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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

21. Oktober 2008

Eltern sind Mörder! Alle!!!

Das denke ich jedes mal, wenn ich Papi mit dem Auto zur Arbeit, Mami die lieben Kleinen zur Nachhilfstunde fahren sehe. Aber ich muss es gar nicht mehr weiter ausführen: Schon in der Papierversion hat mir dieser Artikel hier sozusagen das Thema gestohlen… Brutale Wahrheiten. Ihr werdet euch im 2050 nach einer leckeren kleinen Banken- und Wirtschaftskrise, die man locker mit ein paar Billionen beherrschen kann, sehnen!!! Und das Dumme ist: Es werden euch keine Ospels und sonstigen Abzocker als Sündenböcke herhalten – alle werden es gewusst haben …

Sagt B.B., der die 1 komma 1 Pendler per Auto nicht einmal mit einem Fluch bis ins 7. Glied belegen muss – die erledigen das selber. Aber noch was: Wann das letzte mal einen voll besetzten Personenwagen gesehen? Schon mal aufgefallen, dass darin meistens dunkelhäutige Ausländer sitzen? Sie sind vom Mördervorwurf hiermit ausdrücklich ausgenommen!!!

Abgelegt unter: Kurz und gemein — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:16

9 Kommentare

  1. Kommentar von Zappadong — 21. Oktober 2008 @ 19:17

    Lieber BB

    Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Kilometerweit zu Fuss in die Disco gelaufen dann per Autostop nach Hause (so was traut sich heute ja schon gar niemand mehr), weil der letzte Bus fuhr, bevor auf der Tanzfläche überhaupt etwas los war.

    Später arbeitete ich lausige 20 km von zuhause entfernt und benötigte für den Arbeitsweg am Abend eine gute Stunde (öffentliche Verkehrsmittel) – meiner Nichte passiert das noch heute. Und ebenfalls noch heute kommt man bei uns ganz früh am Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zur Arbeit – dafür aber am Abend wenigstens nach Hause (Fortschritt!!!!!).

    Nach Oberschan zum Beispiel (da wohnen Freunde von mir) fährt alle 2 Stunden ein Postauto, mit einer längeren Nachmittagspause, in der gar nichts fährt. Und das letzte Postauto am Abend dudelt dann um 19.42 Uhr in Richtung Dorf – in dem nicht wenige Leute wohnen.

    Das Jungvolk auf dem Land findet so was “megascheisse” – und ist froh, wenn sich ein Mütterchen (oder Väterchen) findet, das sich des jugendlichen Tatendrangs erbarmt. Jeder 18. Geburtstag wird jubelnd begrüsst, denn er bedeutet tatsächlich ein Stück Freiheit.

    In die (Gross)stadt fahre ich übrigens mit der Bahn und wenn ich den Fahrplan Zürich-Bern anschaue, dann werde ich grün vor Neid. Bei uns auf dem Land kämpfen wir nämlich wie die armen Tiere um öffentliche Verbindungen, die diesen Namen auch verdienen.

    So, und jetzt raten Sie mal, warum es in unserer Familie (vier Leutchen) zwei Autos gibt.

    Aus der Provinz grüsst Landpomeranze Zappadong

  2. Kommentar von Bruder Bernhard — 22. Oktober 2008 @ 06:40

    ja, liebe Landpomeranze, wer kennt diese Gründe nicht? Und trotzdem warnt die Wissenschaft immer noch. Offenbar ist hier jemand ganz einfach weltfremd. Wer es ist: darüber lässt sich trefflich streiten. Aber wenn Sie es sind: Gnade Gott auch Ihrem Jungvolk, welches seinen Tatendrang offenbar in der Freiheit des Autofahrens auslebt.

    Lesen Sie unbedingt den Artikel. Vor allem Seite 3, die Permafrost-Geschichte. Tönt das nicht plausibel?

    Die Lehre aus der Bankenkrise: Alle schliessen die Augen – bis es zu spät ist. Allerdings gab es auch dort deutliche Worte. So warnte etwa der Vize der Nationalbank, Philipp Hildebrand, im Juni 07 an einer Pressekonferenz vor den Risiken, welche die Banken eingegangen seien. Er sagte nicht, eine Krise werde eintreten. Aber: Eine Krise, falls sie eintrete, werde gravierende Folgen haben. Nun ist der Fall eingetreten.

    Leider hab ich keinen Link zur Hand. Die Rede ist in der vergangenen Woche in Le Temps abgedruckt gewesen. (Nachtrag: 17.10.08)

    Sagen Sie ihrem Jungvolk, es soll seine Freiheit noch so richtig geniessen. Und Ihnen mag ich die Mobilität auch gönnen. Es ist eine individuelle Lösung, das Problem betrifft aber die ganze Gesellschaft. Deshalb ist Ihre Lösung ein Problem – wenn der Fall eintreten sollte.

  3. Kommentar von Zappadong — 22. Oktober 2008 @ 13:50

    Lieber BB

    Das weiss ich alles (bin ja nicht ganz blöd). Und meistens steht der zweite Charren vor der Tür, weil ich alle kurzen Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuss zurücklege und all die langen mit der Bahn.

    Wenn man von uns Landpomeranzen Toleranz, Verständnis und ein umweltbewussteres Benehmen verlangt, dann soll man uns Landpomeranzen aber bitte, bitte wenigstens unterstützen in den Bemühungen um bessere Verkehrsverbindungen.

    http://www.ludwig-altenburger.ch/kat11.php?c=b20080227180721
    (”

    Es gibt ja diesen wunderbaren Vorschlag, unsere Bergtäler zu entvölkern und die Landpomeranzen in die Stadt umzusiedeln – nur: Wenn ich in der Stadt oder in der Agglomeration bin, scheint es mir dort nicht unbedingt lebenswerter zu- und herzugehen – und schon gar nicht verkehrsarmer, trotz besserer Verbindungen.

    Und deshalb: Lasst uns Landpomeranzen unsere Autos. Gesteht uns die Intelligenz zu, dass wir nicht sinnlos mit ihnen in der Gegend herumblochen, sondern sie dort brauchen, wo sie einfach nötig sind – und wenn es auch nur das Jungvolk ist, das am Samstag die 20 km in die Disco fährt – meistens mit einem pumpenebenvollen Auto. Wobei (und das zur Entschärfung der Lage) auf dem Land der Trend zum Höckeln in einer umgebauten Garage vom Nachbarn zunimmt – und dorthin kommt man zu Fuss. Oder mit dem Velo.

    Zur Schule geht auf dem Land übrigens (im Gegensatz zur Stadt) der allergrösste Teil der Kinder zu Fuss oder mit dem Fahrrad – auch wenn es sich um relative weite Schulwege handelt. Und die Chance, von einem Offroader überfahren zu werden, ist in der Stadt grösser als auf dem Land.

    Das ist keine Entschuldigung. Ich BIN ein Teil des Problems. Ich trage zur Lösung bei, so weit es mir möglich ist. Nach Oberschan fahre ich weiterhin mit dem Auto (oder ich nehme den Rheintaler Höhenweg, der zwar sehr schön ist, aber für den ich zu Fuss 4 Stunden benötige).

    Frau Zappadong

  4. Kommentar von Zappadong — 22. Oktober 2008 @ 13:55

    Oh, zu früh gedrückt … nicht alles da.

    Hier also noch der Rest:

    “Seit 150 Jahren fährt die Bahn einspurig durchs Rheintal.”
    http://www.ludwig-altenburger.ch/kat11.php?c=b20080227180721

    http://www.ludwig-altenburger.ch/kat11.php?c=b20071124162010
    “Als Folge davon wird die S-Bahn zwischen Buchs und Sargans nicht (mehr) halten können.”
    Anmerkung Frau Zappdong: Das ist das Turbo-Bähnchen, das ich dringend brauche!

  5. Kommentar von Mara — 22. Oktober 2008 @ 17:30

    Das erinnert mich ein wenig an die frühen neunziger Jahre in Deutschland, als jeder Hausfrau eingetrichtert wurde den Müll zu trennen, weil sonst die Welt untergeht. (-sowohl das Problem als auch die Methode)

    Alle ziehen wieder nah an ihren Arbeitsplatz (was machen dann die Paare, wo die Arbeitstätten ganz entfernt liegen?), oder es wird wie vor 100 Jahren als die Bergleute um 5 aufgestanden sind, um die zwei Stunden zur Arbeit zu Fuss zu laufen.

    So richtig anfreuden kann ich mich mit den Apellen nicht. Meist heisst es ganz oder garnicht und im Zweifel ist ganz viel Ideologie dahinter. Bei den einen führt es in erster Linie zu schlechtem Gewissen, wenn die 30 Kilo Wocheneinkauf für eine Familie nicht mit dem Fahrradanhänger die Forchstrasse hochgetuckelt werden, und die andere hofft einfach darauf, dass die Ingenieure von … (beliebige Automarke einzusetzen) es schon irgendwann machen werden.

  6. Kommentar von Bruder Bernhard — 23. Oktober 2008 @ 05:13

    Liebe Frau Zappadong, wer wollte es Ihnen verargen. Sie leben in einer der schönsten Gegenden der Schweiz, halt ein wenig abgelegen. Schön warm, übrigens, kenne es gut, da unsere Familie ja durch Spekulation eines schlitzohrigen Onkels anfangs des letzten Jh. den Hof verloren und ein Teil in die Rheintaler Industrie abgewandert ist. Aber das ist eine andere Geschichte, allerdings eine spannende. Eben, Sie haben es kommen sehen, was ich jetzt noch sage: Wer lieber auf dem Land wohnt als in der Stadt (ich zähle mich auch zu den söttigen), muss auch mit ländlichen Verhältnissen leben. Sonst soll er wirklich umziehen.

    Aber dann müssten Sie auf den wunderbaren Rheintaler Ribel und das super Maisbier von Sonnenbräu verzichten – also bleiben Sie lieber dort, aber fackeln Sie mir ein paar Autos ab – vielleicht vor allem jene der Jungmannschaften, die sowieso damit nur dumm in der Landschaft rumblochen. Ich sage nur: Hasenburg etc. ;-) Wenn ich jeweils dort bin, fällt mir nämlich auf: ich sehe relativ wenige Velos. Und ich sehe auch: In diesen Dörfern herrscht eine tödliche Langeweile. Verständlich, dass die Wege in die Ausgänge weit sind.

    Vorschlag: die älteren Herrschaften bleiben auf dem Land, die langweilen sich nämlich dort nicht – die Jungmannschaft zieht in die Stadt und frönt dort ihrer Sodom-und-Gomorrha-Phase. Denn was Sie schildern, ist das klassische Dilemma!

    @Mara: Die Ingenieure werden es schon schaffen. Das ist die Wette, die ALLE eingegangen sind. Das ist Konsens, kein Problem – mich betrifft es eh nicht, meine Planung geht nicht bis 2050. Blöd wäre einfach, wenn die Wette verloren geht. Denn wenn dieses asexuelle Kassandrapack, welches Sie offensichtlich vor Augen haben, recht behält, ist es nicht so einfach rückgängig zu machen – eigentlich überhaupt nicht. Das ist der Unterschied zur jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Was diese aber beweist: Unmöglich geglaubtes kann auch eintreten. Eine Wette kann verloren gehen. Denn gewettet hatten alle: wer z.B. sein Geld bei einer isländischen Bank angelegt und nun alles verloren hat, hat es nicht aus Sympathie zum Land, sondern der höheren Zinsen wegen getan. Höhere Zinsen = höheres Risiko. Soll jetzt niemand sagen, das hätte er nicht wissen können. Darum, mit David Bowie: “Let’s Dance…” Oder, mit Bob Dylan: “Don’t think twice, it’s allright”.

  7. Kommentar von flashfrog — 23. Oktober 2008 @ 14:11

    Wirklich Sorgen machen würde ich mir, wenn die Zahl unter 1,0 sinkt…

  8. Kommentar von Bruder Bernhard — 24. Oktober 2008 @ 10:21

    @flashfrog:
    Dann muss ich mir also tatsächlich Sorgen machen. Danke für die Bestätigung.

    Denn die 1,1 sind natürlich eine statistische Grösse. In der Realität schrumpft dieser Wert auf vielleicht noch 0.7 – der leere Blick des Autofahrers lässt mitunter auf mindestens teilweise Abwesenheit schliessen. Auf 1,1 kommt man nur dank der im Beitrag erwähnten wenigen vollbesetzten Wagen, die’s zwischendurch gibt.

  9. Kommentar von flashfrog — 24. Oktober 2008 @ 16:00

    Aber leere Busse und fastleere Züge durch die Gegend gondeln zu lassen ist auch nciht besonders viel umweltfreundlicher.
    Bei uns auf dem Dorf (9778 Einwohner) gibt es die Möglichkeit sogenannter Anmeldefahrten, d.h. wenn jemand zu einer exzentrischen Zeit, z.B. Sonntagmorgens oder abends nach 20 Uhr, fahren will, dann ruft er eine halbe Stunde vorher bei der öffentlichen Nahverkehrszentrale an und die schicken dann ein für die Personenzahl passendes Verkehrsmittel vorbei. Sonst bleiben die Busse im Depot.

    Und eine Weltwirtschaftskrise, die sich gewaschen hat, ist offenbar das Beste, was den Eisbären passieren kann: Die zwingt die Menschen, das zu tun, wozu sie sich freiwillig nie einigen würden: zu sparen, zu verzichten, weniger zu produzieren, kreative Lösungen zu suchen.

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