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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

2. Mai 2009

Nachhilfeunterricht für David Bauer

Mein Ärger über die zwitschernden statt bloggenden Blogger ist noch nicht geschwunden. Aber die Steilvorlage von David Bauer lässt mir keine andere Wahl: Ich muss dem Manne doch mal seine Weltsicht gerade rücken. Seine Weltsicht, die sich in seiner soeben veröffentlichten Bierregel ganz nüchtern eindimensional äussert.

Zuerst fasst der Georges kurz zusammen: Bauer ist der einzige Journalist in der Schweiz, der den Journalismus studiert hat – jedenfalls der einzige, der ein solches Gewese darum macht. Und er twittert denn auch ganz selbstbewusst über sich selber, er sei ‘neu’ und ‘innovativ’, ein Erneuerer also. Ein Erneuerer des Journalismus, so sieht er sich. Die letzten Erneuerer des Journalismus, wie hiessen sie doch gleich? Hunter S. Thompson? Tom Kummer? Also ein waffenvernarrter versoffener Macho und ein brachialer Erfinder mit Wortdiarrhoe. Erneuerer, keine Zweifel, wenn auch in Kummers Fall nicht Nachhaltige, zum Glück. Huch, Alice Schwarzer – fast vergessen! Oder? Hat sie nicht einfach den Stab von Karl Kraus übernommen?

Aber lassen wir die zur Hälfte toten Erneuerer beiseite und kommen wir zurück zum neusten Erneuerer David Bauer. Diesem musste ich ja bereits einmal nachweisen, wie sehr er beruflich geschlampt hat. Und jetzt muss ich es halt nochmals, denn seine Überheblichkeit geht mir nun langsam wirklich zu weit.

Also: Bauer hat das Gefühl, er werde zu Unrecht kritisiert. Weil Hose (oder ist es Dose?) schon vor der Publikation vorhersehen wollte, was in seinem Artikel zum Tod der Medienlese stehen wird. Hat Dose recht behalten? Macht euch selber ein Bild, bei der Sozei und bei hose feat. dose. Unbedingt die Kommentare beim letzten Link lesen, mein Güte, geht’s da ab!

Noch eine Anmerkung zur Medienlese: Die scheinen dort jetzt ziemlich die Pedale verloren zu haben. Nachdem Sie zuerst irgendwelche Trolle des langen und breiten gewähren liessen, löschen sie dort jetzt substantielle Kommentare von Matthias, Mara und Frau Müller, weil sie ihnen nicht behagen. Steht alles in diesem Dosenlink paar Zeilen weiter oben.

Jedenfalls ist Bauer überzeugt, sein Artikel entspreche seiner Stellung auf dem selbstgebauten Podestchen (’neu, studiert, innovativ’). Nun, ich habe nicht studiert, habe nicht mal Abitur. Trotzdem kann ich sehen, dass in Bauers Artikel mehrere zentrale Fragen überhaupt nicht angeschnitten werden, Bauer diese also offensichtlich nicht gestellt hat.

Was ist bei Medienlese geschehen? Da haben wir doch einen erfolgreichen Blog, offenbar einen der meist gelesenen in der Schweiz, der über mehrere Jahre von einer Handvoll bloggender Medienprofis in harter Arbeit für weiche Währung aufgebaut wurde. Der Lohn bestand scheints aus etwas Spesen und vielen guten Worten. Und jetzt werden diese Mohren Knall auf Fall geschickt, der Blog geschlossen. Dies ist etwa dasselbe, wie wenn die Woz die Kulturberichterstattung einstellen würde und die Kulturredaktion deshalb entliesse. Vielleicht übertreibe ich jetzt, aber so ähnlich muss man es sehen, wenn man die Verhältnisse im Blogwesen berücksichtigt.

All dies liest man bei Bauer schon mal nicht, nicht ansatzweise. Nicht mal erwähnt wird diese in der Blogsphäre populäre Sichtweise. Das ist ein eindeutiger Fehler: Es wird nur die Sichtweise des Arbeitgebers rapportiert. Die Entlassungen werden als notwendig hingestellt, obwohl Medienlese ja ein gut gelesener Blog ist. Warum hat dieser gut gelesene Blog keine Werbung? Eine falsche Strategie? Keine Frage von Bauer dazu, deshalb muss Blogwerk-Besitzer Hogenkamp sich auch nicht erklären. Und warum hat sich die Blogwerk AG die Medienlese in den vergangenen Jahren geleistet, und jetzt, wo sie lanciert ist, kann sie das plötzlich nicht mehr? Hat also die Beratung, die auf den ersten Blick sowieso Kerngeschäft von Blogwerk ist, dermassen abgenommen – nur wenige Monate nach Ausbruch der Grossen Krise? Oder hat man das Schaufenster schlicht nicht mehr nötig? Wie gross ist überhaupt der Anteil der Beratung? Hätte es keine andere Lösung gegeben statt schliessen oder verkaufen? Keine Ahnung. Bauer will all das nicht wissen.

Mit wem hat Bauer alles geredet? Mit Hogenkamp. Fertig. Nicht mit den Autoren, auch nicht mit anderen Akteuren aus der Blogwirtschaft. Noch kurz etwas amerikanisches aus dem Archiv, und fertig ist der Artikel. Viel länger als ich hier kann er dafür nicht gebraucht haben. Und das ist mein Stichwort: Muss aufhören, das Abwaschwasser kocht jetzt.

(via Hose (oder ist es Dose?) und Frau Müller)

Mehr zu Bauer beruflichem Ethos hier und auch hier …. etc., langsam wird das ein Thema für eine Seminararbeit an der Journalistenuniversitätsschule. Während wir Laien uns überlegen, worin genau jetzt Bauers Erneuerung besteht.

Update 4.5.09 04:22

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 17:34

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