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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

29. Oktober 2009

Sauerkraut

Schlüsselerlebnisse? Die habe ich jeden Tag, und zwar die von der ganz harten Sorte, die, welche dem Leben eine neue Wendung geben. Die habe ich jeden Tag beim Einkaufen. Das gab es zum Beispiel heute zum Mittagessen – auf dem Foto seht ihr den dritten Teller, den habe ich nicht mehr bodigen können, der ist eigentlich auch hautpsächlich fürs Foto drapiert.

Sauerkraut mit SpeckWeiss nicht, was euch dabei jetzt durch den Kopf schiesst. Ich habe aber beim Einkaufen erfahren: Das ist altersbedingt! Das ist hart. Hart für mich, der schon so vieles verschwinden sah, zum Beispiel die Dorfschmiede, die weissen Pfirsiche, die Trauben mit Kernen, die ungewaschenen Kartoffeln, das Sauerkraut.

Zur Sache: Wir sehen also hier einen Teller Sauerkraut mit Speck und einer Kartoffel. Unglaublich fein war’s, wie gesagt, zwei Teller habe ich problemlos weggeputzt, und vom dritten dann noch genascht, nach dem Fotografieren. Jetzt habe ich aber erfahren, und das ist Grund meines Schreibens hier, die Sauerkrautfabriken würden zur Zeit ein neues Sauerkraut entwickeln, nämlich eines, das nicht mehr sauer sei!!!

Habe dann beim Einkaufen mit dem Metzger, wo ich das Sauerkraut jeweils kaufe, über diese Hiobsbotschaft gesprochen. Er hat davon zwar noch nichts gehört, hat aber gemeint, während er mir das rohe ungekochte Kraut aus dem Kessel einpackt: “Ja, das hat was, wir haben NOCH NIE Sauerkraut an Junge verkauft” – ich glaube, bei ihm sind das alle unter 50…. Ich hab’ dann grad ein Kilo genommen statt ein Pfund wie sonst, man kann ja nie wissen.

Beim Essen habe ich mir dann überlegt, diese Sauerkrautvermarkter sind eigentlich schon nicht die Hellsten. Statt ein gut eingeführtes Produkt zu zerstören, seine Identität zu zerstören, und das mit ungewissem Ausgang, würden sie sich besser auf die Stärken des Sauerkrautes besinnen: So ist es etwa gut gegen Skorbut!!! Das ist nur ein Beispiel, das ich aufs Geratewohl aus den Tagebüchern des Captain Cook herausgepickt habe, für den eine Schiffsreise ohne seine Sauerkrautfässer gänzlich unvorstellbar war.cpt.

Abgesehen davon ist Sauerkraut natürlich etwas ganz wunderbares, roh soll es gegen allerhand sonstige Zipperlein gut sein, viel wichtiger aber: Es ist doch superpraktisch, den Salat sozusagen gleich fixfertig im Kühlschrank zu haben. Erst noch zu einem unschlagbaren Preis, am Rande muss das doch in der heutigen Jammerzeit über die hohen Krankenkassentarife auch mal gesagt sein.

Wir haben hier ja Nachbarn, die haben so viel Müll, dass sie ihn immer im Dunkeln vorne an der Ecke hinschmeissen, wenn der Papierkorb an der Trolleyhaltestelle schon von jemand anderem vollgemüllt worden ist. Ohne Vignette, natürlich… Sind zwei schwergewichtige Nur-Autofahrer, und der Müll besteht hauptsächlich aus Junkfood-Verpackungen. Ich glaube, die essen gar nichts unverpacktes. Wie etwa das hier: Sauerkraut und ZutatenspeckBoskop

Fehlt noch eine Zwiebel hier, dann seht ihr die Zutaten des zuoberst abgebildeten leckeren Tellers! Ich habe extra versucht, für euch ein säurereduziertes Sauerkraut zu kochen, und das ging so:

Eine Zwiebel und einen Boskop raffeln und mit einem Löffel Gänseschmalz im Dampfkochtopf andünsten, ein Pfund rohes Sauerkraut dazu geben und mit fast 2 Dezi heissem Wasser ablöschen, einen ganz ganz kräftigen Sprutz im Ausmass von einem gehäuften Esslöffel vom dreifach konzentrierten Tomatenmark dazu geben, mit der Gabel das Kraut gut auflockern und alles schön vermischen, Speck oben drauf legen, 20 Minuten im Dampfkochtopf garen. Ohne Dampfkochtopf wohl 90 Minuten!

Kartoffeln schälen, den Druck im Dampfkochtopf sich abbauen lassen (nicht am Ventil herum figuretlen!), danach die Kartoffeln um den Speck herum drapieren, weitere 10 Minuten garen lassen. Warten, bis der Druck sich wieder abgebaut hat. Fertig.

Warum ich mich hier so ins Zeug lege? Es könnte mir ja egal sein, was ihr esst, oder? Ist es mir aber nicht. Denn, wie gesagt, ich habe schon so vieles verschwinden sehen, einfach weil die Kunden dafür ausgestorben sind, ich möchte nicht, dass es eines Tages kein richtiges Sauerkraut mehr gibt. Das würde mich umbringen! Es ist ja heute schon schwierig geworden, Fleisch zu finden, das nicht bereits gewürzt und möglichst noch in einer billigen Marinade eingelegt ist. Der Tag wird kommen, wo es nur noch solchen Mist gibt.

Dann werdet ihr an mich denken….

Abgelegt unter: Essen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 16:34

24. Oktober 2009

Totes Tier im Bett

Von der Fischer Bettwarenfabrik in Wädenswil, Sie können grad zuschauen, wie es verarbeitet wird, kostet ab nur 200 Franken, interessiert mich sehr

gute Nacht

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 00:05

23. Oktober 2009

Die spinnen, die Welschen

Jetzt hat es ihnen wirklich ausgehängt, meinen guten Freunden beim Westschweizer Radio. Ich habe ja vor ein paar Stunden über diese Sendung berichtet, die eine Petition der UDC/SVP auf unzulässige Weise hochgejazzt hat. Und jetzt, unglaublich, bringen sie diese Nullstory noch in den Abendnachrichten. Und da höre ich über die Petition noch folgendes:

Die Petition zirkuliert seit Montag im Internet, und sie hat 100 Unterschriften. Habt ihr das gehört?

Hundert in vier oder fünf Tagen, und man kommt in den Nachrichten?

Gestatten, das kann ich nur unter meiner hammerhärtesten Rubrik ablegen.

PS: und jetzt haben auch noch die Infotainer von 10vor10 die Nullstory aufgeblasen – ohne Erwähnung natürlich des SVP- und Anti-Calmy-Hintergrundes. Wahrscheinlich sehe ich das einfach zu eng…

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 18:40

Falschspieler SVP/UDC legt Radio aufs Kreuz

Oft genug habe ich getrommelt und gepfiffen für das Westschweizer Radio www.rsr.ch – heute aber haben sie mich wirklich etwas überrascht durch einen unprofessionnellen Lapsus.

Ui, das tönt aber wichtig hier!

Ui, das tönt aber wichtig hier!

In der Programmvorschau der Sendung Médialogues las ich, “die welsche Blogosphäre mobilisiere sich für die als Geiseln in Libyen festgehaltenen Schweizer” – da musste ich mich natürlich vor mein Rundfunkgerät setzen und mich aufklären lassen. Wurde vorgestellt ein Blogger, Stéphane Valente, der an die welsche Tagesschau eine Petition gerichtet habe, es sei ein Zähler einzurichten, der ständig die Anzahl Tage einblende, die die Schweizer bis dato in Gefangenschaft verbracht hätten. Woraufhin die Redaktörin den Chef der welschen Tagesschau in die Zange nimmt, warum dies nicht geschehe.

Beim Zuhören wundere ich mich, dass ein Blogger in der Westschweiz eine solche Welle machen kann, dass das Radio darüber eine 15minütige Sendung und sich fast ein wenig zum Advokaten dieses Bloggers macht. Der Chef der Tagesschau macht übrigens keine schlechte Falle, er begründet ihre Berichterstattung klar, unaufgeregt und nachvollziehbar mit journalistischen Prinzipien, die sich mit einer Kampagne nicht vereinbaren lassen.

Ihr könnt euch die Sendung selber anhören, sie ist nicht uninteressant.

Nach der Sendung suche ich diese Blogosphäre, die sich mobilisiert. Überraschung: Diese Blogosphäre besteht aus Stéphane Valente, der einen der typischen Leserblogs bei der Tribune de Genève führt. Bei der Vorstellung hiess das eindrucksvoll “blogeur à la Tribune de Genève” – hélas, das kann jeder sein, jeder kann dort seinen Blog einrichten. Und in diesem Blog stellt er in aggressivem Ton die unangenehmen Fragen an die Tagesschau, warum sie auf eine Petition von www.otages.ch abschlägig antworte. Soviel ich übrigens auch suche, ich kann diese Petition nirgends finden. Aber das ist nur ein beiläufig erwähntes Detail. Wichtig hingegen: Otages.ch ist ebenfalls auf diesen Stéphane Valente eingetragen und verweist unter dem Titel “Wer wir sind” ihrerseits auf eine Facebook-Gruppe, deren Moderator niemand anders als Stéphane Valente ist. “Wer wir sind”, das geht natürlich aus einem geschützten Facebook-Profil auch nicht speziell hervor.

Nun, Stéphane Valente ist Gemeinderat UDC (die SVP in der Romandie), ein ehemaliger Bodyguard gemäss seinem autobiographischen Bericht, und die ganze Blogosphäre um ihn herum besteht aus ein paar weiteren SVP/UDC-nahen Bloggern unter dem Schirm der Tribune-de-Genève-Leserblogs. Man kann dies auch sofort sehen, wenn man otages.ch anschaut. Dort sieht man übrigens auch, dass mit offensichtlichem Vergnügen Calmy-Rey-kritische Zeitungsberichte verlinkt werden – was einer Initiative, die das Wohl der Geiseln im Auge hat, nicht gerade gut ansteht. Es ist sofort klar ersichtlich, dass hier einer sein politisches Süppchen kocht. Denn den Geiseln wird durch Seitenhiebe und Frontalangriffe auf Politiker anderer Parteien nicht eben geholfen.

Etwas mager für so viel Wind am Radio, finde ich. Und vor allem hätte das im Beitrag in irgend einer Form gesagt werden müssen. So bleibt der Eindruck zurück, La Radio de la Suisse Romande habe sich von einem nicht mal sehr geschickten SVP-Politiker instrumentalisieren lassen. Peinlich.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 13:57

22. Oktober 2009

Als ich ein Deutscher war

Habe ich euch schon erzählt, wie das war, als ich ein Deutscher war? Nein?

Also, vor zwanzig Jahren, da gab es ja noch kein Internet, und —- schlechter Anfang, dies ist keine nostalgische ‘Wir hatten ja nüscht, wir hatten so wenig, nich mal Hunger hatten wir’-Nostalgie.

Ach, geht euch ein bisschen entspannen bei Didsch, den hab’ ich eben grad gefunden, da ists lustig. Vor allem wegen seiner Entdeckung natürlich, Wäis Kiani. Den Trick kennen wir ja schon von der Weltwoche, Kolumnistin, weiblich, osmanisch-deutsche Wurzeln, loses Schreibwerk, attraktives Porträt – na ja, Vermicelles sind auch immer wieder genau gleich, und dennoch könnte ich mich nur davon ernähren, wüsste ich nicht um die Gefahr chronischen Magenbrennens.

Wieder zurück?

Waren wir mit unserem Volksmusikunterhaltungsorchester, quasi Oesch die Nullten müsst ihr euch vorstellen, mit einer befreundeten deutschen Truppe unterwegs in Nordrhein-Westfahlen und danach im Schwarzwald. Schön war’s. Doch davon auch später nicht mehr. Ich will über Kostüme nun reden.

Ich hatte kurz vorher im Brockenhaus hier einige Adidas-Fussballleibchen erstanden, schön verblichenes dunkelrot, hinten stand ‘Breitner’ drauf. Und mit einem dieser Leibchen, Adidas erfuhr damals grad ihr erstes von gefühlten 20 Revivals, stieg ich stolz auf die Bühne, im Schwarzwald, in Schweningen (oder war’s Villingen? Dumm, in dieser Frage sind die heikel). Und hatte einfach immer das Gefühl, es würde meinem erlesenen kultivierten angesagten Geschmack nicht gebührend gehuldigt. So was fühlt man als Empath einfach.

Wer Deutschland ein wenig kennt, hat es schon lange gemerkt; ich musste es mir damals sagen lassen. Mit Bayern München Leibchen lässt sich ausserhalb Münchens grad gar kein Staat machen.  Und sei es noch so selten, noch so Seventies! Es war peinlich, ich habe es nie vergessen können, es wird mich mein Leben lang verfolgen. Wie ich jetzt grad bewiesen habe.

Und jetzt steh ich vor einem ähnlichen Problem.

Ich bin ja im Moment immer noch ziemlich reduziert unterwegs, Krücken, wie ich hier schon mal dargelegt habe. Das dauert noch ein paar Wochen. Und muss deshalb meine Garderobe in Richtung Funktionalität ein wenig aktualisieren. Eine wasser- und winddichte Hose mit Hitzestaugarantie innerhalb von Gebäuden habe ich schon. Ist toll, jetzt, bei der Bise. Brauchte ich noch eine Jacke. Wasser- und winddicht, warm – ist meine alte Lederjacke aus dem Ausverkauf im Hallenstadion 1956 zwar auch, aber erstens saugt sie sich schnell mit Wasser voll, und vor allem: Sie wiegt schon im trockenen Zustand etwa 10 Kilo.

Ahnt ihr, was jetzt kommt? Habt ihr die Blogophonie verfolgt in der vergangenen Woche?

Genau: eine Jack-Wolfskin-Jacke habe ich gekauft! Etwa einen Tag, bevor der Sturm losging. Und jetzt? Eine Bayern-München-Jacke wäre unproblematischer.

Ich stecke tief drin. Ob ich sie wohl zurück geben kann?

Ah, die 70er-Bayern-München-Adidas-Leibchen habe ich still und leise weggeworfen. In den Altkleidersack. Damit blamiert sich jetzt einer in Afrika.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 22:27

Peinliche Spasstwitterblogger

Wie ein Lauffeuer sei es ‘durch das Internet’ gegangen, staunt devot das Landradio Beo. Das Feuer ist an mir offensichtlich vorbei gegangen, denn ich habe es erst heute per Zufall über Leumunds Propaganda erfahren: Die ‘bekanntesten Blogger’ der Schweiz veranstalten eine saulustige Veranstaltung im Mystery Park Interlaken.

Wir hier nennen sie ja die ‘Reihenhausblogger’, diese bekanntesten Blogger der Schweiz, die mit Vorliebe über Reihenhausbesitzerthemen wie IPhones oder Rediffusion berichten. Da passt die saulustige Veranstaltung natürlich genau rein, das 1. Schweizer Segway Laubbläser Polo Turnier. Hauptsache motorisiert, man mag ja den Twitterbier-Ranzen nicht auch noch am Samstag bewegen…

Erinnern wir uns kurz der Berichterstattung über die Laubbläser. Da geht es ja darum, dass der Hobbygärtner seinem Reinigungszwang möglichst perfekt frönt, und das heisst: Ist nur der Dreck erst aus den Augen, ist das der ganze Sinn. Sorry, ein krampfhafter Reim, Politlyrik halt… Ja, Laubbläser sind tatsächlich ein Politikum.

Zuerst mal entsinnen wir uns der Rechen, die wir heute immer noch in der Landi einkaufen können, für 29 Franken in allen Farben. Da kommt erst richtig Hunger auf, nach stundenlangem Laubrechen in der herbstlichen Frische, danach schmecken Blut- und Leberwurst mit Hörnli und Apfelmus erst so richtig gut. So könnte es sein. Die Realität ist allerdings eine andere. Da kommt der Reihenhausbesitzer mit seinem kalten Laubbläser, wirft ihn an, um dann innert 30 Minuten mit dem Lärm einer Kindertagesstätte (oder eines Düsenflugzeuges aus 200 m Entfernung) Laub, Hunde- und Katzenscheisse, eingetrocknete Pisse betrunkener Passanten, Kleintierchen, Bazillen und Bakterien in der ganzen Nachbarschaft zu zerstreuen. Das Laub, weil schwer, weicht anständig zur Seite, aus den Augen, die leichteren Teile allerdings halten sich dann noch eine Zeitlang in der Luft, zur Abhärtung der Nachbarskinder, wahrscheinlich.

Die Benzol-Abgase will ich hier nicht weiter erwähnen, die sich mit denen von hundert Autos messen können. Ist ja nur Krebs, was es da geben kann – und überhaupt, wer will das schon so genau wissen?

Viel Spass bei dieser total wertfreien Tubeltrophy für die ganze Familie, die einmal mehr die beeindruckende Leistungsfähigkeit und das Mobilisierungspotential des Web 2 Null unter Beweis stellt.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 09:57

21. Oktober 2009

Blogger’s Paradise

Gemerkt? Dieser Beitrag spielt an auf Läden wie ‘Johnny’s Paradise’, also auf Johnny Hallyday, also auf Frankreich, also auf den Clan Sarkozy. Logischer Durchstich… selbstrefentieller Einstieg für neblig-trübe Tage und lange Nächte. Also, schalte das Radio ein, nimm dir Zeit und folge mir ein oder zwei Stündlein. Das hier ist nichts für 20 Minuten..

Apropos 20 Minuten: Je langweiliger die Schweizer Presse geworden ist in den letzten Monaten, desto mehr frequentiere ich die französischen Medien, vor allem im Netz natürlich – denn TV habe ich nicht, Presse ist teuer und papierverschwenderisch, und das Zusammenwachsen der Medien ist in Frankreich schon so weit fortgeschritten, dass die Verlinkereien uferlos sind. Ich kann locker einen ganzen Tag im Franzosennetz verbringen, und finde Material für eine Woche, wahrscheinlich gar für einen Monat.

Zusammen ohne die HIV-Positiven, die Schwulen, die Obdachlosen, die Immigranten, die ...

Zusammen ohne die HIV-Positiven, die Schwulen, die Behinderten, die Immigranten, die ...

Allein die Eskapaden des Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der aus Frankreich eine präsidentielle Monarchie gemacht hat, mit Königin Carla und Thronfolger Jean – das allein gibt Tag für Tag neuen Stoff her, Dallas im Elysée, sozusagen. Mit Nebendarstellern wie der in Ungnade gefallenen Alibi-Immigrantin Rachid Dati oder dem bedingungslosen Polanskiverteidiger Frédéric Mitterand, dem nun seine früheren Ausflüge als Sextourist nach Thailand um die Ohren geschlagen werden, vor einer Kulisse eher dumpfer Sozialdemokraten, die immer mehr vermuten lassen, dass sie keine Alternative zu den Rechten sind. Lektüre, Stoff für Stunden, eben.

Und Videos für Tage, wie hier auf Le Post, wo die frappante Ähnlichkeit in der Rhetorik von Vater und Sohn auf die Schippe genommen wird, oder hier, wo in Sekunde 12 der kleine Sarko denselben Trick wie sein Vater verwendet, indem er den Interviewer direkt mit seinem Namen anspricht: “Jamais, Jean-Jacques Cros, depuis le début de mon parcours politique…”. Auf der selben Seite übrigens wird beschrieben, welche Klimmzüge die TV-Redaktion vorführen musste, um Prinz Jean in der Sendung zu haben: Vorbesprechung der Fragen, fast doppelte Redezeit gegenüber ‘normalen’ Politiker – diese Unverfrorenheit ist fast nicht zu glauben, aber vielleicht sieht das nur für uns hier so aus, und unsere Blochers Mörgelis Brunners wirken genau so. Oder? Mit dem Unterschied natürlich, dass sie keine vergleichbare Macht haben.

Louise Bourgoin, Schönheit als Strategie

Louise Bourgoin, Schönheit als Strategie

Bei dieser Devotheit allethalben muss Schützenjäger Sarkozy Père schäumen wegen der stinkfrechen Schönheit Louise Bourgoin, deren Spezialität vor allem die Persiflage aufgeblasener Personen ist. ‘People’ heissen diese ‘Promis’ in Frankreich. Und Louise Bourgoin ist mir begegnet als Jean Sarkozy, einfach göttlich, wenn man die Anspielungen halbwegs versteht – etwa auf den gestohlenen Roller des Präsidentensöhnchen, und den Aufruhr, den der damalige Innenminister und Chef der Polizei, Papa Sarkozy, deswegen veranstaltete. Aber auch als Carla Bruni, als Ségolène Royale, als Shawne Fielding beim Pistolenschiessen hehehe (allerdings ohne Brustimplantate), Louise Bourgoin in Cannes, Louise Bourgoin überrumpelt Eli Roth am Internationalen Tag der Blutspende – ich kann nicht mehr, schaut selber weiter, es scheint noch Dutzende der Clips zu geben.

le 7 sur Sète

le 7 sur Sète

So darf man ruhig sagen, die Ära Sarkozy, die länger dauern kann, da der Thronfolger ja bereits installiert wird, hat sicher ihr Gutes. Sintemalen man mal davon ausgehen darf, dass die Franzosen sich mehr für ein gutes Essen als für Politik interessieren. Das habe ich nicht aus einer wissenschaftlichen Studie, nur aus unzuverlässigen Quellen wie ‘Une année en Provence‘ oder eigenem Erleben als alleiniger Chef, Redakteur und Gourmettester für die Website ‘Gargantuas Homepage’, seit 1997 im Projektstadium; in dieser Funktion habe ich mich vor allem auf die französischen Lastwagenfahrer- und Land- sowie Kleinstadtbeizen kapriziert. War ganz fein, und ich vermisse den Meerfrüchte- und Meerschneckensalat im ‘7 sur Sète‘ ganz extrem, dort, wo sie dir ungefragt einen Liter Rotwein auf den Tisch stellen, das Menu €12.50 kostet, vin café compris, das Dessert wahlweise aus etwas Süssem oder einer freien Auswahl von der Käseplatte besteht (unbedingt den Käse nehmen und noch einen Nachschlag Wein dazu!!!). Unbedingt mal hinfahren, liegt zwar an einer lebensgefährlichen Raserstrecke, aber wer es lebend schafft, wird mit einem gratis Schlafplatz belohnt – hinterm Haus hat es einen grossen gekiesten Parkplatz, wo man sehr gut im Auto übernachten kann. Tja, das ist das einzige, das ich am Autofahren vermisse… Die Lastwagenfahrerbeizen in Frankreich… Und die anschliessende Siesta.

Relais de Donzère - die beste Beiz Frankreichs, mit dem schlechtesten Werbefoto

Relais de Donzère - die beste Beiz Frankreichs, mit dem schlechtesten Werbefoto

Wenn ich grad dabei bin: Unbedingt das ‘Relais de Donzère‘ besuchen, an der berühmt-berüchtigten Route Nationale 7, unter anderem von den belgischen New Waver Honeymoon Killers und in der Folge von den adjektivimmunen Stereo Total besungen. Allein die Salatbar lohnt den Umweg – alles was Kalorien nicht scheut ist dort vertreten, Kartoffel- Linsen- Ochsenmaul- Thon- Sardinen- Taboulé- Mayonnaise- und so weiter-Salat zur freien Auswahl in beliebiger Menge, Wein kommt ungefragt inbegriffen auf den Tisch, Dessert süss oder Käseplatte à discretion, wie es sich gehört, das für 12 € inklusive Kaffee. Schlafen kann man ebenfalls auf dem riesigen Parkplatz zwischen den 40-Tönnern oder, weinbeschwingt, auf der windigen, übersichtlichen, fast geraden Strecke weiter gen Süden hinunter blochen – bald schon kommt dann der Midi, wo die Coopératives vinicole an den Dorfeinfahrten mit Wein ab Schlauch für 3 €/Liter locken… Nichts wie hin! Leere Kanister hat man am besten immer dabei!!

Tja, und so voll gefressen und der Siesta willige Beute ist es kein Wunder, lässt der Franzose die Französin in Ruhe den schönen Sarkozys huldigen, denen nur ein paar ewige Meckerer wie rue89.com immer wieder am Zeug flicken, so etwa mit einer kritischen Recherche über die dubiose Universitätskarriere des Jungen, die die wenigen Lorbeeren brutal in der Luft zerfetzt und so den Eindruck erweckt, wir würden dann bald einen 23-jährigen Minimalisten und Schwätzer an einen ganz wichtigen Posten der französischen Wirtschaft geschoben sehen.  Den Papa vorher listigerweise frei machte, indem er den jetzigen Amtsinhaber unvermittelt einer Altersguillotine unterstellt hat, heisst es. Wohlgemerkt: Es geht um Europas grösste Bürostadt, um den Vorsitz in deren Entwicklungs- und Planungsbehörde!!!

Wie gesagt, Blogger’s Paradise. Deshalb gibt es in Frankreich auch mehrere Blogs, die sich ausschliesslich dem Tag-für-Tag Sarkozys widmen. In meiner Blogroll könnt ihr schon lange Les coulisses de Sarkofrance finden, unter Neu nun auch Sarkofrance, den Unterschied zwischen beiden lest ihr hier. Eine wahre Fundgrube ist auch die Website der Zeitschrift Bakchich und vor allem deren TV-Kanal bakchich.tv. Weniger frech, aber ausgiebig ist auch die französische Ausgabe des Videokanals Daily Motion.

Ich hab’s ja gesagt – nimm dir Zeit, ein Stündlein oder zwei. Ich lasse euch jetzt wahrscheinlich auch ein paar Tage in Ruhe, damit ihr den Links folgen und euch so richtig rhizomatisch vertöhrlen könnt – au revoir, à bientôt. Und wenn ihr mal nach Sète hinunter fahrt und noch einen gut gesicherten Platz frei habt – meldet euch bei:

le frère Bernard

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Tags:, , , , — Bruder Bernhard @ 19:01

20. Oktober 2009

Diese Weiber mit ihren Hupen bis zum Boden

Manchmal weiss ich nicht, soll ich lachen, soll ich brüllen, soll ich erröten, soll ich weglesen, soll ich sie ins Pfefferland wünschen – aber wildlaufende Powerblogger wie das alte Schlachtross Annubis sind bei aller Peinlichkeit doch ein Gewinn in einer Bloggerszene, die sich leider nur zu oft in einer penetranten Nabelschau, in der sinnlosen Konkurrenz zu den Newsportalen, in den ärgerlichen 3-Sätzli-Beiträgen mit einem Link zu einem anderen Verlinker zu einem Zeitungsartikel ergeht.

Am Liebsten sind mir Blogs mit einem hohen Anteil an eigener und begründeter Meinung, möglichst noch verständlich, vielleicht gar abwechslungsreich und spannend vorgetragen. So wie Annubis? Nein, so weit wollen wir doch nicht gehen. Aber wenn er sich über ein BH-Verbot im Islam auslässt und dann findet, Muslime hätten halt eben gerne Weiber mit Hupen bis zum Boden, weil sie so am ehesten den Kamelen glichen – und wenn man dann sein nicht sehr schmeichelhaftes Selbstporträt auf seinem Blog kurz anschaut – und sich seiner glüstelnden Beiträge über ein Treffen mit Frau Chic-und-Schlau entsinnt – hach, wahrscheinlich gibt’s den Kerl gar nicht, da macht einer auf Horst Schlämmer. Einfach ohne Pointe, halt.

Und jetzt hat er sich auf einen Privatkrieg mit der Piratenpartei eingelassen – ohne Rücksicht auf Verluste, der Mann wird die Partei in einen Kleinkrieg hineinziehen, dessen Ausgang ungewiss, mir aber auch ziemlich egal ist. Schliesslich bin ich weder Fan der einen noch der anderen Seite. Also ist es wahrscheinlich doppelt amüsant, von der Bande aus mitzulesen.

Wie Tinu heute berichtet, hat Annubis einen Wettbewerb ausgeschrieben. Irgendwie hat der Kerl es geschafft, einen Sponsor zu finden, den ich hier nennen muss. Und verlost ein Telefon sowie Werbebanner. Ihr könnt euch bereits bei mir melden, denn bei meinem sprichwörtlichen Glück werde ich alle drei Preise gewinnen, aber gebrauchen kann ich eigentlich keinen. Normalerweise wird bei so einem Wettbewerb nämlich eine Reise verschenkt – welch geiziger Sponsor!!!

PS: am allerallerallerliebsten sind mir Blogs mit gut gemachter Recherche, die jede Online-Redaktion schlapp aussehen lässt – was ts heute augenreibt, das schlägt alles!!!

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags: — Bruder Bernhard @ 13:37

Edipresse: Passiver Widerstand?

Ist es Zufall, hat es Methode? Am vorletzten Freitag hat Edipresse, die Neuerwerbung von Tamedia Zürich, die Entlassung von 50 Personen in ihrem Druckzentrum Bussigny bekannt gegeben, zusammen mit 30 Journalisten und 20 weiteren, die in den “Services annexes” arbeiten – 100 auf 1100 Beschäftigte.

Am Samstag darauf habe ich als Abonnent keine Zeitung erhalten. Die Begründung war eine Panne im Druckzentrum Bussigny.

Diesen Samstag dasselbe – keine Zeitung, Panne im Druckzentrum.

Aus Le Temps von gestern Montag, 19.10.09

Aus Le Temps von gestern Montag, 19.10.09

Le Temps hat auf meine Nachfrage kein Hehl daraus gemacht, dass ihre Zeitung wirklich in diesem Druckzentrum gedruckt wird, wo 50 Personen entlassen worden und letzte Woche ebenfalls eine Panne aufgetreten sei. Ich habe fast das Gefühl, ja ich bin mir sogar sicher, dass zwischen den Entlassungen und der doppelten Panne ein Zusammenhang besteht. Schliesslich machen die 50 Personen in der Druckerei einen Sechstel der Belegschaft aus, und ich würde mich nicht wundern, wenn die Botschaft lautet: Dann druckt eure Zeitung doch selber… Vielleicht ist es aber auch ein Managementfehler und es fehlen schlicht die Kapazitäten? Auf jeden Fall sind Pannen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden für eine Zeitung glaub’ ich schon ein starkes Stück – etwa wie wenn das Quartiermigros nicht öffnen könnte, weil der Filialleiter mit dem Schlüssel in die Ferien gefahren ist, und zwar als Wiederholungstäter zweimal nacheinander.

Diese ehemaligen Zeitungsverleger und heutigen Verramscher sind wirklich daran, eine ganze Kultur kaputt zu schlagen. Aber das wissen wir ja schon lange.

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 09:37

19. Oktober 2009

Radio La Triperie: Programm

“Zwei blaue Vaegissmainicht
Solln deine Augen mir sein
Zwei blaue Vaegismainicht
Bitten mich blaibe main”
(Singen Bob Gerry und die Rivieras)

Vor einem Jahr habe ich meine Radiostation im Internet aufgesetzt und seither ungefähr 3000 Songs heraufgeladen. Ein guter Teil stammt von Schallplatten und entspricht meinem schrägen Geschmack.

Komischerweise scheint dieser Geschmack übrigens niemand zu entsprechen, niemand ausser mir. Egal. Ich bin trotzdem immer noch dabei, das Weihnachtsgeschenk für den durchschnittlich einen Hörer vorzubereiten, wie ich hier schon mal angetönt habe. Digitalisiere grad massenhaft Singles, Schlager und Beat habe ich schon fast durch. Im Moment bin ich bei den Italos (Celentano, Festival San Remo) und den Franzosen (Dutronc, Ferrer, Polnareff). Doch davon später, wenn ich das Programm aufschalte.

Im Moment mache ich mir noch einen Spass daraus, die 3000 Songs in wilder Mischung runter zu nudeln, heute morgen um 0:00 habe ich begonnen, am Sonntag um 24:00 ist das Programm zu Ende und startet dann wieder von vorne. Da kann und soll es vorkommen, dass auf so ein ‘Liseli’s Brünneli’-Lied wie eingangs zitiert ein Hammer von Black Sabbath oder eine Improvisation von Sun Ra folgt.

Ich brauche das so, die ständige Überraschung – vielleicht passt euch das auch. Dann profitiert noch von diesem Programm, das ich mindestens drei mal zu wiederholen vorhabe. Garantiert ist jedoch nichts.

Viel Vergnügen mit laut.fm/latriperie! Hier im Anhang noch ein paar Bildeli von Hüllen aus dem Programm dieser Woche.

Da ein Tagesprogramm zwischen 19 und 23 Stunden dauert, wird es praktisch keine Wiederholung geben!!!

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Tags:, — Bruder Bernhard @ 08:59
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