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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

30. November 2008

Saufen für den Lohn

Im Kapitalismus eine Beiz nach meinem Geschmack zu finden, ist sehr schwierig: Ich mags gern gross, üppig, deftig – und natürlich günstig, d.h. sog. ‘preiswert‘. Wenn du dich da auf die Restaurantführer verlässt, bist du aufgeschmissen. Im Kommunismus hatte ich in dieser Hinsicht keine Probleme: Der am stärksten durch Abgaswolken eingenebelte Gasthof war der Richtige, der Beste. Denn die Traktoristen der LPG und Kolchosen liessen ihren Motor grundsätzlich den ganzen Tag laufen, während des Mittagessens im Leergang das Gaspedal zusätzlich mit einer schweren Leninbüste blockiert- ihre Arbeitsleistung wurde nämlich am Benzinverbrauch gemessen!

Ist es Anekdote, Legende aus dem Kalten Krieg, abstrakter Witz? Tut nichts zur Sache. Es illustriert die Problematik einer gelenkten Wirtschaft. Massnahmen oder Direktiven von oben sind grundsätzlich dazu da, unterlaufen zu werden; wir sehen das bei uns. All die Schlaumeiereien, die jeder täglich einsetzt, um einen kleinen Vorteil für sich zu ergattern. Sogar, wenn die Schlaumeierei sich in letzter Konsequenz gegen den Schlaumeier selber richtet: Der Schnäppchentrieb ist einfach zu stark.

Du darfst jetzt den ersten Stein werfen….

Nun, von Kommunismus und Kapitalismus mag ich im Zusammenhang mit der Krise eigentlich gar nicht reden. Ich denke, das bringt uns nicht weiter. Ob wir aber von Verstaatlichung und Privatisierung reden sollen? Mal sehen….

Wovon man ganz sicher reden muss, das sind die Steuerungsprobleme des Wirtschaftssystems. Wenn wir die Wirtschaft als System begreifen, das sich ganz von alleine reguliert und steuert, ecken wir sicher nirgends an, stehen als Bewahrer der Freiheit da – ausser bei den Verlierern des Systems, der Milliarde Menschen, die einen täglichen Kampf ums Überleben, um etwas Essen und Wasser, um die Erfüllung der primitivsten Grundbedürfnisse führen müssen. Wie ihr wisst: Der Milliarde in Saus und Braus (wir) steht eine Milliarde am Rande des Grabes gegenüber…. Aber so erzliberal argumentiert heute glaube ich niemand mehr. Oder?

Übrigens, da fällt mir auf: Der lauteste Propagandist ungebremsten Wirtschaftens auf allen Kanälen, Dr. Thomas Held, der von der Thinktankstelle, dem man eine Zeit lang praktisch nicht entkommen konnte – wo ist der? Man hört wenig von ihm – auf meinen Kanälen sogar nichts, kommt er wenigstens noch am Fernsehen?

Der treffende Begriff
Ich rege mich immer auf, wenn Journalisten die verschleiernde Sprache von Politikern übernehmen, die “langue de bois”: reden sie von den USA, sagen sie “Amerika”; reden sie von Krise, sagen sie “Chance”; reden sie von der Börse, sagen sie “Fieber”. Kürzlich am Radio eine Diskussion über die aktuelle Krise: Da regnete es flächendeckend Begriffe aus Medizin und Meteorologie. Die Wirtschaft als Patient, die Krise als Krankheit, der Kurszerfall als Tsunami. Die Botschaft: Sowas kann einfach passieren, wie schlechtes Wetter, wie Krankheit.

Aber hier ist es tatsächlich richtig. Ich will dem zustimmen. Es ist genau so, wie die Politiker, die Banker, die Journalisten der bürgerlichen Zeitungen schreiben. Und, so wie kein Mensch annehmen wird, schlechtes Wetter und Krankheit könne ein für alle mal gebannt werden, so wird kein Mensch behaupten können, diese Krise sei nicht eine natürliche Krise des Systems. Insofern sind all die Propheten, die jetzt auftauchen und angeben, sie hätten das kommen sehen, sie hätten das vorausgesagt – hm, einfach Glückspilze. Denn das sagen linke Ökonomen, so lange ich mich entsinnen kann. Da war doch mal dieser Ernest Mandel, der trotzkistische Ökonom aus Belgien, der in den 70er Jahren Schweizverbot hatte… Seine Theorie der “Langen Wellen der Konjunktur” wurde damals verlacht. Vielleicht wäre sie im Rückblick zu überprüfen?

Oder die beiden Paul, Baran und Sweezy. Diese haben 1966 in einem Essay über das “Monopolkapital” das jetzige System der managerdominierten Weltkonzerne beschrieben – liest man es heute, findet man viele aktuelle Bezüge. Ja, es ist eben doch gut, hat man die regenbogenfarbene Dekoration der edition suhrkamp (der Nummern unter 1000 hahaha) noch nicht auf den Müllhaufen der Mussmannichtmehrlesen geworfen.

Warum ich die ollen Baran und Sweezy hier anführe: Lustigerweise heben die beiden als ein neues Merkmal der Weltkonzerne hervor, diese seien mehrheitlich selbstfinanziert und von den Banken somit ganz und gar unabhängig! Ha! Buch veraltet! Weg damit! Aber vielleicht wäre eine andere Lesart angebracht: Was den beiden als Machtfaktor der Monopole erschien, wurde durch die Konzerne selber in den letzten Jahren leichtfertig verspielt! Tja, Kapitalisten sollten wahrscheinlich mehr Marxisten lesen, sie würden bessere Geschäfte machen ;-)

Um jetzt nicht in die Marxisten (Marxismen gibt es bekanntlich zwei, und bei beiden wären die beiden Marxens nicht dabei) vs. Kapitalisten-Falle zu trappen, können wir uns sicher auf etwas einigen: Marktwirtschaft bedeutet, kurz gesagt, dass die Preise über den Markt ausgehandelt werden. Das heisst auch, dass verschiedene Risiken in Kauf genommen werden. Eines davon ist jenes der Überproduktion. Unvergessen sind mir die jährlich wiederkehrenden Aktionen der Walliser Grinde, als diese die Tomaten und Aprikosen lieber in die Rhône kippten als sie zu den damaligen Marktpreisen zu verkaufen. Nun ist die Überproduktion ein Systemrisiko, über dessen Eintreten nicht mehr diskutiert werden muss. Nein, die Überproduktion ist unvermeidlich!!!. Nur das Ausmass und die Auswirkungen sind unbekannt. Man denke in diesem Zusammenhang nur an den durch alle politischen Hüttendörfer hindurch gepflegten Wachstumsfetischismus. Stillstand bedeutet in dieser Logik, die rundherum einfach akzeptiert wird, Rückschritt. Wer das anzweifelt, darf ausgegrenzt, der Lächerlichkeit preisgegeben, ja als verantwortungsloser Geselle hingestellt werden.

Ganz am Anfang der Swatch-Manie war Hayek zu Gast bei DRS 3, eine Stunde lang. Diese Sendung, die Chris von Rohr mal bücherwerfend und Arschloch sagend verliess, weil die Fragen wohl gar zu hämisch waren. Müsste ich überprüfen – irgend wo habe ich noch eine Aufnahme davon!!! Von der Hayek-Sendung auch. Da fragte der Journalist den Retter der Schweizerischen Uhrenindustrie doch allen Ernstes, ob es nicht ein bisschen daneben sei, allen Menschen möglichst mehrere dieser Plasticuhren verkaufen zu wollen – das entspreche doch keinem echten Bedürfnis. He, Hayeks Stimme gefror etwas, er fuhr dem Journalisten kurz über den Mund und liess ihn wissen, er könne diese Sendung jederzeit platzen lassen. Der Journalist zähmte in der Folge seine Rede markant! Denn ihm war klar: So fragen? Da töör me nöt! Wäre Hayek gegangen, hätte dieser es dem vaterlandslosen Gerede des Befragers anlasten können – unter dem Beifall der Allgemeinheit.

Doch zurück zur Gegenwart: Man spricht ja neuerdings von der Finanzindustrie. (Das wäre zu den Zeiten von Baran/Sweezy noch undenkbar gewesen). Diese Finanzindustrie hat nun Produkte geschaffen, die niemand mehr haben will. Deshalb schmeisst sie sie in jeden Fluss, den sie findet.

Diese Krise wird vorbei gehen. Das sage ich jetzt, hier und heute, mit absoluter Gewissheit voraus. Die nächste Krise wird folgen. Auch das sage ich mit der genau gleichen Gewissheit voraus. Und kluge Köpfe aus Wirtschaft und Politik gehen hier noch einen Schritt weiter. Sie sagen, die nächste Krise kommt bestimmt, und sie wird noch schlimmer sein als die jetzige. Und wir haben absolut keinen Grund, ihren Aussagen zu misstrauen.

Das waren nun die ausschlaggebenden Gründe für die Krise: It’s the economy, stupid – wie ein Ausländer mal sagte! Es ist das System, Dummkopf! Wie ich mal sagte.

Nächstes Mal dann zu den Massnahmen…

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:14

29. November 2008

Konzerne und Ethik? Dann gäb’s keine Krise…

Gestern hatte ich das Vergnügen, am Beispiel der Pendler ein paar typische menschliche Verhaltensweisen vorzuführen. Dies, um zu untermauern: Das Verhalten wird durch die Rahmenbedingungen bestimmt. Sicher ganz banal, aber in der Diskussion der Krise hilfreich.

Weil’s so schön war, grad noch ein Pendlererlebnis: Diese Woche wurde, wir sassen alle schon im wohlgefüllten Abendzug nach Biel, eine zweistündige Vollpanne angekündigt. Wir sollten den Zug verlassen, in den fahrplanmässigen Regionalzug bis zum nächsten Kaff steigen, wo wir in Busse umgeladen würden. Nun muss man wissen, dass dieser Regionalzug schon im Normalbetrieb immer überfüllt ist. Wenn jetzt noch die Passagiere des Schnellzugs hinzu kommen – eine unmögliche Situation.

Ich habe mir das kurz angeschaut: ein brechend volles Perron, alle warten auf die Einfahrt des Bummlers, um dann die wenigen Eingangstüren zu stürmen. Das nennt man natürliche Auslese.

Ich bin dann übrigens mit dem Velo über die stockdunkle Landstrasse bis nach Schüpfen gefahren, habe dort bei einer etwas gar unterkühlten Wirtin im Bahnhöfli einen wunderbaren, wenn auch ein bisschen fest gekühlten gemischten Salat und ein grosses, wenn auch etwas kross gebackenes Cordon-Bleu mit schönen, wenn auch etwas trockenen Frites und etwas fader Steamer-Gemüsebeilage gegessen, dazu ein Zwickel, 35 Franken. Für die Wlan-Nutzung hätte ich eine halbe Stunde kaufen müssen, da hab ich es dann gelassen…. Kaum fertig gegessen, fuhren auch wieder die Züge – Schwein gehabt, denn die dreimalverfluchten Idioten am Steuer hatten mich mehrmals um mein Leben fürchten lassen, in einem Affenzahn von hinten auf der schmalen Strasse ziemlich knapp an mir vorbei rasend. Ich hatte Licht, im Fall!!!

Und dies überlegt: Ab wieviel werden Menschen zur Menge? Denn nur in der Menge zeigt sich dieses “Jeder ist sich selbst der Nächste”, dieses Drängeln, dieses Wegdrücken. Wären etwa fünf Menschen zusammen, für die vier Plätze vorhanden sind, würden sie sich untereinander absprechen, wer halt jetzt zurück bleiben muss. Interessant übrigens die Situation in Zollikofen, besagtem nächsten Kaff, wo ein paar Busse dem Ansturm Herr zu werden versuchten. Hunderte waren mangels Platz zu Fuss unterwegs, zwischen Zollikofen und Münchenbuchsee, irgend wie ein anmächeliger Anblick voller Alltagspoesie. Und hunderte Männer entblödeten sich nicht, an der wartenden, winkenden und wandernden Menge vorbei zu fahren, allein nach Hause. Allerdings: Es gab auch welche, die anhielten und Plätze anboten…

Musst ich das jetzt tatsächlich alles aufschreiben, ist ja Allen klar? Ja, das musste ich, denn ich will etwas beweisen: Ich will beweisen, dass man sich dem beschriebenen Sog zum widerwärtigen Verhalten schwer entziehen kann, wenn man nach Hause kommen will. Und damit will ich auch beweisen, dass unter den Rahmenbedingungen des entfesselten Kapitalismus den Unternehmen gar nichts anderes übrig bleibt, als ausschliesslich auf ihren Profit zu schauen. Nichts anderes zählt. Wer das nicht tut, sieht die anderen, die Skrupelloseren, an sich vorbei ziehen. Das ethische Unternehmen existiert nicht. Es gibt nur Unternehmen, die zu ethischem Verhalten gezwungen werden – durch die öffentliche Meinung, die Kunden oder Regeln, die nur durch die Politik gesetzt werden können.

Das ist jetzt länger geworden als vorgesehen – deshalb diskutieren wir die Massnahmen gegen die Krise nächstes Mal, gell. Ah, und auch die Gründe.


PS: Für mich war der Zugsausfall ein mehrfacher Glücksfall, übrigens: In einem Brockenhaus auf halber Strecke fand ich ganze vier Operngesamtausgabeboxen von Smetana, alles bei der tschechischen Supraphon, stinkend nach Kellergewölbe, aber ungespielte Platten, ausser “Dalibor” hier unbekannte Opern mit nur tschechischem Namen (”Hubička” etwa, auch ganz schön… so schön wie das Leben, wenn man auf solch eine Mini-Sammlung stösst… ) 

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 08:42

28. November 2008

Finanzkrise – mon oeuil

Die Finanzkrise existiert nicht. Wir haben eine Krise der Politik. Und zwar seit Jahrzehnten. Diese Behauptung habe ich bereits einmal aufgestellt. Möglicherweise zu provokativ, um verstanden zu werden? Unterdessen haben die Akteure alle ihren Platz auf der Bühne eingenommen, lasst uns also darauf zurückkommen.

Schon mal Zug gefahren, am Morgen früh, auf einer der Pendlerstrecken? Dort lässt sich genau beobachten, wo das Problem liegt

Als ich zum ersten Mal die Brutalität des durchschnittlichen Pendlers auf der Strecke Biel-Bern erlebte, erschrak ich. Wirklich. Das blickt nicht links, blickt nicht rechts, blickt auch nicht gerade aus, sondern irgend wie in sich hinein – und marschiert, mindestens fünfmal schneller als eine Kreatur George A. Romeros, aber mindestens so ungerührt, von A nach B. So was nennt man Durchmarsch.

Ehrlich, ich kann auch nett und zuvorkommend sein – vor allem, wenn es darum geht, Damen den Vortritt zu lassen, wie wir das gelernt haben. He, dieses Verhalten ist im Pendlerstrom natürlich total falsch, kontraproduktiv, Stein des Anstosses – und wird auch sofort bestraft. Wer seinen Rang in der Traube vor einem Durchgang aufgibt, findet sich im Nu am äussersten Rand dieser Traube – und passiert den Durchgang als allerletzter. Garantiert. Erlebe ich immer wieder.

Ein konkretes Beispiel: Da ich den SBB nicht traue, nehme ich immer mein Velo mit auf den Zug. In Bern führt eine einzige schmale Rolltreppe vom Perron (ja, ja, Blogwiese, Bahnsteig, isch scho rächt…) zum Ausgang. Wenn Hunderte Pendler sich durch dieses Nadelöhr zwängen, wirds ungemütlich für Velos, Kinderwagen, Rollstühle, Krückengänger. Für diese gibts darum einen Aufzug. Platz für ca. einen Kinderwagen, ein Velo und noch 4 Personen. Als ich nun zum ersten Mal diesen Aufzug nahm, welcher in einem von zwei Seiten zugänglichen Schacht fährt, der echte Schock: Immer wieder drängten sich ganz unbelastete gesunde junge und auch ältere Leute zwischen mich und die Aufzugstür oder eilten – ja, eilten – aus dem wartenden Pulk auf die andere Seite, wo es ja auch eine Tür hat, um so ein bisschen Boden gut zu machen. Und schämten sich überhaupt nicht!!!

Muss ich noch mehr sagen?

Die selben Leute sind privat sicher alle lieb und nett, und wir könnten wohl viel Spass haben miteinander. Aber unter Pendler-Bedingungen kommt dieses eher archaische Verhalten an den Tag – welches mich jedes mal fassungslos macht, so ich es miterleben muss. Zum Glück muss ich an diesem Rattenrennen nur ausnahmsweise teilnehmen!!! Ich glaube nicht, dass ich das täglich mitmachen könnte.

Alles kleine Ospels!!! Jeder schaut für sich, sonst fällt er nämlich vom Karren. Ja, ich gehe noch weiter: Es scheint unausgesprochener Konsens, dass jeder für sich zu schauen hat – nur so geht es für die Mehrheit effizient vorwärts. Die Minderheit von Fusskranken, Müttern (warum eigentlich fast nie Väter?) mit Kinderwagen oder zur Rücksichtnahme erzogenen kommt halt entsprechend langsamer voran.

Diese Zustände werden durch die Rahmenbedingungen hervorgebracht. Zu Spitzenzeiten hats zu wenig Platz in den Zügen und in den Bahnhöfen, und irgendwie scheinen es alle eilig zu haben, offenbar zählt jede Minute. Keine Ahnung, warum, denn die Zeiten der Fabriksirene sind seit langem vorbei. Irgend ein innerer Zwang scheint die Leute so anzutreiben. Verblüffend, und so was von uncool, Mann!!!

Wirklich, wer die Krise verstehen will, muss zwischen 7 und 8 Uhr mal zum Pendler werden.

Fortsetzung folgt – ich hab noch einen zweiten Pfeil.


Wieder mal ein PS: zur Fabriksirene, weil das kennt ja heute niemand mehr. Für meinen Vater war es noch so, dass sie spätestens um 7 Uhr im Überkleid (also bereits umgezogen!!!) die Stechuhr zu betätigen hatten – sonst wurde ihnen eine Viertelstunde abgezogen, wenn sie etwa um 7 Uhr 01 erst gestempelt hätten. Was natürlich niemals vorkam. Das waren die modernen Zeiten der 60er Jahre. Wie genau es mit der Sirene lief, weiss ich eigentlich gar nicht. Mussten die beim Heulen der Sirene bereits an der Maschine stehen? Müsste ich meinen Grossvater, Arbeiter in der Gerberei, damals einzige Fabrik im Dorf, fragen können. Zu spät dafür.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 07:44

27. November 2008

Ah …. Heroin

Ich weiss es noch, als ob es heute wär. Ich sass am Küchentisch, es war zwar Herbst, ich hatte aber trotzdem ein T-Shirt an. Das Radio lief. DRS 2 wars, die “Diskothek im Zwei” - eine meiner Lieblingssendungen. Die hörte ich mir damals oft an und amüsierte mich köstlich. Was diese Musikintellektuellen alles zu sagen wussten zu Agogik hier, Pizzicato da, Allegro con Brioni oder con Dolce-Gabbana – ein richtiges Spass partout war mir das. Vor allem deshalb, weil ich nie hörte, was die hörten. Hatten die Halluzinat- oder gar Visionen? War das alles Ernst gemeint? Ihr kennt die Sendung? Jeden Montag abend und Samstag nachmittag werden verschiedene Einspielungen der selben E-Komposition verglichen. Das wisst ihr sicher – denn es ist eine der populärsten Sendungen unseres Bildungskanals.

An diesem Nachmittag wurde Händels Rinaldo gegeben, mit meiner Lieblingsdebattantin, der bärbeissigen Dramaturgin aus Basel - etwa so stellte ich mir Marthalers Alter Ego, die Wiener Marxistin, vor. Ihr entsinnt euch? Das Feindbild der Züricher Goldküste? Die Gaby Petri des Theaters?

Jung und dumm, wie ich vor 6 Jahren noch war, hatte ich von Cecilia Bartoli noch nie gehört. Und da keuchte und hechelte plötzlich DIESE STIMME zu baROCKigen Rhythmen eine wilde Arie über irgend welche Turbinen. DAS FLASH! Opern müssen her!

Und so begann ich die Brockenhäuser bis nach Zürich hinauf abzuklappern nach diesen prall gefüllten LP-Boxen – und wurde schon am ersten Tag fündig. Alte, angestossene Kartonschachteln mit drei bis vier LPs zu horrenden Preisen schleppte ich nach Hause – und hatte gleich bei der ersten Einkaufstour voll ins Schwarze getroffen.

Das war der Tag, als ich Renata Tebaldi begegnet bin – meiner Heroin. Schon früher, lange früher hatte ich halb kaputte LPs von ihr gekauft, einfach nur der Cover wegen:

Aber als ich dann “la forza del destino” zum ersten Mal hörte, die Geschichte eines Indios, seiner Schwester und deren Geliebter, die sich natürlich über Kreuz niederstechen, von Klippen fallen oder irgendwie dann dahin siechen – dieses wunderbare Intro, wie von Moondog, nur besser; diese hochtönende Sirene, die beim ersten Mal die Nadel aus der Rille sprengte – die Geschichte ist mir heute noch total Wurst, aber die Musik haut mich immer noch um. Und die Stimme!!! Wenn ich umziehe, installiere ich ja wie Alle zuerst den Plattenspieler. Dann lege ich Renata Tebaldi auf. Und dann stelle ich das Tracking des Tonarms ein, bis die Höhen der Tebaldi nicht mehr verzerren.

Von Renata Tebaldi gibt es keine neuen Aufnahmen mehr. Ihre beste Zeit war ja in den 50ern und 60ern. Die grosse Rivalin von Maria Callas. Die dreckige Seite der englischen Dame Joan Sutherland (ebenfalls eine Offenbarung!!!). Renata Tebaldi ist vor kurzem gestorben. Tja, ich bin halt einfach zu spät geboren…. Aber vor ein paar Tagen habe ich bei Amazon.de die kompletten Puccini-Opern mit Renata Tebaldi gefunden und sofort bestellt (komplett, ausser einige der kurzen Frühen. Aber kurz langweilt mich sowieso. …. inklusive der Wildwest-Oper, eine lange also, die langweilt mich jetzt nicht -, die in einem Saloon und ich glaub’ auch in der Prärie (und im Schlafzimmer oberhalb des Saloons) spielt. Pistolenschüsse hat’s auch.).

Meistens mit meinem Helden Mario del Monaco, dem Schlachtross, dem Holzhacker, dem Schwinger im romantischen Wams. Kein Freund ziselierter Zwischentöne, sondern ein echter Mann fürs Grobe, der einzig passende Partner für die Tebaldi. (Callas hat mit ihm fast nie gespielt. Typisch – obwohl ich die Callas sehr mag, finde ich sie ja zu dünn).

Bald krieg’ ich sie. Bald. Die Vorfreude wächst. Aaaaaahhhhh …. bis bald. Aaaaaaaahhhhhhhhhhhhhh…………!!!!!!!!!!

Abgelegt unter: Unterhaltungskunst — Tags:, — Bruder Bernhard @ 20:57

26. November 2008

Götze Kaffee

In unserer Stadt ist vor einiger Zeit ein Nespresso-Tempel eröffnet worden – an sehr guter Lage an der Bahnhofstrasse, wo früher ein grosses Kleidergeschäft der Oberklasse residierte. Schon mal einen Nespresso-Tempel gesehen? In mattbraunen Goldtönen gehalten, gedämpftes Licht in der Lampenschale, George Clooney in gediegenem 50er-Jahre-Look überlebensgross im Schaufenster: Welch kaffeenahe Argumentation für Qualität, Geschmack und Preis.

Nun, ihr ahnt, was jetzt kommt: jetzt hau ich euch gleich die Dummheit um die Ohren, auf den Nespresso-Hype hereinzufallen. Genau das tu ich jetzt!!!

Per Zufall habe ich soeben in der Mittagspause eine Nespresso-Packung im Strassengraben gefunden. Ungeachtet der Ansteckungsgefahr, die von Bazillen und Bakterien aller Art ausgeht, habe ich sie aufgehoben und näher studiert. Der Preis steht nicht dort, aber ich habe in einer Zeitung kürzlich die Preise dieser fix-und-fertig-Kaffees gelesen. Eine Tasse Nespresso 50 Rappen. Ist das jetzt teuer?

In einem Nespresso-Dings sind gemäss meiner Packungsaufschrift 5 Gramm Kaffee drin. Die Maschine selber kostet praktisch nix (169 Franken habe ich im Kopf…). Meine Kaffeemaschine, die ich seit nunmehr 10 Jahren betreibe, kostete damals 1200, heute noch rund 800 Franken. Der Kaffee, den ich mir leiste, kommt von der lokalen Rösterei Café Faro – ein absolut unschlagbar guter Kaffee. Sagen die Italiener hier und ich. Das Kilo im Direktverkauf kostet mich 19 Franken.

Wenn ich nun nur 5 Gramm Kaffee pro Portion nehme, ergibt das also 200 Tassen. Da wären dann bei Nespresso schon mal 100 Franken weg. Mich kostet der Kaffee pro Verabreichung neuneinhalb Rappen! Die Maschine rechne ich mal mit 200 Franken pro Jahr, was sehr sehr sehr grosszügig ist – das würde bedeuten, dass ich mir alle drei Jahre eine neue, einfache Kaffeemaschine kaufen kann. Wie gesagt, meine jetzige Maschine verrichtet nach 10 Jahren ihren Dienst immer noch klaglos.

Rechne ich mit 3 Tassen pro Tag, gebe ich bei Nespresso 480 Franken für Kaffee, 60 Franken für die Maschinenamortisation aus (169 auf drei Jahre abgeschrieben). 540 Franken also. Verwende ich meinen eigenen Supertop-Kaffee, gebe ich indessen etwas mehr aus: 542 Franken. Bei jedem weiteren Kaffee spare ich dann jedoch 40 Rappen, bin also 80%! unter dem Preis eines Nespresso.

Langweilig, diese Rechnerei? Ja, finde ich auch. Dann hört doch auf mit diesem vermaledeiten WegwerfEinmalgebrauchs-Zeug, dann kann ich mich bald wieder Interessanterem zuwenden!!!

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 15:25

25. November 2008

Konsumidiotie: Salz teurer als Gold?

In der Migros gibt’s ein Salz “Ligne Sélection”, das kostet pro Kilo umgerechnet 100 Franken – 75 g, 7 Franken 90. Dieses Salz besteht aber wie jedes Salz aus ganz gewöhnlichem Salz; fast. Es hat im Unterschied zum Tafelsalz noch 4 % Wasser drin. Und ein bisschen -1 bis 1.7 % – Mineralien (Angabe auf der Etikette).

Ein Kilo Tafelsalz kostet einen Franken. Nun ist es aber nicht so, dass das Salz der Ligne Sélection, welches aus Portugal importiert wird, einfach hundert mal mehr kostet. Nein, dieselbe Menge kostet rund

7000 Franken!!!

Rechne selber: Um ein Kilo der Ligne Sélection herzustellen, nehmen wir ein Kilo Salz für einen Franken und 15 g Mineralien für 99 Franken. Da offensichtlich nur die Mineralien wirklich ins Gewicht fallen, können wir deren Kilopreis als effektiven Preis des Salzes einsetzen: 70 * 15 g = 1 Kilo. 70 * 99 Franken = 7000 Franken.

Im Moment experimentiere ich noch mit dem Wasser – habe ein bisschen Salz leicht benetzt und lasse es nun trocknen. Danach vielleicht ein klein wenig Holzkohlenasche reinstreuen – und die Gäste werden den Unterschied nicht merken. Sel fumée – das gibt’s sicher auch zu kaufen.

Kann mir jemand eine leere Lifestyle-Salzverpackung schicken? Darf gerne auch vom Coop oder Globus sein. Denn dort ist’s noch schlimmer…. Wie ich höre, bis zu dreimal teurer

PS: Um noch die Frage im Titel zu beantworten: Nein.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 09:23

24. November 2008

20 kleine Waschmaschinen

Das kleine Dorf im Häuslebauertal äh Rheintal musste hier schon einmal als negatives Beispiel für einen Zeitgeist herhalten. Tut mir leid, dass das hier schon zum zweiten Mal passiert. Aber die Nachricht ist so erschreckend – raus damit. Das Dorf selber nenne ich nicht noch einmal – ich will es ja nicht an den Google-Pranger stellen, und man könnte die selbe Geschichte wahrscheinlich überall und irgendwo in der Schweiz finden.

Von der Zersiedelung der Gegend dort draussen will ich jetzt mal absehen, obwohl ich schon diese so fürchterlich finde, dass sie hier Thema sein müsste. Nein, es geht um den geplanten Bau einer weiteren Alterssiedlung mit 20 Wohnungen. Wohnungen für unsere Senioren, die fidelen Alten. So fidel, dass der gepflegte Streit um die Waschküche, für welchen die Schweizer weltberühmt sind, offenbar allen Zipperlein zum Trotz mit jugendlicher Leidenschaft ausgetragen wird.

Um künftig Streit vorzubeugen, wird die Gemeinde in den neu erstellten Alterswohnungen auf die gemeinsame Waschküche verzichten, und statt dessen jede Wohnung mit einer eigenen Waschmaschine ausstatten. Warum ist dies so? Sollte man nicht annehmen, Rentners Tagesablauf erlaubte genug Flexibilität, um sich nicht gegenseitig in die Quere zu kommen? Und wahnsinnig viel zu waschen gibt es in einem Seniorenhaushalt nicht gerade. Was ist da los?

Nun, es soll tatsächlich immer wieder zum Streit um den Waschplan gekommen sein. Es hätten alle jeweils am Samstag waschen wollen, weil: Am Samstag kommt der Strom zum Niedertarif ins Haus!

Geschätzte Ersparnis: vielleicht 20 Rappen pro Maschine, vielleicht 2 Franken pro Monat.

So wenig ist gewissen Schweizern gute Nachbarschaft wert: nicht mal 2 Fränkli. Und wer uns jetzt mit dem Lied “das kurbelt die Wirtschaft an” kontern will, soll zur Strafe ein Jahr lang 10 Swatch-Uhren an jedem Handgelenk tragen!

Abgelegt unter: Praxistest — Tags: — Bruder Bernhard @ 10:16

20. November 2008

Alles Höseler oder was?

Herr Reichenstein: Dreck schmeissen und dann wegrennen.
Slug.ch: williger Löscher, betretener Schweiger.

Letzte Woche hatte Herr Reichenstein mich in einem unerklärlichen Anfall mit vollen Namen und Geschäftsadresse im Web geoutet. Dies ist im Netz eine der allergröbsten Waffen. Pikanterweise kam dieses Outing kurz nach den neusten Empfehlungen des Datenschutzbeauftragten, sich im Internet möglichst mit Pseudonymen zu bewegen. Aber wir haben ja bereits begriffen, dass Reichenstein ein eher amerikanisches Verhältnis zum Persönlichkeitsschutz hat. Wir werden darauf sicher gelegentlich zurückkommen müssen, da der Herr für das Design von hiesigen Plattformen wie Facts und Newsnetz verantwortlich zeichnet!

Herr Reichenstein beschuldigte mich in seinem Outing, ihn “seit Wochen namentlich aufs Uebelste” beschimpft zu haben. Diese Beschimpfungen kannst Du im vorhergehenden Beitrag nachlesen. Und Dich wundern.

Ich habe Herrn Reichenstein per Mail ganz unpolemisch gebeten, mir diese Beschimpfungen zu belegen. Das Mail blieb ohne Antwort. Die Antwort kam indirekt: Man will sich feige drücken. Mein letzter Beitrag verschwand auf mysteriöse Weise aus der Liste von Blog-Aggregierer slug.ch – einem Produkt aus der Zürcher Medienszene, wie ich im Nachhinein erfahren habe. Eine höfliche Anfrage an den Slug-Macher nach dem Verbleib des Beitrags blieb unbeantwortet. Wie es scheint, hat Slug meinen Blog gar völlig aus seiner Liste gestrichen! Derselbe Herr vom slug, der sich vor kurzem bei David Bauer über die zahnlosen Schweizer Blogs beklagt hat…. Höseler, die nicht wissen, was sie wollen.


Nachtrag vom 21.11.08: Heute hat sich Benjamin von slug.ch gemeldet (siehe Kommentare). Er begründet das Nicht-Listen des Beitrags mit Fehlern in meinem Code. Tatsächlich hatte ich Dubel einen Tag drin, den’s nicht gibt, und irgendwie war ein Sonderzeichen rein geraten. Kann alles sein, ich will das glauben.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 07:58

17. November 2008

Reichenstein outet Bruder Bernhard!

Oliver Reichenstein ist zu gratulieren. Er hat herausgefunden, dass Bruder Bernhard gar nicht so heisst. Was allerdings weder ein Geheimnis noch schwierig ist. Was aber empörend ist: Er veröffentlicht diese Erkenntnis unter Nennung nicht nur meines vollen Namens, sondern auch meiner Geschäftsadresse!!!

In der Blogarena ist es ungeschriebenes Gesetz: Outing ist tabu. Oder, wie die Blogbar titelt: Outer sind Schweine. (Danke für den Link, ugugu). Höflich ausgedrückt: Outing verstösst gegen den Geist der Netiquette!

Auf bugsierers henusode-Blog, wo das Outing stattfand, verteidigte sich Reichenstein:

” Ob nun Blogger-Skandal oder Kalter Kaffee–dass ich das Recht habe, eine Person, die mich seit Wochen namentlich aufs Uebelste beschimpft, auch beim Namen zu nennen, daran zweifle ich keine Sekunde.”

Ich habe Herrn Reichenstein aufgefordert, sich für das Outing zu entschuldigen. Wider Erwarten sieht er dafür keinen Grund. Deshalb habe ich ihn nun per Mail um Aufschluss gebeten, wie und wo ich ihn “namentlich aufs Uebelste beschimpft” hätte.

Ich gestehe hier: In einem Kommentar habe ich mal geschrieben “Obwohl der zunehmend kindische R. mit dem lächerlichen Zahlensalat …. ” etc. siehe Bild oben.

Abwarten. Vielleicht habe ich eine richtige (und namentliche) gravierende Beschimpfung vergessen.

Während ich auf die Mailantwort von Herrn Reichenstein warte (was ja nicht lange dauern kann, denn gewiss weiss er noch, wo diese Quellen sind; und zum Zeitpunkt der Anfrage war es in Japan 15:30 Uhr – aber ich würde die Antwort sonst auch morgen veröffentlichen!), ganz kurz etwas zur Bruder-Bernhard-Story:

Bruder Bernhard ist eine Figur, die nach dem 12.12.2007 (Blocher-Abwahl) entstand. Da war doch der schlimme Bruder Gerhard (Blocher), der von Sackmessern im Bundeshaus, von Krieg und Blut faselte und wahrscheinlich dadurch seinem jüngeren Bruder Christoph die Wahl vermasselte. Danach kam die SVP mit ihrer Opposition, ihrem Raunen von Geheimplänen, ihrer Verteidigung des Gewehrs im Schlafzimmerschrank – kurz, Realsatire pur. Bruder Bernhard musste diese Sprache nur noch aufgreifen. Es war eine goldene Zeit, wo Bruder Bernhard sogar mal seinen Bruder retten durfte!

Unter dem Namen Bruder Bernhard kommentierte ich danach eine Zeit lang bei Facts 2.0, bis ich dort gelöschert wurde. Details finden sich bei mir und in Dutzenden Blogs. Eine Linksammlung hat Beiz zwei null gemacht.

Mit Bloggen habe ich erst im September begonnen, natürlich unter dem Namen Bruder Bernhard – ganz einfach, weil mir die Figur gefällt und ich Spass am Spielen mit Identitäten habe. Nun, da der Blog ins Kreuzfeuer gerät, ist es Zeit, mit der Identität, unter welcher ich seit ca. 1969 unterwegs bin, zu bloggen. Irgendwie werde ich hier also wohl umbauen – amüsiert euch unterdessen doch mit diesem Filmli von 1991 (oder 92? egal).

Bis bald also: Bruder Bernhard alias Hotcha


Unterdessen ist in Japan 17:00 Uhr vorbei – veröffentlichen wir Oliver Reichensteins Quellen also morgen.

Abgelegt unter: Selbstreferenzialitäten — Tags:, — Bruder Bernhard @ 10:12

11. November 2008

Sicherheitsloch bei Blogstatistik-Anbietern

Meine Güte, jetzt ist mir aber der Schreck tüchtig in die Knochen gefahren! Wie damals, als ich die Liebesbriefe im Altpapier der grantigen Käsersfrau fand….

Wie ja jetzt in der BlaBlaBauer-Debatte blöderweise verraten wurde: Es gibt Blog-Statistiken. Es gibt auch Statistik-Tools, die mehr oder weniger kompliziert heruntergeladen, installiert, aktiviert und ausgewertet werden. Auch hier läuft eine, Statpress heisst diese. Diese genügt für meine Zwecke – z.B. zeigt sie mir, dass “Wie ein Meisterjournalist recherchiert” der drittmeistgelesene Artikel (darf ich das wohl so nennen?) ist, noch vor “Facts zeigt Kunden den Mittelfinger”. Aber (obwohl Frau Zappadong heute noch einen schönen zum alten Thema bringt) genug davon, heute fesselt uns ein neues Thema :

Vertrauensselige Blogger


Sonder Zahl sind all die Gratisangebote im Web, welche mir mehr Funktionalitäten für Blogs und sonstige Webseiten versprechen. Viele sind mit ca. 3 Klicks installiert und verwenden zum Teil eigene Server, wo der Dienst dann läuft. Und auf so einem Server war ich soeben, vor einer Viertelstunde. Und habe euch einiges mitgebracht, was nicht mir gehört: Die Kontoinformationen des Blog mspro! Was darf’s denn sein? Name und Vorname, E-Mail-Adresse? Alles da!!!

(Selbstverständlich habe ich alles entfernt, was nicht an die Öffentlichkeit gehört)
Soll ich Sie selber bei der Gelegenheit auch gleich als Admin-User eintragen? Oder das Passwort des jetzigen Admins ändern?
Bitte sehr, auch das würde gehen:

Wenn ich schon dabei bin, erhöhe ich doch gleich den “log size”, denn offenbar ist voll

Bruder Bernhard, der Hacker?
Nein, Bruder Bernhard der Klicker! Ich musste nur auf diese Zeile

in meiner Statistik klicken, und schon war ich als admin drin im Konto von mspro. Ob das wohl ein Werbegag von ihm ist?

Mein Coucousin, den ich natürlich sofort angerufen habe, meint: Nein, kein Werbegag. Der Server von Statcounter habe registriert, dass ich kurz vorher den Blog mspro gelesen hatte, danach hatte mspro auf den Link zur Triperie in seinem Serverprotokoll geklickt. Dies habe dazu geführt, dass nicht nur La Triperie aufgerufen wurde. Es sei die aktuelle Session-ID im ‘Referrer’ an die Triperie übertragen worden. Und da ich wohl kurz danach auf den Referrer, also den Link, geklickt hätte, sei der richtige Admin noch eingeloggt gewesen und so wäre ich reingekommen. Alles nur Zufall.

Zufall? Sicher. Ebenso sicher: Die Kundendaten werden unsicher gelagert. Ebenso sicher: Das wird nicht bloss dort der Fall sein. Absolut sicher: Niemand weiss, wer sich hinter solchen Internet-Gratisangeboten versteckt.Aber das ist dann wieder ein anderes Thema.

Abgelegt unter: Praxistest — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:43
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