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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

26. Dezember 2009

Hitler, ein Genie

Das erschreckende Resultat der Minarett-Abstimmung ist zumindest bei mir nicht verdaut. Ich hatte es bereits erwähnt, für mich hat sie den selben Stellenwert wie die verlorene EWR-Abstimmung von 1992. Die EWR-Abstimmung ging verloren, weil Leute aus meinem Kollegenkreis als uneinsichtige Isolationisten, als abwehrende Igel gegen ein dämonisiertes ausländisches Gebilde im Spiel der SVP mitmachten – ‘nützliche Idioten’ nennt man solche Beischläfer im extremistischen Lotterbett. Immerhin konnte man die grüne Verblendung noch nachvollziehen, die Argumente waren durchaus sachlich und in sich stimmig, wenn auch weltfremd. Die zunehmende Isolierung der Schweiz in der Welt wurde dieses Jahr auch für den hinterletzten Grünen offenkundig, und sie wird zunehmend zum Problem. Im Zusammenhang mit den Bankenaffären, der Libyenaffäre, dem aufgegebenen Bankgeheimnis, den Wirbeln um die Beihilfe zur Steuerhinterziehung: Immer wieder konnte man lesen, der Schweiz fehlten halt durch ihren Alleingang die Freunde.

Nun zur Minarett-Abstimmung:

Den nützlichen Idioten der SVP wird nicht entgangen sein, dass sie sich in einen unauflösbaren Widerspruch begeben haben. Möglicherweise ist es ihnen erst nach ihrem Bauchvotum aufgegangen. Der Widerspruch liegt zum einen darin begründet, dass sie sich hinter eine Partei stellen, die ausgerechnet das Alte Testament zur Grundlage seines Wertekatalogs, seiner “Christlichen Leitkultur” nimmt. Wir entsinnen uns, das Alte Testament: “Auge um Auge, Zahn um Zahn” – die christliche Scharia… Die EDU, zur Erinnerung, war die einzige Partei, die die Initiative offiziell unterstützt hat. Soviel noch zu “die Politiker hören dem Volk nicht zu” – vor der Abstimmung betraf das offenbar auch die SVP, die nun so in den Himmel gehoben wird als die Einzige, die die Sorgen der Leute ernst nähme. Nun, diese Tür schliesse ich stracks wieder, wer behauptet, Populismus nehme das Volk ernst, dem haben sich sowieso alle Gewichte besorgniserregend verschoben.

Mir ist auch in unguter Erinnerung geblieben dieser Furor einer Damenwelt, die sich emanzipiert glaubt, wo sie einfach nur krakeelt. Ich meine, wer kann jemanden Ernst nehmen, der vor der Abstimmung sich kaum mehr einkriegen kann mit Beispielen aus seinem Alltag, selbst Erlebte oder aus zweiter, dritter Hand, wo ein gewalttätiger Machismo Balkanjugendlicher die Hauptrolle spielt, der mit diesen Begründungen der islamischen Kultur Schranken setzen will? Wieviele Prozent der Balkanjugendlichen sind Muslime? Und von dieser Minderheit, wieviele sind mehr als Papiermuslime? Und schlussendlich auch noch: Wie halten es die Initianten, christliche Fundamentalisten, selber mit dem Machismo, den Frauenrechten, dem Selbstbestimmungsrecht in der Familie? Sind das wirklich die richtigen Verbündeten für eine Frau?

Nun zu Hitler

Aus aktuellem Anlass habe ich die dreibändige Geschichte des Dritten Reichs von Richard J. Evans wieder zur Hand genommen. Der erste Band umfasst die Zeit bis zur Machtergreifung der Nazis, und ein paar Dinge dürfen uns heute schon zu Denken geben. Evans beginnt im 19. Jahrhundert mit der Geburt des Bismark’schen Deutschen Reichs und kommt über den Ersten Weltkrieg zur Weimarer Republik, die durch die Nazis dann buchstäblich zerschlagen wurde. Lies es selber nach, hochinteressant! Ein paar Dinge, die zu Denken geben dürften, liegen im unbestreitbaren Talent der Nazis, die im Volk schlummernde Gewalttätigkeit gegen Aussenseiter anzustacheln und zu kanalisieren. Der Antisemitismus z.B. war in ganz Europa schon vor den Nazis weit verbreitet und durchaus gesellschaftsfähig; auch in Deutschland, mit einen Anteil von 1% Juden an der Gesamtbevölkerung! Diese zur Bedrohung empor zu stilisieren: Ein Meisterwerk der politischen Propaganda. Zu Denken gibt aber auch die Darstellung, wie eine Demokratie dadurch zerstört wird, dass sich immer mehr Leute von ihr abwenden und alles Übel einer ‘Classe politique’, dort halt beispielsweise ‘Novemberverbrecher‘ genannt, in die Schuhe schieben ….

Im zweiten Band wird dargestellt, wie die Nazis zwischen 1933 und 1939 den Staat zum perfekten Machtinstrument umbauten und eine echte Leitkultur durchsetzten. Der dritte Band endlich, soeben erst in deutsch erschienen, ist der heftigste. Der dritte Band nämlich hat den Zweiten Weltkrieg zum Thema, den von den Nazis angezündeten Weltenbrand, der sich ja bis nach Afrika, Asien und im Pazifik ausbreitete. Nun, ich habe über die Jahre wirklich Vieles zum Thema gelesen, angefangen von den kitschigen linksradikalen Arbeiterromanen der Zwanziger Jahre über die kitschigen Fliegerhelden- und Landserromane der Sechziger bis zu den einschlägigen Ernst zu nehmenden historischen Darstellungen, aber irgendwie war ich doch auf diesen Schock nicht vorbereitet. Die Erkenntnis, dass die Kriege der Nazis einhergingen mit einem sofortigen systematischen Terror gegen die Aussenseiter der eroberten Gebiete, Juden, Sinti und Roma, Sozialisten, Liberalen – die Liste ist zu lang, sie hier vollständig aufzuführen. Nicht dass der Terror stattfand, das war ja klar, aber dass er der siegreichen Armee auf dem Fuss folgte, das ist das Furchtbarste daran. Die Systematik. Der brandschwarze Hass.

Wie gesagt, ich habe viel zum Thema gelesen. Aber etwas ist mir immer noch nicht klar. Nämlich: Wie ist es möglich, dass ein verkrachter Künstler, ein unheilbarer Militarist, ein primitiver Schreihals, eine Witzfigur, ein möglicherweise gar Geisteskranker die vorhandenen gesellschaftlichen Kräfte so ausnutzen konnte, dass eine militaristische Diktatur einer Einheitspartei geschaffen werden konnte? Wie ist es möglich, dass ein einfacher Gefreiter zwanzig Jahre später als Oberbefehlshaber ganze Armeen aufmarschieren lassen kann?

Wie ich es auch drehe und wende, mir etwa vor Augen halte, dass ein Hitler ja nicht alleine handelte, so komme ich trotzdem immer wieder zum Schluss: Irgend etwas hat diesen Kranken in die Lage versetzt, in grossen Zügen zu denken, grossangelegte Strategien zu entwerfen, ohne dass irgendwie ersichtlich würde, was diesen Mann zu diesen Erfolgen befähigt hätte. Keine wirkliche Ausbildung, kein Zertifikat, kein Abschluss, kein Nichts. Und operierte in einem Umfeld von Doktoren, Absolventen militärischer Akademien, Ingenieuren, Wirtschaftsführern und Managern, er, dieser Prolet, Schreihals und Wüterich.

Also, wenn Hitler nicht heimlich eine echte Ausbildung erfahren hat, die der Geschichtsschreibung unbekannt ist, dann gibt es nur einen Schluss: Hitler war tatsächlich ein Genie. Und es wird sicherlich genügend Dummköpfe geben, die solch eine Feststellung mit einem Lob verwechseln. An diese habe ich beim Schreiben dieses Beitrags gedacht.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:30

10 Kommentare

  1. Kommentar von Zappadong — 26. Dezember 2009 @ 19:33

    Interessanterweise habe ich die differenziertesten Artikel zum Abstimmungsresultat von Frauen gelesen. Muslimischen und “anderen” (die meisten dieser Frauen hätten zwar ein Nein eingeleg, verstanden aber die Beweggründe gut bis sehr gut).

    Ebenfalls interessanterweise krakeelen (um deinen Ausdruck zu gebrauchen) nun haufenweise Männer in der Landschaft herum, die vor der Abstimmung nichts sagen / schreiben wollten.

    Sehr interessant auch die Tatsache, dass du in dieser Woche schon der zweite bist, der die emanzipierten Frauen ins Lotterbett der SVP legt (wenigstens sparst du dir die Worte “Schmusekurs”).

    Und noch viel interessanter ist die Tatsache, das jene Leute, die im interkulutrellen Bereich arbeiten, schon lange wieder an der Tagesarbeit sind – und zum Teil feststellen, dass die Zusammenarbeit immer noch bestens klappt, wenn nicht gar besser.

    Vielleicht täte ein bisschen mehr Alltag und ein bisschen weniger Lufthöhe gut.

  2. Kommentar von Bruder Bernhard — 26. Dezember 2009 @ 19:59

    @zappadong: ich bitte dich einfach, mir nicht die worte zu verdrehen. es sind nicht ‘die emanzipierten frauen’, sondern eine ‘Damenwelt, die sich emanzipiert glaubt, wo sie einfach nur krakeelt’.

  3. Kommentar von Petra — 27. Dezember 2009 @ 16:52

    Er war nicht allein, so wenig, wie heute eine Partei allein Rassismus schürt. Ich fürchte, wir erkennen erst dann die Gefährlichkeit der modernen Situation, wenn wir – vielleicht durch Lehren der Vergangenheit – darauf schauen, welche Rädchen sich da miteinander verzahnen, und leider längst nicht mehr nur in der Schweiz (die ja inzwischen sogar den französischen Wahlkampf “beflügelt”).

    Damals haben die schweigenden Zahnrädchen eine Industrialisierung der Vernichtung ermöglicht (denn einer allein kann das nicht). Wäre vielleicht heute an der Zeit, nicht wie ein kopfloser Hamster herumzurennen?

    Ich habe da durchaus Hoffnung…

  4. Kommentar von Zappadong — 28. Dezember 2009 @ 10:41

    Ich gebe auf. Nicht, ohne dir zu sagen, dass du im Moment klingst, wie die SVP.

    Du masst dir also an, genau zu wissen, wer “wirklich” emanzipiert ist und wer die Damenwelt ist, die sich emanzipiert glaubt (und deshalb nur herumkrakeelt). Deine Definition als Mass aller Dinge. Herr Mörgeli ist auch so einer. Herr Blocher auch. Und der Toni Brunner, der weiss auch immer ganz genau, wer “wirklich” Schweizer ist und wer nur glaubt, Schweizer zu sein.

    Ich bin Schweizerin. Wahrscheinlich nicht im Sinne von Toni Brunner. Und ich bin emanzipiert. Wahrscheinlich nicht im Sinne von dir.

    Irgendwie ist das schon wieder ein beruhigender Gedanke.

  5. Kommentar von Bruder Bernhard — 28. Dezember 2009 @ 11:13

    @zappadong: Deine Kommentare zu meinen Kommentaren laufen in letzter Zeit immer auf’s Selbe heraus, schade. Du schnitzt dir die Argumente der Anderen so zu Recht, dass Du sie dann unter grossem Lärm abschiessen kannst.

    Nein, ich masse mir nicht an, genau zu wissen, wer “wirklich” emanzipiert ist. Ich masse mir aber an, Leute wie beispielsweise die unsägliche Julia Onken als Krakeelerinnen zu bezeichnen, die sich für emanzipiert halten. Diese Frau verdiente gelegentlich einen eigenen Beitrag, aber irgendwie ist es mir zu unappetitlich.

    “Deine Definition als Mass aller Dinge” – keine Ahnung, wie Du auf so was kommst. Wo steht denn das wieder? Ich jedenfalls wäre der Letzte, der Dir die “Schweizerin” und das “emanzipiert” wegnimmt. Wo Du das bloss hernimmst?

  6. Kommentar von Titus — 30. Dezember 2009 @ 00:57

    Zur Schlussfrage, was den Aufstieg Hitlers ermöglichte, und damit zum eigentlichen Thema: Schau’ Dir Barack Obama an. Er war vor drei Jahren ein Nobody. Wie ist es da möglich, dass er heute nicht nur der erste schwarze amerikanische Präsident, sondern sogar noch Friedensnobelpreisträger ist?

    1) Er stand auf (auch im Sinne von Aufstand) / stellt sich.
    2) Er war unbelastet, unverbracht, unbekannt.
    3) Er entsprach charakterlich dem, wonach der Zeitgeist verlangte.
    4) Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
    5) Er hatte eine einfache Botschaft.
    6) Die Bevölkerung hatte genug vom Bisherigen.

    Ich denke, diese (und vermutlich noch weitere) Kriterien kannst Du auch auf Hitler anwenden. Der Mensch als Herdentier verlangt nach Persönlichkeiten, aber es müssen verschiedene Element stimmen (wie Petra das mit den Zahnrädern äusserte). Das Erschreckende ist, wie schnell ein Nobody zu jemandem werden kann…

  7. Kommentar von Bruder Bernhard — 30. Dezember 2009 @ 06:53

    @petra u. titus: natürlich war dieser Unverlinkbare nicht allein, die Beteiligung anderer ist ja auch akribisch dokumentiert, die Umsetzung eines Rassenwahns in eine Bürokratie der Vernichtung. Furchtbar und unerträglich zu Lesen! Und der ganze Zeitgeist war ja so: Eine Kultur der Ausgrenzung, des Anprangern von Sündenböcken, jeder war sich selbst der Nächste. Ich will nicht Kassandra spielen, aber manchmal macht mir das Angst, wenn ich gleichzeitig die Prophezeiungen der Wissenschaft zu den Verteilungskämpfen in den nächsten Jahrzehnten lese, über die Migrationsströme aus den klimageschädigten armen Gegenden. Die Konfrontation, der Aufbau einer Abwehrfront ist ein sehr realistisches Szenario. Also doch Kassandra!

  8. Kommentar von Mara — 30. Dezember 2009 @ 10:30

    @titus

    Hitler war als er 33 zum Kanzler ernannte wurde alles andere als ein Nobody – sondern ein alter Hase in der Politik. – und auch alles andere als unbekannt nach mind 15 Jahren öffentlichkeitswirksamen Tun.
    Auch seine Ideen war weder neu noch genuin seine – sondern fast schon die typischen Gedanken die im rechten Sumpf Deutschlands (und nicht nur dort) halt so kursierten.
    Aufstand – ja..aber schon damals in München, wo er gerne eine Revolution durchziehen hätte wollen.
    Obama kommt aus dem intellektuellen Milieu – Hitler war typischer Kleinbürger.

    Bis auf die Tatsache, dass beide Massen begeistern können will mir daher der Vergleich nicht wirklich einleuchten.

  9. Kommentar von Titus — 30. Dezember 2009 @ 14:23

    @ Mara
    «Alte Hasen» würde ich die Herren der Weimarer Republik bezeichnen. Hitler wurde allerdings erst 1929 zu einer national bedeutenden Grösse. Vorher war er nicht mehr als ein Lokalpolitiker ohne Exektiv-Erfahrung. Obama war bis 2004 national auch eher ein unbekannter Stern, obschon er schon seit 1992 politisch aktiv gewesen sein soll. Die Parallen dieser kometenhaften Aufstiege sind frappant.

    Übrigens, von «neuen Ideen» hatte ich nicht gesprochen…

  10. Kommentar von Mara — 30. Dezember 2009 @ 15:31

    @titus

    über die politischen Bedeutung von Hilter in den zwanziger Jahren lässt sich sicherlich streiten – aber München war nicht irgendeine kleine Stadt im Süden…(und der Hitler-Ludendorff-Putsch nicht ganz ohne Belang).
    Hinzu kommt, dass Hilter über die Hardenberg-Presse in ganz Deutschland bekannt gemacht wurde.

    Die Wahlerfolge stellten sich allerdings erst in den 30-er Jahren ein. Demagogenkönig war er schon vorher- und um Verwaltung hatte er sich nie gekümmert. Seine Ernennung somit die Folge von jahrelanger politischer Arbeit bzw. einer Propagandapolitik und Stimmungsmache gegen alles “Andere”.

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