1999: Lothar. Er hinterlässt Schäden, die noch heute nicht allesamt behoben sind. 2009: Martin. Dieser Sturm ist noch nicht vorüber, er hat erst begonnen. Und er wird gigantische Schäden im Schweizer Blätterwald hinterlassen. Soviel ist sicher.
[Bitte die prall billige Parallele zu entschuldigen. Auch ich bin doch nur ein Mensch, auch ich profiliere mich gern mit wohlgesetzten Worten. Und auch bei mir kann es mal entgleisen.]
So, zurück bzw. vorwärts zum eigentlichen Thema. Die Entlassungen, der Kahlschlag im schweizer Journalismus – offenbar eine pure Chimäre, oder? Denn wer nur Zeitung liest, muss zu dieser Einschätzung kommen. Hätte ich doch nur die Zeit, quantitative Studien durchzuführen, auf gut deutsch: Einfach mal die Anzahl Artikel und Zeilen zu einem Thema auszuzählen. Und diese vielleicht noch einzuordnen: Wie berichtet die unabhängige Presse (WoZ), wie ihr gewinnmaximierender Gegenpart (Tamedia etc.). Aber vielleicht kommt man bei diesem Thema auch ohne Studie zu einem klaren Resultat, glaubts nicht auch?
Hätten wir nicht die Blogs, würden diese Entlassungen fast kallheimlich (sorry….) stattfinden. Und jetzt gehen wir mal nur ein halbes Jahr zurück. Ja, eigentlich reicht ein paar Wochen. Verlinken mag ich nichts, wer nicht dabei war, muss mir einfach glauben. Oder hier zurück blättern, und in der Blogroll lesen.
Die Klage über den anonymen Mob im Internet war gross – zwar immer aus den selben Kehlen, immer aus durchsichtigen Motiven, nämlich die Kritiker mundtot zu machen, aber ihr war schwer beizukommen. Es gab nämlich kaum empirische Daten, um Position oder Gegenposition ein für alle mal zu untermauern.
Jetzt aber, Gongschlag: Jetzt haben wir die Daten endlich. Ich hätte mir allerdings nicht gewünscht, dass sie anfallen. Selten war ein Sieg in einer Debatte trauriger. Denn er geht einher mit dem Verschwinden der schweizer Presse. Sei es.
Welches sind nun diese Daten? Schauen wir uns mal um, wie die Journalisten über die Katastrophe schreiben, die nun über sie hereinbricht. I sogs wie’s is: Praktisch gar nicht!!! Wer überhaupt darüber kritisch berichtet, tut es unter der Kappe des Pseudonyms. Nun ist es ja nicht so, dass pseudonym gleich anonym ist. Ein Pseudonym ist trotzdem eine Identität. Aber diese Debatte will ich jetzt nicht wieder aufwärmen, eigentlich. Ist mir rausgerutscht. Ich stelle einfach fest: Die grossen Verfechter des ‘Im Internet darf jeder sagen, was er denkt, schliesslich haben wir Meinungsfreiheit’ – wo sind sie jetzt? Sie schweigen still in ihr Bier, mucksmäuschenstill hoffen sie wahrscheinlich, dass dieser Kelch an ihnen vorüber geht, der anderen bereits die Erinnerung an eine jahrzehntelange Arbeit im Journalismus vergiftet.
Die einzigen, die jetzt noch die Vorgänge öffentlich machen, sind die Medienblogs wie journalistenschredder, hose/dose, medienspiegel, medienlese, klartext. Und die Abonnenten oder Leser wie zappadong oder bugsierer.
Die Herren Journalisten, die bisher so auf die Meinungsfreiheit gesetzt haben, sie scheinen komischerweise gar keine Meinung zum Thema zu haben. Nicht einmal im doch so flüchtigen Medium Twitter wagen sie sich aus der Deckung. Nichts als Nichtigkeiten dort, weiterhin. Meinungsfreiheit als die Freiheit, keine Meinung zu haben….
Uppercut: Es möge ihnen eine Lehre sein.
Und K.O.