grossen gekiesten Parkplatz, wo man sehr gut im Auto übernachten kann. Tja, das ist das einzige, das ich am Autofahren vermisse… Die Lastwagenfahrerbeizen in Frankreich… Und die anschliessende Siesta.

Relais de Donzère - die beste Beiz Frankreichs, mit dem schlechtesten Werbefoto

Relais de Donzère - die beste Beiz Frankreichs, mit dem schlechtesten Werbefoto

Wenn ich grad dabei bin: Unbedingt das ‘Relais de Donzère‘ besuchen, an der berühmt-berüchtigten Route Nationale 7, unter anderem von den belgischen New Waver Honeymoon Killers und in der Folge von den adjektivimmunen Stereo Total besungen. Allein die Salatbar lohnt den Umweg – alles was Kalorien nicht scheut ist dort vertreten, Kartoffel- Linsen- Ochsenmaul- Thon- Sardinen- Taboulé- Mayonnaise- und so weiter-Salat zur freien Auswahl in beliebiger Menge, Wein kommt ungefragt inbegriffen auf den Tisch, Dessert süss oder Käseplatte à discretion, wie es sich gehört, das für 12 € inklusive Kaffee. Schlafen kann man ebenfalls auf dem riesigen Parkplatz zwischen den 40-Tönnern oder, weinbeschwingt, auf der windigen, übersichtlichen, fast geraden Strecke weiter gen Süden hinunter blochen – bald schon kommt dann der Midi, wo die Coopératives vinicole an den Dorfeinfahrten mit Wein ab Schlauch für 3 €/Liter locken… Nichts wie hin! Leere Kanister hat man am besten immer dabei!!

Tja, und so voll gefressen und der Siesta willige Beute ist es kein Wunder, lässt der Franzose die Französin in Ruhe den schönen Sarkozys huldigen, denen nur ein paar ewige Meckerer wie rue89.com immer wieder am Zeug flicken, so etwa mit einer kritischen Recherche über die dubiose Universitätskarriere des Jungen, die die wenigen Lorbeeren brutal in der Luft zerfetzt und so den Eindruck erweckt, wir würden dann bald einen 23-jährigen Minimalisten und Schwätzer an einen ganz wichtigen Posten der französischen Wirtschaft geschoben sehen.  Den Papa vorher listigerweise frei machte, indem er den jetzigen Amtsinhaber unvermittelt einer Altersguillotine unterstellt hat, heisst es. Wohlgemerkt: Es geht um Europas grösste Bürostadt, um den Vorsitz in deren Entwicklungs- und Planungsbehörde!!!

Wie gesagt, Blogger’s Paradise. Deshalb gibt es in Frankreich auch mehrere Blogs, die sich ausschliesslich dem Tag-für-Tag Sarkozys widmen. In meiner Blogroll könnt ihr schon lange Les coulisses de Sarkofrance finden, unter Neu nun auch Sarkofrance, den Unterschied zwischen beiden lest ihr hier. Eine wahre Fundgrube ist auch die Website der Zeitschrift Bakchich und vor allem deren TV-Kanal bakchich.tv. Weniger frech, aber ausgiebig ist auch die französische Ausgabe des Videokanals Daily Motion.

Ich hab’s ja gesagt – nimm dir Zeit, ein Stündlein oder zwei. Ich lasse euch jetzt wahrscheinlich auch ein paar Tage in Ruhe, damit ihr den Links folgen und euch so richtig rhizomatisch vertöhrlen könnt – au revoir, à bientôt. Und wenn ihr mal nach Sète hinunter fahrt und noch einen gut gesicherten Platz frei habt – meldet euch bei:

le frère Bernard

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Tags:, , , , — Bruder Bernhard @ 19:01

10. August 2009

Süsse Gurken

Bleierne Zeit in der Mediensphäre. Doch nicht davon soll die Rede sein, schliesslich will ich hier keinen Blog der Gemeinplätze und Selbstverständlichkeiten führen. Davon gibt es ja schon zu viele, mit Verlaub. Fast nur noch solche, bin ich versucht zu provozieren. Denn noch nie war ich so hungrig nach Blogaction, noch nie blieb ich so auf meinem Appetit sitzen. Blätter’ ein wenig zurück, und du siehst, warum.

Gut, ich hätte ja auch Zeitung lesen, das Spitalkiosk leer kaufen können. Den Versuch habe ich aufgegeben, nachdem man mir auf meine Bestellung von Le Monde allen Ernstes Le Matin geliefert hat – ist ja auch quasi eine Zeitung vom anderen Stern. Statt dessen habe ich zu jeder wachen Zeit die Online-Ausgaben gecheckt. Herrje, ist das nervig. Immer diese Klickerei, bis man weiss, ob sich hinter einem Teaser mehr verbirgt als 30 belanglose Zeilen. Oder, schlimmer noch, ein aus drei Agenturmeldungen zusammengebastelter Artikel, was sich in dubelisicheren Wiederholungen zeigt. Organisierte Pixelverschwendung, das. Zu den geslugten Blogs auf der anderen Seite kein weiteres Wort – hoffentlich bessert sich das noch.

Zum Glück hatte ich meine Blogroll.

 

Ugugu hat ja wacker die Stellung gehalten und vor allem mit diesem Link ein grosses Tor aufgetan – Stoff für einen Tag, liest man zuerst die verlinkten Artikel und danach noch das ganze Unterholz. Merci.

Frau Rossi riecht am Glück

Frau Rossi riecht am Glück

Dann bin ich noch via Bruno Bötschi irgendwie bei Frau Rossi gelandet. Ob es die Drogen waren, dass ich bei ihr lange hängen geblieben bin? Auf jeden Fall habe ich noch selten so weit in einem Blogarchiv zurück geblättert. Würde ich mal machen, wäre es nicht schon gemacht. Bötschi, übrigens, findest du in meiner Blogroll. Aber die studierst du ja sicher auch ohne meinen Hinweis. Hoffe ich wenigstens!!!!

Sarah

Sarah

Und nochmals dann: Sarah Hähnle hat den schönsten Blog seit langem. Stundenlang könnte ich den bewundern. Ob es wohl daran liegt, dass es sich hier um eine echte Bielerin handelt, die zuerst mal den Zürchern gezeigt hat, was eine Harke ist, und nun seit mehreren Jahren in Barcelona erfolgreich als Grafikerin (oder wie diese Berufe heute heissen mögen) Bildschirme und anderes gestaltet? Hach, was bin ich doch stolz!!!!

PS: Hier noch mein liebstes Gurkensalatrezept: Gurken schneiden wie gewohnt. Aus etwas Essig, Wasser (statt Öl), Salz, Honig (oder Zucker…) und vor allem Knoblauch die Sauce direkt auf den Gurken mischen. Gurken sind nur echt aus dem Garten oder vom freien Feld – möglicherweise schwer zu kriegen! Aber es lohnt sich zu suchen. (Manchmal habe ich das Gefühl, solche Selbstverständlichkeiten muss man heute erwähnen, im Zeitalter von Hors-Sol und Treibhaus überall und ständig. Gopf!!! Und dazu ja kein vormariniertes Fleisch vom Supermarkt. Tami!!!)

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 10:29

13. Juni 2009

Und die Journalisten schweigen

1999: Lothar. Er hinterlässt Schäden, die noch heute nicht allesamt behoben sind. 2009: Martin. Dieser Sturm ist noch nicht vorüber, er hat erst begonnen. Und er wird gigantische Schäden im Schweizer Blätterwald hinterlassen. Soviel ist sicher.

[Bitte die prall billige Parallele zu entschuldigen. Auch ich bin doch nur ein Mensch, auch ich profiliere mich gern mit wohlgesetzten Worten. Und auch bei mir kann es mal entgleisen.]

So, zurück bzw. vorwärts zum eigentlichen Thema. Die Entlassungen, der Kahlschlag im schweizer Journalismus – offenbar eine pure Chimäre, oder? Denn wer nur Zeitung liest, muss zu dieser Einschätzung kommen. Hätte ich doch nur die Zeit, quantitative Studien durchzuführen, auf gut deutsch: Einfach mal die Anzahl Artikel und Zeilen zu einem Thema auszuzählen. Und diese vielleicht noch einzuordnen: Wie berichtet die unabhängige Presse (WoZ), wie ihr gewinnmaximierender Gegenpart (Tamedia etc.). Aber vielleicht kommt man bei diesem Thema auch ohne Studie zu einem klaren Resultat, glaubts nicht auch?

Hätten wir nicht die Blogs, würden diese Entlassungen fast kallheimlich (sorry….) stattfinden. Und jetzt gehen wir mal nur ein halbes Jahr zurück. Ja, eigentlich reicht ein paar Wochen. Verlinken mag ich nichts, wer nicht dabei war, muss mir einfach glauben. Oder hier zurück blättern, und in der Blogroll lesen.

Die Klage über den anonymen Mob im Internet war gross – zwar immer aus den selben Kehlen, immer aus durchsichtigen Motiven, nämlich die Kritiker mundtot zu machen, aber ihr war schwer beizukommen. Es gab nämlich kaum empirische Daten, um Position oder Gegenposition ein für alle mal zu untermauern.

Jetzt aber, Gongschlag: Jetzt haben wir die Daten endlich. Ich hätte mir allerdings nicht gewünscht, dass sie anfallen. Selten war ein Sieg in einer Debatte trauriger. Denn er geht einher mit dem Verschwinden der schweizer Presse. Sei es.

Welches sind nun diese Daten? Schauen wir uns mal um, wie die Journalisten über die Katastrophe schreiben, die nun über sie hereinbricht. I sogs wie’s is: Praktisch gar nicht!!! Wer überhaupt darüber kritisch berichtet, tut es unter der Kappe des Pseudonyms. Nun ist es ja nicht so, dass pseudonym gleich anonym ist. Ein Pseudonym ist trotzdem eine Identität. Aber diese Debatte will ich jetzt nicht wieder aufwärmen, eigentlich. Ist mir rausgerutscht. Ich stelle einfach fest: Die grossen Verfechter des ‘Im Internet darf jeder sagen, was er denkt, schliesslich haben wir Meinungsfreiheit’ – wo sind sie jetzt? Sie schweigen still in ihr Bier, mucksmäuschenstill hoffen sie wahrscheinlich, dass dieser Kelch an ihnen vorüber geht, der anderen bereits die Erinnerung an eine jahrzehntelange Arbeit im Journalismus vergiftet.

Die einzigen, die jetzt noch die Vorgänge öffentlich machen, sind die Medienblogs wie journalistenschredder, hose/dose, medienspiegel, medienlese, klartext. Und die Abonnenten oder Leser wie zappadong oder bugsierer.

Die Herren Journalisten, die bisher so auf die Meinungsfreiheit gesetzt haben, sie scheinen komischerweise gar keine Meinung zum Thema zu haben. Nicht einmal im doch so flüchtigen Medium Twitter wagen sie sich aus der Deckung. Nichts als Nichtigkeiten dort, weiterhin. Meinungsfreiheit als die Freiheit, keine Meinung zu haben….

Uppercut: Es möge ihnen eine Lehre sein.

Und K.O.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:32

2. Juni 2009

Dem Magazin eine Liste!

Das Wehklagen nimmt kein Ende: die zärtlich “Tagi” genannte Zürcher Zeitung verabschiedet sich aus der Zivilisation, so wie wir sie sehen. Und das zärtlich “Magi” genannte Magazin versinkt in der Beliebigkeit und im Geröll des Kurzfutters, gerne auch der Listen.

Besonders Ugugu und Frau Zappadong befinden sich seit Tagen, ja seit Wochen im Waldorf-und-Statler-Modus. Schön. Ich bin ein Waldorf-und-Statler-Fan! Bitte gebt uns endlich die gesammelten Werke der Muppet Show auf 50 DVD. Den Kaufpreis von geschätzten 780 Franken würde ich mir nötigenfalls auch als Fremdenführer verdienen. ‘Kultstätten der Nostalgie’ würde die Tour heissen.

Was ich den Fremden zeigen würde? Bitte mir zu folgen:

Hier stand bis vor kurzem das Warenhaus EPA mit seinen unübertroffen firmentreuen Verkäuferinnen. Gegenüber haben wir das Ex-ABM, ein genau so herzzerreissender Kram- und Ramschladen wie die EPA, bloss etwas teurer und langweiliger. Aber die Praliné waren besser. Ein paar Meter weiter, bitte, ja, hier an der Ecke, da konnte man vom Reissnagel bis zum Spaten alles finden, was in eine Eisenwarenhandlung passt. Und das ist nicht wenig, erst die Decke markiert das Limit. Was da nicht rein passt, packen der Besitzer, seine Frau und die Verkäuferinnen jeden Morgen auf das Trottoir (ist ein CH-Blog hier…): Die Laubrechen (nein, hat nichts mit Brechen zu tun), die Ofenrohre (die passen noch auf die fünf Stufen, die zum Eingang hinauf führen), das Kinderdreirad.

Gehen wir uns kurz ausruhen, die paar Stufen runter in die kleine Eckkneipe mit dem gemütlichen Kanonenofen, wo der Algerier immer noch 95 Rappen kostet – genau gleich wie der Barbera. Neben den Nüssli liegen noch die feinen Schoko-Cornets für nur 1.20, die in irgend einem Krachen nur für den Beizenbedarf hergestellt und in glänzendrotes oder -blaues Staniol einzeln von Hand eingerollt werden. Unschlagbar gut!

Doch wir, wir müssen weiter: Dort steht der Blick-Verkäufer in angeregter Unterhaltung mit dem Dienstmann, der bei der Familie des Bäckers die Koffer abholt, selbstverständlich mit Pferdegespann und Brügiwagen. Die müssen zum Bahnhof, denn die Bäckersfrau leistet sich mit den Kindern drei Wochen Ferien in Bad Ragaz. In dieser Zeit kommt die Schwägerin aus der armen Verwandtschaft im Welschland, um auszuhelfen. Doch der Dienstmann hat keine Eile, er zündet sich zunächst mal eine Toscanelli an und wendet sich dem Neuankömmling zu, Gaston, der den Express und La Suisse aus seiner grossen Ledertasche verkauft, die Schlagzeilen an den alten Kondukteurhut geheftet. Diesen steifen Hut hat Gaston auf einer seiner zahlreichen Reislein, die er Dritter Klasse durch die ganze Schweiz unternimmt, geschenkt bekommen. Vom Kondi, klar doch.

So – STOPPPP…. sonst komme ich noch mit dem Hufschmied im Dorfzentrum, gleich neben dem Schlachthof des Dorfmetzgers, mit dem Wulelädeli der Witwe Bolte, den verschüchterten Schulkindern, die täglich dem Abwart die Hand geben durften, der am Eingang zum Schulhaus respektheischend die Parade abnahm.

Drum sag ich’s noch ein mal: Vergesst doch diese Pfeifen dort in Zürich oben, die scheinbar noch nicht gehört haben, dass es siebenmal teurer ist, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu behalten. Aber das haben die sicher schon gehört. Was also ist die Absicht? Die Absicht ist genau diese: Die wollen euch nicht mehr. Begreift das doch endlich. Die bestehenden Kunden müssen weg. Die schaden dem Ruf des Produkts.

Anders lässt sich diese ganz gezielte Demontage jahrzehntealter erfolgreicher Marken beim allerbesten Willen nicht erklären.

Wie Analyst im Heise-Forum seinerzeit erfolgreich immer wiederholte: Denkt mal drüber nach ;-)

PS: vermisst wird Analyst – das war noch ein Spass. Killed by blogs.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:58

25. März 2009

Mein mieser Charakter II

Haben wir es nicht schon immer gesagt? Nun sind sie wohl endgültig abgestürzt, die überforderten Programmierer-wird-Webguru-und-seine-Frau-Community-Organizer-und-Chefredakteur.

Gegenüber Januar ein Viertel Leser verloren – das wars dann wohl. Ein kurzer Blick auf die Site zeigt: zum Gähnen, niemand wird euch vermissen. Da ist es bei Shawne Fielding ja noch spannender: Heute zwitschert  die Unverwüstliche über Handjobs und VERSPRICHT EINEN BLOG!!! Werde allein wegen ihr wohl noch Quicktime installieren, denn sie stellt ihre Filme in diesem Exotenformat ins Netz – Art Brut

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 07:55

16. Februar 2009

Newsnetz ist angekommen – ich bin dann mal weg

Dass das Newsnetz von Tagesanzeiger Inhalte im Internet zusammenklaut, das wird ja schon lange und wiederholt behauptet und auch belegt; etwa bei Journalistenschredder und bugsierer, welch letzterer (ha!) auch immer wieder die Qualitätsmisere dokumentiert.

Das ist das eine. Das andere: Es erstaunt ja niemanden, dass grad die interessanten Artikel aus der Druck- es nie in die Online-Ausgabe schaffen. Heute etwa bringt der Bund, der ja auch zu diesem vermaledeiten Brunznetz gehört, eine Doppelseite über den Inseratenrückgang und die Strategien der deutsch- und westschweizer Medienkonzerne. Habe ich online natürlich nicht finden können. Dies ist nicht erstaunlich. Erstaunlich, dass es überhaupt so erschienen ist. Denn was Richard Aschinger über das Zusammenwachsen von Druck und Online schreibt, das ist die GANZ GANZ SCHLECHTE NACHRICHT, wenigstens für mich. Es gäbe die Tendenz, dass online die Akzeptanz der Meldung gemessen werde und danach sich entscheide, welchem Thema anderntags in der Druckausgabe wieviel Platz zukomme!!! Wenn man das nun in Verbindung bringt mit dem heute schon recht langweiligen Newsklecks, wohin gehen wir da, oder, brutalstmöglich gefragt (weil ausstirbt, was so gefragt es noch versteht): Quo vadis??? Aber das ist nicht mehr die Frage; alea scheinbar iacta est ….

Und jetzt noch die Billag-Geschichte. Seit den siebziger Jahren versuchen vor allem rechte Politiker, die SRG zu privatisieren, die Zwangsgebühren abzuschaffen oder diese ganz anders zu verteilen. Die Jagdmeute hat sich dieses Wochenende zusätzlich vermehrt, denn der neue Preisüberwacher stösst sich an den Verwaltungsgebühren der Geldeintreiber Billag. Rund 20 Franken pro zahlenden Haushalt seien das, errechnet die BaZ. Ich will hier nicht minutiös langfädig argumentieren über die Alternativen zum bestehenden System, sie sind allesamt sehr zwielichtig:

Inkasso mit den Steuern (also: es werden alle zahlen müssen!!! Pro Kopf!!! Noch eine Aufgabe mehr für den Staat, suuuuuppppperrrr!!! Weil, der macht das ja gratis….). Ich habe übrigens kein TV – da freu’ ich mich auf die neue Zwangsabgabe ganz speziell!!!

Tiefere Gebühren Sehr sympathisch, aber eigentlich geht es hier um die Privatisierung der SRG!!!

Weniger Geld an die Romands und Tessiner Kill Me!!! Die Welschen sind noch die einzigen, die richtiges Radio machen, die einzige Alternative zu den Nichtsnutznetzen der bald ganz kaputten Printmedien.

So, und damit wäre ich wieder mal bei einem meiner Lieblingsthemen: Radio suisse romande, je t’adore!!! Welche Radiostation in der Schweiz schafft es z.B., während einer ganzen Woche die Entkolonialisierung der 50er Jahre zum Thema einer einstündigen täglichen Sendung zu machen, am Nachmittag, auf der ersten Senderkette, praktisch keine Musik bis auf ein paar sanfte Takte als Überleitung?

http://www.rsr.ch/podcast/la-1ere/histoire-vivante#histoire-vivante

(”Fichiers audio disponibles durant 2 semaines après diffusion.”)

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 14:51

10. Februar 2009

Ägyptischer Blogger in den Fängen der Staatssicherheit

Normalerweise bin ich zu eigenbrötlerisch, um mich an folgenlosen Solidaritätsaktionen zu beteiligen – aber das hier ist nicht normalerweise. Und hoffentlich auch nicht folgenlos! Wenn ein Blogger/Journalist/Filmer aus irgendwelchen dubiosen Gründen in einem Loch verschwindet und trotz Intervention von Amnesty International nicht einmal seine Familie über seinen Aufenthaltsort etwas erfährt – da darf man doch wenigstens noch hoffen, dass die bescheidenen Mittel, die wir hier haben, irgend etwas nützen.

Der Link weiter oben führt zum Blog des Nahost-Korrespondenten André Marty. Dort findet ihr die ganze Story.

Ich werde jedenfalls seine Idee aufnehmen und an die Botschaft schreiben.

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten

Elfenauweg 61,

3006 Bern

Fax: (031) 352 06 25

Tel: (031) 352 80 12/13/55

Pressestelle: (031) 941 24 26

Der Botschafter heisst: S.Exc. Herr Magdy Galal Shaarawy

UPDATE:

heute morgen melden André Marty, dass der ohne Angabe von Gründen verhaftete Philip Rizk frei gelassen worden ist. Uff….

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 06:47

22. Dezember 2008

Mein mieser Charakter

Ja, ich habe einen miesen Charakter. Ich weiss es, seit ich mit Facts 2.0 zusammengestossen bin. Seither bemerke ich an mir Züge, die ich nach einem langen Leben in Minne mit Gott und den Menschen als eine Erweiterung meines Charakters begreife. So mies also ist mein Charakter, dass ich mich dessen nicht mal mehr schäme…

Nehmen wir mal: Die Schadenfreude. Ehrlich, weniges erreicht diese Süsse. Müsst ihr unbedingt mal probieren. Kein Brennstoff wärmt so heiss und intensiv. Allerdings hat er einen riesigen Nachteil: Die Wärme lässt sich nicht richtig speichern, es ist also für immer neues Material zu sorgen. Der Vorteil jedoch: Meistens sorgt das Ziel der Schadenfreude mit unnachahmlicher Penetranz grad selber für den Nachschub.

Ob ich mich freuen soll, dass Facts 2.0 nun der Einstellung wieder einen Schritt näher gerückt ist, weiss ich nicht. Ich freue mich aber ganz bestimmt über die Blamage für den Cheflöscher Christoph Lüscher, welcher noch vor kurzem für sich in Anspruch genommen hatte, die Weltwoche geschlagen zu haben. Was haben wir damals gelacht - und gewusst, sie kommt schon noch, die Stunde der Wahrheit.

Und hier ist sie nun: Die TAMEDIA hat von Facts genug gesehen und verschenkt die Marke an die Communityzerstörer von IA. Da muss der Geduldsfaden wohl wirklich gerissen sein. Kein Wunder, angesichts der abstürzenden Nutzerzahlen. Jetzt ist Montag morgen, 11:28, um diese Zeit hatte ich auf www.facts.ch/now_online auch schon über 100 Benutzer gleichzeitig gelistet gesehen. Jetzt sind es noch grad mal 5, davon gehören deren zwei zu den ‘neuen’ Eigentümern IA (bisher von tamedia entlöhnte Entwickler, Betreiber, Redaktion). Die übrigen drei User scheinen die Gunst der Stunde erkannt zu haben: Nie war Werbung günstiger zu haben als hier, mit Bild, Webadresse, Beruf (etwas mit Webdesign oder Computer, meist) im gut sichtbaren Benutzerprofil.

Nur blöd, dass wohl kaum jemand diese Werbung sehen wird. Nicht nur, dass die Benutzerzahlen um ein Viertel eingebrochen sind. Die verbliebenen Benutzer halten sich auch nicht lange bei Facts auf: Nicht einmal drei Minuten sind es im Schnitt, und sie kommen auch selten vorbei: ein- bis zweimal pro Monat! Von einer Begegnungsplattform, wie sie von den Machern immer wieder beschworen wird, würde man andere Zahlen, eine stärkere Bindung der Leser, ein grösseres Interesse an den Millionen verlinkter Artikel erwarten. Sogar die Website der Annabelle verbucht da bessere Zahlen. Weitaus bessere! Und ist doch nur Begleitmedium zur gedruckten Ausgabe…. Wie ja auch im Fall der WeWo, die Facts unterdessen wieder überholt hat.

Ein Musterbeispiel, wie Arroganz und Unfähigkeit ein Projekt trotz Starthilfe eines potenten Medienkonzerns in den Abgrund reiten können.



Die Links zu den Zahlen, wenn’s jemand genau haben will:http://netreport.net-metrix.ch/suche_alpha.html Sehr interessant, übrigens….November:
Facts: 77′000 Computer geraten einmal auf die Seite, davon kommt im Verlauf des Monats jeder Zweite noch genau einmal vorbei. Sie klicken dabei zweimal, bleiben nicht ganz drei Minuten, danach sind sie weg.
Weltwoche: 101′000 PC kommen fast zweimal im Moment, klicken während gut 5 Minuten vier mal
Annabelle: 25′000 PC, zwei von drei kommen nochmals, bleiben jeweils viereinhalb Minuten. Fast alle kommen aus der Schweiz, nota bene

Blogwerk (direkter Konkurrent von Facts, aber nicht durch einen Konzern unterstützt): 376′000 PC kommen fast zweimal, klicken zweimal während dreieinhalb Minuten.

Was nie vergessen werden darf: Diese Zahlen werden für die Werbung erhoben, und wer die Seinen hochpushen will, kann dies durch entsprechendes Design erreichen. Also sagen sie wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aus, sondern sie erlauben einfach einen Vergleich



Diese Blogs berichten ebenfalls:Journalistenschredder

BeizZweiNull – dort vor allem Facts-Kenner von Relax lesen!

KoopTech

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Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 13:00

20. November 2008

Alles Höseler oder was?

Herr Reichenstein: Dreck schmeissen und dann wegrennen.
Slug.ch: williger Löscher, betretener Schweiger.

Letzte Woche hatte Herr Reichenstein mich in einem unerklärlichen Anfall mit vollen Namen und Geschäftsadresse im Web geoutet. Dies ist im Netz eine der allergröbsten Waffen. Pikanterweise kam dieses Outing kurz nach den neusten Empfehlungen des Datenschutzbeauftragten, sich im Internet möglichst mit Pseudonymen zu bewegen. Aber wir haben ja bereits begriffen, dass Reichenstein ein eher amerikanisches Verhältnis zum Persönlichkeitsschutz hat. Wir werden darauf sicher gelegentlich zurückkommen müssen, da der Herr für das Design von hiesigen Plattformen wie Facts und Newsnetz verantwortlich zeichnet!

Herr Reichenstein beschuldigte mich in seinem Outing, ihn “seit Wochen namentlich aufs Uebelste” beschimpft zu haben. Diese Beschimpfungen kannst Du im vorhergehenden Beitrag nachlesen. Und Dich wundern.

Ich habe Herrn Reichenstein per Mail ganz unpolemisch gebeten, mir diese Beschimpfungen zu belegen. Das Mail blieb ohne Antwort. Die Antwort kam indirekt: Man will sich feige drücken. Mein letzter Beitrag verschwand auf mysteriöse Weise aus der Liste von Blog-Aggregierer slug.ch – einem Produkt aus der Zürcher Medienszene, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Eine höfliche Anfrage an den Slug-Macher nach dem Verbleib des Beitrags blieb unbeantwortet. Wie es scheint, hat Slug meinen Blog gar völlig aus seiner Liste gestrichen! Derselbe Herr vom slug, der sich vor kurzem bei David Bauer über die zahnlosen Schweizer Blogs beklagt hat…. Höseler, die nicht wissen, was sie wollen.


Nachtrag vom 21.11.08: Heute hat sich Benjamin von slug.ch gemeldet (siehe Kommentare). Er begründet das Nicht-Listen des Beitrags mit Fehlern in meinem Code. Tatsächlich hatte ich Dubel einen Tag drin, den’s nicht gibt, und irgendwie war ein Sonderzeichen rein geraten. Kann alles sein, ich will das glauben.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 07:58
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