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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

29. November 2009

Bigotte Schweizer

Das hätte ich jetzt nicht erwartet: Dass diese Minarettsverbotsinitiative angenommen wird, und das so deutlich. Wenn man sich vor Augen führt, wer alles für diese Initiative getrommelt hat, ist es allerdings kein Wunder:

  • ‘Feministinnen’ wie die freisinnige Julia Onken sahen in Minaretten Schwänze und machten ein Riesentamtam daraus
  • von SVP über PNOS bis zu den ganz obskuren rechten Gruppierungen waren sowieso alle für das Verbot
  • dem Defensivschweizer und seiner vermummten Frau ist sowieso alles Fremde suspekt
  • die Heilige-Schrift-Fetischisten der Missions-, Ur-, Frei-, Heils- etc. -Kirchen
  • und zu guter Letzt kommen noch all die Bauchnabelhorcher, die dafür plädierten, einem unguten Gefühl ungeniert Ausdruck zu geben. Ich bin fast sicher, die haben den Ausschlag gegeben, weil sie das JA salonfähig gemacht haben

Eine saubere Gesellschaft….

Wir wollen nicht vergessen: Auch Christen fordern gerne ein alttestamentarisches Strafgesetzbuch, unterdrücken ihre Frauen wo’s nur geht (ist halt nicht mehr so einfach wie noch vor ein paar wenigen Jahren) – ach, was will ich noch mehr aufzählen, ist ja sinnlos, alles ist gesagt, es wurde entschieden in voller Kenntnis der Verhältnisse.

Diese Haltung schadet der Schweiz mehr als all die so gern angeprangerten Abzockler und Hochrisikobankler.

Und wenn ich jetzt etwas nicht hören will, dann sind das die scheinheiligen Kommentare wie ‘Jetzt ist die Politik gefordert’ – denn die Politik, das sind nicht einfach die Politiker, an die man das Scheitern dann so wohlfeil delegiert, die Politik, das sind wir alle, und vor allem sind es diese Politikforderer.

Ein bisschen ist mir schlecht.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 15:00

Nackt in die Charts

Na bitte, hab ich’s mir doch gleich gedacht, so muss man das machen:



oben: slug-charts

unten: der beitrag

aber D-6135 ist wirklich wunderschön, verständlich, findet sie Erfolg bei den Männern.

Der ultimative Blog kristallisiert sich langsam heraus: Nackte Hausfrauen beim Kochen in der voll computerisierten Küche. Danke für all die nützlichen Tipps bisher (Technik-Blog, Koch-Blog) – das mit dem ‘nackt’ habe ich nachher ganz allein rausgefunden, übrigens.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:00

28. November 2009

D-6135 nackt

Ich habe sie diese Woche auf der Post getroffen und sofort nach Hause mitgenommen. Hier sind einige Bilder von D-6135 – wunderschönes Innenleben, und das bei dem Gewicht. Kein Wunder, die Rüstung ist komplett aus Metall und Aluminium gefertigt. Ebenfalls scheint sie einen sehr aktiven, wenn auch überschaubaren Fanclub zu haben.

Bei der Recherche nach näheren Angaben bin ich etwa auf ein Video bei Youtube gestossen, dort sieht man sie in voller Aktion. Wer danach noch nicht genug hat, findet in den ‘Ähnliche Videos’ noch haufenweise ähnlich harten Stoff. Hatte aber leider noch keine Zeit, mir die alle anzusehen. Zu sehr bin ich noch mit meiner eigenen D-6135 beschäftigt.

Bei der Recherche nach näheren Angaben bin ich auch auf diese Aktion bei Ebay gestossen. Jetzt bin ich etwas verunsichert: Hat da einer ein Riesenglück gehabt, dass er für nur 3 Euro + Versand diese Rarität sich ergattern konnte? Oder sind wir beide Volldeppen, die sich mit ausgemusterten 6135ern rumschlagen, statt sich die Millionen MP3 aus dem Netz zu holen?


Die Antwort kennt meine Kassettensammlung – MP3 klingt einfach niemals so gut. Ich muss es wissen, denn im Moment bin ich ja dabei, die höchsten Lichter aus den Aberhunderten von unabhängig produzierten Tapes aus den 80ern nach MP3 zu modulieren und hier nach und nach teilzuveröffentlichen.



Wenn jemand übrigens noch ein Service Manual für das D-6135 zu Hause rumliegen hat oder weiss, an welchem Knopf man drehen muss, um die Geschwindigkeit zu justieren, dann bitte ich um sachdienliche Hinweise. Hier habe ich zwar Hinweise gefunden, aber bei mir nicht den Knopf. Nichtsdestotrotz: Einfach geiler Artikel, so ein richtiger Gerätefetischistenporno!!!

Abgelegt unter: Technik — Tags:, — Bruder Bernhard @ 11:00

Das Gadget des Buy Nothing Day

Schon mal ganz allein an einer Demo gewesen? So wird es mir wohl heute ergehen, denn eben erst habe ich erfahren, es sei für heute ein weltweiter Kaufstreik ausgerufen worden, Buy Nothing Day eben (http://de.wikipedia.org/wiki/Kauf-Nix-Tag). Bei Wikipedia lese ich, diese amerikanische Veranstaltung zur Hebung des politischen Bewusstseins der Konsumenten sei in Europa kaum bekannt. Damit hat sich beantwortet, was ich mich innerlich gefragt hatte: Warum, um alles in der Welt, erfahre ich von diesem Tag erst heute morgen, und das erst noch in einem Kommentar bei klatschheftli.ch, die ich übrigens nur ausnahmsweise lesen mag, weil diese, ganz im Vertrauen, den Blog für mich etwas gar stark runterziehen. Immerhin erfahre ich dort über den einzigen schweizer Blog, der über den Tag berichtet.

Das Datum des Buy Nothing Day wird in den USA festgelegt, die machen das dort am Freitag, hier wäre es der Samstag. Ist natürlich gemein, weil bei uns sind dann am Sonntag ja alle Läden zu. Ich wäre aber sofort für einen gross angelegten Kaufschlau-Tag in der Schweiz, darf ruhig auch am Samstag sein, wenn ich an diesem Tag dennoch auf dem Märit einkaufen darf. Dorthin bin ich nun nämlich unterwegs, brauche wieder mal so ein richtig feines einheimisches Landpoulet aus Finsterhennen, das ist grad hier um die Ecke.

Und damit wären wir auch schon beim Technikthema von heute: Unbedingt beim Elektrizitätsgeschäft im Quartier vorbeischauen. Die führen ja auch Lampen, Bügelbretter und -Eisen, Kochherde und Backöfen. Und das passende Zubehör. Und ich vermute, im Moment hat ein Lieferant einen grossen Posten Küchenpinsel günstig eingekauft. So kommt es, dass momentan drei Grössen des unverzichtbaren Geräts den Markt überschwemmen. Ich habe mir mal den mittleren für einen Test gepostet (praktischer- und zufälligerweise übrigens gestern, so dass ich heute noch in Buy Nothing machen könnte). Test folgt.

Abgelegt unter: Technik — Tags:, — Bruder Bernhard @ 08:30

26. November 2009

Bruder Bernhard wird Technikblog

Um möglichst noch schnell den Preis für die beste Website abzuräumen, habe ich mich entschlossen, das hier zum Technikblog umzubauen. Danke an meine Leser für die Idee! http://www.bruderbernhard.ch/latriperie/?p=1334#comments. Und vergesst nicht zu voten.

Mein erster Technikbeitrag


Der neue Kindle kann ja für insgesamt 320 Franken in den USA bestellt werden. Den Test lesen wir hier: http://tsr.blogs.com/telecom/2009/11/lamazon-kindle-sur-le-gril.html

Aber Achtung: Das nötige Software-Update kann sich schwierig gestalten, wie Xavier Studer herausgefunden hat. http://tsr.blogs.com/telecom/2009/11/le-kindle-se-met-%C3%A0-jour-danger.html

Mein Urteil

Ich würde den Kindle nicht kaufen, solange er so stark ans proprietäre Amazon-Fileformat gebunden ist, da ich unterwegs vor allem epub- und txt-Files (vom Projekt Gutenberg) lesen möchte. Amazon scheint mir eine Falle, eine Sackgasse. Alternative wäre der iriver Story, für 399 CHF hier: http://shop.iriverfans.ch/product_info.php?info=p124_iriver-Story–eBook-Reader-2GB–weiss.html&XTCsid=606bee2fcbe7117819e2485ee50cecd5

Bewertung in der neuen c’t im Lesesaal der Stadtbibliothek: Gute Lesbarkeit, etwas träge beim Umblättern.

Abgelegt unter: Technik — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:30

Chartgeile schweizer Blogs

Es ist ein bisschen wie mit den Missen. Die haben sich auch nie selber angemeldet, immer war es eine Freundin, eine Arbeitskollegin, die Mutter. Sind ja sooo bescheiden, können ja nichts für das gesellschaftlich angesagte Skelett unter der glatten Haut. Ähnlich ist es mit den bescheidenen schweizer Bloggern. Natürlich kümmert sich keiner um Chartsplatzierungen. Trotzdem ist jeder dabei.

Der eine macht sich “nun wirklich nichts aus Preisen. Nein, überhaupt nicht” (http://www.arlesheimreloaded.ch/article/antharzit-arlesheimreloaded-erneut-nominiert). Trotzdem stellt er euch anheim, so ihr Lust habt, für ihn zu voten. Jedoch, um sicher zu sein, dass die Botschaft rüberkommt: “Aber nochmals, ich mach mir ja wirklich nichts aus Preisen.” Jajaja, schon gut, wir glauben’s ja. Aber nochmals, wir glauben’s ja.

Die Manie ist übergreifend. Belehrte doch kürzlich ein Blogger den andern, der sich etwas gar uncool zu unverhohlener Freude über eine zu erwartende Resonanz in der Blogsphäre hinreissen liess: Nein, darauf kommt es nicht an, wichtig ist die Botschaft, nicht die Zahl der Leser. Stimmt das? Sage ich euch nachher. Allerdings ist mir aufgefallen, dass der Belehrer seiner Botschaft selber nicht ganz traut, hat er sich doch selber bei irgendwelchen Blog Charts eingetragen, um fürderhin seine Platzierungen offiziell zu machen. Oder was der Grund auch sein mag.

Andere konnte ich schon lesen, die Krokodilstränen darüber vergossen, dass sie bei rivva.de als Leitmedium gelistet würden – natürlich keine Ahnung, wie es dazu gekommen sei, sei auch überhaupt nicht von Belang. Darum war es wohl der Erwähnung für Wert befunden worden….

Es ist unverkennbar: Die Freude am Messen der Resonanz grassiert, kaum ein Blog, der seine Besucher nicht statistisch erfasst. Aber mit seinen Chartsplatzierungen hausieren? Käme kaum einem in den Sinn, und wenn, dann aber bestimmt gleichzeitig relativierend, wie egal das doch eigentlich sei. Die Parallele zu den Missen ist unübersehbar.

Wie halte ich es, übrigens? Zwischendurch schaue ich die Statistiken des Webservers an, dort sehe ich grob die Grössenordnung der Zugriffe, was aber wenig aussagekräftig ist. Deshalb aktiviere ich etwa zweimal pro Jahr rund einen Monat lang das Wordpress-Plugin Statpress, dort sehe ich die Anzahl Leser und die Anzahl gelesener Seiten. Das langt dann wieder – ich gebe zu, ich schaue zu oft in die Statistiken, wenn die laufen, wohl mein ganz individuelles Problem. Ich beginne dann über das Auf und Ab zu sinnieren. Die Statistiken habe ich jetzt wieder abgestellt. Sie pendelten zwischen 150 und 300 Nasen pro Tag. Keine Ahnung, wie ich reagieren würde, wenn dieser Blog plötzlich nicht mehr gelesen würde. Da ich hier nicht für die Nachwelt schreibe, würde mir das wahrscheinlich zu denken geben. Ich würde wohl aufhören.


Übrigens führe ich einen zweiten Blog, dort ist die Zahl der täglichen Leser weniger wichtig, es ist das Archiv meiner Musikproduktionen (der 80er…. :-( )auf http://www.calypsonow.ch/catalogue. Aber, wie man merkt, sogar so was braucht Werbung :-) Denn da hat’s nur etwa 20 Leser. Aber da machen dann auch die Googleaner Freude, auf die man sonst als Blogger verzichten kann. Wenn etwa jemand mit dem Suchbegriff “Years On Earth Northampton” eine Punktlandung macht, eine knappe Woche nach dem Posting zum Thema, ist das Aufmunterung, nachzulegen. Auf diesem Blog werte ich übrigens die Statistiken aus. Eben grad, um solche Google-Treffer mitzubekommen und darauf auch reagieren zu können. Was das allerdings bei einem Polit-Kultur-Meinungs-Privatblog bringen soll, ist mir schleierhaft.

Abgelegt unter: Essen, Selbstreferenzialitäten — Tags: — Bruder Bernhard @ 00:00

24. November 2009

1:24 in der Schweizer Blogsphäre

Ich will jetzt nicht sagen, auf welchem Hardcore-Christenblog ich das Video gefunden habe (Sex ist Mord mit Kondomen als Waffe…), sonst werde ich zugespamt. Aber eine Frage ist jetzt endlich geklärt: Wie sieht der Tod eigentlich aus? Haben sie uns also immer belogen mit ihrem ‘weissen Licht’.

Wer die grosse Kommission ist? define:Great Commission

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 00:00

22. November 2009

5 Minuten in der Schweizer Blogsphäre

Wahrscheinlich ist es nur Zufall, aber die Funde, die mir in den letzten 5 Minuten auf den Bildschirm gelangten, sollen hier kurz zur Thematisierung gelangen.

Etwa so geht Kandidatendeutsch, diesmal von der FDP Port, wo ein Herr Marc Schönholzer eine “Offene Antwort an Frau Elisabeth Waltenspül” absetzt. Das Witzige daran ist natürlich, dass Herr Schönholzer dermassen in seiner Porter FDP-Welt gefangen ist, dass ihm ganz klar ist: Wir verstehen alle, wovon hier die Rede ist. Deshalb nimmt er sich nicht mal die Mühe, uns zu erklären, was denn Frau Waltenspül in ihren Leserbrief schreibt, ausser dass er “Satire – ganz real” heisst und die Minarett-Initiative zum Thema hat. Von einem Link auf den Leserbrief ganz zu schweigen. Lieber täubelt er über einen “langwierigen Virus” in einer “vergifteten Athmosphäre”.

FDP-Port: http://fdp-port-blog.ch/?p=249


Nachtrag am folgenden Morgen: Das Posting wurde stillschweigend überarbeitet – die FDP Port schuldet mir jetzt wohl ein kleines Beraterhonorar – Ende des Nachtrags

Wie bin ich überhaupt auf diesen Eintrag gelangt? Irgendwie war ich vorher auf einen Otto Normal hingesurft, der auf die neuen Beiträge bei slug linkt (”Das läuft in Blogs”). Bei dem ist mir übrigens aufgefallen ist, dass er die Lyrik pflegt. Und zwar nicht irgend eine Lyrik. Nein, es ist die Lyrik der 70er Jahre, die in der Schweiz vor allem von Lehrern, Sozialarbeitern und Buchhändlern gepflegt wurde, und die ging etwa so:

Erfolgreich kommunziert
—————————————
Der Krug
geht
zum
Brunnen
hub Zumbrunn
an
Bevor
der Hieb
ihn
niederstreckte

Vor allem aber ist mir dort die Blogroll ins Auge gestochen – bei Otto steht diese unter der Überschrift “Sie haben Otto verlinkt”. Ein origineller Ansatz, fürwahr. Die übrigen Links sind allesamt Otto gewidmet. Ah nein, eine Zeitung und Google-News kommen noch vor. Spannend…

5 Minuten sind um – noch mehr gibt’s aber jederzeit in http://slug.ch.

Abgelegt unter: Kurz und gemein — Tags:, — Bruder Bernhard @ 19:00

18. November 2009

Die Katzen des Muammar al-Gaddafi

Was haben wir uns auf dem Fussboden gerollt, als wir die Berichterstattung von Radio Suisse Romande hörten. Kurz vorher hatte Gaddafi gefordert, die Schweiz solle aufgelöst und ihre Regionen den Nachbarländern zugeschlagen werden. Was war das für ein Heulen und Zähneklappern hier im Lande.

Gaddafi hatte einige Wochen später seinen ersten Auftritt vor der UNO-Vollversammlung in New York. Die Schweizer hatten sich im Vorfeld schon gefragt, ob er wohl seine Forderung hier wiederholen würde.

Tja, und so war die erste Frage der Heimatredaktion von RSR1 an den UNO-Korrespondenten in New York, ob Gaddafi eben dies nun getan hätte. Dessen Antwort werde ich nie vergessen:

“Kadhafi a d’autres chats à fouetter à l’ONU”

Gaddafi hat an der UNO andere Katzen auszupeitschen. Die Vorstellung, der Raïs peitsche in einem Keller des UNO-Gebäudes in New York irgendwelche Strassenkater aus …. j’étais mort de rire.

Ah ja, die Übersetzung, für alle Fälle: Mit dieser stehenden Redewendung ist gemeint, man habe wichtigeres zu tun als….

Überhaupt konnte ich meinen französischen Wortschatz im Zusammenhang mit der Libyen-Affäre ziemlich aufpolieren. Jean Ziegler über die erste Reise von Bundespräsident Merz nach Tripoli, die in der Entschuldigung an die Familie Gaddafi gipfelte:

“Monsieur Merz s’est fait rouler dans la farine”

Nun aber mal ganz im Ernst. All das ist schon recht lange her. Mehrere Wochen sind vergangen. Die Familie Gaddafi hat ziemlich Wirbel gemacht in der Schweiz, ich zähle mal ihre Erfolge bisher auf:

  • Bundespräsident Merz wurde vorgeführt und der Lächerlichkeit preisgegeben, sein politisches Schicksal scheint besiegelt
  • Die Schweiz erschien als hektischer Ameisenhaufen, wo jeder gegen jeden schiesst, das Schicksal der Geiseln und der Verhandlungserfolg hinter der persönlichen Profilierung und dem politischen Mütchen, das zu kühlen ist, zurück tritt
  • Kamerad Jean Ziegler, zu Beginn als grosser Libyenkenner, Freund der libyschen Bourgeoisie und einziger Schweizer mit Zugang zu Gaddafi dargestellt, scheint sich ziemlich blamiert zu haben
  • der neue Bundesrat Didier Burkhalter wird noch vor Amtsantritt in ein schräges Licht gerückt, weil er eine Militäraktion zur Befreiung der Geiseln erwogen haben soll, was Libyen hinwiederum als Vorwand zur Festsetzung der Geiseln an einem unbekannten Ort nimmt; unterdessen sind sie ja zurück in der schweizer Botschaft, unfähig, das exterritoriale Gebiet zu verlassen
  • die Genfer Kantonsregierung steht als Sauhaufen da, der eine Zeitung ungestraft Fotos aus der Akte Hannibal Gaddafi abdrucken lässt, und das erst noch auf dem Höhepunkt der diplomatischen Krise
  • in das selbe Kapitel gehört auch das Outing der Boulevardpresse als politisch unverantwortliches Pack, wenn es nur der Auflagesteigerung dient. Das ist zwar nichts wirklich Neues, aber schockierend ist die politische Brandstifterei des Blick und der Tribune de Genève schon. Denn es geht hier auch um das Wohl zweier Geiseln… Die Zeuselei mit den photogeshopten Frisuren von Hannibal Gaddafi habe ich zum Beispiel überhaupt nicht lustig finden können; ich bin bestimmt nicht engmaschig, aber Satire war das nicht, sondern billigste Ranschmeisserei an eine vermutete Stimmung im sog. Volk – gehört eigentlich in meine selten gebrauchte Kategorie ‘Kotzen’!
  • die Respektabilisierung politischer Gesundbeter wie des ehemaligen Bodyguard und heutigen SVP-Populisten Stéphane Valente, der unter dem Vorwand der bedingungslosen Unterstützung der Geiseln sein Steckenpferd, die Sozen-Jagd, hegt und pflegt
  • in der Hoffnung, die letzten 2 Millimeter zu einer Freilassung der Geiseln zu überwinden, geben sich schweizer Intellektuelle zu im Nachhinein eher blamablen Briefen an “Monsieur le Guide de la Grande Révolution”, “Monsieur le Président”, “Monsieur Kadhafi”, “Monsieur Muammar Kadhafi, Guide de la Révolution libyenne” her – ganz vorsichtig, um ja kein weiteres Öl ins Feuer zu giessen – während der Stammtisch schäumt…

Und so freue ich mich nun doppelt und dreifach, dass heute in einer konzertierten Aktion einiger Blogger an den Kern der Auseinandersetzung erinnert wird.

Zwei Menschen sind seid über einem Jahr faktisch Gefangene der Familie Gaddafi, die sich ihrer bedient, um Rache an der Schweiz und dem Kanton Genf zu nehmen. Ganz ungeachtet des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Hintergrundes dieser zwei Menschen ist es völlig unannehmbar, dass sie Spielball einer herrschenden Familie in ihrer Auseinandersetzung mit der Schweiz bleiben.

Ich sage jetzt einfach: Die Familie Gaddafi hat ihre Rache gehabt, sie soll nun die Geiseln frei lassen.

An das Schicksal der beiden Geiseln erinnern heute auch die Blogs Die Kreide, Bobsmile, Zappadong, Thinkabout, Lupe, Augenreiberei

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 09:31

13. November 2009

10′000 Schweizer töten täglich

Schweizer Waffen töten täglich. Dem hat bisher noch niemand widersprochen. Täglich sterben 2000 Menschen in bewaffneten Konflikten. Nullkommasieben Prozent (0.7%) der Waffenlieferungen kommen aus der Schweiz. Von der Waffenindustrie leben in der Schweiz gemäss Angaben der Initiativgegner 10′000 Menschen.

10′000 Schweizer sind folglich am Tod von 14 Menschen täglich beteiligt.

Gibt es eine Alternative dazu? Offensichtlich. Die Initiative “Für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten” verlangt einen Umbau der waffenexportierenden Industrie mit Bundeshilfe. Die Initianten reden von 500 Millionen Franken Bundeshilfe. Und es scheint mir nicht unbillig, dabei an die 60 Milliarden Bundeshilfe für die Banken zu denken, die innert kürzester Zeit, innert Rekordfrist gar aufgebracht wurden, es hätte es vorher angesichts des regelmässigen Spargejammers niemand für möglich gehalten. Dies war der Tatbeweis: Man muss nur wollen wollen.

Die Aussicht auf eine Schweiz, die mit Hirnschmalz statt mit libyschem Erdöl arbeitet, wie es der bürgerliche Grüne Bastien Girod fordert, ist verlockend. Auch wegen der Sicherheit der Arbeitsplätze – in zukunftsgerichteten Industrien arbeitet es sich einfach entspannter als in rückwärtsgewandten. Gestern lag die ‘Unternehmerzeitung‘ in meinem Postfach. Gratis. Danke. Und selbst die, politisch gewiss unverdächtig, titelt:

Grüne Technologien: Schweiz droht den Anschluss zu verpassen

Zum selben Schluss komme ich, wenn ich das Interview mit dem westschweizer Wirtschaftsgeografen Pierre Dessemontet im Tagesanzeiger lese. Es bleibt der Eindruck zurück, dass Investitionen in eine Mobilitätspolitik, die sich nicht im hilflosen Bau von neuen Autobahnen erschöpft, auch wirtschaftlich interessant sein und somit Arbeitsplätze schaffen könnten. Arbeitsplätze, die kreative Lösungen exportieren.

Stellt sich natürlich die Frage, ob es mich überhaupt etwas angeht, was und wie in der Schweiz produziert wird. Schliesslich ist dies Sache des Marktes, die Politik hat sich hier nicht einzumischen. Nun, diese Frage ist ja seit der Bankenkrise eindeutig beantwortet. Kaum ein Politiker ist der Meinung, man hätte bei der UBS nicht lenkend eingreifen sollen. Und die Meinung der Bevölkerung ist sowieso gemacht. Wer gegen überbordende Boni und Löhne sich ausspricht, spricht sich automatisch für ein Eingreifen der Politik in die Wirtschaft aus.

In einem offenen Brief kritisieren 70 Rechtsprofessoren die schweizerische Praxis der Kriegsmaterialausfuhr.
Den offenen Brief und dessen Zusammenfassung fand ich auf der Seite der Initianten, und es fällt schwer, deren Argumente einfach so wegzuwischen.

Es läuft auf eine ganz einfache Frage hinaus: Ist es legitim, dass Menschen wegen Arbeitsplätzen sterben? Und wieviel Tote pro Arbeitsplatz sind noch ok? Die Frage beantwortet sich von selbst, denke ich. Wenn man das Rechenbeispiel oben weiter führt, hat nach zwei Jahren jeder Arbeitsplatz einen Toten gekostet.

Ich habe im Übrigen die pessimistischen Zahlen der Initiativgegner genommen. Die Zahlen der Befürworter sind weit tiefer, die Anzahl Toter pro Arbeitsplatz dann entsprechend höher. Aber ist das wirklich wichtig? Jeder Tote ist ein Toter zu viel, das ist sowieso klar. Wichtig ist, dass es für die Zukunft der Schweiz grundsätzlich besser wäre, klug zu produzieren, und dass das möglich ist, zeigt ein Beispiel aus meinem Alltag.

Ich bin ja immer noch mit meinem ‘Fixateur externe’ unterwegs, ein Produkt der Hightech-Medizinalindustrie. Und habe deshalb erfahren, dass in unserer Region genau diese Produkte entwickelt und produziert werden. Ich bin nämlich oft auf meinen Fixateur angesprochen worden von Forschern, Entwicklern, Designer, Verkäufern – sie alle arbeiten in dieser Industrie. Als ich dann mal nachgefragt habe, wieso sich die Branche denn genau hier konzentriert, wurden mir die gut ausgebildeten und Präzisionsarbeit gewohnten ehemaligen Uhrenarbeiter als Grund genannt. Stimmt: Unsere Region war ja die Uhrenregion der Schweiz, in den 70er Jahren ist diese grossflächige Struktur praktisch zusammengebrochen. Das war schmerzhaft, viele mussten sich neu orientieren. Im Unterschied zu den Arbeitsplätzen, die jetzt in der Kriegsmaterialindustrie zur Debatte stehen, war da allerdings kein spezielles Förderprogramm des Bundes zur Hand, um die Neuorientierung zu ermöglichen.

Das Dilemma, vor dem die Kriegsmaterialindustrie steht, wird sinnigerweise auch durch den neuen Film “The Box” aufgegriffen. Wie steht’s mit Dir? Würdest Du den Knopf drücken?

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 07:32
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