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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

29. September 2009

Petition für Kindlivögler

So nennt man sie halt im Knast, man entschuldige die harsche Ausdrucksweise. Und sie stehen wohl nicht ganz umsonst in der Knasthierarchie auf der untersten Stufe.

Es geht also ein Aufschrei durch die europäische Filmszene, so höre ich in den Nachrichten, eine Petition grosser und geringerer Namen wird lanciert: Sofortige Freilassung von Roman Polanski wird verlangt. Diese bedingten Reflexe von Kulturschaffenden erschrecken mich schon ein wenig, denn ich denke, zum Bild eines Künstlers gehört vorzugsweise die Fähigkeit zur Analyse. Es gibt Ausnahmen, wie Stockhausen, aber diese bleiben Ausnahmen.

Nun zeichnen sich die Argumente für Polanski nicht gerade durch analytischen Reichtum an. Zuerst einmal: Für wen setzen sich diese Petitionenten ein? Für einen Mann, der mit 43 Jahren seine Stellung missbraucht hat, um ein 13jähriges Kind unter Einfluss von Alkohol und Drogen zu einvernehmlichem Sex zu verleiten. Und diese Schilderung ist nur die harmlose Variante – es wird auch von Vergewaltigung geredet. Da bin ich zu wenig Jurist, diesen Punkt zu beurteilen – aber soviel scheint klar, bei diesem Machtgefälle kann keineswegs von ‘einvernehmlichem Sex’ geredet werden, dafür gibt es eher den Begriff des sexuellen Missbrauchs Abhängiger. Denn er tat dies mit einem Mädchen, das er für eine grosse Zeitschrift fotografierte, er war ein weltberühmter Regisseur, er hätte ihr eine Tür in eine Zukunft als bewunderte Schauspielerin öffnen können – genau das hat er schamlos ausgenutzt! Wenn ich mir dieses Setup vorstelle, wird mir übel.

Polanski ist zudem nicht einfach mal ausgerutscht, was zwar für den geschilderten Fall total unwichtig ist, aber die ganze Sache endgültig unappetitlich macht. Polanski hat einen Hang zu jungen Frauen, zu Mädchen, das ist allgemein bekannt, er gibt dies zu, Polanski ist krank und hat möglicherweise noch viel mehr Leid verursacht als dieses eine Mädchen gebrochen.

Für einen solchen Mann wird unterschrieben, weil er halt Polanski ist, der geniale Regisseur. Welch ein Wahnsinn!!! Wäre er ein rumänischer Autohändler, würde sich kein Mensch aufregen über die Verhaftung nach 30 Jahren, auch wenn dieser Autohändler von mir aus regelmässig in seinem Chalet in Gstaad aufgetaucht wäre. Oder stimmt das etwa nicht?

Und was wirft man jetzt ‘der Schweiz’ eigentlich vor? Sie hätte Polanski via die französischen Behörden warnen sollen, meinte zum Beispiel die frühere Präsidentin von Pro Helvetia Yvette Jaggi heute am Radio. Hätte man einen rumänischen Autohändler auch warnen sollen? Es sei ein Kniefall vor den USA, um den Fall UBS auszubügeln, meint meine neue Zielscheibe Daniel Vischer. Und sowas sagt ein Anwalt, der genau weiss, dass der juristische Spielraum genau Null war, nachdem ein Rechtshilfebegehren aus den USA da war und die Deppen vom Zürcher Filmfestival in die ganze Welt hinausposaunt hatten, wann Polanski in Zürich anzutreffen sei. Ich war bis heute noch nicht von der Krankheit des Politikerüberdrusses befallen – Typen wie Vischer könnten das ändern…

Dann hören wir, es werde aus den USA quasi eine Hexenjagd auf Polanski betrieben, er könne mit keinem fairen Prozess rechnen, er sei bereits im ersten Prozess vom Richter vorverurteilt gewesen, es wird sogar die Asyltradition der Schweiz bemüht. Ich lese wieder durch, für welchen Typen man mit so grossen Kanonen auffährt, kotze kurz unter die Tastatur und sage dazu nur noch: Dafür gibt es eben den Rechtsstaat. Wenn das so ist, und Polanski mit Hilfe seiner französischen Männerfreunde Sarkozy, Kouchner, Mitterand Lang etc. die Justiz anruft, wird ihn wohl kein Schweizer Richter wirklich an die USA ausliefern können. Es ist also für die Petitionenten zu hoffen, dass die Verfolgung Polanskis wirklich das Mass sprengt. Die Verfolgung, die zum allgemeinen Unverständnis nun schon 30 Jahre dauere. Da soll man nicht Mitleid haben mit dem armen Genie, der gemäss der TV-Sendung Glanz & Gloria ja nur eine Jugendsünde (mit 43 Jahren…) begangen habe. Dass er durch seine jahrzehntelange Flucht selber für diese späte Sühne verantwortlich ist, scheint nicht ins Gewicht zu fallen. Und dass sein Opfer als unterdessen verheiratete Frau und Mutter nun mit Namen und Bild 30 Jahre nach der traumatischen Erfahrung im Internet herumgezerrt wird, daran scheint sein Verhalten keinen Anteil zu haben.

Kann sein, dass Polanski vom Grössenwahn befallen ist – schon nur, dass er jahrelang in die Schweiz reiste, dort sogar ein Chalet besitzen soll, dabei wird er international gesucht. Was bildet sich der Mann eigentlich ein? Das selbe wie seine Unterstützer: Das Gesetz gelte für einen genialen Künstler nicht.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 09:10

5 Kommentare

  1. Kommentar von Zappadong — 30. September 2009 @ 11:22

    Grössenwahn? Nun, vielleicht hat sich Polanski in jener falschen Sicherheit gewiegt, in die ihn die Schweizer Behörden gebettet haben. Wahrscheinlich hat sich der Mann gedacht, dass ihm als unbehelligtem Besitzer eines Hauses in der Schweiz und nach unbehelligtem x-maligem Aufenthalt in der Schweiz(der durchaus bekannt gewesen sein dürfte) schlicht und einfach in der Schweiz nichts passieren kann.

    Eine Fehleinschätzung, für die er jetzt bezahlt. Eine Fehleinschätzung, die bei mir tatsächlich einen grusigen Beigeschmack hinterlässt. Nicht, weil er jetzt verhaftet worden ist, sondern weil er erst jetzt und genau jetzt verhaftet worden ist.

    Die Ausreden, die nun zum Teil für ihn gefunden werden, sind in der Tat übel. Sie verniedlichen oder negieren den Tatbestand.

    PS: Ich komme gar nicht recht nach mit dem Lesen deiner Beiträge. Erst hältst du uns lange auf Sparflamme und jetzt diese ganze gebündelte Schaffenskraft …

  2. Kommentar von Bruder Bernhard — 30. September 2009 @ 13:35

    @zappadong: ja, die einschläfernde Wirkung der Operation scheint nun vorbei zu sein – und ich habe Zeit, weil ich noch nicht richtig arbeiten kann.

    Ich kann nirgends einen Hinweis finden, dass die Schweizer Behörden Polanski in Sicherheit gewiegt haben. Abgesehen davon: “Die Schweizer Behörden” existieren nicht. Wäre es so, lebten wir in einer Demokratur. Vergessen wir einfach nicht, eine Demokratie zeichnet sich durch die Gewaltenteilung aus. Die Polizei hat Polanski verhaftet, wie es ihrer gesetzlichen Aufgabe entspricht. Die Richter werden ihn frei sprechen, wenn alles so krass ist, wie es nun dargestellt wird. In le Matin habe ich übrigens gelesen, es sei von der Festivalleitung um Polizeischutz für Polanski nachgesucht worden, und bei der routinemässigen Überprüfung sei der Interpol-Haftbefehl auf dem Bildschirm erschienen. Hätte er in Gstaad Polizeischutz verlangt und wäre der Name überprüft worden, wäre er also schon 2005 (oder 2008, nach der Unverjährbarkeitsinitiative, welche schlussendlich für die Verhaftung ausschlaggebend war) an die Kasse gekommen.

    Es heisst dies also auch, dass er von der Grenzpolizei bei der Einreise nie überprüft worden ist. Der Mann hat lange Schwein gehabt.

    Dein Argument würde bedeuten, dass ihr im Grenzgebiet, die nach Einkäufen im benachbarten Ausland selten überprüft werdet (manchmal nie, wie ich aus ganz zuverlässiger Quelle weiss), dass ihr also mit dem selben Argument auf die Barrikaden gehen könntet, wenn ihr dann doch mal auffliegt mit 50 Liter Schnaps im Kofferraum.

  3. Pingback von Von Kultur schaffen und Kulturschaffende… — 30. September 2009 @ 14:27

    [...] wenig Verständnis dafür, dass nun ausgerechnet gewisse (aber nicht alle!) Kulturschaffenden sich für eine Freilassung Roman Polanskis einsetzen und damit die bisherige Kultur der Ignoranz und des Vergessens weiter zelebrieren [...]

  4. Kommentar von Zappadong — 1. Oktober 2009 @ 14:22

    Heute gelesen: Polanski zahlt Steuern (wegen des Hauses) in der Schweiz (Gstaad). Man WUSSTE also, dass er hier ist.

  5. Kommentar von Bruder Bernhard — 1. Oktober 2009 @ 14:36

    @Frau Zappadong: ja, aber im selben Artikel stund auch, warum bisher noch nicht verhaftet worden ist – weil halt selten bis nie im fahndungscomputer kontrolliert wird, die gemeindebehörden sowieso keinen zugriff haben, der nette herr polanski von den gstaadern so oder so wohl kaum kontrolliert würde (das hochstapler-syndrom, das kommt uns doch bekannt vor). Und jetzt hat halt blöderweise das filmfestival selber den herrn polanski bei der polizei angemeldet, und ein polizist hat pflichtbewusst mal nachgeschaut, und stolpert über die internationale fahndung.

    genau darum geht es mir ja: es gibt kein MAN bei den behörden, das ist kein erratischer block, wir sind kein totalitärer staat, deshalb ist die kontrolle halt lascher als jetzt plötzlich viele zu wünschen scheinen. Da jetzt eine Verschwörung hineinzugeheimnisen, das scheint mir jetzt wirklich die obskurste der möglichen varianten. vor allem, nachdem ja der ablauf nun von der zuständigen behörde plausibel dargelegt worden ist.

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