Sauerkraut
Schlüsselerlebnisse? Die habe ich jeden Tag, und zwar die von der ganz harten Sorte, die, welche dem Leben eine neue Wendung geben. Die habe ich jeden Tag beim Einkaufen. Das gab es zum Beispiel heute zum Mittagessen – auf dem Foto seht ihr den dritten Teller, den habe ich nicht mehr bodigen können, der ist eigentlich auch hautpsächlich fürs Foto drapiert.
Weiss nicht, was euch dabei jetzt durch den Kopf schiesst. Ich habe aber beim Einkaufen erfahren: Das ist altersbedingt! Das ist hart. Hart für mich, der schon so vieles verschwinden sah, zum Beispiel die Dorfschmiede, die weissen Pfirsiche, die Trauben mit Kernen, die ungewaschenen Kartoffeln, das Sauerkraut.
Zur Sache: Wir sehen also hier einen Teller Sauerkraut mit Speck und einer Kartoffel. Unglaublich fein war’s, wie gesagt, zwei Teller habe ich problemlos weggeputzt, und vom dritten dann noch genascht, nach dem Fotografieren. Jetzt habe ich aber erfahren, und das ist Grund meines Schreibens hier, die Sauerkrautfabriken würden zur Zeit ein neues Sauerkraut entwickeln, nämlich eines, das nicht mehr sauer sei!!!
Habe dann beim Einkaufen mit dem Metzger, wo ich das Sauerkraut jeweils kaufe, über diese Hiobsbotschaft gesprochen. Er hat davon zwar noch nichts gehört, hat aber gemeint, während er mir das rohe ungekochte Kraut aus dem Kessel einpackt: “Ja, das hat was, wir haben NOCH NIE Sauerkraut an Junge verkauft” – ich glaube, bei ihm sind das alle unter 50…. Ich hab’ dann grad ein Kilo genommen statt ein Pfund wie sonst, man kann ja nie wissen.
Beim Essen habe ich mir dann überlegt, diese Sauerkrautvermarkter sind eigentlich schon nicht die Hellsten. Statt ein gut eingeführtes Produkt zu zerstören, seine Identität zu zerstören, und das mit ungewissem Ausgang, würden sie sich besser auf die Stärken des Sauerkrautes besinnen: So ist es etwa gut gegen Skorbut!!! Das ist nur ein Beispiel, das ich aufs Geratewohl aus den Tagebüchern des Captain Cook herausgepickt habe, für den eine Schiffsreise ohne seine Sauerkrautfässer gänzlich unvorstellbar war.![]()
Abgesehen davon ist Sauerkraut natürlich etwas ganz wunderbares, roh soll es gegen allerhand sonstige Zipperlein gut sein, viel wichtiger aber: Es ist doch superpraktisch, den Salat sozusagen gleich fixfertig im Kühlschrank zu haben. Erst noch zu einem unschlagbaren Preis, am Rande muss das doch in der heutigen Jammerzeit über die hohen Krankenkassentarife auch mal gesagt sein.
Wir haben hier ja Nachbarn, die haben so viel Müll, dass sie ihn immer im Dunkeln vorne an der Ecke hinschmeissen, wenn der Papierkorb an der Trolleyhaltestelle schon von jemand anderem vollgemüllt worden ist. Ohne Vignette, natürlich… Sind zwei schwergewichtige Nur-Autofahrer, und der Müll besteht hauptsächlich aus Junkfood-Verpackungen. Ich glaube, die essen gar nichts unverpacktes. Wie etwa das hier: 

Fehlt noch eine Zwiebel hier, dann seht ihr die Zutaten des zuoberst abgebildeten leckeren Tellers! Ich habe extra versucht, für euch ein säurereduziertes Sauerkraut zu kochen, und das ging so:
Eine Zwiebel und einen Boskop raffeln und mit einem Löffel Gänseschmalz im Dampfkochtopf andünsten, ein Pfund rohes Sauerkraut dazu geben und mit fast 2 Dezi heissem Wasser ablöschen, einen ganz ganz kräftigen Sprutz im Ausmass von einem gehäuften Esslöffel vom dreifach konzentrierten Tomatenmark dazu geben, mit der Gabel das Kraut gut auflockern und alles schön vermischen, Speck oben drauf legen, 20 Minuten im Dampfkochtopf garen. Ohne Dampfkochtopf wohl 90 Minuten!
Kartoffeln schälen, den Druck im Dampfkochtopf sich abbauen lassen (nicht am Ventil herum figuretlen!), danach die Kartoffeln um den Speck herum drapieren, weitere 10 Minuten garen lassen. Warten, bis der Druck sich wieder abgebaut hat. Fertig.
Warum ich mich hier so ins Zeug lege? Es könnte mir ja egal sein, was ihr esst, oder? Ist es mir aber nicht. Denn, wie gesagt, ich habe schon so vieles verschwinden sehen, einfach weil die Kunden dafür ausgestorben sind, ich möchte nicht, dass es eines Tages kein richtiges Sauerkraut mehr gibt. Das würde mich umbringen! Es ist ja heute schon schwierig geworden, Fleisch zu finden, das nicht bereits gewürzt und möglichst noch in einer billigen Marinade eingelegt ist. Der Tag wird kommen, wo es nur noch solchen Mist gibt.
Dann werdet ihr an mich denken….





























































Radio la Triperie:

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