new kid on the blog seit 11-09-2008

La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

31. Dezember 2008

Wetten dass diesen Freitag in Biel

ich habe leider nicht viel Zeit, deshalb nur dieser Hinweis hier auf wieder mal eine absolut vertrauenswürdige Veranstaltung in Biel mit meinem besten Freund Hotcha:

Wie sagt der Strassenslang doch so schön: Dort sein – oder fort sein

Abgelegt unter: Hinweis — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:19

22. Dezember 2008

Wasserbüffel besiedeln die Schweiz

…. und auch das übrige Europa ….

Irgendwie scheint es als nobel zu gelten, mit seiner Gedankenlosigkeit zu protzen. Wie anders liesse es sich erklären, dass die Leute im Restaurant sich nicht entblöden, Wasser aus Flaschen zu bestellen, welches von möglichst weit her kommt?

Kann mir jemand erklären, warum es notwendig ist, Wasser in Camions in der Weltgeschichte herum zu kutschieren, wenn die Schweiz ein perfektes Transportsystem für Wasser besitzt, welches praktisch nichts kostet? Und nein, dieses Transportsystem heisst nicht Lastwagen, es heisst Wasserleitung und -Hahnen. Ich dachte mir, das muss ich deutlich sagen, damit es nicht falsch verstanden wird, denn eventuell wachsen die Kinder heute schon auf, ohne je einen Wasserhahn gesehen zu haben?

Nun, ein Ansatz zu einer Erklärung findet sich auf dem Foto, welches ich vor Kurzem hier als Bilderrätsel postete. Es handelt sich übrigens um eine Twitterparty in Zürich…



Was mich ärgert an diesem Bild: jeder trinkt für sich sein mit grossem Aufwand hergeschlepptes Wässerchen – was nicht nur normaler landesüblicher, sondern mehrfacher Blödsinn ist! Und wozu? Ich bin mir sicher, jeder dort würde mit genau dem gleichen Genuss Leitungswasser aus der Karaffe trinken, die ich im Übrigen auf dem Tisch zu sehen glaube….

Wozu also der Fläschchendummsinn? Ich denke, wir alle wissen es: Damit der Wirt auf seine Kosten kommt. Dieses selbstverständliche “Und was näht der z Trinke?” in den Beizen, wenn man eine Mahlzeit bestellt – das kommt einer Bettelei gefährlich nahe. Mindestens so nahe wie das stumme Hinlegen grässlicher Schlüsselanhänger, Feuerzeuge oder sonstigen Tandes, verbunden mit einem “Ich bin taubstumm”-Zettel. Oder der Verkauf journalistisch oft unergiebiger Strassenmagazine durch Arbeitslose. Sorry, so sind die Tatsachen, will hier niemanden beleidigen (gut, die Wasserfläschlitrinker ausgenommen….)

Kann man es in der Beiz noch mit der kaufmännischen Unbedarftheit des typischen Schweizer Wirtes erklären, hört’s mir dann aber im Haushalt völlig auf. Was sehe ich die Leute volle Wasserflaschen à je 1.5 Kilo nach Hause schleppen – um sie dann in der Küche zu deponieren. Dort, wo es in jedem Schweizer Haushalt einen Wasserhahn hat. Aus dem Wasser in erstklassiger Qualität zu einem winzigsten Bruchteil der Kosten, praktisch gratis, einfach so fliesst! Wirklich: Kann man stumpfen Widersinn noch besser illustrieren? Worum geht es hier?

Gesundheit? Habakuk. Es ist bekannt, dass Leitungswasser gesundheitlich total unbedenklich ist. Geschmack? Ich kann es schwer beurteilen, aber die Wasser, die ich in den letzten Wochen in Biel, Bern, Zürich, Basel und im Rheintal degustierte, waren allesamt zwischen oberlecker (Biel) und ok (war glaub ich im Rheintal). Snobismus? Nichtwissen? Denkfaulheit?

Noch etwas Politik: Ist euch auch schon aufgefallen, dass Peter Brambeck (Nestlé) seit Jahren von sich aus in jedem Interview immer wieder auf die Wasserfrage zu sprechen kommt? Wasser würde zur Überlebensfrage für die Menschheit, es gäbe ein Problem, Knappheit drohe. Und Nestlé arbeite an der Lösung….. man muss sich nicht lange fragen, was das für das Wasser aus der Leitung, das bis heute kaum etwas kostet, bedeutet, oder?

Interessant auch die Preislisten der Lieferanten dieser Wasserbomben, die man unterdessen überall sieht. So eine Bombe voll Wasser kostet an die 20 Franken, die Pumpstation selber wird gemietet. Die Monatsmiete für die Station: 20 Franken, wenn das Wasser auch beim Lieferanten gekauft wird. 80 Franken beträgt die Miete, wenn das Wasser vom Hahnen in die Pumpstation geleitet wird…. “Nachtigall, ich hör dich trapsen” (Donald Duck). “Wer den Heller nicht ehrt, ist den Pfennig nicht wert” (Dagobert Duck). “Wer keine weiche Birne hat, isst harte Äpfel aus Halberstadt” (Gustav Gans). “Schrötig, aber nötig” (Aufschrift auf den schweizer Lastwagen). “Da rollts mir gleich die Fussnägel hoch” (Gasi, Organist der Shiny Gnomes, Nürnberg). “Ich brech ins Essen” (div. Mac-User, Internet).

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 17:05

Mein mieser Charakter

Ja, ich habe einen miesen Charakter. Ich weiss es, seit ich mit Facts 2.0 zusammengestossen bin. Seither bemerke ich an mir Züge, die ich nach einem langen Leben in Minne mit Gott und den Menschen als eine Erweiterung meines Charakters begreife. So mies also ist mein Charakter, dass ich mich dessen nicht mal mehr schäme…

Nehmen wir mal: Die Schadenfreude. Ehrlich, weniges erreicht diese Süsse. Müsst ihr unbedingt mal probieren. Kein Brennstoff wärmt so heiss und intensiv. Allerdings hat er einen riesigen Nachteil: Die Wärme lässt sich nicht richtig speichern, es ist also für immer neues Material zu sorgen. Der Vorteil jedoch: Meistens sorgt das Ziel der Schadenfreude mit unnachahmlicher Penetranz grad selber für den Nachschub.

Ob ich mich freuen soll, dass Facts 2.0 nun der Einstellung wieder einen Schritt näher gerückt ist, weiss ich nicht. Ich freue mich aber ganz bestimmt über die Blamage für den Cheflöscher Christoph Lüscher, welcher noch vor kurzem für sich in Anspruch genommen hatte, die Weltwoche geschlagen zu haben. Was haben wir damals gelacht - und gewusst, sie kommt schon noch, die Stunde der Wahrheit.

Und hier ist sie nun: Die TAMEDIA hat von Facts genug gesehen und verschenkt die Marke an die Communityzerstörer von IA. Da muss der Geduldsfaden wohl wirklich gerissen sein. Kein Wunder, angesichts der abstürzenden Nutzerzahlen. Jetzt ist Montag morgen, 11:28, um diese Zeit hatte ich auf www.facts.ch/now_online auch schon über 100 Benutzer gleichzeitig gelistet gesehen. Jetzt sind es noch grad mal 5, davon gehören deren zwei zu den ‘neuen’ Eigentümern IA (bisher von tamedia entlöhnte Entwickler, Betreiber, Redaktion). Die übrigen drei User scheinen die Gunst der Stunde erkannt zu haben: Nie war Werbung günstiger zu haben als hier, mit Bild, Webadresse, Beruf (etwas mit Webdesign oder Computer, meist) im gut sichtbaren Benutzerprofil.

Nur blöd, dass wohl kaum jemand diese Werbung sehen wird. Nicht nur, dass die Benutzerzahlen um ein Viertel eingebrochen sind. Die verbliebenen Benutzer halten sich auch nicht lange bei Facts auf: Nicht einmal drei Minuten sind es im Schnitt, und sie kommen auch selten vorbei: ein- bis zweimal pro Monat! Von einer Begegnungsplattform, wie sie von den Machern immer wieder beschworen wird, würde man andere Zahlen, eine stärkere Bindung der Leser, ein grösseres Interesse an den Millionen verlinkter Artikel erwarten. Sogar die Website der Annabelle verbucht da bessere Zahlen. Weitaus bessere! Und ist doch nur Begleitmedium zur gedruckten Ausgabe…. Wie ja auch im Fall der WeWo, die Facts unterdessen wieder überholt hat.

Ein Musterbeispiel, wie Arroganz und Unfähigkeit ein Projekt trotz Starthilfe eines potenten Medienkonzerns in den Abgrund reiten können.



Die Links zu den Zahlen, wenn’s jemand genau haben will:http://netreport.net-metrix.ch/suche_alpha.html Sehr interessant, übrigens….November:
Facts: 77′000 Computer geraten einmal auf die Seite, davon kommt im Verlauf des Monats jeder Zweite noch genau einmal vorbei. Sie klicken dabei zweimal, bleiben nicht ganz drei Minuten, danach sind sie weg.
Weltwoche: 101′000 PC kommen fast zweimal im Moment, klicken während gut 5 Minuten vier mal
Annabelle: 25′000 PC, zwei von drei kommen nochmals, bleiben jeweils viereinhalb Minuten. Fast alle kommen aus der Schweiz, nota bene

Blogwerk (direkter Konkurrent von Facts, aber nicht durch einen Konzern unterstützt): 376′000 PC kommen fast zweimal, klicken zweimal während dreieinhalb Minuten.

Was nie vergessen werden darf: Diese Zahlen werden für die Werbung erhoben, und wer die Seinen hochpushen will, kann dies durch entsprechendes Design erreichen. Also sagen sie wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aus, sondern sie erlauben einfach einen Vergleich



Diese Blogs berichten ebenfalls:Journalistenschredder

BeizZweiNull – dort vor allem Facts-Kenner von Relax lesen!

KoopTech

<

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 13:00

21. Dezember 2008

Eingedeutscht

Manchmal muss man weggehen, um anzukommen. Diesen Satz konnte ich mir nicht verklemmen, er ist einfach zu gut gelungen ;-) Ich heb ihn mir aber für später auf, wenn ich endlich meine esoterische Lebensberatung im Internet aufziehe.


Nun aber zur Sache:

(auf der Radierung von Gustav Doré: der imaginierte Ritter aus der Mancha inmitten seiner Schauerromane, welche sein Ganz Grosses Hobby sind – warum erinnert mich das Bild bloss an meine Bude?)


Manchmal muss ich deutsche Handbücher ins Französische übersetzen. Und komme immer wieder ins Stolpern bezüglich der dem Deutschen anhaftenden Substantivierung aller Aktivität – so wie etwa in just diesem Satz… So schreibt halt mancher, wenn er besonders präzise formulieren möchte. Und dabei einfach aneinanderreiht, ohne zu merken, welchen Knorz er hier veranstaltet. Beim Übersetzen dann, da tritt sie zu Tage, eine Schwerfälligkeit, eine Denkfaulheit, die sich um Verständlichkeit foutiert. Da, jetzt ertappe ich mich selbst in so einem Gestrüpp aus Substantiven, wie es nur im Deutschen wächst – gut, wenigstens wächst’s in Reih und Glied ;-)

Seit gestern weiss ich, woher dieses schlechte Deutsch kommt. Gestern kaufte ich mir die enthusiastisch besprochene neue Übersetzung des Don Quijote. Obwohl ich grad am Tag vorher den trockenen Vassili Grossmann mit grosser Begeisterung zu lesen begonnen hatte, blätterte ich neugierig im Cervantes – und blieb hängen. Ganz ehrlich, dieses Deutsch, dieser Satzbau: Der Perfekte Rythmus, liebe Übersetzerin Susanne Lange!!!

Um meine Begeisterung zu überprüfen, las ich einige Stellen in der bisher geltenden Übersetzung (Braunfels, über 150 Jahre alt, glaub ich). Und es ist absolut unglaublich, es ist frappant, ja ich gehe gar so weit zu sagen: Ich bin ehrlich erschüttert!!! Wie ist so etwas nur möglich???? Welch ein Mist wurde uns da von renommierten Klassikverlagen jahrzehntelang angedreht?

Ich will mal eine beliebig ausgewählte Stelle in beiden Versionen vorführen. Es wird beschrieben, wie er die abgevögelte Rüstung seiner Vorfahren vom Estrich holt:

“Als Erstes machte er sich daran, das Rüstzeug zu putzen, das seinen Urgrossvätern gehört hatte und rostig und stumpf seit grauen Zeiten vergessen in einem Winkel lag. Er säuberte und richtete es, so gut er konnte, doch fiel ihm ein grosser Mangel auf, da sich der Helm nicht geschlossen mit der Rüstung verband, sondern ein offener Birnhelm war: ein schmuckloser Morion. Doch mit Geschick wusste er Abhilfe zu schaffen. Er bastelte sich aus Pappwerk die fehlende Hälfte und brachte sie an der Birne an, so dass sie wie ein echter Visierhelm aussah.”


“Und das erste, was er vornahm, war die Reinigung von Rüstungsstücken, die seinen Urgrosseltern gehört hatten und die, von Rost angegriffen und mit Schimmel überzogen, seit langen Zeiten in einen Winkel hingeworfen und vergessen waren. Er reinigte sie und machte sie zurecht, so gut er nur immer konnte. Doch nun sah er, dass sie an einem grossen Mangel litten: es war nämlich kein Helm mit Visier dabei, sondern nur eine einfache Sturmhaube; aber dem half seine Erfindsamkeit ab, denn er machte aus Pappdeckel eine Art von Vorderhelm, der, in die Sturmhaube eingefügt, ihr den Anschein eines vollständigen Turnierhelms gab.”

Dieses Amtsstubendeutsch, diese verstiegenen Satzkonstruktionen – und gleich zu Anfang ein perfektes Beispiel, wie man einen grossen schönen Substantivhaufen setzt – das tut weh. Vor allem tut der Gedanke weh: Wie viele ungehobene Schätze liegen wohl noch in den durch solch eigenthümlich schwerfällige Eindeutschungen, ja gar schon fast Einpreussungen entstellten Klassikern begraben?

PS: Die Auflösung des Bilderrätsels folgt – aber das hier musste jetzt dringend sein….

PPS: Cervantes, Don Quijote, dtv klassik Dünndruckausgabe, Ill. Grandville, für Forschungszwecke gratis abzugeben.

PPPS: Don Quijote von der Mancha, neu übersetzt von Susanne Lange, 2 Bde, Hanser

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 11:41

16. Dezember 2008

Finde den Fehler auf diesem Bild

Was ist hier falsch?????

Auflösung im nächsten Post …..

Abgelegt unter: Hinweis — Tags:, — Bruder Bernhard @ 09:54

14. Dezember 2008

Opfer der Kassettomanie

Ich bin zwar ein grossartiger Musiker (wovon ihr euch bitte am 16. Januar in der Kunsthalle Basel an der Museumsnacht überzeugen wollt!!!), aber ohne echte formale Ausbildung. Deshalb kann ich auch nicht fundiert im musikwissenschaftlichen Sinne von meinen Hörerlebnissen schwärmen; unfundiert aber schon. Und das will ich nun mal tun.

Ihr kennt die neuste Marketingfalle der Musiklabels? Das Kassettenmoving? Als Afficionado aller Spiel- und Tonarten vergangener, aktueller und künftiger Musik kann ich ja mein Ohr nie voll genug kriegen; bei Laune in die Tonträgerbibliothek zu langen und einfach mal verschiedene Aufnahmen der Traviata nacheinander und durcheinander zu hören: wie werd’ ich das vermissen, sollte es einmal nicht mehr möglich sein.

Nun, da sich bei mir schon der Fussboden biegt unter der tonnenschweren Last der Vinylscheiben, bin ich auf den Kauf dieser kompakten CD-Koffer verfallen. Die historisierenden Zusammenstellungen, Anthologien, Gesamtaufnahmen – sie reizen mich immer wieder, sie türmen sich unterdessen in meinem Korridor (Korridore sind ja so was von unternutzt, dort passen locker beidseits Gestelle für CD und Bücher rein – die Mulde lässt grüssen ;-)

Freitag abend, mürbe nach einem langen Arbeitstag in Feindesland (dort wo sie Zürich leben), stund mir der Sinn nach simpler Barockmusik: karg instrumentiert, liedhafte Melodien, auf längst ausgestorbenen Instrumenten gespielt. Und so griff ich zunächst zu dieser meiner ersten Empfehlung: Der Box “50 Jahre Deutsche Harmonia Mundi” (DHM). Harmonia Mundi ist nicht nur ein Label, sondern faktisch ein Gütesiegel, welches etwa alle Aufnahmen von René Jacobs ziert. René Jacobs, der Countertenor-als-Dirigent, der mit der hässlichen Nerd-Brille und dem grauen Mopp auf dem Kopf, ist sicher der interessanteste Protagonist des geil gespielten Barock. Er vereinigt die eher trockene Akribie eines Harnoncourt mit dem schmissig Rockigen der furiosen italienischen und spanischen Vivaldi-Aufnahmen der jüngsten Zeit.

Müde und ausgelaugt, suchte ich mir aus den 50 CD der Box etwas Unaufdringliches raus, die Cellosuiten von Bach, die durch die Aufnahme von Pablo Casals so richtig berühmt geworden sind. Ich kann übrigens hier am Rande dessen Zug wärmsten empfehlen – in der Bar von Genf nach Barcelona und zurück, das hat schon was …. Hier spielt ein mir unbekannter Suzuki Hidemi – sachlich, ohne Pathos, unaufdringlich, sauber. Das alles merke ich aber erst, nachdem ich aus lauter Gwunder zu meinen zwei Cello-Boxen greife, die Teil einer Monsteredition russischer Aufnahmen aus den 40er bis 80er Jahren sind. Da wirkt Suzuki plötzlich etwas blutleer – aber das muss nicht gegen ihn sprechen, siehe nur Nicole Kidman, ein wandelndes Krankheitsbild und doch ausgesprochen attraktiv. Zudem sind ja noch 48 weitere CD in der Box enthalten, ausnahmslos Perlen, vieles kenn’ ich höchstens dem Namen nach oder aber überhaupt nicht. Nebst Vivaldi Monteverdi Bach Pergolesi Buxtehude Schütz Telemann sowie franz. Royalistenmusik (Lully, Rameau) und dem göttlichen Jan Dismas Zelenka (zusätzlich aufgewertet durch die grossartige Nancy Argenta – diese Stimme, dieser Name!!!) finden sich etwa Jean-Féry Rebel (1666 -1747) oder Roland de Lassus (1532-1594). Schöne Namen sind das, mit viel Sanctus und Agnus Dei in den Titeln, mehrheitsfähiger Barock mit Echtheitsanspruch, welcher sogar einem musikalischen Extremisten gefällt.

Aus Gwunder also greife ich zu den zwei Cellistenboxen der “Historical Russian Archives”. Bei dieser Serie handelt es sich ganz offensichtlich um die Initiative eines schlauen Kopfes, welcher nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sich Verwertungsrechte auf die Aufnahmen der volkseigenen Label gesichert hat. Bei Rostropovich finde ich unter den 10 CD eine Bach-Suite – zu wenig, um mich dabei aufzuhalten. Auf Daniel Shafran’s 7-CD-Box hingegen wurden vier der sechs Sonaten veröffentlicht, und ich staune: Der spielt das ganz anders als der lieblich-trockene Suzuki: Grob, auf knarrendem Holze sozusagen – eine wohl sehr persönliche Interpretation, nehme ich an, und eine echte Trouvaille!

Die Boxen Rostos und Shafrans geben einen attraktiven Überblick über die Musik für Cello, wobei der Schwerpunkt auf der Romantik liegt – scheint also doch etwas dran zu sein am Gemeinplatz von der Russischen Seele? Viel Unbekanntes sowjetischer Komponisten findet sich neben obskurem wie einem Henri Sauguet (um auch noch einen tollen Namen ins Spiel zu bingen äh bringen…)

Allen Boxen ist gemeinsam, dass sie viele selten gehörte Stücke russischer und romantischer Herkunft enthalten. Es sind praktisch alles Konzertaufnahmen, wozu die typischen Huster gehören wie der Lachsack zur Sitcom – sie stören nicht, sondern unterstreichen die wichtigen Stellen, dort die Pointe, hier die Stille. Ich wollte sie nicht missen!!! Ich habe grad mal kurz die Beige durchgeschaut, um hier eine abschliessende Gewichtung zu erlauben. Also: Die Pianisten- und Geiger-Boxen (von Richter, Bermann, Gilels etc. – Oistrakh, Kogan, Kremer) enthalten viel Kurzfutter, das typische Zugabenmaterial halt. Aber nicht nur. Und bei je 10 CD pro Box finden sich noch ganz viele Hauptwerke der Klavier- und Violinenliteratur. Einzig die Box David Oistrakh Violin Concertos ist praktisch frei von Leichtgewichtigem und in der Mischung von europäischer und russischer Musik, von Lalo, Beethoven, Glazunov und Taneyev, Miaskovsky und Stravinsky, ziemlich einzigartig.

Die Veröffentlichungswut von Brillant Classics bzw. Pipeline Music, welche diese Historic (manchmal: Historical) Russian Archives verantworten, macht auch vor den russischen Dirigenten nicht halt. Sie heissen Alexander Gauk, Evgeny Mravinsky, Yuri Temirkanov. Hatte ich vorher nie gehört, lohnen aber das Zuhören. Wieder: Einiges Kurzfutter, eine Ouvertüre hier, ein Entr’acte da. Aber auch viel noch nie Gehörtes, ein Heroic Poem eines Zhivotov oder das wunderbar benamste Dawn on Moskwa River von Mussorgsky.

Apropos Stravinsky: An seiner kürzlich erschienen Box Works of Igor Stravinsky habe ich immer noch ganz viel Freude. Ein Knüller: Das gesamte Werk, Opern, Lieder, Oratorien, Orchester,- Kammer- und Balletmusik, von ihm selber dirigiert!!! Nicht nur die Spannweite dieses Werks imponiert, nicht nur die Fülle, sondern die Modernität, welche hörbar in der Tradition wurzelt, wie Harmonia Mundi sie seit 50 Jahren pflegt.

Alle erwähnten Boxen gibts bei amazon.de oder zweitausendeins.de (letzterer ist fast immer deutlich günstiger, aber das Lager ist entsprechend kleiner). Und alle sind sie so verpackt, wie ich es liebe: Quadratische Schachteln bzw. im Falle DHM ein Würfel, welche die CD in einfachen Papphüllen mit knappen Infos enthalten. Dazu jeweils ein dünnes Booklet mit ein paar biographischen Angaben. Dies gibt einzelnen Beckmessern immer wieder Anlass zu Kritik. Dabei berücksichtigen diese Kritikaster nicht, dass diese Verabreichungsform platzsparend, kostengünstig und effizient ist. Denn eine Box kommt so auf rund 20 bis 30 Euro – he, dafür gibts im Normalfall grad eine Operngesamtaufnahme!

Übrigens, die Boxen, die noch produziert werden müssen: Bellini und Donizetti. Deren grösste Interpretin ist für mich Joan Sutherland, der sowieso schon lange eine eigene Box gewidmet werden müsste. Die Aufnahmen, welche ihr Mann Walter Legge für die Decca produziert hat, mit einem jungen Luciano Pavarotti an der Seite der Diva, sind allesamt nur mit dem Prädikat “Besonders göttlich” gültig bewertet.

Und die Boxen, die ich kürzlich erhalten habe (Puccini, Wagner) sind übrigens der totale Hammer!!! Empfehlung!!!! Dass der Zoll mich bei einem Einkaufspreis von 80 Franken noch mit 28 Franken (MWSt + Paketöffnungsgebühr) bestraft hat: Egal….


Links zu den Artikeln u.a.:Russian Legends: enthält fast alle die russischen Archivaufnahmen von Brillant Classics

Wagner Live Bayreuth – alles grossartig!!!

50 Jahre Deutsche Harmonia Mundi

Der Stravinsky

Und noch ein Geheimtipp, zugreifen, so lange es die noch gibt: Sämtliche Klaviersonaten von Domenico Scarlatti, sehr gut aufgenommen, sehr gut gespielt – eine Zeit lang habe ich nur das gehört, jedes Stück ist anders, und es sind glaub 555 Stück…. Was mich nebst dem wirklich toll klingenden Cembalo so fasziniert, ist die Spielweise von Belder: Wenn es nicht so abschreckend wirkte, würde ich es mathematisch-analytisch nennen. Oder anders gesagt: Die musikalische Struktur wird richtiggehend blossgelegt, wie mit einem Skalpell, nur ohne Wehtat. Müsste jetzt das Notebook von den Knien nehmen, vom Fenster weg und nachschauen gehn, wieviel Sonaten – aber dann verlier ich vielleicht den WLAN-Zugang beim Nachbarn, ist eh schon eine wacklige Sache – also, drum, czüss mal. Ich geh jetzt Musik hören.

Aber vorher noch der Hinweis auf Callas: Obwohl ich unterdessen finde, sie tue manchmal des Guten fast zuviel, gehört ihre Box mit den kompletten Studioaufnahmen zu den ehernen Werten, will man dem Bel Canto so richtig frönen. Und vergesst die Nachfolgerinnen wie Bartoli, Gheorgiu, Netrebko mit ihrem öligen Villazon – die übertun es vor den empfindlicheren Mikrofonen unserer Tage, und das kommt einfach nicht gut, tut mir leid!!!

Gebt mir dafür mehr von Christine Schäfer!!!! Bitte!!!!! Und Dorothea Röschmann, Bernarda Fink!!!!! Hört euch die beiden mal in René Jacobs Aufnahmen an. Und: Lasst Leontyne Price wieder auferstehen!!!! Ihre grosse Zeit war in den 60er Jahren bei Karajan. Ja, macht die süsse tolle grandiose Karajan-Opernkassette billiger…. Dort beweist er, um wieviel besser als sein Ruf er eben doch ist.

Und wie mein Leibblatt “diapason” soeben vermeldet, ist eine Box “The Vivaldi Edition – Operas #01″ bei Naïve erschienen. 27 CD, bei Amazon noch sauteuer, laut Diapason sollte sie allerdings nur 150 Euro kosten. Vielleicht in Frankreich irgendwo? Diese Aufnahmen jedenfalls würden gar den doppelt so hohen Amazon-Preis lohnen – aber an sich langt’s, da Vivaldi mit der Zeit etwas Monotones hat, Juditha Triumphans mit Magdalena Kozena einzeln zu kaufen. Diese aber unbedingt.


Gemerkt? Ich will einfach verhindern, dass ihr im Weihnachtstrubel Mist zusammenkauft…. Wie diese “Best-Of”- oder “Alles von”-Kassetten (Mozart, Bach, Beethoven, was auch immer – meist ein grosser Haufen von im allerbesten Fall zweitklassigen Aufnahmen, im schlimmsten Fall totaler Mist, in irgendwelchen Stadttheatern in der osteuropäischen Pampa billig aufgenommen.) Vor allem letztere sind absolut grauenvoll. Merke: Wühlkisten vor der Ex Libris oder sonstigen Buchhandelsketten unbedingt meiden!!!

10. Dezember 2008

Manchmal vergeht mir das Witzeln und Sarkasteln

Etwa wenn ich diese Meldung in der Süddeutschen Zeitung von heute lese:

UN warnt vor Verschärfung der Nahrungsmittelkrise – Zahl der Hungernden in diesem Jahr weltweit um 40 Millionen gestiegen


Wer hier in den letzten Wochen mitgelesen hat, weiss, was ich meine. Hier geht’s zum Artikel

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 19:55

8. Dezember 2008

Krise der Krisenbewältigung

Krisen waren lange Zeit eines meiner Lieblingsthemen. In den 70er und 80er Jahren sich mit Politik zu befassen, versuchen, die Welt zu verstehen, das hiess: Über Krisen und Krisentheorien nachdenken. Ich finde es gut, dass das Thema zurück ist….

Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts, dem Abriss der Mauer, dem Verschwinden des antikapitalistischen Erzfeindes gerieten die Krisen etwas aus dem Blickfeld. Kleine Einbrüche wie das Platzen der Dotcom-Blase liessen sich noch einfach, mit der blossen Dummheit der Leute, erklären.

Ganz kurz was zu dieser Dotcom: Es war damals wirklich so, ungelogen, dass ich (ja, ich) gefragt wurde, wann ich nun an die Börse gehe. Alle, die irgend etwas mit Computern machten, hatten damals die einmalige Chance, einen Businessplan herunter zu hacken und unbedarfte Träumer dazu zu bringen, durch Aktienkauf auf den Erfolg des Plans zu wetten. Und die Emissionsbanken spielten das Spiel nur zu gerne mit: Da gab es schliesslich was zu verdienen. Der Fall der schweizer Businesssoftware Miracle ist das typische Beispiel für solch ein Komplott. Es war nämlich in Fachkreisen schon lange vor dem Börsengang gemunkelt worden, die Software sei fehlerhaft und im produktiven Einsatz sehr problematisch. Was sich dann – allerdings erst nach der grotesk überzeichneten Aktienemission – als zutreffend erweisen sollte…. Pech für die Anleger.

Heute stehen wir vor einer Krise, die nicht mehr mit Dummheit allein erklärt werden kann. Nein, hier ist grundsätzlich böser Wille, ein Raubzug auf Provisionen und Prozente die oberflächliche Ursache. Man hat ganz bewusst Leute zur Aufnahme von Krediten verleitet, die ganz offensichtlich nie in der Lage sein würden, diesen zurückzubezahlen oder auch nur zu verzinsen.

Aber noch etwas Grundsätzliches: Wie gesagt, die Krisen sind in den letzten Jahren etwas aus dem Fokus verschwunden. Ich habe in einem früheren Beitrag bereits einmal auf Ernest Mandel und seine Theorie der Langen Wellen der Konjunktur hingewiesen. Für Marxisten war immer klar: Der Kapitalismus steht in jedem Moment entweder vor oder in einer Krise.

Es sind nicht nur Marxisten, die auf einen wunden Punkt des Kapitalismus hinweisen: Die Steuerung der Wirtschaft durch Verschwendung. Und die Sicherung der Herrschaftsverhältnisse durch unproduktive Ausgaben wie z.B. die Rüstungsindustrie – oder ganz allgemein Kapitalvernichtung. Dies ist keine Verschwörung, sondern dies sind die Verhältnisse, die sich hinter dem Rücken der Leute durchsetzen. Und aktuell ist das grad wieder schön zu beobachten!!! Es ist doch auffallend: Das Missverhältnis zwischen Hunger und Elend auf der einen Seite, der Wegwerfmentaliät hier bei uns auf der anderen Seite stellt dem kapitalistischen Wirtschaftssystem zunächst mal ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Hier fressen sie Filet, das dort das Getreide wegfrisst. Hier können sie sich nicht genug tun mit exotischen Mineral-Wassern, über Hunderte von Kilometern herangekarrt, dort trinken sie aus krankheitsverseuchten Tümpeln.

Und so weiter …..

So gesehen ist die Krise eigentlich ein Dauerzustand - nur nicht für uns, die Herrscher dieser Welt.

Nun endlich zu den Massnahmen gegen die Krise. Mit der Tür ins Haus: Es ist völlig verfehlt, den Banken Geld zu geben. Es ist völlig verfehlt, Unternehmen zu unterstützen. Es ist total daneben, mit dem Argument “Arbeitsplätze Arbeitsplätze Arbeitsplätze” überhaupt irgend eine Massnahme zu rechtfertigen!!! Man könnte meinen, die Leute rissen sich um jeden Arbeitsplatz – dabei wollen sie doch meistens bloss den Lohn…. Gebt ihnen den Lohn, aber verschont uns mit diesen Arbeitsplätzen. Wenn schon gönnerhaft Arbeitsplätze geschaffen werden, dann bitte gesunde, welche man mit Freude von Zeit zu Zeit aufsucht! Welche Schande, Blamage, Bankrotterklärung für ein Wirtschaftssystem, das das nicht fertig bringt, aber Trixtrilliarden in Waffen stecken kann. Mir graust …. Vor allem, wenn ich daran denke, dass jetzt ganze Bruttosozialprodukte riskiert werden, nur, um ein immer wieder versagendes System ins Unendliche zu verlängern.

Hingegen bin ich absolut dafür, die jetzt zum Vorschein gekommenen Milliarden, welche die reichen Länder plötzlich einsetzen können, zur Krisenbewältigung zu verwenden. Allerdings zur Bewältigung der oben erwähnten Dauerkrise.

Zuerst: Warum den Banken Geld geben, welches sie, wie wir unterdessen lesen konnten, zur eigenen Sanierung verwenden statt, wie geträumt, es als Kredite an die notleidende Industrie weiter zu geben? Dann: warum sich an Banken beteiligen, wenn man ja keinen Staatskapitalismus will? Also noch einmal: Kein Geld an die Banken!!!

Wohin dann also mit dem Geld? Ja, dumme Frage: Dorthin, wo es wirklich nützt, wo es wirklich fehlt, dorthin, wo der Ursprung der Kreditkrise liegt: Zu den Idioten, die sich ein Haus auf Kredit gekauft haben und nun ruiniert sind. Dorthin, wo die Häuser verfallen, wertlos werden, die Kredite nicht mehr bedient werden können: Zu den Hauskäufern.

Wer jetzt denkt, das sei unfair, das sei ungerecht, hier werde Dummheit noch belohnt, der hat völlig Recht. Aber es nützt. Es nützt weitaus mehr als der heute (und immer wieder) eingeschlagene Weg, welcher genau so ungerecht, unfair und Dummheit belohnend ist. Und warum immer die dort oben belohnen für KEINE Leistung? Mit welchem Recht verweigert man die selbe Behandlung denen dort unten? Kann mir das jemand erklären?

Wären die Milliarden schon im August an die Häuslebauer ausgeschüttet worden, gäbe es jetzt die Krise nicht!!! Aber nein, es musste zuerst eine Bank kaputt gehen (Lehmann) und alle in den Abgrund reissen – bis so ein Vorschlag überhaupt gemacht werden kann, ohne dass gleich nach dem ‘gelben Wägelchen’ gerufen wird…

Es ist beschämend, dass die besten Köpfe eingesetzt werden, um mathematische Risikomodelle, immer wieder neue Anlagemöglichkeiten zu entwickeln – statt dass diese Leute endlich mal etwas Vernünftiges täten und mithelfen würden, die unübersehbaren und schlimmen, ja gar tödlichen Konstruktionsmängel des Wirtschaftssystems zu beseitigen.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags: — Bruder Bernhard @ 17:11

Wordpress Classic Theme, gespielt à la Bruder Bernhard's Nackthalshuhn
Abzeichnen vom Bildschirm bei Angabe der Quelle (url) ausdrücklich erlaubt!!!