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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

29. August 2009

Lob der Ersten Klasse

Behinderte haben es nicht leicht im Schweizer Berufsalltag. Das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen, nachdem ich seit gut drei Wochen an Krücken unterwegs bin, am Schienbein eine externe Schiene (’fixateur externe’ in der Fachsprache), die mir bei einem Sturz oder einem starken Gingg wohl den Knochen zerreissen würde. Um die Pendler zur Vorsicht zu mahnen, habe ich die Schiene, die mit sechs Schrauben direkt ins Fleisch und von dort in den Knochen schneidet, Anfangs extra offen getragen – in der Hoffnung, ich würde so von Rücksichtsnahme profitieren können.

Was denkt Ihr? Hat’s wohl geklappt?

Die Ernüchterung ist gross. Zwar werden mir jetzt allerhand Leidensgeschichten anderer Kranken ungefragt ausführlich erzählt, das ist sicher nicht uninteressant. Aber Rücksichtnahme? Zum Glück habe ich das wehrhafte Gen der Schweizer Söldner des Mittelalters noch in mir, so fällt es mir leicht, mich etwa mittels meiner Krücken drängelnden Mitreisenden bemerkbar zu machen. Ich habe auch schon mal das Bein so offen zur Schau gestellt, dass ich im vollen Zug ein ganzes Abteil für mich alleine hatte – einfach darum, weil niemand sich zu mir setzen mochte. Ist der Zug aber schon voll, muss ich entweder auf ‘emanzipierter Invalide’ machen und explizit darum bitten, dass mir ein Platz frei gemacht wird, oder halt auf der Treppe sitzen. Ihr könnt das nicht wissen: Aber die Mehrheit der Pendler ist dazu übergegangen, sich bereits zur Einfahrt des Zuges auf dem Perron einzufinden und sich blitzartig einen Sitzplatz zu sichern – das über 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges!!!! Erinnert ein bisschen an die Handtuchkriege deutscher Urlauber am Swimming Pool.

Deshalb bin ich nun seit der letzten Fahrt dazu übergegangen, den Aufpreis für die Erste Klasse zu bezahlen. 25 statt 14 Franken. Und ich kann euch einfach sagen: Paradiesisch. Da kann ich mein Bein bei Schmerzen strecken wie es mir behagt; ich kann im letzten Moment zusteigen, der für behinderte Personen reservierte Platz wird mir unaufgefordert frei gegeben, ich muss nur einen Blick darauf werfen; und bisher ist es auch noch nicht passiert, dass das Gegenüber Morgentoilette und Frühstück in den Zug verlegt hat, um zwanzig Minuten länger liegen bleiben zu können.

Deshalb plädiere ich gegen die Abschaffung der Ersten Klasse, wie sie immer mehr gefordert wird. Als Vertreter der Anstatt-Ökonomie* sage ich viel mehr: Gopf, du pendelst ja, also gibts Lohn, also zahl den Aufpreis oder schweig.


* zur Anstatt-Ökonomie hier später mehr

Und: Der Fairness eine Gasse. Deshalb, um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Es gibt sie, die Rücksichtsvollen. Diesen danke ich von ganzem Herzen: Buschauffeure, Mitreisende, Verkäuferinnen, Kollegen natürlich sowieso.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt, Praxistest — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 20:57

23. August 2009

Was Jean Ziegler wirklich gesagt hat

Sowohl im Blick wie auch heute in der Sonntagszeitung wird Libyen-Kenner Jean Ziegler zitiert. Wer Gaddafi nicht getroffen habe, habe überhaupt keine Abmachung. Das Interview mit dem Westschweizer Radio, auf welches sich diese Zeitungen offensichtlich stützen, enthält aber noch viel mehr Zündstoff. Hört es euch unbedingt an!

So sei es überhaupt nicht so, dass sich während eines Jahres überhaupt nichts bewegt hätte, wie Merz als Grund seiner Reise angibt. Vielmehr treffe sich eine Task Force seit diesem einen Jahr in Bern, bestehend aus Diplomaten, Journalisten, Ökonomen, Geheimdienstlern, um unter der Ägide von Calmy-Rey mit Libyen zu verhandeln, was sehr heikel sei, da der Wüstenstaat einer ganz anderen Kultur angehöre. Heute sei man unmittelbar vor der Fertigstellung des Entwurfs einer Vereinbarung gestanden, welche durch die libyschen Verhandlungspartner dann Gaddafi vorgelegt worden wäre.

Im Entwurf der Task Force, der also knapp davor stand, Gaddafi vorgelegt zu werden, war das Bedauern der Schweiz über den Genfer Vorfall und die sofortige Rückkehr der Geiseln festgeschrieben. Ziegler lässt anklingen, dass dieser gute Chancen einer Annahme durch Gaddafi gehabt hätte, da der Entwurf ja praktisch schon den wichtigen Filter der libyschen Zivilregierung passiert hatte.

Zum Ablauf des Besuchs erzählt Ziegler eine absolut wahnsinnige Geschichte: Merz sei in Libyen aufgetaucht, um Gaddafi zu treffen, worauf er nach Vermittlung von Sheikh Khalifa bin Zayed Al Nahyan zählte. Diese Vermittlung wurde ihm bei seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten Ende Mai angeboten. Nur, dummerweise soll der Scheich dann ’seinen Job nicht gemacht haben’, so Ziegler. Also kommt Merz an und man sagt ihm, Gaddafi mache grade Siesta, er habe keine Zeit und so weiter und so fort. Und nun kommt, was Ziegler offenbar total unverständlich findet. Statt abzureisen, wie es sich für einen Staatschef in einer solchen Situation gehört, redet Merz mit den unteren Chargen, der Zivilregierung eben, die aber gemäss Ziegler absolut nichts zu sagen habe. Und gibt seine Entschuldigung ab. Und fliegt heim, ohne Gaddafi gesehen zu haben, ohne die Geiseln, ohne ein konkretes Verhandlungsresultat mit Gaddafi, dem wirklichen Entscheider. Und hofft nun, Gaddafi nehme von seiner Entschuldigung gebührend Kenntnis und gebe die Geiseln frei.

Ganz ehrlich, das hoffe ich auch.

Aber wäre es nicht besser gewesen, man hätte auf den Entwurf der Task Force gewartet, was ja laut Ziegler nicht mehr lange dauern konnte, nachdem man schon ein Jahr in die Verhandlungen investiert hat? Hätte das zu keinem Resultat geführt, wäre immer noch der Flug des Bundespräsidenten als letzter Ausweg geblieben. Und der demütigende Kniefall wäre für die Schweizer Bevölkerung nicht ganz so überraschend und unverständlich gekommen.

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 13:49

Rechtsfreier Raum Internet

Man muss sich wirklich dieses Video anschauen, um zu verstehen, wieso Politiker und Journalisten in letzter Zeit so gerne die Mär vom “Internet als rechtsfreier Raum” verbreiten. Damit lässt sich nämlich vorzüglich bei einem wenig fachkundigen Publikum punkten. So wie die deutsche Familienministerin im Wahlkampf Ursula von der Leyen das hier tut.

Das Video muss man sich übrigens zweimal zu Gemüte führen oder aber vorher die Fakten zum Thema hier lesen: Sperrung von Kinderpornografie im Netz: Die falschen Tatsachenbehauptungen der Bundesregierung

Eines ist mir nach diesem beängstigenden Video völlig klar: Wer so eklatant emotionalisiert und Tatsachen unterschlägt, dem geht es bestimmt nicht um den Kampf gegen die Kinderpornographie. Da gäbe es nämlich sehr wirkungsvolle Massnahmen. Dem geht es um Wählerstimmen, und dem geht es um die Einführung einer Zensur im Internet. Einmal eingeführt, wird sie sich nach und nach auf andere Themen ausbreiten.

Dann aber: Prost Nägeli.

(Via Stefan Niggemeier)

Die Überwachung der Surfer in der Schweiz wird hier bei ugugu dokumentiert.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 05:37

17. August 2009

Radebrechen mit Tamedia AG

Aus einem Stelleninserat heute in 20 Minuten:

“Ihre Freude an der Sprache und an griffigen Formulierungen zeichnet Sie aus. Sie sind Flexibel und sind breit, unregelmässigen Arbeitszeiten, abends und am Wochenende, zu leisten.”

Ich schwöre: Genau so steht es da.

Wer war da wohl wie breit?

Verstanden...

Thomas Fechtelkord freut sich auf Ihre Online-Bewerbung unter www.tamedia.ch. Gesucht wird eine/n Produzent/in 100%, übrigens. Für die erfolgreiche Pendlerzeitung 20 Minuten.

PS: ich zähle mindestens 4 Vehler im inkriminierten Satz. Rispeckt, youh!!!

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 18:07

10. August 2009

Frank A. Meyers Untertanensprache

Ungelogen: ich bin total und nachhaltig schockiert. Das merkt man schon daran, dass ich heute meinen zweiten Blogeintrag absetze, nachdem ich die Sache doch schon bei ugugu kommentiert habe. Aber ich habe jetzt ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich eine ganze Berufsgruppe diffamiert habe.

Ich entschuldige mich in aller Form bei allen Abwarten. Sorry!

Und ich präzisiere.

Als Bieler kenne ich Frank A. Meyer aus seiner Bieler Zeit recht gut. Das ist wohl so was wie ein Disclaimer. Und deshalb weiss ich auch, dass er immer sehr sorgfältig mit der Sprache umgegangen ist. Vor allem hat er immer den faulen Punkt in der Sprache anderer gefunden. Ich habe bei ihm in dieser Hinsicht einiges gelernt. Und genau darum hat mich sein Schlusssatz in seiner Sonntagsblick-Kolumne ‘Basta!’ so schockiert, dass ich das hier nochmals aufgreifen muss.

Diederich Hessling, Inbegriff des Untertans

Diederich Hessling, Inbegriff des Untertans

“Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten.” Es ist die Konstruktion, die schockiert. Diese distanzierte und gleichzeitig gewalttätige Sprache, die eigentlich einem gemeinsamen Gegner eigen ist: Dem Autoritären Charakter.

Der Autoritäre Charakter tritt in mehreren meiner Lieblingsbücher auf, so vor allem in den Klassikern des Genres, Alexander Döblins “Pardon wird nicht gegeben” und natürlich Heinrich Manns “Der Untertan”. Der Autoritäre Charakter zeichnet sich durch ein Buckeln nach oben und ein Treten nach unten aus. Wenn ich nun lese, wie FAM, immer noch einer der einflussreichsten Journalisten des Landes, seinem Millionenpublikum einen kleinen Blogger namentlich vorführt und zum Abschuss frei gibt, dann frage ich mich ernsthaft, was aus dem Arbeitersohn Meyer geworden ist.

Vielleicht sollte FAM nicht immer nur mit seiner Bibliothek angeben, sondern sie auch wieder mal konsultieren. Ich gehe nämlich jede Wette ein, besitzen täte er diese Bücher….

(via)

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:49

Süsse Gurken

Bleierne Zeit in der Mediensphäre. Doch nicht davon soll die Rede sein, schliesslich will ich hier keinen Blog der Gemeinplätze und Selbstverständlichkeiten führen. Davon gibt es ja schon zu viele, mit Verlaub. Fast nur noch solche, bin ich versucht zu provozieren. Denn noch nie war ich so hungrig nach Blogaction, noch nie blieb ich so auf meinem Appetit sitzen. Blätter’ ein wenig zurück, und du siehst, warum.

Gut, ich hätte ja auch Zeitung lesen, das Spitalkiosk leer kaufen können. Den Versuch habe ich aufgegeben, nachdem man mir auf meine Bestellung von Le Monde allen Ernstes Le Matin geliefert hat – ist ja auch quasi eine Zeitung vom anderen Stern. Statt dessen habe ich zu jeder wachen Zeit die Online-Ausgaben gecheckt. Herrje, ist das nervig. Immer diese Klickerei, bis man weiss, ob sich hinter einem Teaser mehr verbirgt als 30 belanglose Zeilen. Oder, schlimmer noch, ein aus drei Agenturmeldungen zusammengebastelter Artikel, was sich in dubelisicheren Wiederholungen zeigt. Organisierte Pixelverschwendung, das. Zu den geslugten Blogs auf der anderen Seite kein weiteres Wort – hoffentlich bessert sich das noch.

Zum Glück hatte ich meine Blogroll.

 

Ugugu hat ja wacker die Stellung gehalten und vor allem mit diesem Link ein grosses Tor aufgetan – Stoff für einen Tag, liest man zuerst die verlinkten Artikel und danach noch das ganze Unterholz. Merci.

Frau Rossi riecht am Glück

Frau Rossi riecht am Glück

Dann bin ich noch via Bruno Bötschi irgendwie bei Frau Rossi gelandet. Ob es die Drogen waren, dass ich bei ihr lange hängen geblieben bin? Auf jeden Fall habe ich noch selten so weit in einem Blogarchiv zurück geblättert. Würde ich mal machen, wäre es nicht schon gemacht. Bötschi, übrigens, findest du in meiner Blogroll. Aber die studierst du ja sicher auch ohne meinen Hinweis. Hoffe ich wenigstens!!!!

Sarah

Sarah

Und nochmals dann: Sarah Hähnle hat den schönsten Blog seit langem. Stundenlang könnte ich den bewundern. Ob es wohl daran liegt, dass es sich hier um eine echte Bielerin handelt, die zuerst mal den Zürchern gezeigt hat, was eine Harke ist, und nun seit mehreren Jahren in Barcelona erfolgreich als Grafikerin (oder wie diese Berufe heute heissen mögen) Bildschirme und anderes gestaltet? Hach, was bin ich doch stolz!!!!

PS: Hier noch mein liebstes Gurkensalatrezept: Gurken schneiden wie gewohnt. Aus etwas Essig, Wasser (statt Öl), Salz, Honig (oder Zucker…) und vor allem Knoblauch die Sauce direkt auf den Gurken mischen. Gurken sind nur echt aus dem Garten oder vom freien Feld – möglicherweise schwer zu kriegen! Aber es lohnt sich zu suchen. (Manchmal habe ich das Gefühl, solche Selbstverständlichkeiten muss man heute erwähnen, im Zeitalter von Hors-Sol und Treibhaus überall und ständig. Gopf!!! Und dazu ja kein vormariniertes Fleisch vom Supermarkt. Tami!!!)

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 10:29

4. August 2009

Novartis’ Rache

Ein Produkt der Firma Stryker ....

Ein Produkt der Firma Stryker .... der abgebildete Inbus-Schlüssel im Hintergrund kostet allein 265 Franken

Das junge Ding aus der Pflegeabteilung wieder. Hat mich schon am Anfang genervt, wie sie mit spitzen Fingern aus meiner fast neuen Überhose meine Sugus hervorkramt, die Hose wieder in den Spind fallen lässt. Und jetzt hat sie mir doch tatsächlich das Hundefett aus dem Nachttischli genommen. Und so bin ich nun den Auswüchsen der Schulmedizin’n'Pharmalobby ausgeliefert, muss mich mit Tabletten Pillen Spritzen der Schmerzen erwehren, es ist zum Haaröl ins Katheter seichen.

Novartis sei Dank hahaha für meinen wirren Kopf, Saudrogen, das. Das hab’ ich vom Hundefett nie gekriegt, diesen üblen Geschmack im Mund, die schwarzen Flecken auf dem Bildschirm, das Hin- und Herspicken des Bettes. Novartis’ Rache eben. Ob die deshalb dem Vasella sein klein Häuschen abfackeln wollten? Wenn ich wieder lesen kann, werde ich das für euch erforschen. Bis dahin noch ein kleiner Bildstreifen aus Bruder Bernhard’s Rehab.

Besten Dank übrigens noch an den netten Hilfpfleger aus Portugal, Porfirio. Sardinenrezepte hat das Muttersöhnchen zwar keine gekannt, aber er hat mir die praktischen Kleider ausgeliehen,  bis ich meiner Überhosen wieder habhaft werde. Auch diese sind unterdessen nämlich verschwunden, ebenso der schöne Lismer!

Stand: 26 mm

Stand: 26 mm

Stand: 26.2 mm

Stand: 26.2 mm

Stand: 26.3 mm

Stand: 26.3 mm

So, jetzt Gas geben....

so, jetzt Gas geben....

Achtung

Achtung

...steht

...steht

würgh

würgh

pffffhhhhh....

pffffhhhh...

PS: die Kommentare werden nach und nach wieder geöffnet, übrigens. Danke an Alle, ihr wisst schon, wen ich meine. Auch an den jungen Bruno!!!

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 18:36

Wordpress Classic Theme, gespielt à la Bruder Bernhard's Nackthalshuhn
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