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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

4. November 2008

Wie ein Meisterjournalist recherchiert

Hey, ging da ein garstig Knistern durch der Schweizer Blogger’s Bildschirme, gestern. Jungjournalist David Bauer, kaum eben der Universität entronnen, die ihn zum Meisterjournalisten ausgebildet hat, legte in der Sonntagszeitung eine Probe seines Könnens vor. Selber Blogger, begibt er sich auf die Suche nach der Relevanz der Schweizer Blogs. Und wird nicht wirklich fündig… Was seinen Arbeitgeber sicherlich freuen wird, denn die Tamedia steht dem Phänomen Blog naturgemäss sehr defensiv gegenüber. Was die Leser vom Artikel halten, der auf der Computerseite der Zeitung erschien, lässt sich an den Reaktionen in den Blogs ablesen. Etwa beim bugsierer oder bei lupe. Eine Sammlung gibts bei rivva.

Was ich nun ganz und gar nicht verstehen kann: Was lernen die eigentlich an der Journalismusuniversität? Ganz ehrlich: Darauf habe ich keine Antwort. Schon gar nicht mehr, wenn ich mir Bauers Arbeit anschaue. Ich bin ja nur ein einfacher Knecht ganz ohne Ausbildung als Schreiber, aber ich hätte diesen Artikel besser gemacht!!!! Ich schwöre es!!!

Schauen wir uns doch schon mal die Kernfrage nach der Relevanz der Schweizer Blogs näher an. Bauer hat Mühe, diese auszumachen. Ja, mein Gott, hätte er doch mich fragen können!!! Denn schon als ganz gewöhnlicher Zeitungsleser, ohne Zugang zu den teuren Datenbanken, die Bauer zweifelsohne nutzen könnte, hätte ich ihm ein paar Tipps aus der jüngsten Vergangenheit aus dem Gedächtnis liefern können!

Also, Bauer, aufpassen, jetzt kommen sie:

Museen von La Chaux-de-Fonds

Am 26. September 2008 stellen die Behörden von La Chaux-de-Fonds einen Bericht über die Zukunft ihrer vier Museen vor. Schon in den Jahren vorher waren mehrere Anläufe unternommen worden, die Museen auf eine solidere Basis zu stellen, die aber kaum Resultate zeitigten. Eine auswärtige Projektleiterin wurde angestellt, welche innert weniger Monate den umfangreichen Bericht fertigstellen und gleichzeitig ihre künftige Arbeit als Gesamtverantwortliche der vier Museen definieren sollte.

Offenbar hatten die Behörden von La Chaux-de-Fonds die Macht der desavouierten bisherigen Kuratoren sträflich unterschätzt. Der Bericht wurde nämlich alsobald in einem eigens geschaffenen Blog “Sauvons nos musées” (Rettet unsere Museen) nach Strich und Faden zerzaust. Der Blog kann einen Sieg auf der ganzen Linie für sich verbuchen. Der Bericht wurde von den Behörden zurückgezogen, das Projekt sistiert, die Projektleiterin ist für immer demontiert und wird wohl bei der nächsten Gelegenheit gehen – und dieser Erfolg ist einzig und allein dem Blog zuzuschreiben, über den die welsche Presse mehrfach berichtet hatte. Und es ist erst wenige Wochen her…. Zumindest dieser Fall hätte in einem Artikel über die Relevanz der schweizer Blogs gewürdigt werden müssen. Aber das googelt sich halt nicht so einfach – Suchbegriff: “Relevanz schweizer Blogs” führt z.B. nicht weiter – da braucht’s jetzt wirklich Recherche

Peter Knechtli

Wenige Tage vor Erscheinen der Bauerschen Mini-Recherche berichtete der Tagesanzeiger* über den möglicherweise erfolgreichsten Schweizer Blog: Die Berichterstattung von Peter Knechtli. Knechtli ist ein richtiger Recherchierjournalist aus der Zeit, wo es noch keine Journalistenschulen und -Unis gab. Als Zeitungsleser war mir sein Name in den 70ern schon aufgefallen. Dafür brauchte es keine besonderen Recherchen: Knechtli war damals einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz. Eigentlich absolut erstaunlich, dass diese Karriere den heutigen Journalisten so wenig Aufmerksamkeit wert ist. Aber wahrscheinlich hätte die Tamedia darüber weniger Freude als an der Bauerschen Totschweigerei…

——————

* Ich kann nicht mehr sicher sagen, wo ich’s las. Gibt man im öffentlichen Bereich des TA-Archivs Peter Knechtli ein, kommt nix. Muss aber praktisch der TA gewesen sein, denn den les ich nur noch gelegentlich, und ich weiss, ich las es gelegentlich….


Nestlé – der erste Erfolg eines schweizer Blogs

Es war im Sommer 2006, als Jean Nouvel seiner Freundin Nelly Wenger die Karriere versaute. Nelly Wenger, meine absolute Lieblings-Expo-Direktorin, war bei Nestlé in die Nesseln getrampt, als sie die verstaubten Marken mit dem Odem des gehobenen Lifestyle veredeln (und verteuern;-) wollte. Jean Nouvel kreierte ihr zu diesem Zweck eine neue Architektenverpackung, die ausser gut aussehen überhaupt nichts Sinnvolles tat. Und beim Publikum durchfiel. Denner schmiss die Ware aus den Regalen. Höchste Gefahr drohte.

In dieser Situation begann ein Nestlé-Kader auf Konfrontation zu bloggen. Die Presse nahm dies zum Anlass, über die internen Zwistigkeiten zu berichten. Nelly Wengers Tage waren von da an gezählt. Nach einer Krankheitspause kehrte sie nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück.

Das sind nur einige Beispiele, die mir beim Melken grad so eingefallen sind. Ich bin selbstverständlich kein Journalist, und nie würde ich von mir behaupten, ich könnte immer es besser. Auf der anderen Seite muss ich schon fragen: Herr Bauer, wie konnte das bloss passieren? Ganz offenkundig kennen Sie die aktuelle Berichterstattung aus Ihrem ureigenen Ressort nicht!!! In der herkömmlichen Journalistenausbildung wären Sie damit nie durchgekommen. Denn die herkömmliche Journalistenausbildung, bevor es die Schulen und Masters gab – ach, ich mag gar nicht drüber reden. Sollen doch die Jungen weiterhin glauben, es reiche, viele Schulen zu besuchen, viele Seminarscheine zu sammeln, viele obskure Auszeichnungen einzuheimsen. Wir Leser, wir wissen es besser


ein PS: Verrückt, musste Lisi die Klauen schneiden, das ging satte 3 Tage, insgesamt. Ist eine Schwierige. Deshalb habe ich gar nicht alles um den Bauerschen Ausraster mitverfolgen können, darum wichtiger Nachschlag: Bei Metablog lesen

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 10:36

11 Kommentare

  1. Kommentar von dan — 4. November 2008 @ 10:57

    Danke, werter bernhard für die klärenden Worte.
    Bei den (meist) jungen Journi-Hotshots ist es so wie in der Finanzbranche.

    Mit teuren Ausbildungen lassen sich zwar eindrucksvolle Titel an die Wand hängen, doch seriöses Handwerk scheint man nicht mehr zu lernen.
    Oder haben die auch ein Bonussystem?

  2. Kommentar von zappadong — 4. November 2008 @ 12:39

    Ich bin froh, melken Sie ab und zu (gelegentlich?) Ihre Kühe, Bruder Bernhard.

    Haben Sie übrigens gewusst, dass es auch eine Ausbildung zum Autor gibt? Ohne Seich. Das wäre doch was für Sie. Da könnten Sie das Papier dann im Stall an die Wand kleben. Würde sich erstens bestimmt gut machen. Und zweitens wären Ihre Kühe mit Sicherheit total beeindruckt.

  3. Kommentar von BodeständiX — 4. November 2008 @ 13:38

    Irgendwie wird es mir einfach wohl um die Brust, wenn ich lese, dass auch andere ‘Knechte’ sagen, was Sache ist. Doch ich glaube, es braucht noch ein gerüttelt Mass an mehr Krise, damit die Bodenhaftung wieder – nicht nur in den Medien – notwendigerweise Einzug hält.

  4. Kommentar von bluetime — 4. November 2008 @ 13:49

    schlicht genial geschrieben!
    jawoll:-)

  5. Kommentar von Frau Müller — 4. November 2008 @ 16:41

    Mir gefällt Ihre Unerschrockenheit, lieber Bruder Bernhard!

    Apropos: La Triperie haben Sie bei der Aufzählung der themensetzenden Blogs unterschlagen. Immerhin haben Sie (und Ihr Coucousin) aufgedeckt, dass Facts 2.0 die Privaten Nachrichten ihrer User liest. Dafür wurde Facts zurecht für den Big Brother Award nominiert und Ihnen hätte eigentlich der Winkelried Award gebührt. Letztes Jahr hat dieser übrigens Blogging Tom erhalten für seinen lobenswerten Einsatz gegen Überwachung und Kontrolle (um nur noch ein weiteres Beispiel eines relevanten Blog-Beitrages zu nennen).

    Wenn ich grösstes Schweizer Jungtalent und Meisterjournalistin wäre und ein Knecht müsste mir erklären, wie man richtig recherchiert, dann wäre mir das ein wenig peinlich. Aber ich wäre auch dankbar für die lehrreichen Hinweise.

    Dafür braucht es allerdings eine gewisse Charakterstärke. Es ist nämlich einfacher auf den Kumpel, ehemaligen Arbeitskollegen und Geschäftspartner zu hören, der einem höfelet, als auf die kritischen Stimmen (siehe die Kommentare auf Facts).

    Und noch etwas: Es ist lachhaft, wenn ein Journalist über ein Thema schreibt und nicht deklariert, dass er Partei ist – und dann noch glaubt, dass es die Leser nicht merken. Oder habe ich übersehen, dass David Bauer sich als nebenberuflicher Blogger vorstellt?

  6. Kommentar von Mara — 4. November 2008 @ 19:11

    Sie haben mit diesem Artikel die goldene Kuhglocke am roten Band verdient. (Auch zu benutzen um lästige Gäste loszuwerden)

  7. Kommentar von Ugugu — 4. November 2008 @ 20:22

    David Bauers Pauschalurteil ist schlicht Nonsense von A bis Z. An wen richtet sich der Artikel eigentlich genau? An Zeitungsleser, die noch nie etwas davon gehört haben, dass Moritz Leuenberger ein Blog führt?

    David Bauer redet von Schweizer Blogs, und bringt es dabei fertig mindestens zwei Landessprachen komplett auszublenden.

    Zu den wenigen Westschweizer Blogs, die ich kenne und regelmässig lese, gehört etwa «L’Asile dans le Canton du Vaud au jour le jour…», ein sackstarkes Blog, dass sich mit der real existierenden nationalsvp*istischen Asylpolitik in der Schweiz beschäftigt. – Mir fällt leider spontan keine Deutschschweizer Tageszeitung ein, die regelmässig über «heisse Eisen» wie prekäre Arbeitsverhältnisse von Sans Papiers, mangelhafte medizinische Versorgung, monatelange Beugehaft, und – last but not least – unsägliche Ausschaffungspraktiken berichten würde.

    Solchen Geschichten nachzugehen wäre eigentlich journalistische Pflicht und Kür zugleich. Das Problem: Sie lassen sich leider nicht in einem halben Nachmittag via Telefon recherchieren. Eher in Tagen und Monaten. Wie wäre es, in einem ersten Schritt einfach etwas mehr Blogs zu lesen?

    Und wenn ich schon dabei bin, empfehle ich auch gleich gerne noch «Ouvertures Info» und «Domaine Public», wobei zweiteres nur so halbwegs die Kriterien eines Blogs erfüllt. Daneben gibt es aber noch eine ganze Menge lesenswerter Blogs aus der Romandie (wie gesagt, ich kenne nur wenige) bei denen sich David Bauer für seine überheblichen und beleidigenden Aussagen eigentlich am besten gleich selbst entschuldigen würde.

    *fdp*cvp

  8. Kommentar von Bruder Bernhard — 5. November 2008 @ 10:03

    @ugugu: Danke für die Liste, habe ich alles nicht gekannt. Dass das garantiert auch auf Bauer zutrifft, macht die ganze Chose noch pikanter. Eigentlich wäre es ja seine Aufgabe gewesen, uns darüber zu berichten! Aber er stichelt offenbar lieber rum – auf Kosten seiner Leser, aber vor allem auf Kosten des vorher so hochgejazzten Web 2.0 – woran ich vor allem die Blogs schätzen gelernt habe. David Bauer begeht eigentlich ein Sakrileg: Er berichterstattet im Sinne seines Herrn statt im Sinne seines Berufs. Von Ethos will ich da jetzt gar nicht reden – aber dieses “Immer drauf auf die Kleinen” riecht übel. Ein vielversprechender Start einer Journalistenkarriere!
    @Frau_Mueller: Wollte eben Facts in dem Zusammenhang nicht erwähnen, da ich gemerkt habe, dass die meisten gar nicht wissen, was das ist… Obwohl der zunehmend kindische R. mit dem lächerlichen Zahlensalat, den er in der handzahmen Diskussion um den Artikel herumbietet, mich zu einer kleinen Recherche reizen würde.
    @BlumenspenderInnen: Merci, kann man immer gebrauchen! Vor allem jetzt, wo der Feldsalat langsam rar wird!!!

  9. Pingback von David Bauer unterschätzt die Vorteile der Provinz « Journalistenschredder… — 5. November 2008 @ 16:03

    [...] …hätte man keine Zeit für Recherche. [...]

  10. Kommentar von flashfrog — 5. November 2008 @ 18:21

    @Bruder Bernhard: Oh ja, ich hätte bitte gern einmal knackigen Zahlensalat mit extrascharfer Recherche.

  11. Pingback von La Triperie » Blog Archive » Blogs üben Diktatur aus - klagt David Bauer — 11. Januar 2009 @ 12:31

    [...] damit verloren ;-) . Zudem blamiert er sich: Mit keinem einzigen Wort geht er auf den Nachweis der schludrigen Recherche ein. Statt dessen hofft er zuversichtlich auf das gesunde Volksempfinden… So wenig ernst nimmt [...]

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