new kid on the blog seit 11-09-2008

La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

28. Januar 2009

Die Army of Bloggers greift an

Bei Stefan Marty konnten wir letzte Woche über die Propaganda-Offensive der israelischen Regierung lesen – und heute schlägt die erste Bombe hier ein.

Ein ellenlanger Kommentar, der wieder mal die 1988er Charta der Hamas zitiert, als Quelle auf die Israelische Botschaft verweist, einen mir bisher unbekannten Wiener als Beleg für angebliches Israel-Mobbing anführt – nun, das ist zunächst kein Problem. Ich hätte den sogar veröffentlicht, auch wenn ich ihn unglaublich gruusig zynisch finde. Oder was ist das anderes, wenn man sagt: Völkermord an den Palästinensern? Dabei hat sich deren Anzahl seit 1948 vervierfacht…. Darauf einzugehen hiesse, solche Verwedelungsobskurantismen ernst zu nehmen.

Veröffentliche ich den Kommentar, riskiere ich, dass der Blog hier künftig mit solchem Spam überschwemmt wird, da die E-Mail-Adresse danach als vertrauenswürdig gespeichert ist und Kommentare in der Folge automatisch frei geschaltet und veröffentlicht werden. Dazu habe ich aber gar keine Lust!

Warum? Bin ich plötzlich unter die Zensoren gegangen? Nein. Aber es handelt sich hier eben um typischen Spam. Anonyme E-Mail-Adresse, kein Name, zudem Internet-Zugang über eine Organisation, die ausdrücklich zur Wahrung der Anonymität geschaffen worden ist - das sind nur einige der Eigenschaften, die eine Veröffentlichung in den Kommentaren hier verbieten.

Ich mache es nun so: ich copy-paste den Kommentar hier unten dran. E-Mail- und IP-Adresse habe ich übrigens teilweise unkenntlich gemacht, obwohl wie gesagt sowieso schon vom Verfasser alles anonymisiert.

Und nun: Lest selber.





beginn des spam-kommentars:


david b | roxxxaben@no-log.org | IP: 85.5.2xx.xxIch staune immer wieder. Israel ist also quasi selbst schuld, dass die Hamas, die Hizbollah und wie die “Vereine” alle heissen, Selbstmord (mit Mord an anderen!) Attentate ausführt, selbstgebastelte (gibts da einen Unterschied?) Raketen schiesst und so weiter?

Der Wiener Politikwissenschaftler Stephan Grigat brachte es auf den Punkt: „Was auch immer Israel tut, es ist und bleibt in den Augen großer Teile der Weltöffentlichkeit Schuld an Elend und Zerstörung in der Region. Halten sich die israelische Armee und jüdisch-israelische Siedler im Gaza-Streifen auf, gelten sie als Besatzungsmacht. Ziehen sie sich zurück, errichten sie ‚das grösste Gefängnis der Welt’. Reagiert Israel auf die permanenten Angriffe aus dem Gaza-Streifen mit Sanktionen oder wie jetzt mit Gegenschlägen, dreht es an der ‚Gewaltspirale’, reagiert ‚unverhältnismässig’ oder setzt seine ‚Auslöschungspolitik’ fort. Nimmt es den andauernden Raketenbeschuss tatenlos hin, wird das ‚zionistische Regime’ in arabischen und iranischen Zeitungen als ‚zahnloser Papiertiger’ verhöhnt, der nicht mal seine eigene Bevölkerung schützen könne. “Israel betreibe Völkermord an den Palästinensern. seltsam ist dabei nur, dass Israel das mir einzige bekannte Land ist, dass seinen feinden vorher noch sagt, dass sie beschossen werden. wie diese dann mit solchen Vorwarnungen umgehen, konnte man in der welt.de vom 3. Januar 2009 gut lesen:

“Beim Angriff auf das Haus Rajans folgten die Hausbewohner nicht den telefonischen Vorwarnungen der israelischen Armee. Bei dem Angriff wurden vier Frauen Rajans und über elf Kinder getötet. Israel hat in den vergangenen Tagen vor dem Beschuss von militärischen Zielen in Wohngebieten Anwohner über SMS oder automatische Anrufe gewarnt, die den Codenamen “Aufs Dach klopfen” haben. Die Hamas rief dagegen zur Aktion “Aufs Dach steigen” auf, und tatsächlich stieg die Familie Nisar Rajans auf das Dach ihres Hauses, statt zu flüchten. “Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Israelis schiessen, wenn Kinder im Hause sind”, erklärte einer der älteren Söhne Rajans am Freitag im Fernsehsender al-Arabija.”

Und noch was zum Völkermordvorwurf: Wie kann man überhaupt von Völkermord reden, hat sich doch die Population der Palästinenser seit 1948 vervierfacht?

Die Hamas, die Avantgarte des palaestinensischen Widerstandes, reflektiert ihre eigene Position in der arabischen Welt selbstbewusst wie folgt:

“Der Hamas betrachtet sich selber als Speerspitze und Vorhut des gemeinsamen Kampfes gegen den Welt-Zionismus … Islamische Gruppen in der ganzen arabischen Welt sollten das gleiche tun, da sie für ihre zukünftige Aufgabe, den Kampf gegen die kriegstreiberischen Juden, bestens gerüstet sind.” (Artikel 32)
“Die Islamische Widerstandsbewegung ist eine ausschließlich palästinensische Bewegung, die Allah die Glaubenstreue hält und deren Weg der Islam bestimmt. Sie strebt danach, das Banner Allahs über jedem Zentimeter Palästinas zu entfalten.” (Artikel 6)
“Der Jihad ist die persönliche Pflicht jedes Moslems, seit die Feinde Teile des moslemischen Landes geraubt haben. Angesichts des Raubes durch die Juden ist es unvermeidlich, dass ein Banner des Jihad gehisst. wird.” (Artikel 15)Das heisst:“Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat.” (Präambel)
„Palästina ist ein islamisches Land … Deshalb ist die Befreiung Palästinas für jeden Moslem die höchste persönliche Pflicht, wo immer er sich befindet.” (Artikel 13)

Der Kampf geht weiter und was die Hamas vom Frieden haelt:

“Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.” (Artikel 13)

Naturverbundenheit der Hamas:

“Das jüngste Gericht wird nicht kommen, solange Moslems nicht die Juden bekämpfen und sie töten. Dann aber werden sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken, und die Steine und Bäume werden rufen: ‘Oh Moslem, ein Jude versteckt sich hinter mir, komm’ und töte ihn.’” (Artikel 7)

Die juedische Weltverschwoerung:

“Die Feinde haben lange Zeit Ränke geschmiedet … und riesigen, bedeutungsvollen, materiellen Reichtum angesammelt. Mit ihrem Reichtum haben sie weltweit die Kontrolle über die Medien übernommen, … mit ihrem Geld haben sie in verschiedenen Teilen der Welt Revolutionen gesteuert … Sie standen hinter der Französischen Revolution, der Russischen Revolution und den meisten anderen Revolutionen … Mit ihrem Geld bildeten sie geheime Organisationen, z. B. die Freimaurer, die Rotary Clubs und die Lions Clubs, welche über die ganze Welt ausgebreitet sind, um Gesellschaftssysteme zu zerstören und zionistische Interessen wahrzunehmen … Sie standen hinter dem I. Weltkrieg und bildeten den Völkerbund, mit welchem sie die Welt regierten. Sie standen hinter dem II. Weltkrieg, durch den sie riesige finanzielle Gewinne erzielten … Sie sind die Drahtzieher eines jeden irgendwo in der Welt geführten Krieges.” (Artikel 22)
“Die zionistischen Intrigen werden kein Ende nehmen. Über Palästina hinaus werden sie sich vom Nil bis zum Euphrat ausbreiten. wenn sie sich das Gebiet einverleibt haben, auf das sie ihre Hand gelegt haben, freuen sie sich auf die nächste Expansion. Ihr Programm ist in den “Protokollen der Weisen von Zion” niedergelegt.” (Artikel 2)

Quelle (der Zitate): http://berlin.mfa.gov.il/mfm/web/main/document.asp?DocumentID=37150&MissionID=88


Ende des Spam-Kommentars



Der mir bisher unbekannte Wiener, übrigens, verdient durchaus Aufmerksamkeit. Und sei es schon nur wegen der bizarren Wortwahl seiner Anhänger.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 11:38

23. Januar 2009

Ausgelaugt vom Gaza-Krieg

Alles andere ist mir im Moment fad – gerne würde ich über etwas anderes schreiben. Geht nicht. Breite ich halt hier kurz meine Lektüre während dieses Kriegsmonats aus.

Zunächst will ich unbedingt meinen ersten Erinnerungen an das kleine Israel festhalten, als David, der, umgeben vom arabischen Goliath, sich für sein Existenzrecht wehrt – und das erfolgreich. Die ersten Bilder, ich habe es hier schon mal geschrieben: 1967, Israel kämpft im Sechs-Tage-Krieg, die ganze Schweiz fiebert mit, in unserer Schule wurden sogar ausnahmsweise die Mittagsnachrichten in den Speisesaal verkabelt. Und wie haben wir alle gelacht über die bäuerlichen Araber, die auf ihrer Flucht vor den Israelis ihre Sandalen in den Dünen verloren. Eine Kindheitserinnerung, vielleicht nicht allzu präzise, aber sie gibt die damalige Stimmung in Europa präzise wieder.

Die Palästinenser? Die gab es damals nur als Störenfried, wenn sie überhaupt wahrgenommen wurden. Auch das natürlich Resultat einer einheitlichen Meinungsbildung, zu einer Zeit, als unabhängige Informationen praktisch nicht erhältlich waren. Erst mit den danach aufkommenden Flugzeugentführungen, der Gründung palästinensischer Widerstandsgruppen, tauchten die Palästinenser in unserem Bewusstsein auf. Und sie gewannen Jahr um Jahr an Boden im Krieg um die Hirne. Dass das gescheckte Halstuch Leilah Khaleds zu DEM Kleidungsstück der europäischen Jugend wurde – ein gewaltiger Sieg für den palästinensischen Widerstand.

Von da an konnte Israel mit seiner kriegerischen Politik nur noch verlieren – wie die Reaktion auf den letzten Waffengang wieder gezeigt hat. Und diese Niederlage dauert nun schon 35 Jahre an… ein schlimmes Vorzeichen für die nächsten 50 Jahre, denn ein Israel in diesem Zustand schadet allen Beteiligten. Und beteiligt sind auch wir hier, denn wenn der Nahe Osten in einem Atompilz verschwindet, was dann?

Aber eigentlich will ich gar keine Urteile abgeben, sondern noch meine Bücherliste hier liegen lassen. Zum Glück werfe ich selten Bücher weg, auch wenn ich denke: Das brauchst Du jetzt wirklich nicht mehr. Und vor Kurzem hatte ich ungelogen mit dem Gedanken gespielt, das erste Buch auf der Liste wegzuwerfen, weil es mir überholt schien.


Walter Hollstein, Kein Frieden um Israel
————-

Hollstein, irgendwie-marxistischer Soziologieprofessor, ein Basler, der es nach Deutschland geschafft hatte, ein Superstar seiner Zunft damals, hat als erster breitenwirksam 1972 den Palästinensern mit diesem Buch eine Stimme gegeben. Er rollt die Geschichte des Zionismus und der Besiedlung Palästinas seit dem späten 19. Jh. auf, und er zeigte als erster (breitenwirksam…), dass Israel nicht in unbewohnter Wüste entstand, sondern sich inmitten eines Volkes ansiedelte, seine eigenen Sitten und Gebräuche weiter pflegte, nicht unähnlich dem, was wir etwa von Türken in Deutschland heute hören. Und bald die Herrschaft im Land übernahmen.

Das Buch ist vergriffen, aber es ist im Antiquariat reichlich zu finden – sicher gruusig zerlesen, denn es ist nur ein Fischer Taschenbuch. Es liest sich manchmal etwas harzig, denn zu den Vor-Internet-Zeiten war es üblich, Bücher mit mühsam zu lesenden Tabellen zu füllen. Ich habe auch Vorbehalte gegen seine aus heutiger Sicht eher mühsame semimarxistische Argumentation, die die Geschichte als vorgegebene Sequenz vom Feudalismus zur Industrialisierung zum Sozialismus beschreibt. Es ist heute auch nicht mehr sehr relevant, darüber zu sinnieren, wie sozialistisch (oder eben nicht) die israelischen Gewerkschaften, der Zionismus, die Kibbuz-Bewegung waren. Als geschichtliche Darstellung allerdings ist es immer noch lesbar.


Ilan Pappe, The ethnic cleansing of Palestine
—————

An diesem Buch wäre ich fast vorbei gegangen, weil seine deutsche Ausgabe im übel beleumdeten Zweitausendeins-Verlag erscheint. Dies ist der Verlag, der mit Verschwörungstheorien rund um 9/11 z.B. ein gutes Geschäft macht, und der auch sonst nicht grad mit Sachlichkeit glänzt. Ich habe es mir dann doch bestellt, als ich las, der Autor sei Israeli und Geschichtsprofessor an der Uni Exeter – muss ja was dran sein. Nun, als Darstellung der Vertreibung eines Volkes ist es gewiss wichtig. Wie relevant sein Bemühen ist, das als Völkermord einzustufen, mag ich nicht nachvollziehen – die Fakten sind sowieso hart genug. Und ich kriege immer Zweifel, wenn jemand Wikipedia-Einträge als Beweis für eine Argumentation hinzu zieht. Für mich ist das ein Hinweis auf einen Beweisnotstand.


Howard Zinn, A People’s History of the United States
———-

Zufälligerweise habe ich im Dezember dieses Buch erhalten, und schon auf den ersten Seiten hat’s mich erschlagen. Noch nie habe ich eine solch eindrückliche Darstellung des spanischen Wütens unter der Bevölkerung Amerikas gelesen, eine solch harte Beschreibung der Sklaverei, welche die Bevölkerung Afrikas halbierte, eine solch klare Einsicht in den kriegerischen Drive des neuzeitlichen Europas erhalten. Dieses Buch muss man lesen – bei Amazon.de auch auf deutsch.

Und natürlich konnte ich nicht umhin, bei der Lektüre immer auch an die Gegenwart erinnert zu werden …. ganz unwillkürlich, ohne jede Absicht!


Richard J. Evans, The Coming of the Third Reich

Richard J. Evans, The Third Reich in Power
——–

Auch die Bücher Evans’ gibt’s bei Amazon wahlweise deutsch oder englisch. Ich lese eben nicht gerne Übersetzungen, wenn es sich vermeiden lässt. Hier wäre aber vielleicht die deutsche Ausgabe nicht schlecht, denn Evans will eine populäre Geschichtsschreibung pflegen, ohne allerdings zu verwässern. Aber er übersetzt für seine englischen Leser alle deutschen Begriffe ins Englische, also auch die Namen von Nazi-Organisationen, von Gesetzen und Erlassen etc. Das mag stören. Andererseits geben seine Bücher den aktuellen Stand der Forschung auf leicht fassliche Art wieder, und er schafft es, nicht nur die Winkelzüge der Politik, sondern auch die Auswirkungen auf den Alltag der Bevölkerung zu beschreiben. Obwohl ich schon Dutzende Bücher über das Thema gelesen habe und somit nicht zur Zielgruppe gehöre, lese ich diese beiden Bücher mit grossem Gewinn. Der dritte Band ist übrigens vor Kurzem ebenfalls erschienen – dort geht’s dann um die Kriegsjahre.


Links
—-

Alle Titel gibt’s entweder bei

Amazon oder antiquarisch. In der Schweiz auch bei
Buchhaus.ch, dort kann man auch mit Internet-Rabatt bestellen

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 12:30

18. Januar 2009

Bruder Bernhard, jüdischer Palästinenser in Israel


Bitte zuerst lesen, erst dann aufregen

Hunderte von Opfern unter der Zivilbevölkerung und kein Ende in Sicht: So stellt sich der Krieg Israels gegen die Hamas in den Medien dar. Es ist hier nicht meine Absicht, das Hin und Her, die Debatte um Huhn und Ei, zu dokumentieren. Was mich trotzdem aber seit längerem beschäftigt: Welche Seite ist eigentlich im Recht?


Bruder Bernhard, Jude in Europa (eine Fiktion)
——————————————–

Ich bin aufgewachsen im Bewusstsein, dass unser Volk über Jahrtausende verfolgt wurde. Ich kann fast ein beliebiges Geschichtsbuch über ein europäisches Land aufschlagen, und irgendwann ist mit Sicherheit von den Ausgrenzungen, Verfolgungen und Pogromen die Rede, welchen die Juden immer wieder ausgesetzt waren – bis zur fast vollständigen Vernichtung in den Gaskammern, in Massenerschiessungen. Ich höre auch viel darüber, dass wir ein auserwähltes Volk sind, das vor zweitausend Jahren aus seiner Heimstatt vertrieben worden war, und diese Heimstatt ist Palästina und Jerusalem.


Bruder Bernhard, der Israeli (eine Fiktion)
—————————————

Ich bin aufgewachsen im Bewusstsein, dass die Araber unser Volk ins Meer zurücktreiben wollen. Man hat mir immer wieder vor Augen geführt, dass ein friedliches Zusammenleben mit dem palästinensischen Nachbarn nicht möglich ist, weil diese unser Existenzrecht nicht anerkennen. Seit ich lebe, steht unser Volk in einem Krieg, der manchmal jahrelang schlafen kann, um dann wieder aufzubrechen – ganz einfach darum, weil die andere Seite immer wieder Anlass dazu gibt. Soll ich mich etwa nicht verteidigen dürfen? Schliesslich hatten die Palästinenser mehrere Chancen auf ein besseres Leben selber verworfen. Sie könnten ja in ein anderes arabisches Land auswandern, sie hätten Arafat und seine Getreuen nicht so lange in ihrer korrupten Verschwendungssucht belassen müssen. Es würde ihnen heute viel besser gehen, wären sie von ihren Maximalforderungen abgerückt.

Bruder Bernhard, der Palästinenser (eine Fiktion)
————————————————-

Meine Familie hat die Vertreibung aus ihrer Heimat durch die israelische Armee 1948 nie vergessen können. Sogar israelische Geschichtswissenschafter nennen dies einen Genozid. Ich lebe unter erbärmlichen Umständen, in einem Providurium. Wir leben sozusagen im Armenhaus des Nahen Ostens, währenddem meine Altersgenossen in Tel Aviv in einer Mischung aus Manhattan und Greenwich Village leben sollen. Kaum jemand hat Arbeit, wir werden durch die israelischen Kontrollposten permanent schikaniert und entwürdigend behandelt. Israel und seine radikalen Siedler, die sogar den gemässigten Ministerpräsidenten Rabin ermordeten, sind an dem allem schuld. Zudem besetzen sie heilige Erde. Die einzigen, die sich noch um uns kümmern, sind die Hamas.

Zwischenstopp
————-

Schon während dem ich mir diese Figuren ansatzweise zusammenbastle, fällt mir auf, wie unmöglich es mir ist, diese Geschichte eines lang andauernden Konfliktes mit echtem Leben zu füllen, um danach ein Urteil zu fällen. Ich müsste ja praktisch dort leben. Und pro Figur mindestens ein Buch füllen.

Und ich frage mich auch: Ist es tatsächlich nötig, diesen fiktiven Figuren weiter zu folgen, weitere Figuren zu erfinden, um so das Pulverfass Naher Osten zu verstehen? Sollte man nicht beide Seiten einfach in eine Rakete packen und zum Mond schicken? Denn:

Bruder Bernhard, der Schweizer (eine Fiktion?)
———————————————-

Hat es mich, den echten BB, geprägt, dass mir in meiner Jugend eingetrichtert worden war, die Schweiz sei ein Sonderfall in der Welt? Wir seien ein Hort des Guten, lieb gegenüber den armen Negerlein, denen unser Doktor Albert Schweitzer und die Missionierungen in Afrika die Abwehr von Hungertod und Krankheit ermögliche? Hat es mich geprägt, dass wir jeden Sonntag ein Zwänzgi in die Sammelbüchse legen durften, wobei die oben drauf geklebte schwarz gefärbte Gipsfigur, ein Negerkindlein, jedes Mal dankbar genickt hat? Dass handkehrum etwa der kongolesische Freiheitskämpfer Patrice Lumumba, nach seiner Ermordung durch die belgischen Kolonialisten, auf der Frontseite der Lokalzeitung als schwarzer Teufel abgebildet wurde? Anders gefragt: Bin ich heute in der SVP? Auch hier, übrigens, würde ein Buch nicht reichen, das schweizerische Aufwachsen (unter dem Sperrfeuer der Indoktrination der 50er und 60er Jahre, wow!!!) zu beschreiben ….

Disclaimer
———-

Was ich aus Diskussionen zum Thema gelernt habe: Es ist unbedingt notwendig, sich am Ende des Beitrages von der Hamas zu distanzieren, um so nicht in die Falle zu trampen, in der sich gewisse Grünenpolitiker verfangen haben. Die Hamas ist eine lebensfeindliche talibaneske Vereinigung religiöser Eiferer, welche in der Politik nichts verloren hat. Das muss nicht mehr diskutiert werden und lenkt nur vom Thema ab. Und sie könnte ihren Unterstützern eines Tages ebensoviele Probleme bereiten wie es die Taliban etc. heute tun. Allerdings bin ich der Meinung, Bewegungen wie Hamas können nur in einem entsprechenden Klima gedeihen und zum bestimmenden Machtfaktor werden. Dafür trägt ‘der Westen’ die Verantwortung.

Es ist sehr schwierig, diesen Beitrag zu schreiben, der schlussendlich zwischen allen Stühlen hinunter fällt. Ich habe nach der Veröffentlichung heute morgen sicher noch 10 mal dran herumeditiert. Es ist einfach, ihn falsch zu verstehen. So will ich etwa keinesfalls die Folgen des fürchterlichen Völkermordes an den europäischen Juden, die in zahllosen Familien noch heute präsent sind, herabwürdigen. Ich will damit eher die Verursacher und Mitschuldigen treffen, welche ihr zu Recht schlechtes Gewissen in Israel kompensiert haben.


Stimmen
——

André Marty, der Korrespondent

Mara (Dutzende Kommentare von hohem spezifischem Gewicht)

eine ganze Bibliothek zum Thema, welche ich selber allerdings noch nicht gelesen habe

ein mir unbekannter Daniel Perren rollt in einem langen Kommentar die Geschichte des Konflikt auf und kommt zum Schluss: Ohne eigenes Land für die Palästinenser wird es kaum je einen Frieden geben können. Der Artikel kostet übrigens.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 15:05

16. Januar 2009

Fauler Hund

Bevor Frau Zappadong mir den Primeur wegschnappt (blingkerzwingker): Manchmal gehe ich vor den Satiren von Constantin Seibt in die Knie. Nicht immer. Ich mag ihn mehr, wenn er ‘richtig schreibt’ – dann allerdings praktisch immer. Des langen Satzes kurzer Sinn: Heute in Hochform, klick hier um nicht im Nichtsnutznetz es nicht finden zu können…

Sorry, habe heute wenig Zeit, aber doch mitteilungsbedürftig – deshalb StV Seibt.

Ich selber, Ihr wisst’s: Heute in Basel an der Museumsnacht! Bei Vrits – Hotcha And The Teenage Lesbians From Hell. Wärb oder färb, wie man im Oberland sagt…


PS: fast vergessen: Hier bei Mara wurde die letzten Tage interessant diskutiert. Und da Kommentare in Blogs praktisch nicht gelesen werden, habt ihr das wahrscheinlich auch nicht mitgekriegt.

Abgelegt unter: Hinweis — Bruder Bernhard @ 10:38

11. Januar 2009

Falsche Crevetten

Die Romands kennen ja das ‘Faux Filet’, die Zürcher das Poulet Cordon Bleu, und alle Beizen die uperisierte Milch. Alles Fälschungen, zwei davon sogar echt gruusige. Und ich habe per Zufall auch eine Fälschung entdeckt, aber eine leckere: Die falschen Crevetten. Und in einem der ersten Beiträge hier habe ich das Rezept in Aussicht gestellt.

Nun, da ich am Freitag zufälligerweise bei meiner Metzgersfrau eine ganze Platte frischer Rohmaterialien in bester Qualität einkaufen konnte, habe ich für die Bruder-Bernhard-Fernsehküche das Gericht wieder mal nachgekocht.

Und so funktioniert’s:

  • Kutteln am Stück kaufen, pro Person vielleicht so 250 Gramm
  • Kutteln in fingergrosse Stücke schneiden
  • 3 Zwiebeln pro Person in Scheiben, Ringe oder sonstige Stücke schneiden
  • einen fingerbreit Olivenöl in gusseiserner Pfanne erwärmen, Zwiebeln darin anschwitzen (nicht bräunen). Wichtig ist, dass der Zwiebelsaft austritt
  • Kutteln unter die Zwiebeln (und das Öl) mischen. Mit Salz und irgend einem passenden Kraut würzen (heute hatte ich grad Thymian zur Hand)
  • Vorsichtig erhitzen, ab und zu umrühren, damit die Kutteln nicht anbraten und hart werden

Das Ziel ist, dass die Kutteln sich mit dem Öl, welches den Zwiebelsaft in sich trägt, vermengen, die Kuttelfetzen (die sehr raren Millefeuilles) und die Kuttelwaben (die auch recht raren Nid d’abeilles) sowie die Kuttelpickel der normalen nicht raren Kutteln sich an diesem Saft so laben, dass sie leicht feucht bleiben. Wenn die Hitze kontrolliert, vor dem Anbrennen immer schön umgerührt wird, dann werden die Kutteln angenehm weich, ohne aber ihren Biss ganz zu verlieren. Und sie sehen dann aus wie Crevetten. Und dadurch schmecken sie auch so ;-)

Ein Salat vorher ist nicht verboten. Zu den Kutteln selber: Ein Merlot oder Barbera sowie frisches Weissbrot (hier darf es auch eins vom Hiestand oder schlimmer sein – die saugen das Öl so schön auf, muss an den beigefügten Backchemikalien liegen).

Bildergalerie…

Die geschnittenen Kutteln werden mit den Zwiebeln und dem Öl vermischt

Die Zwiebeln dürfen ruhig grüne Stengel haben – die garen wir mit

und jetz: Ä Guete ….

Abgelegt unter: Essen — Tags: — Bruder Bernhard @ 18:43

10. Januar 2009

Westschweiz rocks pt. 2

heute ist Samstag, und hier das Programm der zweiten Senderketten deutsch/welsch im Vergleich und gleichzeitig eine Aufforderung zum Radiohören:

Disques en lice

über die 11. Sinfonie von Shostakovitch, empfohlen wird übrigens eine Melodyia-Aufnahme von Mvravinksy, dessen “Russian Legends”-Box ich vor Kurzem hier im Vorbeigehen erwähnt.

Diskothek im Zwei

Fuck you – “Auf www.drs2.ch/www/de/drs2.html wird gewartet” – tut mir leid, hätt’ den Link gern angegeben …. ah, doch noch….

Abendprogramm bei den Romands: Johann Strauss, Die Fledermaus
Hier das Programm

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 13:04

9. Januar 2009

Westschweiz rocks, Deutschschweiz sucks

Über die Toten nichts Schlechtes – schliesslich können sie ja nichts für ihren Zustand… Trotzdem sei es gesagt: Diese Nachrufe auf einen der Schweizer Nationalkabarettisten, die wir in den letzten Tagen lesen mussten – waren die nicht ein bisschen eine Zumutung, des Guten zuviel?

Es wäre jetzt wahrscheinlich gemein, die Frage zu stellen, wie jemand bis zur Pensionierung als Lehrer arbeiten und gleichzeitig eine echte Showbusiness-Karriere über mehrere Jahrzehnte verfolgen kann. Es bedarf dieser gemeinen Frage gar nicht – es reicht, die in vielen Nachrufen zitierte Monsterpointe zu zitieren: “Ruck ruck – zack zack”.

Zappenduster ….. blamabel …. diese Dumpfheit der Pointen … erschreckend.

Warum ich diese Unsäglichkeit hier hervorkrame: Es liegt mir ferne, den Rotstiften mehr Zeit zu widmen – aber erstaunt hat mich das Medienecho, welches nicht nur das Ableben, sondern sogar noch die Abdankung ein paar Tage später in die hintersten Winkel der Deutschschweiz trug. Zum ersten Mal konnte ich es in den Abendnachrichten von Radio DRS hören.

So!

Kurze Zeit später wurde der Tod von Ron Asheton vermeldet – und zwar in den Abendnachrichten von Radio Suisse Romande 1 (ja, EINS – der Mainstream-Sender, ex-Sottens, die Entsprechung zu DRS 1!!!)

In den Abendnachrichten! Zur Hauptsendezeit! Zu jener Zeit, die in der Deutschschweiz dem Ableben eines Kabarettisten gehört, der öfters die tiefen Schubladen des Gesunden Volksempfindens bewirtschaftet hat. Die Romands bringen zu dieser Zeit also einen kurzen Nachruf auf einen der archetypischen Punkgitarristen, gar sein Platz in der Rangliste der Besten Gitarristen Aller Zeiten wird korrekt gemeldet. Hahaha ….

Es ist nicht das erste Mal, dass ich dem Westschweizer Radio in Gedanken einen Blumenstrauss überreiche. Das erste Mal war damals, beim letzten (?) Fussballländerspiel der Schweizer – jedenfalls gabs in dem Spiel mindestens ein Tor, und das Bakelit meines Küchenradios wurde durch das Geschrei der welschen Reporter fast zersprengt. Ursprünglich hatte ich den Deutschweizer Sender eingeschaltet, und da wurde das Tor in schmerzhaft unaufgeregtem Ton rapportiert – unter Schmerzen wechselte ich auf die welsche Frequenz, und da, welch ein Riesenunterschied (siehe oben).

Noch ein Beispiel, welches mir am Herzen liegt: Beide Landessender haben eine Supersendung gemeinsam im Programm: Diskothek im Zwei bzw. Disques en lice. Dort werden verschiedene Aufnahmen derselben Komposition verglichen. Während die Deutschschweizer sich dieser Aufgabe recht flott entledigen, machen die Romands ein Riesending draus. Da wird auf der Webseite der Sendung verlinkt, was das Zeug hält: Zur Partition (damit man sehen kann, obs hinauf oder hinunter geht), zu externen wichtigen Seiten zum Thema, zu Youtube-Videos – ein richtiges Dossier wird da präsentiert. Eine echte Liebe zum Thema, die sich hier manifestiert. Über die Deutschschweizer, die es manchmal nicht mal schaffen, ihre simple Seite aktuell zu halten, will ich nicht mehr sagen…. Aber traurig ist das schon.

Oder jetzt dann grad, wo ich dies schreibe: Um 16:00 jeden Werktag präsentieren zwei Verrückte eine Klassik-Sendung, welche auch durch die Erziehungsdepartemente welscher Kantone gesponsort wird. Da wird geflachst, gespottet, gewitzelt – in der Deutschschweiz, auf DRS 1, sowas: Das gäbe wohl einen Skandal. Dabei ist die äusserst vergnügliche Sendung tatsächlich lehrreich. Gestern etwa wurde die Sängerin Lorraine Hunt Lieberson behandelt. Wenn ihr wissen wollt, wer das ist, was an ihr interessant ist, dann hört mal zu bei Aqua Concert.

Ein allerletztes Kränzchen noch der täglichen satirischen Sendung Les Dicodeurs. Die Highlights dort: das erotische perlende und glucksende Lachen der immerwährend fröhlichen Moderatorin - und die ultrakomischen Verarschungen des SP-Präsidenten Christian Levraz, dessen hängelippiger semi-intellektueller Tonfall sich dafür natürlich auch gut eignet.

Und wenn Sie mich nun bitte entschuldigen wollen (verstecktes Zitat haha) – muss Radio hören.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 17:23

2. Januar 2009

Bankier Hummel: Schummel?

Jetzt hab ich grad ein interessantes Interview mit Bankier Hummel auf www.ebund.ch gelesen. Und beim Weiterklicken natürlich verloren.


Randbemerkung:

Sorry, lieber Bund: Seit Du dem wirklich unsäglichen Klickfänger Newsnetz angeschlossen bist, werde ich Dich wohl langsam vergessen. Vorbei die Zeiten, als die vollständige Ausgabe online gelesen werden konnte. Schade. Wie lange der berntypische Kulturblog mit Schwerpunkt Bauchnabel in diesem Umfeld noch überleben wird: Es werden Wetten angenommen…  


Da ich den Hummel also verloren, gedachte ich ihn mit der Suchfunktion wieder zu finden. Und gebe “Hummel” in das Suchfeld ein. Und das gefunden:   

Suche das Interview von Bankier Hummel – Newsnetz schlägt ausschliesslich Schummel-Stories vor!

Habe das Interview dann doch noch gefunden, indem ich mich auf eine kleinere Klickorgie eingelassen habe. Hier ist es. Und hier seht’s auch: Mein Vehler …. Der Mann heisst gar nicht Hummel, sondern Hummler. Will jetzt nicht wissen, was mit dem Suchbegriff Hummler gefunden wird, will auch nicht raten, denn es geht hier nicht um eine Namensverhohnepiepelung. Abgesehen davon, dass der kluge Mann auch einer der spät aufgetauchten Auguren ist, welcher das Unheil selbstverständlich lange vorher kommen sah, scheint er mir einer intellektuellen Schummlerei nicht abhold. Wie das folgende Zitat aus dem Interview mit erschreckender Deutlichkeit beweist: 

Interviewer: “Ist der Fall UBS ein typischer Fall, wie es die politische Linke darstellt, von Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren?”

Bankier Hummler: “Wenn man jetzt anschaut, wie die Krise bewältigt wird, ist das nicht falsch. Das Gemeinwesen übernimmt den Schaden. Nur muss man die Linke fragen: Wer ist der Staat? Das sind die Steuerzahler, und grosse Steuerzahler sind vor allem die 10 bis 15 Prozent der am besten Verdienenden. Von Sozialisierung kann also keine Rede sein.” 

Wem jetzt nicht die Spucke weggeblieben ist, der soll vielleicht noch mals in Ruhe diese Ungeheuerlichkeit lesen! Wer ist der Staat? Die Steuerzahler? Ist der Mann noch bei Trost? Also: Wer keine Steuern zahlt, gehört nicht dazu, selbst wenn er steuerpflichtig ist? Und: Kinder zahlen ja keine Steuern. Gehören also nicht dazu? Hier kann man Hummler noch unsorgfältige Wortwahl unterstellen, dass er es also nicht so gemeint hat. Und lange und hin und her filosofisch streiten, mir mit Plato kommen und weiss nicht was alles. Finde ich allerdings ein bisschen tranig, wenn ein Wichtigkeitsträger wie Hummler (NZZ-Verwaltungsrat, Privatbankier) einem grossen Interview so wenig Bedeutung beimisst, dass er nicht spätestens beim Absegnen der Statements aufmerkt. Der Hammer aber ist die unglaubliche Behauptung, die Wirtschaftskrise würde von eben den Kreisen berappt, die sie auch verursacht hätten, weil ja sie auch die grossen Steuerzahler sind (waren, glaubt man den Prognosen der Städte). Die Zahlen stelle ich keinesfalls in Abrede. Aber die Idee des von ihm selber so genannten “Gemeinwesens”: Was ich einbringe, steht mir unterm Strich dann auch wieder zu… Ehrlich, ich fass es nicht!!! 

Die Hummler’sche Ungeheuerlichkeit zeigt ein kurzsichtiges Denken, welches mich perplex zurück lässt. Dieser Mann sagt also: Wenn die Reichen schon den Grossteil der Steuern zahlen, dann sollen sie auch prioritär über deren Verwendung entscheiden dürfen! So reden Herrenmenschen. Ich bin echt schockiert!   

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:35

Wordpress Classic Theme, gespielt à la Bruder Bernhard's Nackthalshuhn
Abzeichnen vom Bildschirm bei Angabe der Quelle (url) ausdrücklich erlaubt!!!