Wie Politiker von Webagenturen über den Tisch gezogen werden
Kann man einem Politiker einen amateurhaften Auftritt im Web nachsehen? Schauen wir zuerst mal ein paar Beispiele an.
Dank reto.m habe ich grad vorher mal die Webseite des Bundesratskandidaten der welschen CVP angeschaut. Abgesehen davon, dass Schwaller sich als problemloser Vertreter der Romandie verkaufen wollte, er aber nicht mal daran dachte, seine bloss deutschsprachige Webseite vorher wenigstens übersetzen zu lassen – abgesehen davon leistet sich Schwaller bzw. seine Webagentur schon auf der Startseite einen der schlimmsten Anfängerfehler überhaupt.
Ich überlasse es euch, die Seite zu laden und den Fehler zu finden. Seinem Webberater gehören sicher die Ohren lang gezogen – aber vielleicht hat Schwaller als ehrlicher Christ ja einen Verwandten beauftragt, um diesem den Einstieg ins Webdesign zu ermöglichen…
So wie wohl auch die französische Ex-Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal. Sie ist sogar soweit gegangen, die Seite ihrer Partei in der Partei, Desirs d’Avenir, durch ihren neuen Geliebten designen zu lassen. Sie soll sogar ein Budget von 40′000 Euro eingereicht haben, um das Meisterwerk noch mit einer Datenbank zu verbinden, um einen Fan-Shop aufzuziehen. Diese Rechnung an ihren Hauptsponsor hat in Frankreich ziemlich Wellen geschlagen, nachdem sie publik geworden ist.
Royal bestreitet unsaubere Machenschaften und argumentiert, die bisherige Webseite sei noch viel teurer gewesen. Wo hier die Wahrheit liegt, ist im Moment schwer zu sagen. Dies ist auch nicht so wahnsinnig wichtig – wichtig ist Royals neuer Webauftritt. Es gibt ihn unterdessen in drei Versionen: die erste vom 15. September, die auch noch durch Serverfehler 500 glänzte;

Desir d'avenir Version 1 - eine Sekte?
die zweite vom 17. September, die ein Frechdachs mit den Windows-Programmen Paint und Notepad in 30 Minuten kopiert hat, um das Budget zu ridikulisieren;

Désirs d'avenir Version 2 - Kindergarten?
eine dritte vom 22. September, immer noch unglaublich trashig designt und immer noch mit schlimmen Fehlern,

Désirs d'avenir Version 3 - ein Standarddesign von Joomla, heisst es
zum Beispiel mit einem Mitgliedschaftsknopf “Cliquez ici”,

coucou, cliquez ici
der nicht funktioniert!!! Incroyable!!!!
Wer den Schaden hat, braucht natürlich für den Spot nicht mehr zu bezahlen – nur blöd, dass die verbliebenen Hardcore-Fans von Royal der Meinung sind, man dürfe sich über diese abverheite dreimal kaputt geflickte Arbeit nicht amüsieren. So musste sich dieser Clip in Youtube vorhalten lassen, es sei ja eine Montage, es sei gar keine Berichterstattung über Désirs d’avenir, die den Lachkrampf bei der Moderatorin verursache… Incroyable!!!!
In Le Temps heute lese ich übrigens auch von einer schönen Gaffe von Sarkozys Herausforder Dominique de Villepin, der ein wichtiges Statement auf seine Webseite gestellt haben soll, bloss gehe die Aussage im Strassenlärm total unter. Leider konnte ich es nicht überprüfen – das Video blieb hier schwarz… Vielleicht geht’s ja bei euch?
Also: Kann man einem Politiker einen amateurhaften Auftritt im Web nachsehen?
Der Punkt hier ist der folgende: Wenn ein Politiker nicht mal in der Lage ist, sich das Knowhow für einen gelungenen und fehlerfreien Webauftritt zu posten, wie kann man ihm dann in anderen Themen trauen, wo er ja nicht mal sein eigenes Geld ausgibt, nicht für sein eigenes Image arbeitet, sondern mit dem Geld von uns Steuerzahlern einkauft? Ich habe in der Schule noch gelernt, eine Stellenbewerbung müsse fehlerfrei und ohne Tintenflecken oder Knickfalze total proper versandt werden – ich frage mich ernsthaft, ob diese Leute hier, die à la “va te faire foutre” sich präsentieren, solche Grundsätze eigentlich nicht kennen. Frechdachse sind das, ganz einfach.
So – unterdessen den Fehler bei Schwallers Startseite gefunden? Von neuen Kommentatoren werden nur richtige Antworten hier veröffentlicht, also scharf nachdenken!!!
Nachtrag drei Wochen später:
Die Auflösung gibts hier





Radio la Triperie:

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Kommentar von Ugugu — 25. September 2009 @ 08:32
Haha. Das Super-Esoterik-Design von Ségolène Royale. Das Villepinsche “Folget-Mir-Mir-Mir!!!”-Video mit maximalem Verkehrsgedöns. Unglaublich! Politik kann furchtbar lustig sein. (Unbdingt dranbleiben an diesem Thema.)
Kommentar von Titus — 26. September 2009 @ 16:55
Also ich kenn ja Freiburg ein bisserl, kann mich aber wahrlich nicht an solche Wolkenkratzer erinnern…
Zu Villepin: Hier mangelt es eher an der Kommunikationsberatung. Eine solchen Aufruf («ich brauche sie jetzt mehr denn je») für einen Politiker dieses Kalibers ist ja nicht gerade ermutigend…
Zur generellen Frage des Web-Auftritts von Politikern: Es braucht wohl noch einige Jahre, bis die etablierten PolitikerInnen die Bedeutung von Internet und seinen Auswirkungen erkennen. Für sie – so scheint mir – ist Internet wohl eine Spielerei und immer noch sowas «für Junge»…
Kommentar von Titus — 26. September 2009 @ 16:59
Noch was: Reto’s andere Website (nicht sein Blog) kommt besser rüber als jene von manchem bekannten Gesicht. Sie sollte einfach etwas aktueller sein… Siehe unter: http://server57.hostpoint.ch/~retomuel/retomueller.be/
Kommentar von Bruder Bernhard — 26. September 2009 @ 18:19
@Titus: Wolkenkratzer? bis ich die jetzt gefunden hab… Aber vielleicht ist dieses Foto ja in seinem Heimatdorf aufgenommen worden? Auf jeden Fall ist dies kein ‘Anfängerfehler’ – ich sag mal: warm….
danke zum gut versteckten Müller-link – konnte er sich keine eingängigere Webadresse besorgen? Aber gut gemacht, die Seite – und im Unterschied zu seinem Blog thematisiert er dort seine Freundin nicht ständig, was der Seite gut tut