new kid on the blog seit 11-09-2008

La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

3. November 2009

http://www.zeit.de/online/2008/21/new-york-kolumne?page=all

Diesen Link im Titel kennt unterdessen die ganze “Horde wutschnaubender Möchtegernpiraten… , die ihre Nächte im Schlafanzug vor dem Computer verbringen”. So souverän apostrophiert die TAZ-Journalistin Eva C. Schweitzer ganz pauschal die kritischen bis gehässigen Kommentatoren ihrer 2000-Euro-Abmahnung eines Kleinstblogs. Man darf sich ja fragen, was eine erfahrene Schreiberin dazu bringt, mit solchen Unterstellungen, Projektionen und Schlämperligen ihren Argumenten alle Kraft zu nehmen und sich prompt ins Abseits einer Diskussion zu stellen, die sie durch ihr unbedachtes Verhalten herausgefordert hat – wahrscheinlich ohne das vorauszusehen.

Welchen Teufel reitet Frau Schweitzer, dass sie vergangene Woche zuerst den am äussersten Rand der Öffentlichkeit stehenden Blog nom nom nom wegen eines anderthalb Jahre alten Postings mit einer Abmahnung im Gesamtbetrag von über 2000 Euro belegen lässt, dann die laute und breite Kritik an dieser Aktion mit herablassenden und süffisanten Bemerkungen garniert kontert und dabei behauptet, “wir wollen ja kein Öl ins Feuer kippen, sondern Sand” – das riecht verräterisch nach Schwefel. Und sachfremde Sprüche wie “Obwohl ich bloß eine Frau bin, habe ich nicht automatisch Respekt vor Männern, bloß weil sie Java Script von Latte Americano unterscheiden können” zeugen nicht gerade von Distanz, Abgeklärtheit und erwachsenem Verhalten, welche sie für sich mit einem doppelten “ruhig, ruhig, wir einigen uns schon” besetzt und dann doch im Handkehrum als reine Behauptung erscheinen lässt. Frau Schweitzer zeigt sich hier als recht streitlustig, leider aber auch als hochmütig und herablassend gegenüber den tumben Deutschen, die halt keine Wohnungen in Manhattan und Berlin Mitte haben, die zudem nicht feiern können. Im Originalton sieht das etwa so aus: Die 2155 Euro für das möglicherweise ungerechtfertigte Zitat muss sie einfordern,

weil davon die Schleppnetzfahnung und der Anwalt bezahlt werden. Und meine Wohnung in New York, denn wenn ich die nicht hätte, könnte ich dort keine Artikel schreiben, aus denen Blogger anschließend abpinnen können. Weitere Antworten über mein Privatleben entnehmt ihr bitte meinem neuen Buch.

Für eine, die sich in ihrer Biographie gerne in die Nähe der Berliner Hausbesetzerszene rückt irgendwie befremdend, finde ich. Allerdings finde ich den Hinweis auf ihr Buch wieder unfreiwillig lustig. Ihr vorheriges Buch war ein New-York-Buch, über das ein Leser auf amazon.de schreibt:

Leider absolute Langeweile. Zwar kenne ich jetzt die guten und weniger guten Bekannten der Autorin aber von New York habe ich nicht viel neues mitbekommen.

Also ist der Hinweis auf ihr nächstes Buch gar nicht so deplatziert, wie er zunächst scheinen mag, da sie offenbar gerne über sich schreibt, auch dort, wo man es nicht unbedingt erwartet.

Da Frau Schweitzer für die TAZ schreibt und ‘bloggt’, wirft sich auch ihr Chef ins Getümel und bringt den erhellenden Begriff der “Blogmobmeute” in die Debatte ein, den er dann tags darauf so richtig onkelhaft zum “Möbchen” verniedlicht; sinnigerweise sieht er ganz pauschal und undifferenziert die “deutsche Blogsphäre” am Werk. Für wie blöd halten die ihre Leser eigentlich? Meinen sie wirklich, wir sehen nicht den Schaum vor dem Mund, den sie mit gespielter Lässigkeit überdecken wollen?

Was soll man von solchen Journalisten halten? Wenden wir uns zuerst mal der Blogmobmeute in ihren Pijamas zu.

Ich habe mich schon mehrfach geärgert über all diese Blogs, die mit ganz wenig Eigenleistung Minipostings raushauen, die entweder aus einem Foto, einem Youtube-Link oder einfach einem Zitat eines Zeitungsartikels bestehen. nom nom nom ist offenbar so einer. Und er hat wirklich ausgiebig Frau Schweitzers Artikel für die Zeit zitiert – eigentlich den Kern des Artikels. Und er hat zwar auf den Originalartikel verlinkt, aber den Namen der Journalistin hat er in seiner Kürzesteinführung von zwei Sätzen nicht erwähnt. Ich finde das ärgerlich, und zwar einfach als Blogleser. Ich mag nicht dieselbe Story zweimal lesen müssen, einmal als längerer Auszug, dann noch im Original.

Noch ein Wort zu Postings und Kommentaren in verschiedenen Blogs. Wer zwischendurch mal ins Newsnetz blickt, wird nicht überrascht sein, dass das Ganze schon sehr stammtischmässig daher kommt. Immer die selben Argumente, irgendwann beginnt das Übertrumpfen und dann wird es nur noch dumm und niedrig, gerne auch sexistisch. Nicht nur – im Unterschied zu den kommerziellen Klickfängern wie Newsnetz werden die Kommentare durch den Gastgeber moderiert (es sind glaubs nur Männer…) und beantwortet, so dass es streckenweise wieder recht interessant ist. Den Vorwurf allerdings mache ich den Blogs, die die Sache am Kochen halten: Sie sind genau so klickgeil wie die Kommerzlis von der Presse. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich hunderte von Kommentaren unter den Beiträgen finden, die gebetsmühlenhaft immer wieder dasselbe wiederholen, einfach mit anderen Worten und in unterschiedlicher Schärfe? Da dürfte sich etwa Niggemeyer etwas einfallen lassen. Er steht aktuell bei 256 Kommentaren, das ist nur noch Bluff, keine Substanz mehr!

Überschlagsmässig kommt man locker auf 1000 Kommentare auf den paar Blogs, die ich mir für diesen Beitrag angeschaut habe, den grössten Teil habe ich gar gelesen. Ich schäme mich fast ein wenig…

Wie gesagt, nom nom nom zitiert den Kern des Schweitzerschen Artikels, nicht das drum herum. Allerdings findet sich in der Art, wie Schweitzer zitiert wurde, eine unfreiwillige Pointe. Jetzt hat nämlich ein schlauer Blogmobmeutier herausgefunden, dass genau dieser Kern von Schweitzer stinkefrech aus amerikanischen Zeitungen abgeschrieben und umformuliert und im Artikel mit einer hanebüchenen, absolut krampfhaft zusammengeflickten Rahmenhandlung versehen worden ist. Das ist der Tausendundeinenacht-Stil, gut für Märchen, aber wollen wir wirklich von einer teuren Auslandkorrespondentin sowas lesen? Frau Schweitzer scheint es darauf angelegt zu haben, genau die Mythen um Auslandkorrespondenten zu bestätigen: Zeitungen, TV und Internet konsumieren, übersetzen und zusammen fassen. Blamabel – vor allem, wenn man dann genau mit dieser mangelnden Eigenleistung sich noch aufs hohe Ross schwingt.

Eine Abmahnung, wer das noch nicht weiss, ist eine Spezialität des deutschen Zivilrechts – ich kenne kein anderes Land, das solch eine Bevorzugung des Stärkeren durch eine derart brutale Waffe kennt. Abmahnen kann ich, wenn z.B. jemand meinen Firmennamen verwendet; es wird einseitig ein Streitwert und die daraus entstehenden Kosten festgesetzt, der Abgemahnte hat dann die Wahl zu zahlen oder vor Gericht zu gehen. Ist der Abgemahnte klein und der Streitwert hoch genug, wird er das Prozessrisiko in der Regel nicht eingehen, sondern zahlen und schweigen. Bloss: Seit der Jack-Wolfskin-Affäre ist allgemein bekannt, dass das mit dem Schweigen nicht mehr funktioniert – die Abgemahnten finden heute eine Öffentlichkeit, die zuverlässig empört reagiert. Und sofort für David gegen Goliath Partei ergreift. Meistens.

Was also soll man von Journalisten halten, die zuerst mal abschreiben, dann aggressiv ihr Urheberrecht sich mit astronomischen Summen vergüten lassen und damit kleine Leute einfach wegbeissen wollen? Die nicht einmal wissen, dass aus der früher so lukrativen Abmahnerei eine Falle für den Abmahner geworden ist? Die dann gegen jeden gesunden Menschenverstand sich als Bloghasser outen, auch wenn dies nur eine momentane Emotion sein mag?

Wie gesagt, Internet lesen kann ich selber, da brauche ich keine Frau Schweitzer, die mir das übersetzt und neu verpackt. Und ich brauche auch keine Pseudo-Blogs von Journalisten, die ganz offensichtlich Trittbrettfahrerei betreiben. Deshalb übrigens habe ich weiter oben ‘bloggen’ in Anführungsstriche gesetzt. Man schaue sich mal einen solchen ‘Blog’ an. Es sieht aus wie ein Blog, es schreibt wie ein Blog, aber es fehlt das für mich Wichtigste: Es sind Sackblogs – man kommt zwar rein, aber kaum mehr raus. Keine Blogroll, kaum Links. Rückzugsgefechte halt einer Branche, die langsam im eigenen Hinterteil verschwindet. Schade drum, ehrlich.


nochmals die wichtigsten Links für Ausdauernde:

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, , , , — Bruder Bernhard @ 13:46

5 Kommentare

  1. Kommentar von André B. — 3. November 2009 @ 19:25

    Ein Statement von Eva zu dem Plagiat wäre ja wünschenswert – auch wenn der Inhalt eines solchen Statements recht vorhersehbar scheint. Den Vorwurf des Plagiats habe ich auch im Kommentar zu Evas “New Hope” Posting erhoben – allerdings dümpelt der schon einige Zeit in der Warteschlange vor sich, später eingereichte Kommentare hingegen sind bereits freigeschaltet. Vermutlich bin ich bereits beim BKA auf der Sperrliste, Evas Anwälte lauern in den Rhododendronbüschen vor dem Haus und sie selbst packt dann die Verbalkeule gegen mich feigen, diffamierenden Blogmobmeutier (schönes Wort!) aus, sobald ich erstmal in U-Haft sitze. ’s is wohl besser, ich verlasse das Haus nicht mehr, wer weiß welch Unsitten die radikale Eva sonst noch so aus Manhatten exportiert.

  2. Kommentar von André B. — 3. November 2009 @ 19:27

    Auch lesenswert:

    http://www.dennis-knake.de/2009/10/30/darth-vader-war-souveraner/

  3. Kommentar von Muriel — 7. November 2009 @ 16:54

    Ich weiß zwar eigentlich selbst nicht mehr, warum ich mich so in die Tiefen dieser Schweitzer-Debatte geklickt habe, aber dieser kluge und unterhaltsame Artikel war es schon wert. Danke schön!

  4. Kommentar von nnier — 16. November 2009 @ 19:05

    Danke für die Zusammenfassung und Bewertung.

  5. Kommentar von Bruder Bernhard — 16. November 2009 @ 21:40

    @nnier: oh, ol’ man madblogger – willkommen :-)

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