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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

26. Februar 2009

Feedjit im Visier – Werbung ist ihr Ziel!

Schon mal die ‘Terms of Use’ von Feedjit gelesen, dem Tracking Tool, das viele Blogs verwenden? Ich habe ja schon gemotzt, dass das Feedjit-Tracking auf den Blogs für jedermann sichtbar Daten anzeigt, die sonst nur der Betreiber des Servers, der Blogger also, sieht. Und jetzt, weil ich auf meine Hinweise fast nur Unverständnis ernte, habe ich noch näher hingeschaut – zum Glück.

Mir war ja schon irgendwie unheimlich, dass Feedjit nicht von einem typischen Open-Source-Programmierer stammt, Einzelmasken, Nerds oder Informatikstudenten aus Venezuela halt. Und deshalb habe ich mich also durch die Nutzungsbedingungen des Tools gekämpft, die jeder, der Feedjit betreibt, unterschreibt.

Ich würde mich jetzt erst mal setzen….

Denn das Unternehmen Feedjit Inc. nimmt die folgenden Rechte für sich in Anspruch:

  1. Benutzern und Besuchern des Dienstes personalisierte Werbung zuzustellen (”Privacy Notice” 1. Automatic Information)
  2. Dritten zu erlauben, die gesammelten Daten zu Werbezwecken zu nutzen (”Privacy Notice” 4. Third-Party Companies) und den Werbeerfolg mit verschiedenen technischen Massnahmen zu messen.
  3. Bei Verkauf der Firma gehen die gesammelten Daten an den neuen Besitzer (”Privacy Notice”, 3. Sharing Information). Logisch, da genau diese Daten den eigentlichen Wert der Firma darstellen! Und bei einem Start-Up ist ein Verkauf ein jederzeit denkbares Szenario!!!
  4. Dass diese Nutzungsbedingungen jederzeit geändert werden können, ohne spezielle Anzeige (”Privacy Notice” 7. Changes and updates to this Privacy Notice), und der Nutzer deshalb gezwungen ist, diese regelmässig zu überprüfen. Bei den Sachen, die da jetzt schon drin stehen, ein heisses Eisen. Denn: wer denkt schon an so was? Wer liest überhaupt solche Terms of Use?

Ich weiss schon, wer Feedjit einsetzt, hat jetzt überhaupt grad gar keine Freude. Denn wer steht schon gerne als Datensammler für Werbefirmen da? Aber, sorry, was ist das denn noch anderes? Ein steiles Gadget vorne an den Blog geklebt, für den stolzen Hüttenwart – und gleichzeitig werden Daten mit dem offen und klar proklamierten Ziel der späteren Werbung an Feedjit, Inc. gesandt.

Ich kann gut verstehen, dass es passieren kann, dass man so einem Tool aufsitzt. Wer liest schon die Terms of Use, wenn er was installiert? Ehrlich: ich normalerweise auch nicht. Aber jetzt hab ich’s getan, und ich finde: Feedjit geht überhaupt nicht! Auch wenn ich jetzt als paranoid und sehr überheblich da stehe – dass Feedjit stinkt, das wurde schon beim näheren Hinsehen glasklar, denn wenn Software ‘nach Hause telefoniert’, dann ist das ein übles Zeichen.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 08:39

25. Februar 2009

Blogs als Datenfischer

Ist die ganze Blogsphäre wirklich so naiv und blauäugig? Oder haben wir es ganz einfach mit einer Ansammlung von Je-m’en-foutisten zu tun?

Gestern habe ich bereits auf das kleine reizende Gadget hingewiesen, das sich auf manchem Blog findet und anzeigt, woher sie kommen, wohin sie gehen, die Leser. Feedjit. Was man damit machen kann, steht hier in meinem Kommentar an Dr. Bugsierer: die Beweisführung, dass in bestimmten Fällen User identifiziert werden können. Dass man sich sogar quasi vor das Eingangstor des Blogs stellen kann und mit einem Skript jegliches Kommen und Gehen auf dem Blog mitschreiben kann.

Eines steht fest: Es gibt überhaupt keinen Grund, einem allfälligen Gegner unnötige Informationen zu liefern. Und ein allfälliger Gegner könnte z.B. eine Firma sein, die am Pranger steht, über die gebloggt wird. Da möchte mancher Leser oder gar Kommentator seine Anonymität lieber einmal zuviel als einmal zuwenig gesichert wissen!

In Bloggers feuchten Träumen kommt ja immer mal wieder der Whistle Blower vor, der Firmeninterna verrät und den Blog munitioniert. Dazu dient dann ein Link auf dem Blog, der anonyme Informanten einladen soll. Wenn der Blog aber auf einen fremden Server zugreift und dort die IP-Adresse, das Betriebssystem, den verwendeten Browser fortlaufend mitschreibt – dann ist das in der Regel ganz harmlos. Muss aber nicht!

Einige Dinge, die nicht harmlos sind:

  1. es könnte mal darauf geklagt werden, die Logs herauszugeben.
  2. die Firma wird verkauft, die Daten fallen an den neuen Besitzer – der es vielleicht sogar gerade darauf abgesehen haben könnte
  3. wie oben gesagt: es kann jemand identifiziert werden, was nachteilige Konsequenzen für Angestellte und auch Freiberufliche haben kann

Beim ersten Punkt wird gerne eingewendet, dass, wer sich korrekt verhält, sich vor den Logs nicht zu fürchten braucht. Kommt meistens von den Leuten, die ihr Privatleben hinter dicken Vorhängen verstecken. Der Zweite wird viel zu wenig bedacht. Das typische Beispiel dafür ist Hotmail.

Hotmail war in seinen Anfängen ein anonymer Mailservice, der Erste seiner Art. Noch nicht so lange ist’s her, da kostete Software noch ein kleines Vermögen – 2000 Franken für ein Desktop-Datenbanksystem wie Foxpro waren keine Seltenheit. Und da gabs Schlaumeier, die die fünf Originaldisketten (!) als günstige Kopie anboten – und all diese Mauscheleien liefen über Hotmail!

Und wem gehört heute Hotmail? In wessen Händen sind nun alle Daten der frühen Crackerszene? Hotmail gehört heute Microsoft, das ist ja allgemein bekannt ….

Datenschutz beginnt bei der Überlegung, welche Daten überhaupt gesammelt werden sollen oder dürfen. Wenn Daten einfach mal so angehäuft werden, ist das immer gefährlich!!! Genau aus diesem Grund speichern Bibliotheken etwa das Leseverhalten ihrer Kunden nicht, löschen Ausleihdaten nach Rückgabe. Es wird immer damit gerechnet, dass unter anderen politischen Verhältnissen die einmal gesammelten Daten auch ausgewertet werden, in einer Weise, die der ursprüngliche Datensammler weder beabsichtigt noch bedacht hatte!

Das Prinzip Honigtopf wird von Serveradmins gerne eingesetzt, um gegen Spammer vorzugehen. Es gibt aber auch die Honigtöpfe, die es darauf anlegen, Benutzerdaten zu sammeln. Im anonymen Netz kann irgend jemand hinter einem super tollen Gratisangebot stehen: US-Dienste, Mafia, Abzocker, Naivlinge etc. Kürzlich habe ich von einem ernst zu nehmenden Admin gar gehört, eine bestimmte Suchmaschine, weniger gross als Google, sei ein Honigtopf… Vielleicht stimmt’s, vielleicht nicht. Es könnte jedenfalls zutreffen. Es wäre fast der einzige Grund, der ihr Überleben noch erklären könnte.

Noch ein Tipp für ganz Neugierige:In Windows das DOS-Fenster öffnen (cmd), dann den Browser öffnen, eine Internet-Adresse aufrufen, zum DOS-Fenster wechseln und dort eingeben:

netstat

(Enter nicht vergessen;-)

Bei jedem Wechsel zu einer neuen Adresse zum DOS-Fenster wechseln, den Befehl erneut eingeben. Es erscheint jeweils eine Liste mit den geöffneten Netzwerkverbindungen. Auch wenn man es nicht versteht: Man sieht, auf welche Server bzw. IP-Adresse zugegriffen wird. Und man sieht auch die ganz banale und trotzdem aufschlussreiche Information, wieviele unterschiedliche Server ins Spiel kommen. Mit einer Whois-Abfrage kann der Server dann identifiziert werden. 69.46.36.6 ist z.B. ein Feedjit-Server – er gehört verdächtigerweise zu einer ganz normalen gewinnorientierten Firma!!! Und er meldete sich beim Aufruf eines bekannten Schweizer Blogs.

Das Dos-Fenster mit Netstat

Es gäbe sicher Tools, die diese Verästelungen auch grafisch darstellen, dann würde das ein bisschen eine Spinnennetzstruktur ergeben, keine gradlinige wie jetzt beispielsweise bei www.bruderbernhard.ch/latriperie, wo nur der Server des Hosters genotec.ch erscheint ….

Übrigens: Habe ich schon gesagt, dass ein grosser Teil der Blogs unter Google laufen? blogspot.com ist Google. Zu Google muss ich nichts mehr sagen. Ein noch grösserer Teil läuft auf Wordpress.com. Wissen wir, wem die Wordpress-Server morgen gehören? Naiv und blauäugig…


PS einen Tag später: Erst jetzt habe ich die Terms of Use von Feedjit gelesen. Der Hammer, was da drin steht!!!

Abgelegt unter: Praxistest, Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 16:44

23. Februar 2009

Blogs legen Benutzerdaten offen

Schindluder mit den Daten von Usern wird auch durch Blogs betrieben, nicht nur durch die hier bereits früher aufgegriffenen Plattformen - oftmals, ohne dass ihnen dies bewusst ist. So findet sich auf vielen Sites im Selbstbeweihräucherungsbalken, da wo auch die Awards hingepappt werden, ein Spionagetool, FeedjitLive. Sicher sehr interessant, da kann ich sehen, woher ich selber grad eben vorhin auf die Seite gekommen bin – ein-, zweimal ist das sehr interessant. Dann hat man begriffen: Aha, auch wenn ich in Adorf wohne, weist mich das Tool als ’soeben von Bstadt gekommen’ aus. Interessant. Ist das Internet also so ungenau? Und da heisst es immer: Grosser Bruder, Datenspur, Persönlichkeitsprofil, ACHTUNG!!!

??????????

Aber klicke mal unten in der Liste auf Watch in Real Time: Es erscheint eine detaillierte Liste der letzten Benutzer, ohne Namen zwar, anonym sicher; aber nicht ganz! Es ist z.B. eine Tatsache, dass ich über ein paar Blogger und Kommentatoren mit der Zeit ein paar Fakten kenne, in welcher Gegend sie wohnen etwa. Wenn ich jetzt diese Liste über längere Zeit auswerte, was total einfach über ein Programm realisiert werden kann, ja, da kann ich mindestens ein halbes Dutzend Profile pro Blog der regelmässigen Leser anlegen.

Wer jetzt noch schwierig tun will, räsoniert, das Tool nehme bei jedem Aufruf eines so verseuchten Blogs Verbindung mit dem Feedjit-Server auf, was für verlängerte Ladezeiten sorgt. Und wer paranoid ist, wird an einen Honigtopf denken. Ein Honigtopf im Internet ist, wenn man … einen Server hinstellt, mit einem Angebot zu schön um wahr zu sein. Und wenn etwas gratis ist könnte es sich immer um einen Honigtopf handeln. Ich nehme mal ein Beispiel, das alle kennen können: Übersetzungsserver! Du kannst einen ganzen Text hochladen, und du kriegst ihn übersetzt zurück – gratis. Viele Firmen denken da gar nicht daran, dass ihre Angestellten so was nutzen könnten, firmeninterne Dokumente im Expressverfahren übersetzen zu lassen!!! Nicht auszudenken, wenn dieser Übersetzungsservice nun durch Konkurrenten finanziert wird – aber davon kann man fast schon ausgehen, wenn man die Sorglosigkeit der allermeisten Benutzer annimmt. Keine ganz falsche Annahme, oder? Die Feedjit-Seuche belegt das leider.

Ich frage mal so: Vielleicht speichert der Server die Daten auch? Vielleicht sollen die Daten mal ausgewertet oder im Rohzustand weiter verkauft werden? Vielleicht steht ein Geheimdienst, eine Regierung hinter dem Server, die so verdächtige Bewegungen aufzuspüren hofft? Alles durchaus realistische Annahmen, alles schon da gewesen!!!

Es geht nicht darum, dass alle ‘Fuck’ abgespeichert werden, die jemand mal im Internet gesagt haben mag. Eine Datenspur ist aufregend genug. Ich folge z.B. beim Lesen im Netz oft einem ähnlichen Muster. Ist das mal erkannt, kann ich auch aus einem Internet-Café nicht mehr 100% anonym surfen! Und aus der Häufigkeit meiner Besuche, aus der Verweildauer auf den Seiten, lässt sich einiges schliessen – wenn man das will.

Wenn man jetzt noch brutal sein will, meldet man die Sache dem Datenschutzbeauftragten. Denn laut Datenschutzgesetz ist es verboten, Informationen über die politische oder religiöse Überzeugung zu speichern. Ebenso das Anlegen von Persönlichkeitsprofilen. Könnte sein, dass die Feedjit-gepowerten Blogs sich diesen Gag nochmals überlegen müssten. Und auch alle anderen servergesponserten Tools und Plug-Ins (wie dieses Snap-Up-Dings, das eine Vorschau auf eine Hyperlinkadresse zeigt – weiss nicht mehr, wie es heisst, vielleicht ist es endlich ausgestorben?)


PS: was ich in den Terms of Use von Feedjit gefunden habe – Beitrag drei Tage danach aus der Kategorie “Kotzen”

Abgelegt unter: Praxistest, Selbstreferenzialitäten — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 23:04

Blutiger Montag

Ja, Montag ist Blutwursttag. Keine langen Vorreden, sie zu kennen heisst sie zu lieben, wie schon Phil Spector vor gut 50 Jahren erkannte. Phil Spector? Phil Spector!!!


Meine Metzgersfrau hat mir kürzlich ganz im Vertrauen verraten, dass sie die Blut- und Leberwürste für ihre Männer im heissen Wasser ziehen lässt, in der Bratpfanne würden sie immer platzen. Weil sie nämlich keine Lust habe, die ganze Zeit am Herd zu stehen und den diffizilen Würsten zu küderlen. Kann ich verstehen – ich habe nämlich mal bei einem richtigen Metzger abgeschaut, wie man die Würste mit vollständig erhaltenem Darm auf den Tisch bringt. Bratpfanne, wenig Fett, wenig Hitze! Die Würste während ca. 20 Minuten vorsichtig erwärmen, aufpassen, dass der Darm nicht ‘anhockt’, sonst platzen sie ziemlich sicher grad sofort. Man ist also die ganze Zeit beschäftigt, die Würste zu beobachten, vorsichtig zu wenden, in der Pfanne leicht zu bewegen.

Nicht meine liebste Freizeitbeschäftigung - ich schmeisse auch am Liebsten die Zutaten alle in die Pfanne und lese Zeitung, bis es so weit ist. Und ich habe jetzt den Trick entdeckt, das Geheimmittel, ein Verfahren, die Blutwürste zu braten und gleichzeitig nichts damit zu tun zu haben. Und, nein, es braucht dazu auch keine bulgarische Krankenpflegerin. Bulgarische Krankenpflegerin? Darf auch polnisch rumänisch ungarisch sein!!!

Und jetzt der Trick:
Kaufe zusammen mit den Blut- und Leberwürsten zwei Brustspitzli, sie dürfen recht fettig sein, brate diese zunächst in der Pfanne an, natürlich mit ein wenig Olivenöl (heute noch Aktion in der Migros, 20% auf Monini Gran Fruttato, ein Testsieger!!!). Lass ihnen ruhig Zeit, ihre Garzeit ist länger. Danach die Würste um die Brustspitzli herum legen, wie Abbildung zeigt. Irgendwie scheinen die Brustspitzli als Hitzeableiter zu fungieren, zudem geben sie fortwährend schön Fett ab, und die Würste kriegen am Rand sowieso weniger Hitze mit. Ich lasse das einfach so leicht braten, wende alles ein paar Mal, und das ist alles! Habe nie auf die Uhr geschaut, man kontrolliert von Auge den Bräunungsgrad, prüft immer wieder ein bisschen die Hitze auf den Würsten durch Handauflegen. Kein grosser Aufwand, und als Bonus kann man noch eine Art Söiprägu servieren!!!

So siehts dann aus ….. Unten Blut-, oben Leberwurst, schon aufgeschnitten und durch den gierigen Koch vorgekostet (es war natürlich genau so lecker wie’s ausschaut, aber GENAU so), durch die Mitte der falsche Söiprägu…. Ah, wäre ich doch Kunstmaler, ich malte nichts anderes …. Trotzdem: Das Bild eignet sich sehr gut als Desktophintergrund – rechte Maustaste, als Hintergrund wählen….

Abgelegt unter: Essen — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:57

22. Februar 2009

Blogs, die nerven

Das sind solche mit der Marotte “mach es Sätzli” mit ganz vielen Links zum die Story selber zusammenklicken.

Ich sage nicht, dass diese inhaltlich schwach sind – was ich z.B. bei lanu gefunden habe, das hat das Herumklicken schon gelohnt. Aber jeden Tag mach ich das nicht mit! Diese verfluchte Wundertütenmentalität!!! Dieses Leser-Ernst-Genehme!!! Dieses Warten auf jede neue Verbindung!!!!

Ich weiss, welche werden sagen: Selber schuld, alter Geizhals, wer über die durch das Deppenprogramm beim Nachbarn übrig gelassene Bandbreite in dessen WLAN sich verbindet, soll hier schweigen. Ich aber sage Euch: Über das 33-kb-Modem bei der Concierge unten ists noch schlimmer!!!

Eine Ausnahme, übrigens, lass ich gelten, Eure Eminenz!!!

PS: wenn’s von diesem Kürzestelchen jetzt etwa 12 Versionen in den Caches dieser Welt gibt: Der Nachbar streamt wohl gleich 12 Kanäle gleichzeitig, im Moment – so oft bin ich beim Speichern abgestürzt….

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:30

20. Februar 2009

Der gallige Strauss(-Kahn)

Vorgeschichte
Dominique Strauss-Kahn, kurz DSK, ist der perfekte Nachfolger von Paul Wolf(owitz) – wie dieser trägt er seine animalischen Instinkte am Rockaufschlag spazieren.

Paul Wolfowitz, wir erinnern uns, war Chef der Weltbank, bis er über sein Zizi stolperte. Wegen Begünstigung einer Geliebten, die ebenfalls für die Weltbank arbeitete, musste er 2007 auf weltweiten Druck den Hut nehmen. Strauss-Kahn, der hier als Wolfowitz’ Nachfolger (nur in den Schlagzeilen – aber ich würde killen für eine Pointe….) eingeführt wird, ist seit 2007 Chef nicht der Weltbank, sondern des Internationalen Währungsfonds.

Beiden ist gemeinsam, dass sie der Günstlingswirtschaft zwecks sexueller Befriedigung bezichtigt wurden. Bei Strauss-Kahn ging die Untersuchung glimpflich aus – seine Argumentation, die Sache habe sich ausschliesslich im privaten Bereich abgespielt, wurde vom IWF akzeptiert. Die dadurch ausgelöste Berichterstattung förderte aber unappetitliche Szenen aus DSK’s Sexleben zu Tage. Vor allem eine junge Journalistin, die DSK als brachialen Einforderer sexueller Dienstleistungen erlebt haben will, brachte ein unglaublich primitives Silberrücken-Macho-Ich-nehme-mir-was-mir-gefällt-Verhalten an die Öffentlichkeit. Tatsächlich scheint DSK davon auszugehen, dass Frauen für ihn frei verfügbar sind, will man diesen Berichten glauben. Er kann gar nicht anders, liest man!

Der neue Skandal
Diese Woche war DSK nun Gast beim französischen Radiosender TF1. In der Sendung 7/10 wird der Gast jeweils durch den Satiriker Stéphane Guillon eingeführt – im Fall DSK allerdings eher vorgeführt.

In wenigen Minuten wird Dominique Strauss-Kahn in dieses Studio eindringen (Kunstpause), sein erster Besuch in Frankreich seit seiner Affäre mit einer jungen Ungarin, der Verantwortlichen für den Fotokopierer beim IWF. Dominique erweist uns die Ehre dieses ersten Interviews [..... ] Selbstverständlich wurden erhebliche Sicherheitsmassnahmen in der Redaktion vorgekehrt (im frz.: ‘au sein de la rédaction’ – was auch Busen heisst:-) ) – Pardon, das Wort ‘Busen’ darf ich hier nicht in den Mund nehmen, weil sonst das Tier geweckt wird ….. etc etc
Zum Höhepunkt kommt Guillon mit der Behauptung, die Sicherheitsmassnahmen bestünden darin, dass den Mitarbeiterinnen der Sendung untersagt worden sei, sich aufreizend zu kleiden, die Redaktionsleiterin werde DSK in einer Burka empfangen, sämtliches weibliche Personal des Senders sei in andere Etagen evakuiert worden.

Hier gibts die Videos zur Sendung: Guillons freches Wühlen in Zweideutigkeiten, DSK’s gallige Antwort noch vor dem Interview. Frankreich lacht sich einen Schranz, DSK klebt noch immer an der Decke – und da er Sozialist ist, besteht für den Satiriker wohl keine Gefahr seitens Sarkozys, der ja immer mal wieder einem unliebsamen Sender oder Journalisten ganz unverhohlen mit Sanktionen bei Majestätsbeleidigungen droht.

In der nächsten Sendung übrigens gab sich Guillon unbeeindruckt: Die Einführung für die Chefin der französischen Sozialisten Martine Aubry begann er mit der Information, man hätte ihn gebeten, auf Sprüche über ihr Äusseres zu verzichten. Ich habe dann nicht weiter zugehört, aber ich kann mir vorstellen, was danach kam…

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 14:25

Gaza: Das Trauma als Comic II

Am 3. Februar nur in der Druckausgabe, nun auch online: Comiczeichner Chapattes Reportage aus dem zerbombten Gaza-Streifen.

Via Bugsierer

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:17

19. Februar 2009

Jüdisch-arabische Musik bei Radio Latriperie

Lili Boniche gehört schon lange zu meinen ganz grossen Favoriten – seit ich mal seine CD aus der Reihe “Trésors de la chanson judéo-arabe” in einer Grabbelkiste gefunden und aus reinem Gwunder gekauft habe. Tausende Tonträger haben sich so angesammelt, habe ich ja schon mal ausgewalzt hier. Wenn ich mir also aus diesem Riesenhaufen eine CD über die Jahre mehrmals und immer wieder anhöre, diese auch bevorzugt zur Umschmeichelung von Gästen einschiebe, was heisst das? Nun, das könnt ihr selber rausfinden, dort drüben auf meinem Sender.

Die Serie “Trésors de la chanson judéo-arabe” ist sehr umfangreich, es sind aber nur noch vier Titel lieferbar:

  • Reinette L’Oranaise

  • Cheikh El Afrite

  • Blond-Blond

  • Line Monty

Ich will hier keine Apologie der musique judéo-arabe schreiben. Für mich ist sie sowieso dasselbe wie der Orientfimmel des 19. Jahrhunderts, der sich etwa in den Romanen von Alexandre Dumas oder Gustave Flaubert austobte: Eine Sehnsucht nach einer heilen Welt, die es so nicht gibt. Aber wenigstens klingt sie gut! Oder, wie etwa im Falle Dumas, sie liest sich gut. Sogar äusserst gut, wie ich im Moment täglich wieder feststelle. Um nämlich einen möglichst klugen Satz zu diesem Orientfimmel schreiben zu können, habe ich in meinen sieben Mulden zu wühlen begonnen, und als erstes “Le comte de Monte-Cristo” zur Hand genommen. Da war doch was orientalisches, so mit Hasch und Opium, Türkenkriege, Sklavinnen und all so was, erinnerte ich mich. Nun, Näheres könnte ich im Moment nicht wirklich sagen, weil ich zwar die Haschischstelle bald gefunden hatte, aber danach wieder am Anfang zu Lesen begonnen und nicht mehr aufhören konnte!!! Ich hatte ganz vergessen, wie unglaublich gut dieses Buch ist: Nicht nur spannendst erzählt, sondern auch mit vielen Szenen aus dem Kulturleben des frühen 19. Jahrhunderts. So werden mehrfach die Bilder des Bieler Malers Léopold Robert erwähnt, der sogar die Geliebte Mercedes gemalt haben soll. Er ist wie Robert Walser ein eher stiefmütterlich behandelter Sohn dieser meiner Stadt!!!! Ob es das Bild wirklich in irgend einer Form gibt – das muss ich mal rausfinden….

Achtung, jetzt noch: Es war mir zwar klar, dass dieser Dumas durch Herausgeber und Übersetzer aufs Ärgste entstellt worden ist, aber das Ausmass der Kürzungen grad bei diesem Roman haben mich jetzt entsetzt.

Nur ein kleines Beispiel: Da wird der junge Morcerf, Sohn der abtrünnigen Geliebten Mercedes, von römischen Banditen gekidnappt und durch Monte-Cristo befreit. In der deutschen Ausgabe, wie sie etwa online im Gutenberg-Projekt zu finden ist, trifft Monte-Cristo ein paar Sätze nach dieser Befreiung ohne weiteres Brimborium auf die Eltern Morcerfs in Paris, zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung und Verbannung auf der Insel If, fast 20 Jahre vorher. Im Original aber, das ich zum Glück in einer schönen Ausgabe in einem Brockenhaus fand (noch ungelesen, 2 Bände, mit einer handschriftlichen Widmung “A mon amour-chérie – Noël 1963 – bons baisers – Maurice”…), stehen zwischen diesen zwei Momenten rund 60 Seiten! Beschreibungen des Milieus der Parvenus im Paris der Börsenspekulanten und Hasardeure, korrupter Beamter, zynischer Journalisten – Perlen über Perlen. Opiumpillen über Opiumpillen, ebenfalls. Die der Graf als gewiefter Chemiker selber herstellt, wie er seinen jungen Fans in Paris ungeniert erzählt… Er beherrsche eben die Kunst des Schlafens auf Wunsch. Sehr ‘maudit’, das Ganze. Und da gibt es noch Leute, die halten das für ein Jugendbuch!!!

Hier geht’s zur Radiosendung

Haltet euch ran – die nächste Sendung ist nämlich schon in Vorbereitung, nur das Hinaufladen macht noch Mühe, aber dann ….

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Tags: — Bruder Bernhard @ 18:50

16. Februar 2009

Newsnetz ist angekommen – ich bin dann mal weg

Dass das Newsnetz von Tagesanzeiger Inhalte im Internet zusammenklaut, das wird ja schon lange und wiederholt behauptet und auch belegt; etwa bei Journalistenschredder und bugsierer, welch letzterer (ha!) auch immer wieder die Qualitätsmisere dokumentiert.

Das ist das eine. Das andere: Es erstaunt ja niemanden, dass grad die interessanten Artikel aus der Druck- es nie in die Online-Ausgabe schaffen. Heute etwa bringt der Bund, der ja auch zu diesem vermaledeiten Brunznetz gehört, eine Doppelseite über den Inseratenrückgang und die Strategien der deutsch- und westschweizer Medienkonzerne. Habe ich online natürlich nicht finden können. Dies ist nicht erstaunlich. Erstaunlich, dass es überhaupt so erschienen ist. Denn was Richard Aschinger über das Zusammenwachsen von Druck und Online schreibt, das ist die GANZ GANZ SCHLECHTE NACHRICHT, wenigstens für mich. Es gäbe die Tendenz, dass online die Akzeptanz der Meldung gemessen werde und danach sich entscheide, welchem Thema anderntags in der Druckausgabe wieviel Platz zukomme!!! Wenn man das nun in Verbindung bringt mit dem heute schon recht langweiligen Newsklecks, wohin gehen wir da, oder, brutalstmöglich gefragt (weil ausstirbt, was so gefragt es noch versteht): Quo vadis??? Aber das ist nicht mehr die Frage; alea scheinbar iacta est ….

Und jetzt noch die Billag-Geschichte. Seit den siebziger Jahren versuchen vor allem rechte Politiker, die SRG zu privatisieren, die Zwangsgebühren abzuschaffen oder diese ganz anders zu verteilen. Die Jagdmeute hat sich dieses Wochenende zusätzlich vermehrt, denn der neue Preisüberwacher stösst sich an den Verwaltungsgebühren der Geldeintreiber Billag. Rund 20 Franken pro zahlenden Haushalt seien das, errechnet die BaZ. Ich will hier nicht minutiös langfädig argumentieren über die Alternativen zum bestehenden System, sie sind allesamt sehr zwielichtig:

Inkasso mit den Steuern (also: es werden alle zahlen müssen!!! Pro Kopf!!! Noch eine Aufgabe mehr für den Staat, suuuuuppppperrrr!!! Weil, der macht das ja gratis….). Ich habe übrigens kein TV – da freu’ ich mich auf die neue Zwangsabgabe ganz speziell!!!

Tiefere Gebühren Sehr sympathisch, aber eigentlich geht es hier um die Privatisierung der SRG!!!

Weniger Geld an die Romands und Tessiner Kill Me!!! Die Welschen sind noch die einzigen, die richtiges Radio machen, die einzige Alternative zu den Nichtsnutznetzen der bald ganz kaputten Printmedien.

So, und damit wäre ich wieder mal bei einem meiner Lieblingsthemen: Radio suisse romande, je t’adore!!! Welche Radiostation in der Schweiz schafft es z.B., während einer ganzen Woche die Entkolonialisierung der 50er Jahre zum Thema einer einstündigen täglichen Sendung zu machen, am Nachmittag, auf der ersten Senderkette, praktisch keine Musik bis auf ein paar sanfte Takte als Überleitung?

http://www.rsr.ch/podcast/la-1ere/histoire-vivante#histoire-vivante

(”Fichiers audio disponibles durant 2 semaines après diffusion.”)

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 14:51

10. Februar 2009

Das gibt Krach: Masern an Steinerschule

Ihr habt sicher in eurer Lokalzeitung darüber lesen können: Im Waadtland ist eine kleinere Masernepidemie ausgebrochen. Was ihr dort eventuell nicht lesen konntet: Ursprung sei eine Steinerschule. Jedenfalls wurde diese Meldung nicht nur durch welsche Boulevard-Medien, sondern heute auch durch Le Temps verbreitet. Diese weiss auch noch mehr: Nannte man vor ein paar Tagen noch die Steiner-Schule in Crissier mit 17 Opfern, sind es heute dort offenbar fast doppelt so viele.

Der interimistische Kantonsarzt der Waadt, Eric Masserey, spricht von 28 Fällen an der Steinerschule, total 40 im ganzen Kanton. Die Mehrzahl der betroffenen weiteren Schulen sind Gymnasien, die nun durch Crissier-Absolventen besucht werden – welche dort offenbar für die Verbreitung der Krankheit sorgten.

Wir entsinnen uns noch der Epidemie von 2007, wo Hunderte von Fällen zu einer aufgeregten Diskussion über die Masernimpfung bei Kindern geführt hatten. In welcher die Impfgegner einen relativ verkniffenen Eindruck hinterliessen, wenigstens bei mir.

Gut, man kann ja jetzt sicher sagen: ‘Was Epidemie? Trifft ja eh nur die Ungeimpften.’ Oder?

Links:So sieht eine Steinerschule die Krankheit: Auch als schöpferische Pause

Dieser Artikel ist repräsentativ für die Berichterstattung in der Deutschschweiz – diskret über den Ursprung der Epidemie

So berichtet z.B. 24heures über die Epidemie – das Ross wird beim Namen genannt

Diskussion im Club / SF-TV 2008: Die Masern soll man mit den Kindern durchstehen, meinen die Impfgegner

Das Magazin: Immun gegen Fakten

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 11:34
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