Der erste Satz eines Artikels soll kurz und ohne Komma daherkommen. Absolutes Schwein, dass ich diese Masterregel grad diese Woche in einer meiner alten Zeitungen, die auf dem Küchenboden rumliegen, nachgelesen habe. Einschub: für die weiteren Sätze gilt diese Regel im Fall nicht mehr. Ausschub.
Wo war ich stehen geblieben?
Hätte ich diese Masterregel nicht gelesen, wäre mir wohl im Feuer ein Riesensatz entschlipft, um diesen Beitrag hier zu beginnen. So wie es Klaus Jarchow unlängst passiert ist. Klaus Jarchow wird seine langen Sätze bald anderswo publizieren – denn die Blogwerk AG von Peter Hogenkamp will die angeblich unrentable Medienlese verkaufen oder schliessen.
Medienlese soll einer der erfolgreichsten Schweizer Blogs sein mit täglich 2500 Besuchern, lese ich. Und soll deshalb wenigstens teilweise durch Spenden gerettet werden. Das schlägt massenpublikum.de vor. Und startet auch gleich eine Sammlung unter dem ‘jöh’-Titel “Ein Herz für Blogs”. Nun, wer will denn da noch herzlos sein?
Ich natürlich.
Wieso, um alles in der Welt, soll für einen Blog, der bisher von einer Firma zwecks PR gesponsert worden ist, nun Geld gesammelt werden? 2500 User pro Tag – das erfordert jetzt wirklich keine riesige IT-Infrastruktur, das lässt sich mit einem Hosting für ein paar 100 Franken pro Jahr problemlos realisieren. Die Software dahinter ist scheints Wordpress, gratis, leicht zu installieren – die selbe, die hier läuft.
Warum wird von Hogenkamp nicht erwartet, dass er das nun erwachsene Kind einfach freigibt bzw. an das Personal verschenkt? Verkaufen kann er es eh nicht, weiterführen aber sicher auch nicht. Die bisherigen Schreibpersonen aber würden bestimmt auch ohne Lohn die paar Mal pro Woche bloggen, denke ich. Meinungsstark genug sind sie, und die bisherigen Löhne waren bestimmt weit davon entfernt, eine Existenz zu sichern, so dass sie wohl notfalls ihren Blog quersubventionieren würden.
Noch ein Wort zu der Blogwerk AG. Als Neoblogger kannte ich diese Firma noch im letzten September praktisch nicht, nur Hogenkamp tauchte zwischendurch in der Presse als eine Art Blog-Guru auf. Als alter Hippie (ja, jetzt dürft’s alle losgröhlen) war mir schnell mal klar: ein guter Blog ist Einspringpunkt in die Blogsphäre. Erster Einspringpunkt ist die Blogroll. Diese vermisste ich bei des Blog-Gurus Blogs. Daraus schliesst der Alt-Hippie: Aha, da will jemand von einer Graswurzeltechnologie profitieren, die Leute auf seinen Seiten behalten und eine Bewegung zu Geld machen.
Ich tu Hogenkamp sicher nicht unrecht, wenn ich ihn als Medienunternehmer hinstelle. Er ist kein Blogger, er ist Auftrags- und Arbeitgeber von Bloggern. Und Verkäufer. Mit grossem Interesse habe ich etwa gelesen, dass Blogwerk AG für Firmen twittert und bloggt. Was wird das werden? Publireportagen? Bestellte Zwitscher?
Ursprünglich ist Bloggen Punk. Oder so was ähnliches. Und dessen Kommerzialisierung damit unvereinbar.
Hoffentlich geht das Scheitern weiter.
(via die punkige Version der Medienlese ugugu
– hätte aber auch via Hose (oder ist es Dose?) kommen können!)
PS: Dumk Opf! Also, Hose! (Oder ist es Dose?)
Update 10:18