Ein Mann sieht rot
Wer je Thomas Bernhard oder Wolfgang Neuss gelesen hat, wird des bugsierers blog mögen – ausser wenn er über Socken oder Schlüsselanhänger schreibt, natürlich. In letzter Zeit glänzte er etwa mit Kurzanalysen missglückter Internetauftritte, wie z.B. jener einer Kommunikationsprofessorin. Das ist beste Unterhaltung (was hier auf dem Land als eines der grössten Komplimente gilt!). Heute nun schreibt er einen offenen Brief an die Sonntagszeitung – ihr wisst schon warum? So oder so: Muss man lesen.
Der Kommentar von OR und bugsierers Antwort darauf ist ebenfalls sehr aufschlussreich. Hier alles nachzulesen
Was mich an der Geschichte absolut fasziniert: Sie interessiert wirklich viele Menschen. Aktive, aufgeweckte Menschen. Und die Medienhäuser scheinen mit diesem Interesse überhaupt nicht umgehen zu können. Manch eine Firma wäre froh, die Leute würden sich so um ihr Produkt kümmern, und sie würde versuchen, dies zu ihrem Vorteil zu nutzen. Aber nein: es wird eine echte Festungsmentalität gefördert und gepflegt ; dabei zeigen alle Beispiele aus der Vergangenheit, das aus einer Festung heraus nicht gut geschäftet werden kann…. Ich unterlasse es jetzt, hier die einst so stolze Musikindustrie zu erwähnen.
PS wie immer




Radio la Triperie:

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Kommentar von zappadong — 10. November 2008 @ 12:29
Ja, ich denke auch, dass diese Geschichte interessiert. Und dass sie zurecht interessiert. Auch ich teile das Staunen über die Unfähgkeit, damit umgehen zu können (oder zu wollen).
So ganz leise hege ich die Hoffnung, dass sich die letzten paar Wochen aber doch ein paar Dinge – wenn auch nur millimeterweise – bewegen. Siehe die Antworten auf meine Anfragen bei Newsnetz in Bezug auf die Werbekampagne, in welcher redaktioneller Text als Vehikel für eine Werbekampagne missbraucht wurde (nachzulesen im langen Kommentarwust hier: http://beizzweinull.wordpress.com/2008/11/08/verraten-und-verkauft )
Immerhin lässt der letzte Satz der Meldung aufhorchen.
Persönlich glaube ich, dass Medien sich (nicht zuletzt nach den letzten zwei bewegten Wochen) bewusster werden, dass sie in Bloggern kritische Beobachter gefunden haben. Und genau hier geht mir der Bugsierer zu weit. Anstatt sachlich (und von mir aus auch pointiert) seine Argumente vorzubringen, spielt er auf den Mann (O.R.) und nimmt sich so gleich selbst den Wind aus den Segeln. Er macht es damit A. Durisch sehr einfach, die offene Mail (den offenen Brief) als ein persönliches Racheschreiben abzutun und nicht darauf einzugehen.
Schade. Denn indirekt gibt Bugsierers (giftiger) offener Brief David Bauer recht.
Kommentar von bugsierer — 10. November 2008 @ 12:31
danke für das grösste aller komplimente. bloggertainment quasi. #nobizlikeshowbiz
Kommentar von bugsierer — 10. November 2008 @ 12:50
@ zappadong: zweifellos kann man sowas auch nüchterner formulieren. find ich persönlich aber bei kontahenten wie diesen nicht nötig. wer so austeilt, muss das einstecken können. ich liefere ja immerhin neben dem rüden ton auch noch ein paar (selbstgedachte) argumente. dass es herrn durisch mit weniger “auf den mann gespielt” einfacher fallen würde, auf meinen offenen brief zu reagieren, wage ich zu bezweifeln.
in was genau gebe ich bauers thesen recht?
Kommentar von zappadong — 10. November 2008 @ 14:03
Lieber Bugsierer
Vorausschicken möchte ich (aber das wissen Sie ja): Ich liebe Ihren Blog und ziehe des öfteren den Hut vor Ihnen und Ihren messerscharfen Analysen. Oft denke ich, dass ich mein Bloghüttchen zutun kann, denn Sie sagen genau das, was ich auch denke – einfach um ein paar Runden besser.
Meine Antwort auch Ihre Frage “In was der Brief Bauers Thesen recht gibt?” (Die Worte in Anführungszeichen sind Zitate aus Bauers Artikel vom 9. November):
Er klingt nach einem Aufjaulen, sprich einer “wutenbrannten Reaktion”, speziell dort, wo Sie auf den Mann (O.R. oder auf D. Bauer zielen – Vermutung über Zitatlieferant / “Chefpolterer” / “Jungkarrierist, der die grosse Bühne gefunden hat”
“In Stil und Auftritt gibt man sich beleidigt bis gehässig.” Das Beleidigte kann man hineininterpretieren, das Gehässige ist (leider) stellenweise nicht zu überlesen (siehe Zitate oben).
“Beissen sich viele Blogger am Autor fest.” Nun in Ihrem Fall ist es nicht der Autor, sondern Oliver Reichenstein. Warum Reichenstein? Der wurde im Artikel mit keinem Wort erwähnt. Wie kommen Sie darauf, ihm ein Zitat unterzuschieben? Warum verbeissen Sie sich gerade in ihn? Okay, er hat eigene, mir total fremde und meiner Ansicht nach mehr als krude Ansichten über Blogger, aber das haben andere auch. Warum also er? Das ganze klingt zu sehr nach einem persönlichen Rachefeldzug und gibt Oliver Reichenstein mehr Gewicht als dass er meiner Ansicht nach bekommen sollte. Es ging in Bauers Artikel nicht um Facts 2.0 (wo ich mich auch bis zum Gehtnichtmehr über O.R. geärgert habe), sondern um Blogger allgemein.
“Argumentiert wird mit dem Zweihänder.” Meiner Ansicht nach ist Ihnen dies in Ihrer Mail auch passiert (nochmals: siehe die Zitate weiter oben). Das ist deshalb schade, weil die Argumente über grosse Strecken sachlich und auf den Punkt bezogen waren, extrem gut sind und unbedingt Gehör verdienen.
Kommentar von Bruder Bernhard — 10. November 2008 @ 14:30
@zappadong + bugsierer: huch, eine Debatte zu einem Artikel auf einem anderen Blog hier. Fühle mich gebauchpinselt und setze die Limite auf 100 – also noch 96 bis da hin
@zappadong: ich finde diese Stildebatte teils lustig (weil auch Ihnen die Worte manchmal durchbrennen – so wie mir auch), teils aber auch gut, denn es zeigt eine Souveränität, die ich auf der Gegenseite leider vermissen muss.
Oft ist es eine Gratwanderung: Ein Winzblog ist kein Grossmedium, deshalb gelten andere Gesetze. Staatsmännisch ausgewogene Texte soll ein Bundesrat schreiben – er muss. Wir aber, (Tusch!!!) wir sind das Volk, und Blogs sind ein Mittel, sich gegen die Weltbildschnitzer an den Hebeln der Macht zu wehren. Und die tamedia ist durchaus eine Macht. Deshalb finde ich ja diese unreflektierte Identifikation der Bauers mit ihrem Chef so traurig.
Kommentar von zappadong — 10. November 2008 @ 14:42
Lieber Bruder Bernhard
Ich bin leider mit einem grässlichen Temperament gesegnet (kommt vom Grossvater väterlicherseits: Der konnte eine Viertelstunde am Stück fluchen, ohne sich zu wiederholen) und ja, deshalb brennen auch mir ab und zu die Pferde gewaltig durch. Vor allem dann, wenn ich – Grüsse an die Blues Brothers – “on a mission from God” bin. Das heisst, felsenfest überzeugt bin, dass das, was ich zu sagen habe, a) total richtig ist und b) mit voller Wucht unter die Leute soll.
Es mag in der Tat etwas komisch aussehen, wenn ich mich dann bei jemanden über genau das beschwere, was mir selber auch passiert. Wäre Bugsierers Mail ein Blogeintrag gewesen, hätte ich die Gratwanderung (vielleicht) mitgemacht. Aber es ist ein offener virtueller Brief an einen Chefredaktor, und wenn ich aus den vielen Jahren, die mein Alter Ego nun in der Geschäftswelt tätig ist, eins gelernt habe, dann dies: Mit Briefen wie diesen landet man im Papierkorb und wird in der gedanklichen Schublade als “Querulant” abgetan. Und dahin (weder in den Papierkorb noch die Schublade) gehört Bugsierers Brief nun wirklich nicht. Er sollte gehört werden.
Ich bin sogar so naiv zu glauben, dass wir Blogger etwas bewirken können. Ich werde meinen virtuellen Brief an Herrn Durisch morgen verfassen und abschicken. Und wenn nun jeder Blogger das an irgendeinem Tag in dieser Woche tut (und mit Namen dazusteht), dann erhält Herr Durisch ziemlich viel Post. Das kann nicht einmal an ihm spurlos vorbeigehen.
In meinem Brief werde ich Ninis Erbe ausschalten und so sachlich wie möglich meine Argumente, aber auch meine Fragen vorbringen. Mal sehen, was passiert.
(ähm … jetzt hat’s noch Platz für 95 Antworten)
Kommentar von bugsierer — 10. November 2008 @ 16:14
@ zappadong: da haben sie natürlich recht, ich bediene die vorurteile gegen blogger, aber damit kann ich gut leben, das riskiert man auch in anderen lebenssituationen immer mal wieder. ich bin es mir gewohnt, am ton festgemacht zu werden, dann muss man nicht über die agumente reden. im übrigen glaube ich, dass herr durisch fähig ist, zwischen ton und inhalt zu unterscheiden.
warum ich reichenstein ins spiel bringe? war so ein bauchgefühl, hab ich ja als solches deklariert. das kann ich in meinem blog machen, finde ich. machen die holzmedien auch.
Kommentar von Frau Müller — 10. November 2008 @ 17:01
Soweit mir bekannt, ist Dr. Bugsierer nicht zum Schönheitswettbewerb angetreten. Es ist deshalb auch nicht angebracht, hier meine Kompetenzen als Jurorin einzubringen und ihm Noten für Stil, Eleganz und Charme zu vergeben. Letztlich wäre es auch absonderlich, ginge es ihm in seinem Blog nicht um intelligente Argumentation, grandiose Gedanken, brillante Worte, sondern lediglich um blosse Form.
Stil ist nie absolut. Stil steht immer in einem Kontext.
In Diskussionen darf man sich echauffieren, bei Verhandlungen ist Besonnenheit gefragt. Im Streit wird man eben persönlich, es geht ja auch um die Person. Einen Medienwichser darf man einen Medienwichser nennen. Der Bundesrat muss anders auftreten als ein Gemeinderat. In Blogs gibt der Hausherr oder die Gastgeberin den Ton vor, dem sich die Gäste anpassen. Aber wenn Leser zu einem Artikel ihre Meinung äussern, ihre Vorstellung von Qualitätsjournalismus kundtun und kritische Feedbacks geben, dann sollte die SonntagsZeitung dies niemals mit «die grosse Masse tobt» und «Diktatur der Massen» abkanzeln. Das wirkt selbstgefällig, arrogant und unsympathisch. Insbesondere aber ist es unjournalistisch.
Kommentar von zappadong — 10. November 2008 @ 17:29
Ja, Stil steht in einem Kontext. Und Inhalt wird nicht zuletzt über Form transportiert. In diesem Falle spiegelt der Text die Artikel von David Bauer, in Stil und Form.
Und weil mir die Artikel von Bauer überhaupt nicht gefallen haben, erlaube ich mir Kritik an der Form dieses Textes – der mir zu tief in persönliche Niederungen geht. Und nein: Ich will keine Noten vergeben. Und schon gar nicht zu einem Schönheitswettbewerb antreten.
Zitat von Bugsierer: “war so ein bauchgefühl, hab ich ja als solches deklariert. das kann ich in meinem blog machen, finde ich. machen die holzmedien auch.”
Das heisst, wir finden uns alle im selben Topf wieder, Holzmedien und Blogger. Wieso dann überhaupt die Aufregung? Wozu dann auch nur eine Zeile an einen offenen Brief verschwenden, wegen etwas, das man genau gleich macht?
Ich bin nicht der Herr Durisch. Aber wenn ich der Herr Durisch wäre, würde ich diesen Brief löschen.
Bin grad ein wenig ratlos und gehe jetzt Milchreis essen. Vielleicht hilft das.
Kommentar von Bruder Bernhard — 10. November 2008 @ 18:04
Ich kann Frau Zappadong gut verstehen. Mein Bauchgefühl
sagt mir jedoch, dass Sie sich an einem ungeeigneten Objekt echauffieren (wenn ich Ihre Ratlosigkeit jetzt richtig interpretiere). Käme es auf die Antwort an bzw. auf die utopische Aussicht auf Veränderungen durch Anstoss von aussen, wäre ein geschlossener, nicht ein Offener Brief wohl das Richtige. Aber ich würde auch bei einem geschlossenen Brief wetten: Eine Zeitung, die sogar BR Leuenberger kalten Hinterns mit journalistisch frag- bzw. wohl unwürdigen Methoden vorzuführen versucht, lässt sich von einer Blogsphäre nicht beeindrucken.
Macht gar nichts, wenn’s mal ein bisschen kracht. Und ich kann den bugsierer gut verstehen: Irgendwann ist der Vorrat an zarten Umschreibungen einfach aufgebraucht.
Kommentar von Thinkabout — 10. November 2008 @ 20:53
Ich möchte vor allem Bruder Bernhards Hinweis nochmals Gewicht verschaffen, bei dem er betont, dass diese Debatte gerade eines beweist: Die Qualität eines offenen Diskurses zu Sinn und Zweck eines Beitrags – und damit durchaus auch Kritik unter sich respektierenden Bloggern. Vom wütenden Mob, den Bauer anonym berichtet bekommt, ist hier und beim Dr. Bugsierer und an vielen anderen Orten überhaupt nichts zu spüren.
Was für sich zwar noch nicht beweist, aber Naivlinge wie mich doch dazu veranlasst sieht, genau dieser Kultur AUCH das Wort zu reden: Indem wir eben demonstrieren, wie wir auch bei Meinungsverschiedenheiten mit einander umgehen, setzen wir ein Kontra. Und dabei bleibt jeder frei, seiner eigenen Empfindung entsprechend und nach seiner Einschätzung zu bloggen. Für und an wen per Artikel oder offenem Brief auch immer.
Ich kann Zappadongs Vorbehalte und Wünsche nach Ausgewogenheit in diesem einen Format des offenen Briefs gut verstehen. Weil ich auch ihren Glauben teilen will, dass am Ende auch das stilistische Beispiel im Vergleich zur Holz-Fraktion, die sich im Web2.0 versucht, eine Wirkung erzielt und gewisse Redaktoren nachdenklich macht.
Die Branche ist ziemlich nervös. Es könnte sein, dass wir noch manche Chance bekommen, unsere Unabhängigkeit zu Kontra-Positionen zu nutzen – und dabei werden wir auch alle unseren eigenen Stil weiter entwickeln.
Kommentar von zappadong — 11. November 2008 @ 08:44
Der Milchreis war gut und nach einer Nacht darüber schlafen, sehe ich klarer.
Zitat BB: “Käme es auf die Antwort an bzw. auf die utopische Aussicht auf Veränderungen durch Anstoss von aussen …”
Ja, ich bin naiv genug, darauf zu hoffen, dass Veränderungen durch einen Anstoss von aussen kommen können. Vielleicht disqualifiziert mich das jetzt total als weltfremdes Wesen, aber ich hoffe tatsächlich, dass sich in der Printmedienlandschaft etwas ändern wird.
Ich hoffe das, weil ich ein Zeitungsjunkie bin und weil ich trotz Internet weiterhin Zeitungen lesen will – und auch bereit bin, für eine gute Zeitung (genug) Geld zu bezahlen. Der billige Internetschrott, den ich zur Zeit auf dem Newsnetz finde, kann mir nie, nie, nie eine gute Zeitung ersetzen.
Im Moment ist das so: Die Internetartikel ziehen das Niveau der Artikel in den Printmedien nach unten. Ich hätte es lieber umgekehrt: Guten Print-Journalismus, der die Qualität im Netz positiv beeinflusst. Zurzeit sind Internet-Medienkonsumenten ja mehr oder weniger Werbeversuchskaninchen für eine Branche, die sich verzweifelt nach neuem Einkommen umsieht.
Wenn ich nun etwas verändern will, kann ich das nicht, indem ich auf schlechte unfaire Artikel in den Printmedien mit einem offenen Brief reagiere, in dem es hauptsächlich darum geht, einen Standpunkt zu machen, indem man seinem Gegenüber ins Schienbein tritt. Man kann nicht “Fairplay” rufen und gleichzeitig die Regeln des Fairplays verletzen.
So verhärtet man höchtens die Fronten, jeder fühlt sich bestätigt (der Blogger und der Medienmacher), man hat sich gegenseitig gehörig eins auf die Kappe gegeben, es steht unentschieden, aber in der Sache hat sich keinen Millimeter etwas bewegt. Wenn das das Ziel ist: Okay. Dann ist der offene Brief wohl das Richtige und Passende.
Also optimistische Idealistin will ich mehr. Diese Artikel von Bauer haben – zusammen mit der Reaktion von Bundesrat Leuenberger – für ein kleineres Erdbeben gesorgt. Es könnte etwas daraus werden. Gerade jetzt. Aber nur, wenn man sachlich über den Dingen steht, vor allem in der Kommunikation mit den Printmedien. Ich will keinen Kleinkrieg, ich will nicht bashen, ich will nicht fertigmachen, ich will bessere Zeitungen – und bessere online-Artikel.
Mindestens versuchen will ich es. Ja, die SZ zeigt Moritz Leuenberger den Hintern. Ja, die Arroganz eines David Bauer ist unerträglich. Aber müssen wir deshalb auch unsere Hosen herunterlassen und den Hintern in Richtung Printmedien aufrichten? Was dann? Zwei Hintern können sich weder ansehen noch miteinander einen Dialog aufbauen.
Wie Thinkabout denke ich, dass die Branche nervös ist. Bei Newsnetz testet man gerade Grenzen. Und die Kampagne mit den grünen Wörtern ist wohl selbst den Verantwortlichen zu weit gegangen. Mindestens war das in einer Antwortmail an mich auf eine Nachfrage so formuliert. Man will “in Zukunft von solchen Kampagnen absehen.”
Vielleicht sollten wir auch nicht vergessen, dass bei den Medien (noch) Journalisten leben, die ob dieser ganzen Entwicklung überhaupt nicht glücklich sind. Und wenn sie dann generell den Fehler “im Internet” suchen, also auch bei den Bloggern, kann ich sie ein stückweit verstehen, sind sie doch im Netz gezwungen, ihr Qualitätsprodukt gratis anzubieten, eine Rechnung, die ohne Einbussen einfach nicht aufgehen kann.
Kommentar von Bruder Bernhard — 11. November 2008 @ 09:53
@zappadong: Zum Glück weiss ich, dass Sie selber nicht so bloggen, wie Sie jetzt hier empfehlen. Sonst würde ich vielleicht ausfällig Ihre Hoffnung, mit braven wohlgesetzten Worten sei bei den Verlegern mehr zu holen als mit einer kräftigen und unterhaltsamen Suada, ins Lächerliche ziehen. Aber wie gesagt, Sie selber sind ja auch nicht grad die Erfinderin der Diplomatie. Deshalb keine Witze, sondern ernsthaft:
- Die Verleger leben nicht von den Lesern, sondern von den Inserenten
- erst wenn die Inserate ausbleiben, bewegt sich was
- deshalb ist den Verlegern Ihr Bekenntnis zur Droge Zeitung und die Bereitschaft, dafür auch mehr zu bezahlen, total Wurst
- machen Sie es wie wahrscheinlich Viele mit Ihren Ansprüchen: vergessen Sie die Produkte aus dem Haus tamedia, es gibt noch viele gute Zeitungen. Bei Ihnen draussen gibt’s doch die Süddeutsche, zB. Abonnieren Sie den Bund oder Le Temps. Und kaufen Sie die Titanic, die ist nämlich hauptsächlich leserfinanziert
Kommentar von zappadong — 11. November 2008 @ 10:36
Lieber BB
- Die Verleger leben nicht von den Lesern, sondern von den Inserenten
=> Ohne Leser keine Inserenten
- erst wenn die Inserate ausbleiben, bewegt sich was
=> siehe oben
- deshalb ist den Verlegern Ihr Bekenntnis zur Droge Zeitung und die Bereitschaft, dafür auch mehr zu bezahlen, total Wurst
=> ja, noch … aber nicht mehr lange
- machen Sie es wie wahrscheinlich Viele mit Ihren Ansprüchen: vergessen Sie die Produkte aus dem Haus tamedia, es gibt noch viele gute Zeitungen. Bei Ihnen draussen gibt’s doch die Süddeutsche, zB. Abonnieren Sie den Bund oder Le Temps. Und kaufen Sie die Titanic, die ist nämlich hauptsächlich leserfinanziert
=> So gut diese Zeitungen sind: Ich will eine Zeitung mit Schwerpunkt Schweiz. Französisch kann ich leider zu wenig gut. Bleibt einzig der Bund. Werde mal reingucken.
Machen Sie sich keine Sorgen um meine Direktheit! Die bleibt. Vor allem im Zappadong-Blog. Aber als jemand, der seit 13 Jahren selbständig eine Firma führt, habe ich gelernt, dass ich im Umgang mit anderen – wenn ich etwas erreichen will – andere Töne anschlagen muss.
Und so sehr Sie mir widersprechen. DOCH! Dinge können sich ändern. Wir steueren im Moment gerade auf den totalen Overkill in Sachen Marketing und Werbung zu. Die Finanzwelt hat solche Utopisten wie mich auch immer belächelt und von “Selbstregulierung der Märkte” gefaselt. Das Finanzmarktkartenhaus ist in sich zusammengebrochen. Die Werbeindustrie kommt als nächstes.
Um nun auf Ihr erstes Argument zurückzukommen:
- Die Verleger leben nicht von den Lesern, sondern von den Inserenten.
=> Wenn die Inserenten am eigenen Overkill (und der schlechten Wirtschaftslage) gescheitert sind, werden dann plötzlich unbedeutende Leutchen wie ich wieder wichtig. Jene, die ins Portmonnaie greifen und die Zeitung kaufen.
Kommentar von bugsierer — 11. November 2008 @ 11:22
liebe frau zappadong, ich verstehe gut, was sie meinen und ziehe den hut vor diesen hehren ansprüchen.
ich teile aber ihre aufregung nicht. debatten haben es nun mal an sich, dass man einander ab und zu an den karren fährt. wer das nicht aushält, soll es einfach bleiben lassen, dann fährt ihm auch niemand ins korn.
zudem bin ich der meinung, dass ich in meinem blog durchaus auch mal “füdle möögge” darf. vor allem dann, wenn da auch noch ein paar argumente nebendran stehen. da habe ich null bedenken. im gegenteil. es braucht diese stimmen genau so, wie die strikt auf sachlichkeit getrimmten debattierer.
ich bezweifle die wirkungslosigkeit, die mein rüder ton haben soll. wäre dem so, wäre beispielsweise niklaus meienberg ohne wirkung geblieben. oder greenpeace, wenn sie z.b. eine firma “klimakiller” heissen. oder reich-ranitzki, der das unerträgliche tv gewäsch beim namen genannt hat.
da sehe ich mich durchaus in einer schönen tradition, die u.a. in blogs zu neuer blüte kommt. und das ist gut so.
ich habe es zudem schon hie und da erlebt, dass man mit intimfeinden dann auch mal wieder ein bier trinken kann. mit andern bleibt man ewig zerstritten. das ist nun mal die skala des prallen lebens.
den blogs per se irgendwelche (mit-)schuld für die beängstigende entwicklung der medienszene zu geben, finde ich unangebracht. dass ein grossteil der verlage und journalisten die entwicklung im netz verschlafen haben, ist allein ihre sache. hätt ich als alter sack und werbetexter den online schwenk nicht im letzten moment doch noch gekriegt, wär ich jetzt auch blöd dran.
ich glaube kaum, dass das mit der medienkonvergenz besser gekommen wäre, wenn das seit etlichen jahren stattfindende rüde getrommel gegen die holzmedien nur aus super eloquenter argumentationsschreibe bestanden hätte. bei der finanzkrise übrigens, auf die bekanntlich einige smarte und höchst sachlich auftretende wissenschaftler schon lange hingewiesen haben, hat das auch null gebracht. aber dass heuschrecken wirklich heuschrecken sind, wissen wir heute alle.
in dem sinn, liebe frau zappadong, können wir uns vielleicht darauf einigen: es braucht beides. das pralle leben halt.
Kommentar von zappadong — 11. November 2008 @ 11:59
Niklaus Meienberg ist – wenn ich mich richtig erinnere – das ganze Leben lang gegen Wände geseckelt und schlussendlich daran zerbrochen.
Wenn Sie nun ihn, zu dem ich immer aufgeblickt habe, gerade weil er gegen Wände angeseckelt ist, ins Spiel bringen, beginnt meine Argumentation schon beinahe zu wackeln.
Wo Sie mich missverstehen: Ich bin durchaus dafür, sehr hart und sehr hartnäckig gegen die Verhältnisse anzuschreiben. Überspitzt, pointiert, satirisch, von mir aus auch ziemlich hinterfotzig hinterfragend. Auf der geeigneten Plattform. (Ich habe das übrigens in der Beiz 2.0 noch etwas ausführlicher dargelegt.)
Und ich bleibe bei meiner Meinung (die absolut nicht allein seelig machend und ohne Anspruch auf Absolutät ist – Dikatorin bin ich nämlich (noch) nicht): Den offenen Brief hätte ich mir anders gewünscht.
Abgesehen von dieser Meinungsdifferenz liebe ich – genau so wie Sie – das pralle Leben. Darauf einige ich mich sehr gerne mit Ihnen.
(Das kann es jetzt aber noch nicht sein, oder? Es bleiben noch ganz viele Kommentare bis zu Kommentar 100.)
Kommentar von Frau Müller — 11. November 2008 @ 12:23
Da sitze ich nun ganz alleine drüben in der Beiz 2.0 und führe Selbstgespräche, während hier die grosse Debatte abgeht. Wenn ich aber jetzt hier nochmals dasselbe sage wie im Nachbarsdorf, komme ich mir wie ein Politiker vor, der von Säli zu Säli tingelt, in jeder Podiumsdiskussion landauf landab dasselbe erzählt und sich von neuen Argumenten nicht aus dem Konzept bringen lässt.
Deshalb belasse ich es jetzt bei einer Zusammenfassung, die sogleich ein Aufruf ist:
Dieses Land braucht mehr störrische Saftwurzeln wie Dr. Bugsierer!
Kommentar von bugsierer — 11. November 2008 @ 12:45
oh, ein aufruf auch noch, danke danke, frau müller. wann kommt die petition? ich würd dann schon mal tshirts drucken.
sie haben recht, die umlagerung der debatte nach beiz 2.0 hat was simultanschachmässiges.
Pingback von Sechsmal um den Blog: Blog is back » medienlese.com — 11. November 2008 @ 12:55
[...] was der Bruder Bernhard mit seiner La Triperie im allemannischen Rösti-Gürtel derzeit aufzieht. Hier ein schöner Passus über den Konflikt von Leserinteresse und Bunkermentalität, der darauf hinweist, dass es [...]
Kommentar von Bruder Bernhard — 11. November 2008 @ 13:02
Frau Müller, hoffe, der Apero war i.O.? Sie kommen grad rechtzeitig zum Zmittag…
Kommentar von Ugugu — 11. November 2008 @ 13:21
Falls ich mich hier (mangels Zeit nur ganz kurz einbringen darf). Niklaus Meienberg ist doch der, denn alle Journalisten gerne zitieren (bevor sie die Klappe halten). Bugsierer ist Bugsierer und das ist gut so.
Kommentar von Thinkabout — 11. November 2008 @ 13:36
Wenn hier jeder der ist, der er eben ist und auch entsprechend schreibt, dann bekommen wir genau das, was wir aneinander lieben: Vielfalt. Und ich finde, dass diese Diskussionen hier, in der beiz oder anderswo ein Beleg dafür sind, wie viel facettenreicher und farbiger eben eine Blogdebatte sein kann – im Vergleich mit eingeschworenen Redaktionen und Pseudo-Diskussionen in so manchen Medien.
Ich kann nicht wie der Dr. Bugsierer schreiben und sollte das auch nicht versuchen – aber ich kann ihn in der Sache unterstützen. Und ich lasse mich in meinem Idealismus gerne von Bruder Bernhard triezen und hinterfragen. Das nehme ich nämlich sehr viel leichter an, weil ich gar nicht auf die Idee komme, ihn auf meine Linie bringen zu wollen.
Die Vielfalt macht so richtig Lust auf Debatten. Das ist herrlich. Und hilft, die eigenen Standpunkte zu erden und zu überprüfen.
Kommentar von zappadong — 11. November 2008 @ 14:03
Wenn Sie dann die T-Shirts drucken, Herr Bugsierer, dann hätte ich gerne so eins:
Keine Kundenkarte
Keine Märggli
Danke
Schwarz. Schriftzug rot. Grösse XL.
(ja, ist ein anderes Thema, aber ich muss in fünf Minuten einkaufen gehen – und ich HASSE einkaufen)