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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

25. April 2009

Geld sammeln für Blogwerk AG?

Der erste Satz eines Artikels soll kurz und ohne Komma daherkommen. Absolutes Schwein, dass ich diese Masterregel grad diese Woche in einer meiner alten Zeitungen, die auf dem Küchenboden rumliegen, nachgelesen habe. Einschub: für die weiteren Sätze gilt diese Regel im Fall nicht mehr. Ausschub.

Wo war ich stehen geblieben?

Hätte ich diese Masterregel nicht gelesen, wäre mir wohl im Feuer ein Riesensatz entschlipft, um diesen Beitrag hier zu beginnen. So wie es Klaus Jarchow unlängst passiert ist. Klaus Jarchow wird seine langen Sätze bald anderswo publizieren – denn die Blogwerk AG von Peter Hogenkamp will die angeblich unrentable Medienlese verkaufen oder schliessen.

Medienlese soll einer der erfolgreichsten Schweizer Blogs sein mit täglich 2500 Besuchern, lese ich. Und soll deshalb wenigstens teilweise durch Spenden gerettet werden. Das schlägt massenpublikum.de vor. Und startet auch gleich eine Sammlung unter dem ‘jöh’-Titel “Ein Herz für Blogs”. Nun, wer will denn da noch herzlos sein?

Ich natürlich.

Wieso, um alles in der Welt, soll für einen Blog, der bisher von einer Firma zwecks PR gesponsert worden ist, nun Geld gesammelt werden? 2500 User pro Tag – das erfordert jetzt wirklich keine riesige IT-Infrastruktur, das lässt sich mit einem Hosting für ein paar 100 Franken pro Jahr problemlos realisieren. Die Software dahinter ist scheints Wordpress, gratis, leicht zu installieren – die selbe, die hier läuft.

Warum wird von Hogenkamp nicht erwartet, dass er das nun erwachsene Kind einfach freigibt bzw. an das Personal verschenkt? Verkaufen kann er es eh nicht, weiterführen aber sicher auch nicht. Die bisherigen Schreibpersonen aber würden bestimmt auch ohne Lohn die paar Mal pro Woche bloggen, denke ich. Meinungsstark genug sind sie, und die bisherigen Löhne waren bestimmt weit davon entfernt, eine Existenz zu sichern, so dass sie wohl notfalls ihren Blog quersubventionieren würden.

Noch ein Wort zu der Blogwerk AG. Als Neoblogger kannte ich diese Firma noch im letzten September praktisch nicht, nur Hogenkamp tauchte zwischendurch in der Presse als eine Art Blog-Guru auf. Als alter Hippie (ja, jetzt dürft’s alle losgröhlen) war mir schnell mal klar: ein guter Blog ist Einspringpunkt in die Blogsphäre. Erster Einspringpunkt ist die Blogroll. Diese vermisste ich bei des Blog-Gurus Blogs. Daraus schliesst der Alt-Hippie: Aha, da will jemand von einer Graswurzeltechnologie profitieren, die Leute auf seinen Seiten behalten und eine Bewegung zu Geld machen.

Ich tu Hogenkamp sicher nicht unrecht, wenn ich ihn als Medienunternehmer hinstelle. Er ist kein Blogger, er ist Auftrags- und Arbeitgeber von Bloggern. Und Verkäufer. Mit grossem Interesse habe ich etwa gelesen, dass Blogwerk AG für Firmen twittert und bloggt. Was wird das werden? Publireportagen? Bestellte Zwitscher?

Ursprünglich ist Bloggen Punk. Oder so was ähnliches. Und dessen Kommerzialisierung damit unvereinbar.

Hoffentlich geht das Scheitern weiter.


(via die punkige Version der Medienlese ugugu :-) – hätte aber auch via Hose (oder ist es Dose?) kommen können!)

PS: Dumk Opf! Also, Hose! (Oder ist es Dose?)

Update 10:18

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags: — Bruder Bernhard @ 09:18

4 Kommentare

  1. Kommentar von Zappadong — 26. April 2009 @ 11:04

    Bloggen ist Punk. Gefällt mir :-)

    Trotzdem: Ich habe Geld rübergeschoben für die medienlese. Aber eigentlich nicht als Spende, sondern als Abobeitrag (ich lese da regelmässig mit und gebe ab und zu meinen Senf dazu).

    Weil: Das mit dem kostenlosen Internet geht nicht auf. Oder es geht eben nur für Internetpunks auf. Jene, die keinen Stutz machen wollen mit dem Netz sondern sozusagen in einer Mission unterwegs sind (ähnlich wie die Blues Brothers).

    Ich liebe die Blog Punks und möchte mich gerne auch als so eine Punkerin sehen (keine Werbung in meinen Blogs!!!). Ich lese aber auch gerne wirklich gute Blogs und so würde ich zum Beispiel für den Journalistenschredder ugugu ohne mit der Wimper zu zucken einen Abobeitrag bezahlen. Weil der Journalistenschredder ugugu mir häufig mehr bietet als meine Tageszeitung (deren Abo irgendwie endlos zu sein scheint). Es gibt noch mehr Blogs, für die ich eine Abogebühr bezahlen würde, einfach weil ich finde, dass ich davon echt etwas habe.

    Genauso, wie ich immer noch sämtliche Musik auf CDs kaufe und mir die Filme im Kino anschaue und dafür bezahle. Weil Qualität eben ihren Preis haben soll und darf.

    Wenn dann erst einmal alles, aber auch gar alles gratis im Netz zu haben ist, könnte die Welt sehr öde werden. Oder ein Schrottplatz.

    Um zur Medienlese zurückzukommen: Ich kenne die Hintergründe zu wenig (habe erst vorgestern erfahren, dass jene Blogger fürs Bloggen bezahlt werden). Mein Abobeitrag (wenn man denn will: meine Spende) ist eigentlich nicht unbedingt ein Bekenntnis zur Medienlese. Sondern ein Standpunkt. Gegen das “alles muss gratis sein”.

    So, und jetzt gehe ich mit Herrn Zappadong spazieren. Kostenlos.

  2. Kommentar von Bruder Bernhard — 26. April 2009 @ 12:22

    @zappadong: doch, das mit dem kostenlosen Internet geht auf. Beweise dafür gibt es allethalben im Netz.

    Man sollte allerdings nicht “kostenlos” mit Piraterie vermengen, bitte schön. Ich rede auch nicht einer Gratismentalität das Wort. Wenn jemand für sein Schreiben oder Musizieren oder Filmen bezahlt werden will, habe ich überhaupt nichts dagegen, aber das ist ein anderes Spiel, als wir betreiben.

    Blogsoftware ist Open Source, das Hosting für einen anständigen Blog kostet etwas (in meinem Fall: CHF 100 / Jahr), ein anständiger Internet-Zugang kostet etwas (hier: CHF 79 /Monat). Damit habe ich aber die Produktionsmittel selber in der Hand und kann in die ganze Welt hinausschreien. Ich brauche keine weiteren Vermittlungsagenten, keinen Verlag, kein Presswerk, keine Druckerei, nur eine interessante Aussage.

    Das ist Bloggen, das steht allen offen. Das ist Punk….

    Medienlese hat bisher anders funktioniert. Ich bin immer stärker der Meinung, auf Medienlese könnte auch richtig gebloggt werden. Mal sehen, was passiert, wenn die Blogwerk AG das Ding nicht verkaufen kann. Ich plädiere für Freigabe bzw. Übergabe an diejenigen, die die Marke durch jahrelange Selbstausbeutung, durch ihrer Köpfe Arbeit erst geschaffen haben!

    Und seit ich Ronnie Grobs exzellenten Musikgeschmack durch seinen eigenen Blog kennen gelernt habe, möchte ich ihm sogar eine Weiterführung der Medienlese persönlich gönnen, trotz mitunter skurriler konservierender Ansichten

  3. Kommentar von Guido — 29. April 2009 @ 09:44

    Ich bin mit Bruder Bernhard ganz einverstanden und hatte auch schon mit dem Peter Hogenkamp kleine Uneinigkeiten bezüglich wie viel Werbung in Blogs denn genau angebracht ist. Meine Meinung ist, “gar keine”, aber ich bin da wohl etwas radikal, das sieht auch der Peter Hogenkamp so.

    Meine Konsequenz aus unserer Unterhaltung war denn auch, dass ich im Normalfall keine Blogwerk-Blogs lese – lediglich wenn sie andernorts verlinkt sind kann es sein, dass ich mich darauf verirre.

    Der einfache Grund dafür ist, dass für mich bloggen mit einer persönlichen Mission zu tun hat: Bloggen war jahrelang der Ausdruck eines Bedürfnisses, einem Publikum mitzuteilen, was man warum genau so und nicht anders sieht. Und wie Bruder Bernhard erwähnt hat, die Aufwände dafür sind minimal, wenn man die Arbeit nicht rechnet. Und für diese ist die Möglichkeit der Erfüllung persönlicher Träume mehr als Lohn genug.

    Die Kommerzialisierung des Bloggens geht notwendigerweise mit einer Verflachung dieser Mission daher; ein bezahlter Blogger muss auch dann Inhalte liefern, wenn ihm gerade nicht danach ist, und gerade bei bezahlten Blogbeiträgen muss er manchmal auch über Dinge bloggen, die ihn nicht mal zwingend so interessieren.

    Das ist im traditionellen Journalismus ja schon lange so, aber wir sehen ja wo das hinführt – Stichwort Zeitungssterben. Die Printmedien haben ja in Gutenbergschen Zeiten auch ganz anders angefangen, der Revoluzzer-Geist ging einfach im Laufe der Jahrzehnte etwas verloren.

    Gucken wir doch, dass das den Blogs noch nicht gleich auch passiert. Nieder mit der Macht des Kapitals :P

  4. Kommentar von Lonesome — 17. Mai 2009 @ 05:29

    Aber hallo!

    Bemerkung B.B. zu diesem Kommentar: offensichtlicher Spam, ich habe den aber mal freigeschaltet. Auf dem Blog von lonesomewalker steht dazu einiges.

    Wenn noch mehr vom selben Spammer kommt, werde ich ihn dann blocken, was dann auch ein Löschen dieses Kommentars hier zur Folge hat.
    17.5.2009 10:24 Uhr Bruder Bernhard

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