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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

3. November 2008

Jung, biegsam, verknöchert

Wir hatten ja bei uns im Dorf während einigen Jahren intensiven Kontakt zum damals kritischen Journalismus. In den 70er Jahren hatte dieser einen ersten Höhepunkt in Form von Dr. Schawinskis Ravioliskandal. Ja, der Kassensturz hatte herausgefunden, dass die Füllung der Büchsenravioli nicht etwa mit Filetfleisch, sondern mit Innereien gestreckt wird. Und, ja, Schawinksi ist Dr., kann man im Wikipedia-Beitrag über den Kassensturz nachlesen!

Dieser Eintrag sieht überhaupt aus wie wenn Dutzende Autoren verschiedenster Schulen drin herumgepfuscht hätten…

Die Innereien in den Ravioli kamen dann leider aus der Mode. Deshalb mein intensiver Kontakt zum kritischen Journalismus. Zunächst muss man wissen, dass in den 70ern Journalisten als sexy!!! galten!!!! Würde man heute nicht mehr denken!!! Aber damals: Da hatten grad Dustin Hoffmann und der Schönling Robert Redford (alias Woodward/Bernstein) den Watergate-Skandal Nixons aufgedeckt und diesen zum Rücktritt gezwungen. Heute machen junge, leicht beeinflussbare Menschen bei strunzdummen Casting-Sendungen und Dumpfbackenwahlen mit – damals wollten sie Journalist werden!!!! Und am Abend tüchtig im Glamour baden, bei gutem Essen und aufmüpfiger Rede am grossen Tisch, so wie es halt damals Mode war – die Romands galten noch als leger, die Italiener noch nicht als komplette Dummköpfe (dieses TV-Programm! Diese Politiker! Und dann lassen sie noch Starbucks ins Land!!!)

Und nirgends war der Tisch grösser als bei uns im stillgelegten Heuschober, wo es jeden Tag Schlachtplatte aus grossen Töpfen gab. Am Liebsten aber war den Herren von den kritischen Pressebüros unser Adrio (mit Herz und Lunge) und die gebackenen Hühnerklauen (der Sehnen wegen) sowie natürlich die berühmten albanischen Schnitzel. All das gab es nämlich in der Stadt seit dem Ravioliskandal schon längst nicht mehr!!! Ironie der Kulinahrungsmittelgeschichte…

Das ist mir in den Sinn gekommen, als ich heute morgen als erstes das Internet aufschlug und von diesem preisgekrönten Jungjournalisten erfuhr. Die Zeitung (am Sonntag) selber tue ich mir ja nicht mehr an – pures Recycling der Woche, ansonsten weiche Magazinthemen oder ärztliches Grundwissen für Simulanten.

Welch ein Unterschied zum Recherchierjournalismus: Der Archivjournalismus. Als fleissiger Zeitungsleser kenne ich den gut. Wenn ein Journalist bei einem neuen Medium mitschreibt, wird er früher oder später seine alten Themen aus dem Archiv hervorholen, umschreiben und einreichen. Bei David Bauer ist dies nun eher früher geschehen – wenn ich mich nicht irre, ist diese Uralt-Story sein Einstand bei der neuen Zeitung. Nicht gerade der Knüller, für welche die SoZei ja gerne bekannt wäre. Dafür haben sie aber jetzt einen echt studierten und geschulten Preisträger – wobei angesichts dieser dünnen Story die Frage erlaubt sei, was es da eigentlich zu studieren und zu lernen gibt, was nicht besser am grossen Tisch bei einem Topf dampfender Innereien viel lustvoller erledigt werden könnte.

Soviel weiss ich allerdings: Ein Blog würde zum zitierten Buch verlinken. Und er würde sich schämen, eine Fibel für Fans als Beleg für eine herbeigezurrte These zu nehmen. Drei Namen mit austauschbaren Statements zu Blogs zu bringen, ist zudem auch nicht grad ein Beleg für Recherche – die Leute haben hier bloss eine Feigenblattfunktion, um auch mal was in direkter Rede bringen zu können.

Rechercheanteil: drei Mailanfragen rauslassen, ein Uralt-Buch von der Lektüreliste zum Studium vom Estrich holen: 10 Minuten?

Themensetzung kann ich auch nicht finden – grad kürzlich hatte sich ja ein Kurt W. Zimmermann mit dem selben Thema unmöglich gemacht…

Mir ist allerdings schleierhaft, wie Bauer zwei themensetzende CH-Blogs der jüngsten Vergangenheit nicht kennen kann: Nelly Wenger stolperte am Ende über einen Blog, und erst vor wenigen Wochen musste die Stadtregierung von La Chaux-de-Fonds eines Blogs wegen einen peinlichen Rückzieher in der Museumsaffäre machen. Bauer, Sie lesen Zeitung? Oder doch nur veraltete Fachbücher? Ist es Ihnen nicht ein wenig peinlich, so untermunitioniert einen Strauss vom Zaun zu brechen?
Alles in allem ein liebedîenerischer Artikel, mehr für die Geschäftsleitungen und das Bühnenpersonal als für einen Zeitungsleser geschrieben. Komisch, dass Bauer offensichtlich denkt, man merke das nicht.

Zeit nun für Dr. Bugsierer’s Analyse, aber auch für Pixelfreund’s Breitseite oder Thinkabout’s Fragen

Abgelegt unter: Kurz und gemein — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:41

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