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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

13. Juni 2009

Und die Journalisten schweigen

1999: Lothar. Er hinterlässt Schäden, die noch heute nicht allesamt behoben sind. 2009: Martin. Dieser Sturm ist noch nicht vorüber, er hat erst begonnen. Und er wird gigantische Schäden im Schweizer Blätterwald hinterlassen. Soviel ist sicher.

[Bitte die prall billige Parallele zu entschuldigen. Auch ich bin doch nur ein Mensch, auch ich profiliere mich gern mit wohlgesetzten Worten. Und auch bei mir kann es mal entgleisen.]

So, zurück bzw. vorwärts zum eigentlichen Thema. Die Entlassungen, der Kahlschlag im schweizer Journalismus – offenbar eine pure Chimäre, oder? Denn wer nur Zeitung liest, muss zu dieser Einschätzung kommen. Hätte ich doch nur die Zeit, quantitative Studien durchzuführen, auf gut deutsch: Einfach mal die Anzahl Artikel und Zeilen zu einem Thema auszuzählen. Und diese vielleicht noch einzuordnen: Wie berichtet die unabhängige Presse (WoZ), wie ihr gewinnmaximierender Gegenpart (Tamedia etc.). Aber vielleicht kommt man bei diesem Thema auch ohne Studie zu einem klaren Resultat, glaubts nicht auch?

Hätten wir nicht die Blogs, würden diese Entlassungen fast kallheimlich (sorry….) stattfinden. Und jetzt gehen wir mal nur ein halbes Jahr zurück. Ja, eigentlich reicht ein paar Wochen. Verlinken mag ich nichts, wer nicht dabei war, muss mir einfach glauben. Oder hier zurück blättern, und in der Blogroll lesen.

Die Klage über den anonymen Mob im Internet war gross – zwar immer aus den selben Kehlen, immer aus durchsichtigen Motiven, nämlich die Kritiker mundtot zu machen, aber ihr war schwer beizukommen. Es gab nämlich kaum empirische Daten, um Position oder Gegenposition ein für alle mal zu untermauern.

Jetzt aber, Gongschlag: Jetzt haben wir die Daten endlich. Ich hätte mir allerdings nicht gewünscht, dass sie anfallen. Selten war ein Sieg in einer Debatte trauriger. Denn er geht einher mit dem Verschwinden der schweizer Presse. Sei es.

Welches sind nun diese Daten? Schauen wir uns mal um, wie die Journalisten über die Katastrophe schreiben, die nun über sie hereinbricht. I sogs wie’s is: Praktisch gar nicht!!! Wer überhaupt darüber kritisch berichtet, tut es unter der Kappe des Pseudonyms. Nun ist es ja nicht so, dass pseudonym gleich anonym ist. Ein Pseudonym ist trotzdem eine Identität. Aber diese Debatte will ich jetzt nicht wieder aufwärmen, eigentlich. Ist mir rausgerutscht. Ich stelle einfach fest: Die grossen Verfechter des ‘Im Internet darf jeder sagen, was er denkt, schliesslich haben wir Meinungsfreiheit’ – wo sind sie jetzt? Sie schweigen still in ihr Bier, mucksmäuschenstill hoffen sie wahrscheinlich, dass dieser Kelch an ihnen vorüber geht, der anderen bereits die Erinnerung an eine jahrzehntelange Arbeit im Journalismus vergiftet.

Die einzigen, die jetzt noch die Vorgänge öffentlich machen, sind die Medienblogs wie journalistenschredder, hose/dose, medienspiegel, medienlese, klartext. Und die Abonnenten oder Leser wie zappadong oder bugsierer.

Die Herren Journalisten, die bisher so auf die Meinungsfreiheit gesetzt haben, sie scheinen komischerweise gar keine Meinung zum Thema zu haben. Nicht einmal im doch so flüchtigen Medium Twitter wagen sie sich aus der Deckung. Nichts als Nichtigkeiten dort, weiterhin. Meinungsfreiheit als die Freiheit, keine Meinung zu haben….

Uppercut: Es möge ihnen eine Lehre sein.

Und K.O.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:32

8 Kommentare

  1. Pingback von Asozialplan 2009 Tamedia « Journalistenschredder — 13. Juni 2009 @ 16:44

    [...] die Debatte findet eben doch statt, das kann im Jahr 40 nach Arpanet kein K(n)allkopf verhindern. Leserbrief [...]

  2. Trackback von Medienspiegel.ch — 15. Juni 2009 @ 21:06

    Widerstand regt sich II…

    In einem Interview mit dem Medienmagazin «Klartext» äussert sich «Tages-Anzeiger»-Reporter Jean-Martin Büttner zu den jüngsten Ereignissen rund um sein Blatt:……

  3. Kommentar von Titus — 16. Juni 2009 @ 19:17

    Ich denke schon, dass die Journalisten eine Meinung haben. Nur – wer mit vollem Namen seinem Groll freien Lauf lässt, katapultiert sich selber ins Abseits – innerhalb der gesamten Branche. Denn: Mit Problemen haben alle Verlage zu kämpfen. Sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen würde ihnen erst recht jede Chance auf eine Anstellung bei einem anderen krisengeplagten Verlag vermiesen.

    Auf der anderen Seite sind es sich Journalisten vielleicht einfach nicht gewohnt, selber Verleger zu spielen und ein entsprechendes Blog anonym zu eröffnen. Selbst wenn sie es täten, dürfte es schwierig sein, über eine Sache oder ein Vorkommnis zu schreiben ohne gleich erkannt zu werden.

    Alles in allem keine einfache Situation für Journalisten…

  4. Kommentar von Zappadong — 18. Juni 2009 @ 08:23

    Jean-Martin Büttner (vom Tagi) sagt sehr viel im neuen “Klartext”. Ein spannendes, interessantes Interview!

  5. Kommentar von Nicole Soland — 18. Juni 2009 @ 12:03

    So so, die Journalisten schreiben nix? Ich bin Redaktorin von P.S., die linke Zürcher Zeitung, und schreibe mir die Finger wund… Natürlich ist P.S. bloss eine kleine, unabhängige Wochenzeitung und zählt drum offenbar nicht, aber man kann uns abonnieren (www.pszeitung.ch) und in einigen Beizen in Zürich lesen. Zur Tagi-Geschichte hatten wir: Ausgabe 28. Mai: Bericht über die Kundgebung vor dem Tagi und Doppelseite über Medien in der Krise. Ausgabe 4. Juni: Bericht über die Entlassung der Präsidenten der Personalkommissionen von Tagi und Bund und etwas zum Thema Kündigungen statt Frühpensionierungen. Ausgabe 11. Juni: Interview mit Daniel Suter, entlassener Präsident der Personalkommission des Tagi, und Meldung über den Start der Sozialplanverhandlungen beim Tagi. Ausgabe 18. Juni: Stand der Dinge-Meldung zu Frühpensionierungs- vs. Kündigungsthema.
    Wir sind zwar nicht der Tagi, aber wir bleiben dran.

  6. Kommentar von Bruder Bernhard — 18. Juni 2009 @ 13:33

    @Nicole Soland: bravo, gute PR! Lass mich aber präzisieren: mein Beitrag zielte auf die Journalisten bei den parteiungebundenen Zeitungen, vor allem natürlich jene bei taringmedia. Dass linke Zeitungen in ihrem Quartier berichten, davon gehe ich doch wohl aus.

    Gerne hätte ich mal einen Blick in die Berichterstattung geworfen – schon mal überlegt, eure Webpräsenz den heute gültigen Massstäben anzupassen? In Freitagtaschenzürich gibts doch der Ex-HTML-Programmierer genug, die das gerne der guten Sache zu Liebe täten.

    Und übrigens ging es im Beitrag vor allem um die ewige Diskussion über den Datenschutz im Internet, welche mich unaufhörlich umzutreiben scheint.

  7. Kommentar von Nicole Soland — 18. Juni 2009 @ 15:27

    @Bruder Bernhard: Zur Präzisierung: P.S. ist eine parteiungebundene Zeitung; dafür, dass uns Tagi und NZZ, wenn sie uns mal zitieren, als SP-Blatt bezeichnen, können wir nichts – wir feiern dieses Jahr den 10. Geburtstag und wurden und werden nicht von der SP unterstützt, sondern schreiben unabhängig über unser Quartier (Stadt und Kanton Zürich). Von wegen Berichterstattung kann ich dir ein paar Artikel als pdf mailen, das mit der Webpräsenz ist… na ja…schwierig;-)

  8. Kommentar von Bruder Bernhard — 19. Juni 2009 @ 12:03

    @Nicole: Klar, eine Zeitung, die mit dem Titel “Winterthur: Nicolas Galladé in den Stadtrat” aufmacht, ist mit Gewissheit kein SP-Blatt ;-) – aber ich lasse jetzt die Haarspaltereien, schliesslich kann das jeder selber beurteilen.

    Über die PDF würde ich mich freuen, meine Adresse folgt per Mail. Was aber an der Webpräsenz jetzt so schwierig sein soll, leuchtet mir hier in der Provinz nicht ganz ein. Le Courrier schafft es doch auch, bei nur 10′000 Abonnenten – und es könnte doch der Verbreitung nur dienen. Chef Löpfe (ist der nicht Grafiker?) soll sich doch das mal anschauen…

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