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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

27. Dezember 2009

Freitag.de

Dies ist keine Medienkolumne, kein Mediawatchblog – dies ist ein Zufall!

Da ich drüben mein Archiv von vor 20 Jahren aus zerknautschten Schachteln ziehe, ein Archiv, das zum ersten Mal wieder das Licht des Tages erblickt, nachdem es mehrere Umzüge, feuchte Keller, einen Schopf im Jura und ein paar halb beschlossene Entsorgungsaktionen überlebt hat, welch ein Wunder, bin ich auch bis zum Rande der (in der Kulturberichterstattung vielfach falsch verwendeten) Schnittstellen gelangt, und heute gebe ich einen ersten kurzen Einblick.

Langsam könnte ich sowieso einen Blog aufsetzen mit dem Thema ‘Bieler in fremden Diensten’, soviele Geschichten sind mir unterdessen näher bekannt. Ach, vielleicht streue ich die eine oder andere Anekdote aus meinen Dossiers gelegentlich hier ein. Doch heute nicht mehr davon. Doch, vielleicht nur ein wenig: Dr. Michael Angele.

Dr. Michael Angele, mein früherer Chefredakteur beim weltberühmten Fanzine Angeldust, deren Nummern ich bei Gelegenheit drüben abdrucken werde, hat mich in den letzten Wochen überrascht. Womit? Vielleicht dazu später mehr, die Brille jedenfalls kann es nicht sein, denn als Verfasser eines Artikels über Szenemoden im Angeldust, 1985, weiss Angele genau, welche Codes er mit seiner Pilotenbrille ohne Sonnenschutz ‘ironisiert’… Heute ist er ja beim Freitag.de, übrigens komisch: Viele Bieler in fremden Diensten werden Bester Freund eines Millionärs, erinnert sich jemand Frank A. Meyers?

Später

Ich musste jedenfalls herzlich lachen angesichts des Interviews der Freitag-Redaktion mit Alexander Kluge, Augstein und Angele wie zwei Buben, fehlte noch das Gimme-Five, nachdem Augstein schon bei einer allerersten Frage scort, wahrscheinlich was Gescheites platziert, vielleicht haben die beiden gar eine Wette laufen, ähnlich den Donaldisten?

Und nachdem ich auf ein Interview des früheren Netzeitungs-Chefredakteur (hatten wir hier in Biel nicht einmal mitbekommen….) äh…. auf ein Interview gestossen bin, musste ich, das Kluge-Kolloquium noch frisch in Erinnerung, unbedingt googeln, nach “hat einmal gesagt” – den Trick, diese Wendung, die muss man sich merken, damit kommt man auf jedenfall überall durch, wie es scheint.

Das habe ich mal gesagt.

Da ich den Freitag schon mal im Titel habe, hier noch mein Eindruck dazu: Huch, ist das hochgestochen. Ob die das noch merken? Ob Angele sich deswegen im Impressum als Dr. aufführen liess? Und wenn nicht hochgestochen, dann wabert’s gar gefühlig – so geht also Community? Da haben wir ja in der Schweiz nochmal Schwein gehabt mit unseren User-Löschers, den Community-Killers vom unterdessen gänzlich überflüssigen crash. ch oder wie dieser gescheiterte Community-Versuch der Tamedia schon wieder hiess… Dieser Kelch ist an uns vorbeigegangen. Sonderfall Schweiz, halt, wie immer.

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Bruder Bernhard @ 10:00

26. Dezember 2009

Hitler, ein Genie

Das erschreckende Resultat der Minarett-Abstimmung ist zumindest bei mir nicht verdaut. Ich hatte es bereits erwähnt, für mich hat sie den selben Stellenwert wie die verlorene EWR-Abstimmung von 1992. Die EWR-Abstimmung ging verloren, weil Leute aus meinem Kollegenkreis als uneinsichtige Isolationisten, als abwehrende Igel gegen ein dämonisiertes ausländisches Gebilde im Spiel der SVP mitmachten – ‘nützliche Idioten’ nennt man solche Beischläfer im extremistischen Lotterbett. Immerhin konnte man die grüne Verblendung noch nachvollziehen, die Argumente waren durchaus sachlich und in sich stimmig, wenn auch weltfremd. Die zunehmende Isolierung der Schweiz in der Welt wurde dieses Jahr auch für den hinterletzten Grünen offenkundig, und sie wird zunehmend zum Problem. Im Zusammenhang mit den Bankenaffären, der Libyenaffäre, dem aufgegebenen Bankgeheimnis, den Wirbeln um die Beihilfe zur Steuerhinterziehung: Immer wieder konnte man lesen, der Schweiz fehlten halt durch ihren Alleingang die Freunde.

Nun zur Minarett-Abstimmung:

Den nützlichen Idioten der SVP wird nicht entgangen sein, dass sie sich in einen unauflösbaren Widerspruch begeben haben. Möglicherweise ist es ihnen erst nach ihrem Bauchvotum aufgegangen. Der Widerspruch liegt zum einen darin begründet, dass sie sich hinter eine Partei stellen, die ausgerechnet das Alte Testament zur Grundlage seines Wertekatalogs, seiner “Christlichen Leitkultur” nimmt. Wir entsinnen uns, das Alte Testament: “Auge um Auge, Zahn um Zahn” – die christliche Scharia… Die EDU, zur Erinnerung, war die einzige Partei, die die Initiative offiziell unterstützt hat. Soviel noch zu “die Politiker hören dem Volk nicht zu” – vor der Abstimmung betraf das offenbar auch die SVP, die nun so in den Himmel gehoben wird als die Einzige, die die Sorgen der Leute ernst nähme. Nun, diese Tür schliesse ich stracks wieder, wer behauptet, Populismus nehme das Volk ernst, dem haben sich sowieso alle Gewichte besorgniserregend verschoben.

Mir ist auch in unguter Erinnerung geblieben dieser Furor einer Damenwelt, die sich emanzipiert glaubt, wo sie einfach nur krakeelt. Ich meine, wer kann jemanden Ernst nehmen, der vor der Abstimmung sich kaum mehr einkriegen kann mit Beispielen aus seinem Alltag, selbst Erlebte oder aus zweiter, dritter Hand, wo ein gewalttätiger Machismo Balkanjugendlicher die Hauptrolle spielt, der mit diesen Begründungen der islamischen Kultur Schranken setzen will? Wieviele Prozent der Balkanjugendlichen sind Muslime? Und von dieser Minderheit, wieviele sind mehr als Papiermuslime? Und schlussendlich auch noch: Wie halten es die Initianten, christliche Fundamentalisten, selber mit dem Machismo, den Frauenrechten, dem Selbstbestimmungsrecht in der Familie? Sind das wirklich die richtigen Verbündeten für eine Frau?

Nun zu Hitler

Aus aktuellem Anlass habe ich die dreibändige Geschichte des Dritten Reichs von Richard J. Evans wieder zur Hand genommen. Der erste Band umfasst die Zeit bis zur Machtergreifung der Nazis, und ein paar Dinge dürfen uns heute schon zu Denken geben. Evans beginnt im 19. Jahrhundert mit der Geburt des Bismark’schen Deutschen Reichs und kommt über den Ersten Weltkrieg zur Weimarer Republik, die durch die Nazis dann buchstäblich zerschlagen wurde. Lies es selber nach, hochinteressant! Ein paar Dinge, die zu Denken geben dürften, liegen im unbestreitbaren Talent der Nazis, die im Volk schlummernde Gewalttätigkeit gegen Aussenseiter anzustacheln und zu kanalisieren. Der Antisemitismus z.B. war in ganz Europa schon vor den Nazis weit verbreitet und durchaus gesellschaftsfähig; auch in Deutschland, mit einen Anteil von 1% Juden an der Gesamtbevölkerung! Diese zur Bedrohung empor zu stilisieren: Ein Meisterwerk der politischen Propaganda. Zu Denken gibt aber auch die Darstellung, wie eine Demokratie dadurch zerstört wird, dass sich immer mehr Leute von ihr abwenden und alles Übel einer ‘Classe politique’, dort halt beispielsweise ‘Novemberverbrecher‘ genannt, in die Schuhe schieben ….

Im zweiten Band wird dargestellt, wie die Nazis zwischen 1933 und 1939 den Staat zum perfekten Machtinstrument umbauten und eine echte Leitkultur durchsetzten. Der dritte Band endlich, soeben erst in deutsch erschienen, ist der heftigste. Der dritte Band nämlich hat den Zweiten Weltkrieg zum Thema, den von den Nazis angezündeten Weltenbrand, der sich ja bis nach Afrika, Asien und im Pazifik ausbreitete. Nun, ich habe über die Jahre wirklich Vieles zum Thema gelesen, angefangen von den kitschigen linksradikalen Arbeiterromanen der Zwanziger Jahre über die kitschigen Fliegerhelden- und Landserromane der Sechziger bis zu den einschlägigen Ernst zu nehmenden historischen Darstellungen, aber irgendwie war ich doch auf diesen Schock nicht vorbereitet. Die Erkenntnis, dass die Kriege der Nazis einhergingen mit einem sofortigen systematischen Terror gegen die Aussenseiter der eroberten Gebiete, Juden, Sinti und Roma, Sozialisten, Liberalen – die Liste ist zu lang, sie hier vollständig aufzuführen. Nicht dass der Terror stattfand, das war ja klar, aber dass er der siegreichen Armee auf dem Fuss folgte, das ist das Furchtbarste daran. Die Systematik. Der brandschwarze Hass.

Wie gesagt, ich habe viel zum Thema gelesen. Aber etwas ist mir immer noch nicht klar. Nämlich: Wie ist es möglich, dass ein verkrachter Künstler, ein unheilbarer Militarist, ein primitiver Schreihals, eine Witzfigur, ein möglicherweise gar Geisteskranker die vorhandenen gesellschaftlichen Kräfte so ausnutzen konnte, dass eine militaristische Diktatur einer Einheitspartei geschaffen werden konnte? Wie ist es möglich, dass ein einfacher Gefreiter zwanzig Jahre später als Oberbefehlshaber ganze Armeen aufmarschieren lassen kann?

Wie ich es auch drehe und wende, mir etwa vor Augen halte, dass ein Hitler ja nicht alleine handelte, so komme ich trotzdem immer wieder zum Schluss: Irgend etwas hat diesen Kranken in die Lage versetzt, in grossen Zügen zu denken, grossangelegte Strategien zu entwerfen, ohne dass irgendwie ersichtlich würde, was diesen Mann zu diesen Erfolgen befähigt hätte. Keine wirkliche Ausbildung, kein Zertifikat, kein Abschluss, kein Nichts. Und operierte in einem Umfeld von Doktoren, Absolventen militärischer Akademien, Ingenieuren, Wirtschaftsführern und Managern, er, dieser Prolet, Schreihals und Wüterich.

Also, wenn Hitler nicht heimlich eine echte Ausbildung erfahren hat, die der Geschichtsschreibung unbekannt ist, dann gibt es nur einen Schluss: Hitler war tatsächlich ein Genie. Und es wird sicherlich genügend Dummköpfe geben, die solch eine Feststellung mit einem Lob verwechseln. An diese habe ich beim Schreiben dieses Beitrags gedacht.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:30

11. Dezember 2009

Dem Volk endlich zuhören!

Diese lockere Serie, die auch an der Triperie nicht spurlos vorbeigegangen ist, wollen wir heute um eine zu Recht stark funkelnde Fazette erweitern: Sexuelle Frustration führt in den Abgrund. Die Politiker sollen uns endlich mal zuhören, verdammt nochmal!!!

Der verlinkte Text von BB, geschrieben von seiner Parallelexistenz Rudy Vargyas über seine Parallelexistenz Nägeli, brachte das Malaise bereits 1985 auf den Punkt – passiert ist seither gar nichts! Ein weiterer Fehler der Linken und der Intellektuellen, die einfach nicht zuhören können!!! Bei der nächsten Abstimmung über ein Jugenzentrum werde ich aus Protest nein stimmen, hier ist nun die Politik gefordert, Zeichen müssen gesetzt werden.

Hier lesen: Alte nehmen die PDF-Version, die kann man vergrössern, sonst HTML, wer kein Acrobat besitzt. Text aus dem weltberühmten Bieler Fanzine Angeldust.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten, Unterhaltungskunst — Bruder Bernhard @ 11:11

4. Dezember 2009

Alles zu kurz gekommene?

Schönes Wetter heute morgen. Vitamin D werde scheint’s durch Sonne gebildet, also setze ich mich im Trolleybus ans Fenster und lasse mich bescheinen. Wir fahren durch ein schönes Aussenquartier, Bäume, Laub, ein kleines Fussballstadion rechts, ein Tennisplatz links, der Herrgott meint es wieder mal gut mit seinem auserwählten Volk. Ein früherer Stadtpräsident mit seiner Frau steigt zu, die Sonne lacht, ein Freitagmorgen in der Schweiz.

Vorne schwatzen zwei Buschauffeure miteinander. Aus dem Gespräch kriege ich mit, dass wohl eine Demo im Stadtzentrum zu Verspätungen führt. Doch die beiden sind ausnahmsweise mal überhaupt nicht sauer wegen der Störung im Betriebsablauf, nein, sie lachen fröhlich, scheinen sich fast ein bisschen darüber zu freuen, und der Eine fragt den Andern: “Du hesch jo sicher ou jo xschtimmt, oder?” – worauf der andere ein wohlgenährtes Lachen erklingen lässt und mit “Sicher doch, alle die ich kenne haben ja geschtimmt” antwortet. Sie klopfen sich virtuell auf die Schultern, stellen allen Muslimen anheim, sie sollen ruhig ihr Geld aus der Schweiz abziehen, das sei ihnen doch egal, lassen immer wieder ihr selbstzufriedenes Lachen ertönen, freuen sich darüber, endlich endlich mal eine Abstimmung gewonnen zu haben, sonst hätten immer sie das Resultat akzeptieren müssen, nun sei es mal an den Anderen. Die beiden sind sich sympathisch, die beiden sind sich nun offenbar näher gekommen, zwei neue Freunde haben sich da gefunden. Ich kann an mich halten.

Bald steigt der eine der Beiden aus, und ich sehe ihn mir durchs Fenster an. Gut sieht er aus, rosig, Schwimmringe um die Hüften, mindestens 20 Jahre jünger als ich. Die Art Mann, die sich mit einer Ausländerin wohler fühlt, wie die Stammtische ja nicht müde werden zu beteuern. Scheisse! Mein Projekt, all diese Dumpfköpfe zu überleben und der biologischen Lösung des Problems noch teilhaftig zu werden, kann ich nun definitiv begraben.

In der Stadtbibliothek lese ich dann noch den Leserbrief im Zürcher Tagesanzeiger, eine junge Muslimin schreibt, sie gehe seit jeher mit Kopftuch aus dem Haus und zur Arbeit. Nun aber habe sie Angst, Angst um ihre Stelle. Sie stelle aber auch fest, dass die Leute, die Passanten, eine neue Haltung ihr gegenüber einnehmen, provokativ, sie in der Rush Hour anrempeln ohne sich zu entschuldigen – es ist ein beklemmendes Statement.

In der selben Zeitung ein Bericht aus einem Dorf, gut situierte Leute, kein Muslim weit und breit – 3/4 haben für die Initiative gestimmt.

Eben, nochmals die Frage: All diese Leute, alles zu kurz gekommene?

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 15:00

Mara lesen

Wenn ich die Minarettdebatte grob überblicke, haben wir zwei grundverschiedene Positionen. Die eine tut sehr nachdenklich und kommt in langen mäandernden Schritten zur Überzeugung, Muslime würden halt unsere Regeln nicht einhalten. Worauf die andere Seite immer wieder zu zeigen versucht, dass unsere Gesetze eine klare Grundlage bieten, diese Regelverstösse zu ahnden. Und alles andere, das Heranbehaupten zusätzlicher ungeschriebener Regeln, als Wischiwaschi entlarvt.

Meine Leseempfehlung aufs Wochenende:

Dazu ein bisschen Musik…

Muezzin?



Abspielknopf unter der Kassette betätigen.

Dann würde ich mir auch noch die Sendung im Club anschauen, mit der “Feministin” Julia Onken und dem falschen Professor und falschen NZZ-Korrespondenten (dieselbe Person). Ich zumindest möchte keinesfalls bei diesen Leuten auf dem rechten Sofa sitzen.

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:00

3. Dezember 2009

All diese Frauen wollen mich!!!

Wer der SVP glaubt, sie werde sich der Probleme annehmen, der glaubt auch das. Genau darum hört auch das nie auf.

Wieso trägt die, welche Sex will, eine Schibrille am Strand? Ausländer, halt…

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 18:54

Hämisch die Einen, erschrocken die Andern


Mein Entsetzen über die verlorene Abstimmung ist noch nicht verflogen – es wird ganz im Gegenteil eher noch grösser, wenn ich nun die Scharmützel im Hinterland verfolge.

Ich bin davon überzeugt, jene, die eben mal ein Zeichen gegen die eigene gefühlte Benachteiligung setzen wollten, dürften ein wenig erschrocken sein über das Resultat – das hätten sie nun doch nicht gewollt, dem Rassismus hierzulande dermassen Vorschub zu leisten. Denn dass es ein Votum gegen Muslime war, nicht einfach gegen ein Bauwerk, das ist wohl jedem klar, das wurde auch ganz offen gesagt. Dass der Rassismus angeheizt wurde, das zeigt sich nun täglich, in der Boulevardpresse und in den Blogs. Das war auch vor der Abstimmung schon klar, das musste jeder wissen.

Nun finden sich also diese Leute, die sich selber als gemässigt, weltoffen, nachdenklich, undogmatisch und unideologisch sehen, plötzlich im Lotterbett mit den Ewiggestrigen, den unbelehrbaren Rechten, den Kämpfern gegen jegliche Emanzipation, den Pöblern gegen ‘die da oben’, gegen die ‘classe politique’. Links will ich hier ausnahmsweise keine geben, wer die Diskussionen verfolgt hat, ist unweigerlich auf die Äusserungen von allerhand Triumphalisten gestossen.

Die Triumphalisten: Lauter Häme, laute und leise Häme über “Gutmenschen”, “Linke”, “die Elite”, die “intellektuellen Grossgeister”, die “hochintelligenten Schmierfinken”, die “Schreibtischtäter”, die den Kontakt mit “dem Volk”, “den einfachen Leuten”, “den Büetzern” verloren haben.

Häme ist es, denn offenbar hatten auch die Schlechtmenschen, die mit dem ‘Kontakt’, die ‘den Leuten zuhören’, die ‘ihre Sorgen ernst nehmen’, das Resultat nicht kommen sehen; deren Oskar Freyzinger etwa gab nach der gewonnen Abstimmung zu Protokoll, auch er sei überrascht und hätte eigentlich mit 40-45% gerechnet. Entwaffnende Ehrlichkeit… Aber im Nachhinein kann sich nun jeder Blogger als Prophet aufspielen und sich hurtig aus der Intelligentsja davon stehlen. Um sich dafür im sogenannten “Ätsch”-Lager wieder zu finden.

Im Lager jener auch, die uns vorhalten, das Volk dürfe alles, das Volk habe immer recht, wer das nicht wahrhabe, sei ein Undemokrat, und abgehoben sowieso. Nun, so bin ich halt Undemokrat, denn ich denke wirklich, die Mehrheit hat nicht immer recht, die Mehrheit darf nicht alles. Sie darf nicht ‘Ätsch’ stimmen. Sie darf nicht auf Kosten einer Minderheit ihrem Frust freien Lauf lassen. Die Mehrheit darf kritisiert, ja gar angeprangert werden. Und kommt die Kritik mal aus dem Ausland, ist sie deshalb nicht weniger wahr. Auch wenn der Stammtisch natürlich meint, sie als die übliche Einmischung fremder Fötzel abtun zu können.

Ich bin seit 1992 nicht mehr so nachhaltig sauer gewesen.

1992 wurde der Beitritt zum EWR, der späteren EU, abgelehnt. Von den Grünen und den Rechten, damals aber wenigstens aus unterschiedlichen und sachlichen Gründen, ganz ohne ‘Ätsch’. Daran haben wir jedoch heute noch zu kauen, der Entscheid wird wohl bald unter dem Druck der Verhältnisse korrigiert werden. So wird es uns auch mit der Kampagne gegen die Muslime gehen. Zunächst aber wird die SVP ihre unverhoffte Beute noch eine Zeit lang schütteln. Die nächsten Schritte sind bereits angekündigt: Burkaverbot, Kopftuchverbot, Schwimmzwang, Sprachkurszwang, Menschenrechtskonvention kündigen – jeder Tag eine neue Idee. Derweil die selben Kreise, die den Muslimen am Liebsten bis ins Schlafzimmer hinein regieren würden, für sich selber selbstverständlich die abstrusesten Ausnahmen in Anspruch nehmen. So gibt etwa ein Führer der christlichen EDU und Kämpfer gegen alles Islamische zu Protokoll, seine Kinder nicht in gewisse Unterrichtsstunden zu schicken. Sinnigerweise in einem Interview, in dem er ‘keine Ausnahmen für Muslime’ fordert. Beispiel: Wenn ein Zauberer käme, verstiesse das gegen seinen Glauben…. Dann blieben seine Kinder dem Unterricht fern. Der Mann merkt wohl gar nicht mehr, was er da eigentlich sagt.

Der Geist ist aus der Flasche, und die Zauberlehrlinge werden sich wahrscheinlich noch wünschen, sie hätten sie nie geöffnet. 60% haben einer Initiative zugestimmt, die gegen die Menschenrechte verstösst. Dass man darauf noch stolz sein kann, da dabei zu sein, sich über Leute erhebt, die sich dieses Resultats schämen? Da bin ich gerne “Elite”, “hochintelligent”, “intellektueller Grossgeist”.

Und konstatiere: All diese angeblich Benachteiligten, die ‘nie SVP wählen würden’, die nur ‘der Politik ein Zeichen geben’ wollten, haben etwas gemeinsam. Für sie ist der Staat offenkundig auch Mutterersatz. Wieso kriegt der andere mehr als ich? Wieso hört sie mir nicht zu? Mutter soll es endlich richten. Sonst tu ich halt täubelen. Jetzt habt ihr den Dreck. Vielleicht hört sie mir jetzt endlich zu.

Aber vielleicht bin ich auch einfach nur arrogant, und das waren alles unverschämt reife Demokraten.


PS: Der Link auf die beizzweinull gehört noch dazu, ganz einfach, weil ich die kühlen und klaren Argumente von Mara vor Allem nur bewundern kann, und das bleibend dokumentiert gehört.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 08:30

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