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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

14. Oktober 2009

Ein Gimpel pro Minute

Colonel Tom Parker: Wahrlich kein angenehmer Mensch. Aber man konnte viel von ihm lernen. Und seine Maximen sind immer noch gültig. Seine wichtigste und berühmteste: There’s a sucker born every minute.

Also: Jede Minute wird ein Gimpel geboren.

Der Gimpel, scheints eine Finkenart, soll leicht auf die Leimrute zu locken sein.

Colonel Parker, übrigens, war der Manager seines Boy Elvis Presley, und er sorgte Zeit ihrer gemeinsamen Karriere dafür, dass sein Schützling nicht zu billig verkauft wurde. Aber das ist nicht unser Thema jetzt. Das Thema ist: Ich habe noch eine Schuld hier – ihr entsinnt euch, vor drei Wochen habe ich Freches über Webseiten von Politikern geschrieben unter dem Titel “Wie Politiker von Webagenturen über den Tisch gezogen werden“. Und ich habe die Frage in die Runde geworfen, was wohl darauf hinweise, dass ‘Bundesrat’ Urs Schwaller nicht unbedingt mein Vertrauen hätte, geht es darum, meine Steuerfranken vernünftig einzusetzen. Die Antwort kommt also jetzt.

Ich habe zur Demonstration heute abend die Webseite von Herrn Schwaller auf dem PC meiner Nachbarin geladen. Dort sieht man es am Besten. Also, mir nach:

19:35 Uhr, noch ohne Bild

19:35 Uhr, noch ohne Bild

Beim Aufruf der Webseite sieht man noch nicht viel, aber der Programmierer hat den Platz für das Bild schon vorbereitet – gut. Es ist 19:35 (die letzten 10 Sekunden davon).

Was kommt als nächstes?

Der Header erscheint

Der Header erscheint

Ah, es kommt Farbe ins Bild – die Hochhäuser und Blüemli des Seitenkopfes erscheinen. Es ist immer noch 19:35. Bitte den grünen Balken links unten beachten. Dieser zeigt an, dass noch Elemente der Seite geladen werden. Nun kann es nicht mehr lange dauern.

Ein schwarzer Streifen

Ein schwarzer Streifen

Aha! Ein schwarzer Streifen. Auf dem nächsten Bild wird es 19:36 sein, im Fall.

nach ungefähr 10 Sekunden

nach ungefähr 10 Sekunden

Es ist unterdessen 19:36, wir sehen einen silbernen Scheitel – sehr schön, beneidenswert, ich kenne Leute, die zahlen für diese Farbe beim Coiffeur 200 Franken, ausdrücklich ohne Erfolgsgarantie. Es ist nämlich nicht leicht, schwarz oder braun nach grau umzufärben. Das nur am Rande, um zu zeigen, wie die Gedanken abzuschweifen beginnen beim Warten. Vielleicht versucht ihr’s mal selbst: Ladet eine Webseite und messt 10 Sekunden ab. Jede Wette, die Seite ist in dieser Zeit zweimal geladen. Mindestens!!!

Ihr wisst sicher, wie’s jetzt weiter geht, was ihr nicht wisst, ist: Wie lange dauert das noch?

Die Stirn erscheint, teilweise

Die Stirn erscheint, teilweise

Augenbrauen schon?

Augenbrauen schon?

Nein, wir sind noch nicht bei den Augenbrauen!!!

jetzt! Die Augenbrauen!!! Oder?

jetzt! Die Augenbrauen!!! Oder?

Ja, genau, da sind sie. Erinnert an Marilyn Monroe, die hatte auch so dunkle. Aber die Gedanken schweifen schon wieder ab…

Das ist ja Schwaller!

Das ist ja Schwaller!

Ja, genau, das ist er!!!

Undsoweiter

Undsoweiter

bis in alle Ewigkeit – nein, kann nicht mehr ewig dauern, es ist übrigens immer noch 19:36, das geht doch noch, oder? Ich überspring jetzt mal ein paar Bilder, bis hierher:

19:37

19:37

Eine Minute später, es ist noch nicht das ganze Bild geladen!!!

Ich verzichte darauf, den Rest einzublenden, ihr könnt das Endresultat ja selber bei Herrn Schwaller nachschauen. Ehrlich gesagt, verpasst ihr allerdings nichts: Das Bild haben wir ja jetzt gesehen. Wer allerdings Lust hat, darüber informiert zu werden, dass Herr Schwaller am 7. September an der Herbstsession im Bundeshaus persönlich anzutreffen ist, oder wer seine Reden nachlesen will (Offiziersgesellschaft, GV cemsuisse, 100 Jahre CVP Stadt Zürich), kurz, wer Lust auf ein eingeschlafenes Gesicht hat, der ist dort in seinem Element.

Kurz und schmerzlos jetzt: Herr Schwaller hat sich eine Webseite verkaufen lassen, die gegen den allerersten Grundsatz aus der Häfelischule der Webdesigner verstösst: Halte es schlank!!! Die Startseite enthält ein Porträt von einem halben Megabyte, in den Dimensionen 1500 X 1001 px, die zuerst mal geladen werden müssen, danach wirft der Browser zwei Drittel davon weg, denn das Bild wird auf die Grösse 548 X 364 herunter skaliert – mir gehen die Ausrufezeichen hier aus….

Warum das bei der Nachbarin so lange dauerte? Nun, zuerst mal ist mir schon bei mir aufgefallen, übers WLan des Nachbarn, wo ich manchmal mit 1MBit/Sec unterwegs bin (wie übrigens jetzt auch), dass die Seite langsamer lädt als normal wäre. Und die Nachbarin arbeitet noch mit einem Analogmodem, dort kann man den Effekt so schön vorführen.

Warum ich das hier so breit trete? Ich habe es schon im vorherigen Posting zum Thema gesagt:

Wenn ein Politiker nicht mal in der Lage ist, sich das Knowhow für einen gelungenen und fehlerfreien Webauftritt zu posten, wie kann man ihm dann in anderen Themen trauen, wo er ja nicht mal sein eigenes Geld ausgibt, nicht für sein eigenes Image arbeitet, sondern mit dem Geld von uns Steuerzahlern einkauft?

Wenn wir nun den Gimpel als Messgrösse für die Ladezeit einer Webseite einführen, wurden während der Warterei auf Schwallers Seite eineinhalb weitere Gimpel geboren…

Schwaller ist immerhin zu Gute zu halten, dass seine Webseite online ist, obwohl sie über einen Server ausgeliefert wird, was ja total abstrakt ist. Zu abstrakt für meine andere Freundin aus dem erwähnten ersten Beitrag, Ségolène Royal. Grad jetzt, wo sich Sarkozy wieder mal eine schöne Blösse gibt, weil er seinen 23jährigen Sohn zum Chef eines grossen Industriebezirkes machen will, wo eine Petition im Internet fordert, Jean Sarkozy solle doch bitte zuerst sein Jus-Studium abschliessen (2. Jahr), grad jetzt kommt bei désirs d’avenir seit Stunden schon diese Meldung:

Database Error: Unable to connect to the database:Could not connect to MySQL

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 00:04

1 Kommentar

  1. Pingback von Häufig «unerreichbare» Parlamentarier im Internet — 18. Oktober 2009 @ 08:03

    [...] kürzlich in diesem Beitrag zum Web-Auftritt von Ständerat und Fast-Bundesrat Urs Schwaller. Gemeint hatte er vor allem das Bild auf der Homepage, welches 1500 x 1001 Pixel gross ist, jedoch nur in der Dimension von 548 x 364 [...]

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