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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

1. Oktober 2009

Mythen um Polanski

Gestern ist mir ein Link vertschlipft. Dort, wo ich von ‘grotesken argumentatorischen Volten’ schrieb, wollte ich mich auf den Kommentar von Thomas Knellwolf im Tagesanzeiger beziehen. Also, auf diesen Kommentar hier.

Krampfhaft versucht Knellwolf, unter dem Titel “Gerechtigkeit für Polanski”, diesen als Opfer einer wildgewordenen US-Justiz hinzustellen. Er steht damit beileibe nicht allein. Im Netz häufen sich die Kommentare, gerade aus Frankreich, die den sexuellen Missbrauch von 1977 relativieren und die prüde amerikanische Sexualmoral anprangern. Letzterem kann man wirklich nicht widersprechen; lässt sich damit auch Polanskis 30jährige Flucht rechtfertigen?

Die Justiz

Das amerikanische Justizsystem hat sich in der Vergangenheit die wildesten Dinge geleistet, das ist wohl unbestritten. So wird etwa gesagt, dass die Black Panther Party durch Polizei und Justiz zu Grunde gerichtet worden ist. Dazu fehlen mir die Materialien. Mir sind aber Gerichtsurteile bekannt, die eindeutig politisch und jugendfeindlich waren, etwa jene berühmte Verurteilung des White Panther John Sinclair, Manager der Punkband MC5: 10 Jahre wegen 2 Joints.

Und Polanski war Teil der Gegenkultur, welche aus der Beatnik- und Hippieszene entstanden ist. Dass er auch Teil der kalifornischen Jeunesse Dorée war, steht dazu nicht im Widerspruch. Denn diese Jeunesse Dorée war es ja, die mit der Kreditkarte der Eltern mal für ein paar Monate oder Jahre ausflippte und damit auch allerlei komische Heilige, kauzige Gurus und charismatische Verführer wie Charles Manson durchfütterte und ihnen teilweise gar huldigte. Es bestanden in der Zeit vor den Morden der “Family” Kontakte der Gruppe zu Terry Melcher, dem Sohn der Sauberfrau Doris Day, Manager der Byrds, oder zu den Beach Boys, ein Symbol des All-American-Boy.

Es war Polanskis Frau, damals unbestritten eine der schönsten Frauen der Welt, so man solches überhaupt sagen kann, die von den wild gewordenen Bürgerkindern im Gefolge des langhaarigen Obskurantisten Manson auf unglaublich grausige und absolut gefühllose Art ermordet worden war. Damit stand Polanski jahrelang im Zentrum einer absolut unerträglichen Geschichte, die im gegenkulturellen Milieu spielt und die auch heute noch nicht ausgestanden ist – solange noch einer der Mörder lebt und immer mal wieder mit Interviews aus dem Knast die Erinnerung wach hält.

Kurz vor seiner Inhaftierung hatte Polanski zudem den grossartigen Film Chinatown mit Jack Nicholson gedreht, der über Korruption im Los Angeles der 30er Jahre berichtete – nicht gerade ein Thema, um einen konservativen Richter milde zu stimmen.

Also: Polanski hatte wirklich Grund, nicht nur als Mädchenschänder, sondern auch als Ikone der Gegenkultur, sich vor einem hasserfüllten und von Sexualneid gebeutelten Richter zu fürchten. Das stimmt.

Zwar stimmt auch, dass es damals teilweise wirklich noch als lässliche Sünde galt, wenn ein Guru der Gegenkultur sich ein junges Mädchen zur Freundin nahm. Die Justiz allerdings sah das ganz anders, und dies brachte auch Leute wie den Berner Beatnik René E. Mueller in schlimme Bedrängnis (den habe ich hier untergebracht, um Reklame für Fredi Lerchs Biographie zu machen). Sowieso lag der Fall Polanski dann doch sehr anders, hier ging es nicht um Freundin, sondern um klare Verführung einer Minderjährigen unter dem Einfluss von Drogen.

Polanski hätte also wissen sollen, dass er kaum ganz straffrei bleiben dürfte. Hätte er nicht 30 Jahre lang Zeit gehabt, seine Situation zu legalisieren, einen Deal anzustreben? Knast wäre es wohl gewesen, das ist klar – seine Tat war ja wohl schwer genug. So ist halt das Leben…

Dumm, dass der Versuch zu einem späten Deal dieses Jahr unternommen worden ist, aber durch Polanskis Anwälte auf arrogante Art vereitelt und zu einem Rohrkrepierer geworden ist, welcher die Justiz von Kalifornien grad erst recht zu einer Verhaftung motiviert hat.

Das Opfer

Knellwolf bringt noch ein anderes Argument, das häufig zu hören ist. Allerdings überdreht er es noch zusätzlich in seinem Enthusiasmus. Das Opfer hat bei ihm nicht nur seine Klage zurückgezogen, nein, das reicht ihm nicht. Er schreibt, das Opfer mache sich für Polanski stark. Nun, das ist dann doch ein bisschen stark, Herr Knellwolf. Vielleicht lesen Sie mal den Artikel in Ihrer eigenen Zeitung dazu – die Frau will ein Ende des Verfahrens, weil es sie selber psychisch belastet! Was ja wohl verständlich ist, wenn man sich ein bisschen in das Opfer versetzt und liest, welche Details über sie und die damaligen Szenen im Netz wieder ausgebreitet werden, saftig und mit Fotos.

Die Verjährung

Am Schluss bringt Knellwolf noch einen Schlenker gegen die aufgehobene Verjährung in der Schweiz unter. Ich finde diese auch nicht gut und habe dagegen gestimmt. Hier aber hat die Verjährung nur soviel damit zu tun, dass nach Annahme der Initiative Polanski automatisch an die USA ausgeliefert werden müsste, was vorher offenbar nicht der Fall war. Polanski ist ja nicht 30 Jahre nach der Tat unter Anklage gestellt worden, sondern sofort, zwei Wochen danach! Und er hat sich nun halt so lange versteckt halten können. Dumm, dass Polanski, der wegen seinem Chalet in Gstaad teilweise manchmal fast als halber Schweizer dargestellt wird, diese Gesetzesänderung nicht mitbekommen hat.

Die Verschwörungstheorie

Es ist interessant, wie schnell auch durchaus ernst zu nehmende Leute mit Verschwörungstheorien zur Hand sind. Und wie wenig sogar Journalisten die Realitäten unseres Staates kennen. Die Annahme, die Verhaftung Polanskis gerade jetzt sei ein Komplott, um die Amerikaner im Hinblick auf die Bankenaffären milde zu stimmen, ist zwar verführerisch. Aber wenn man sich das nur ein wenig praktisch überlegt, ist diese Hypothese bar jeglicher Plausibilität. Wie sollte denn sowas gehen? Wer klüngelt da mit wem? Wer die Verhältnisse im Bundesrat auch nur ein wenig mitbekommen hat, weiss, hier kämpft im Moment jeder gegen jeden. Unvorstellbar, dass Calmy-Rey, Merz und Widmer-Schlumpf miteinander klungeln – deren Departemente sind doch wohl betroffen. Oder dass Couchepin so ein Spiel mitmachen würde. Oder dass so etwas auf der Ebene der ausführenden Behörden unter dem Deckel zu behalten wäre. Schliesslich sind auch die Mitwisser bei Justiz und Polizei Menschen mit Parteizugehörigkeit oder politisch unterschiedlichen Meinungen – was ja auch das Lebenselixier der Sonntagspresse mit ihren Indiskretionen ist. Apropos Couchepin: Ich vermisse ihn schon jetzt. Ihr werdet sehen, er wird fehlen.

Nein, der Fall ist klar: Die Justiz ist von der Politik unabhängig, und die Festnahme war eine Handlung der Justiz. Wüsste nicht, was es da zu meckern gibt – sonst muss man ehrlich sagen, dass man die Gewaltentrennung aufheben will und die Politik gegenüber der Justiz weisungsberechtigt sein soll – wie es ja auch Blocher immer zu praktizieren gesucht hat.

Epilog

Es haben sich ganz viele Leute in dieser Affäre Polanski ziemlich blamiert, doch langsam scheint die Besinnung wieder einzukehren. Aber macht euch nichts draus: Jeder kann sich mal verhauen. Deshalb zur Versöhnung noch ein Griff ins Archiv, damit ihr seht, das vorschnelle Urteil wurde nicht erst in diesem Jahrhundert erfunden.

Eben, zum Schluss noch einen Artikel aus meinem Archiv (manchmal ist es gäbig, schmeisst man nicht alles weg) – eine Verschwörungstheorie, an die ich mal geglaubt habe. Später erwies es sich, dass die gutgläubigen Hippies auf die dreistesten Lügen reingefallen sind, einfach darum, weil sie so perfekt ins Weltbild gepasst haben. Alles, was in den Dokumenten hier steht, hat sich bald als total falsch und wahrheitswidrig erwiesen – wir wollten es aber einfach glauben…

Literatur zum Thema:

  • Ed Sanders, The Family
  • Susan Atkins, Child of Satan, Child of God
  • Steven Gaines, Heroes and Villains. The true story of The Beach Boys
  • John Rogan, Timeless Flight. The definitive biography of The Byrds
  • Fredi Lerch, Muellers Weg ins Paradies, Rotpunkt Verlag
  • Hotcha. Sippenzeitung. Ausgabe 42, 1970, und Ausgabe 44 (als pdf hier beigelegt – klicke die Bildli)
  • Hotcha Nr. 42 (der Artikel über Manson)

    Hotcha Nr. 42 (der Artikel über Manson)

    Hotcha 44 noch was über Manson

    Hotcha 44 noch was über Manson

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18. September 2009

Bruder Bernhard wäscht sich

Bin ich denn so unheimlich reich, dass es mir so schwer fällt, den Jammeri in der Schweiz mein Ohr zu leihen? Diesen Jammeri, die sich über fehlende Barschaft total entgelstern können, die mir mit ihren abgerundeten Monatsenden Eindruck zu machen suchen, denen es hinten und vorne nie reicht?

in Biel gilt das schon als Loft...

in Biel gilt das schon als Loft...

Wahrscheinlich bin ich so unheimlich reich. Denn nicht nur habe ich Ende des Monats mindestens so viel wie noch zu Anfang, meistens sind es sogar mehr. Oder so ähnlich…. So viel jedenfalls, dass ich mir kürzlich eine Operation, die an der fehlenden Zahlungsbereitschaft der Unfallversicherung fast gescheitert wäre, halt durch Kostengutsprache aus eigenem Sack ermöglicht habe. Mit dem Betrag, so die Versicherung am Schluss tatsächlich schlüft, hätte ich mir locker einen nigelnagelneuen Mini Cooper leisten können – bar bezahlt, versteht sich.

Wie ich das mache, mit dem Minimal-Lohn einer Migros-Verkäuferin? Wie sagt das geflügelte Wort: Ich bin doch nicht blöd!

Ich habe vor zwei Jahren meine persönliche Anstatt-Ökonomie eingeführt. Das war damals, als ich auf meiner grossen Terrasse in meinem angesagten Uhrenatelier-Loft sass, es war ein sanfter Herbst, eine Freundin war am Apparat mit dem Tipp, in ihrem Haus sei eine Wohnung frei geworden. Eine Wohnung? Ich hatte doch bereits eine der schönsten Wohnungen in der Stadt, dieser Sorte, die man nur mit ganz viel Schwein erwischt. Zentral gelegen, dennoch im Grünen, mit grosser Terrasse, wie gesagt, viel Stauraum für meine 10′000 Platten CD Bücher, Platz an den Wänden für Madonnen und sonstige Ikonen, Plakate, Zeitungsausschnitte, schöne Waschmittelkartons und Uhren etc. Und die Calypso-Now-Archive. Calypso Now: Mein Kassettenlabel, das ich in den 80ern aus einem 115-Franken-im-Monat-Wohnatelier ohne Dusche und Warmwasser betrieb… Zurück zur Gegenwart vor zwei Jahren: Und da sollte ich weg, weg vom Loft mit Garten? Mit Bad und allem drum und dran? Nein, kann ich nicht machen.

Eine schlaflose Nacht später habe ich die andere Wohnung genommen – mit viel Schwein konnte ich sie mir noch sichern, der Nachbar von unten war noch  6 Monate lang sauer auf mich, er hätte sie nämlich auch gerne genommen. Dieses Loch? Über 30 Jahre hatten jugoslawische Strassenarbeiter drin gewohnt, zum Teil zu Viert, in einer Dachwohnung mit lukenartigen Fenstern, der Boden extrem schräg abfallend (ca. 40 cm Differenz zwischen Süden und Norden), ziemlich heiss im Sommer, aber wenigstens warm im Winter, dank neuen EgoFenstern und Etagen-Gasheizung. An der Wohnung war während der ganzen Dauer nichts gemacht worden, einzig die Holzheizung wurde durch Gas ersetzt. Aber sonst nix. Die Wände hatten nicht grad Schimmel, aber eine 30-jährige Nikotinschicht kann nicht viel weniger schlimm sein. Der Gestank!!! Die schlammgrüne Farbe der Holztüren, die Robert-Walser-Im-Blaukreuz-Tapeten – ich wollte es zuerst so lassen, quasi als Museum der 60er Jahre. Aber ich wurde dann gezwungen, die Wände wenigstens weiss streichen zu lassen – und ich gebe zu, heute bin ich darüber sehr froh. Sonst aber wollte ich nichts machen lassen, um die Miete weiterhin gering zu halten.

Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, was man für eine Wohnung ohne Dusche, ja sogar ohne warmes Wasser bezahlt? Jedenfalls hatte ich in der schlaflosen Nacht ausgerechnet, dass ich, wenn ich nicht umziehe, künftig für jede Dusche 20 Franken, für jedes Mal auf der Terrasse sitzen 50 Franken bezahlen würde. In den Garten war ich sowieso nie mehr gestiegen – was will ich dort, wenn es am Bielersee doch so viel schöner und interessanter ist?

Tja, und das ist die Anstatt-Oekonomie – ich gebe das Geld einfach für wichtigere Dinge aus, wie z.B. für meine Unabhängigkeit!

wer hätte nicht gern so eine poppige Küche, sich zu waschen?

wer hätte nicht gern so eine poppige Küche, sich zu waschen?

Und die sieht nun so aus: Frühmorgens, falls ich einen Termin habe, stehe ich um 5:00 Uhr auf, setze einen Kaffee und eine Pfanne mit Wasser auf. Den Kaffee trinke ich, mit dem Wasser wasche ich mich. Was habt’s sonst gedacht? Einer der schönsten Momente des Tages, ausser all den anderen schönen Momenten. Es gibt wenig Angenehmeres als einen richtig heissen Wäschplätz im Gesicht, im Genick, an Armen, Bauch Rücken etc. Haare waschen geht übrigens auch ganz gut in meiner Robert-Walser-Im-Blaukreuz-Wasserschüssel. Und ich bedaure in dem Moment all die armen ‘Es-reicht-kaum-bis-zum-Monatsende’-Jammeri, die dann in einer Stunde unter die Dusche eilen werden, dort langsam erwachen und die dann später gehetzt am Bahnhof mit einem wässrigen Coffee-to-go in der Hand die totale Stillosigkeit verbreiten.

Muss jeder selber wissen, was er macht, aber soll mir einfach nicht ins Gilet grännen!!!

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags: — Bruder Bernhard @ 22:56

29. August 2009

Lob der Ersten Klasse

Behinderte haben es nicht leicht im Schweizer Berufsalltag. Das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen, nachdem ich seit gut drei Wochen an Krücken unterwegs bin, am Schienbein eine externe Schiene (’fixateur externe’ in der Fachsprache), die mir bei einem Sturz oder einem starken Gingg wohl den Knochen zerreissen würde. Um die Pendler zur Vorsicht zu mahnen, habe ich die Schiene, die mit sechs Schrauben direkt ins Fleisch und von dort in den Knochen schneidet, Anfangs extra offen getragen – in der Hoffnung, ich würde so von Rücksichtsnahme profitieren können.

Was denkt Ihr? Hat’s wohl geklappt?

Die Ernüchterung ist gross. Zwar werden mir jetzt allerhand Leidensgeschichten anderer Kranken ungefragt ausführlich erzählt, das ist sicher nicht uninteressant. Aber Rücksichtnahme? Zum Glück habe ich das wehrhafte Gen der Schweizer Söldner des Mittelalters noch in mir, so fällt es mir leicht, mich etwa mittels meiner Krücken drängelnden Mitreisenden bemerkbar zu machen. Ich habe auch schon mal das Bein so offen zur Schau gestellt, dass ich im vollen Zug ein ganzes Abteil für mich alleine hatte – einfach darum, weil niemand sich zu mir setzen mochte. Ist der Zug aber schon voll, muss ich entweder auf ‘emanzipierter Invalide’ machen und explizit darum bitten, dass mir ein Platz frei gemacht wird, oder halt auf der Treppe sitzen. Ihr könnt das nicht wissen: Aber die Mehrheit der Pendler ist dazu übergegangen, sich bereits zur Einfahrt des Zuges auf dem Perron einzufinden und sich blitzartig einen Sitzplatz zu sichern – das über 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges!!!! Erinnert ein bisschen an die Handtuchkriege deutscher Urlauber am Swimming Pool.

Deshalb bin ich nun seit der letzten Fahrt dazu übergegangen, den Aufpreis für die Erste Klasse zu bezahlen. 25 statt 14 Franken. Und ich kann euch einfach sagen: Paradiesisch. Da kann ich mein Bein bei Schmerzen strecken wie es mir behagt; ich kann im letzten Moment zusteigen, der für behinderte Personen reservierte Platz wird mir unaufgefordert frei gegeben, ich muss nur einen Blick darauf werfen; und bisher ist es auch noch nicht passiert, dass das Gegenüber Morgentoilette und Frühstück in den Zug verlegt hat, um zwanzig Minuten länger liegen bleiben zu können.

Deshalb plädiere ich gegen die Abschaffung der Ersten Klasse, wie sie immer mehr gefordert wird. Als Vertreter der Anstatt-Ökonomie* sage ich viel mehr: Gopf, du pendelst ja, also gibts Lohn, also zahl den Aufpreis oder schweig.


* zur Anstatt-Ökonomie hier später mehr

Und: Der Fairness eine Gasse. Deshalb, um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Es gibt sie, die Rücksichtsvollen. Diesen danke ich von ganzem Herzen: Buschauffeure, Mitreisende, Verkäuferinnen, Kollegen natürlich sowieso.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt, Praxistest — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 20:57

2. Juni 2009

Dem Magazin eine Liste!

Das Wehklagen nimmt kein Ende: die zärtlich “Tagi” genannte Zürcher Zeitung verabschiedet sich aus der Zivilisation, so wie wir sie sehen. Und das zärtlich “Magi” genannte Magazin versinkt in der Beliebigkeit und im Geröll des Kurzfutters, gerne auch der Listen.

Besonders Ugugu und Frau Zappadong befinden sich seit Tagen, ja seit Wochen im Waldorf-und-Statler-Modus. Schön. Ich bin ein Waldorf-und-Statler-Fan! Bitte gebt uns endlich die gesammelten Werke der Muppet Show auf 50 DVD. Den Kaufpreis von geschätzten 780 Franken würde ich mir nötigenfalls auch als Fremdenführer verdienen. ‘Kultstätten der Nostalgie’ würde die Tour heissen.

Was ich den Fremden zeigen würde? Bitte mir zu folgen:

Hier stand bis vor kurzem das Warenhaus EPA mit seinen unübertroffen firmentreuen Verkäuferinnen. Gegenüber haben wir das Ex-ABM, ein genau so herzzerreissender Kram- und Ramschladen wie die EPA, bloss etwas teurer und langweiliger. Aber die Praliné waren besser. Ein paar Meter weiter, bitte, ja, hier an der Ecke, da konnte man vom Reissnagel bis zum Spaten alles finden, was in eine Eisenwarenhandlung passt. Und das ist nicht wenig, erst die Decke markiert das Limit. Was da nicht rein passt, packen der Besitzer, seine Frau und die Verkäuferinnen jeden Morgen auf das Trottoir (ist ein CH-Blog hier…): Die Laubrechen (nein, hat nichts mit Brechen zu tun), die Ofenrohre (die passen noch auf die fünf Stufen, die zum Eingang hinauf führen), das Kinderdreirad.

Gehen wir uns kurz ausruhen, die paar Stufen runter in die kleine Eckkneipe mit dem gemütlichen Kanonenofen, wo der Algerier immer noch 95 Rappen kostet – genau gleich wie der Barbera. Neben den Nüssli liegen noch die feinen Schoko-Cornets für nur 1.20, die in irgend einem Krachen nur für den Beizenbedarf hergestellt und in glänzendrotes oder -blaues Staniol einzeln von Hand eingerollt werden. Unschlagbar gut!

Doch wir, wir müssen weiter: Dort steht der Blick-Verkäufer in angeregter Unterhaltung mit dem Dienstmann, der bei der Familie des Bäckers die Koffer abholt, selbstverständlich mit Pferdegespann und Brügiwagen. Die müssen zum Bahnhof, denn die Bäckersfrau leistet sich mit den Kindern drei Wochen Ferien in Bad Ragaz. In dieser Zeit kommt die Schwägerin aus der armen Verwandtschaft im Welschland, um auszuhelfen. Doch der Dienstmann hat keine Eile, er zündet sich zunächst mal eine Toscanelli an und wendet sich dem Neuankömmling zu, Gaston, der den Express und La Suisse aus seiner grossen Ledertasche verkauft, die Schlagzeilen an den alten Kondukteurhut geheftet. Diesen steifen Hut hat Gaston auf einer seiner zahlreichen Reislein, die er Dritter Klasse durch die ganze Schweiz unternimmt, geschenkt bekommen. Vom Kondi, klar doch.

So – STOPPPP…. sonst komme ich noch mit dem Hufschmied im Dorfzentrum, gleich neben dem Schlachthof des Dorfmetzgers, mit dem Wulelädeli der Witwe Bolte, den verschüchterten Schulkindern, die täglich dem Abwart die Hand geben durften, der am Eingang zum Schulhaus respektheischend die Parade abnahm.

Drum sag ich’s noch ein mal: Vergesst doch diese Pfeifen dort in Zürich oben, die scheinbar noch nicht gehört haben, dass es siebenmal teurer ist, einen neuen Kunden zu gewinnen, als einen bestehenden zu behalten. Aber das haben die sicher schon gehört. Was also ist die Absicht? Die Absicht ist genau diese: Die wollen euch nicht mehr. Begreift das doch endlich. Die bestehenden Kunden müssen weg. Die schaden dem Ruf des Produkts.

Anders lässt sich diese ganz gezielte Demontage jahrzehntealter erfolgreicher Marken beim allerbesten Willen nicht erklären.

Wie Analyst im Heise-Forum seinerzeit erfolgreich immer wiederholte: Denkt mal drüber nach ;-)

PS: vermisst wird Analyst – das war noch ein Spass. Killed by blogs.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:58

2. Januar 2009

Bankier Hummel: Schummel?

Jetzt hab ich grad ein interessantes Interview mit Bankier Hummel auf www.ebund.ch gelesen. Und beim Weiterklicken natürlich verloren.


Randbemerkung:

Sorry, lieber Bund: Seit Du dem wirklich unsäglichen Klickfänger Newsnetz angeschlossen bist, werde ich Dich wohl langsam vergessen. Vorbei die Zeiten, als die vollständige Ausgabe online gelesen werden konnte. Schade. Wie lange der berntypische Kulturblog mit Schwerpunkt Bauchnabel in diesem Umfeld noch überleben wird: Es werden Wetten angenommen…  


Da ich den Hummel also verloren, gedachte ich ihn mit der Suchfunktion wieder zu finden. Und gebe “Hummel” in das Suchfeld ein. Und das gefunden:   

Suche das Interview von Bankier Hummel – Newsnetz schlägt ausschliesslich Schummel-Stories vor!

Habe das Interview dann doch noch gefunden, indem ich mich auf eine kleinere Klickorgie eingelassen habe. Hier ist es. Und hier seht’s auch: Mein Vehler …. Der Mann heisst gar nicht Hummel, sondern Hummler. Will jetzt nicht wissen, was mit dem Suchbegriff Hummler gefunden wird, will auch nicht raten, denn es geht hier nicht um eine Namensverhohnepiepelung. Abgesehen davon, dass der kluge Mann auch einer der spät aufgetauchten Auguren ist, welcher das Unheil selbstverständlich lange vorher kommen sah, scheint er mir einer intellektuellen Schummlerei nicht abhold. Wie das folgende Zitat aus dem Interview mit erschreckender Deutlichkeit beweist: 

Interviewer: “Ist der Fall UBS ein typischer Fall, wie es die politische Linke darstellt, von Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren?”

Bankier Hummler: “Wenn man jetzt anschaut, wie die Krise bewältigt wird, ist das nicht falsch. Das Gemeinwesen übernimmt den Schaden. Nur muss man die Linke fragen: Wer ist der Staat? Das sind die Steuerzahler, und grosse Steuerzahler sind vor allem die 10 bis 15 Prozent der am besten Verdienenden. Von Sozialisierung kann also keine Rede sein.” 

Wem jetzt nicht die Spucke weggeblieben ist, der soll vielleicht noch mals in Ruhe diese Ungeheuerlichkeit lesen! Wer ist der Staat? Die Steuerzahler? Ist der Mann noch bei Trost? Also: Wer keine Steuern zahlt, gehört nicht dazu, selbst wenn er steuerpflichtig ist? Und: Kinder zahlen ja keine Steuern. Gehören also nicht dazu? Hier kann man Hummler noch unsorgfältige Wortwahl unterstellen, dass er es also nicht so gemeint hat. Und lange und hin und her filosofisch streiten, mir mit Plato kommen und weiss nicht was alles. Finde ich allerdings ein bisschen tranig, wenn ein Wichtigkeitsträger wie Hummler (NZZ-Verwaltungsrat, Privatbankier) einem grossen Interview so wenig Bedeutung beimisst, dass er nicht spätestens beim Absegnen der Statements aufmerkt. Der Hammer aber ist die unglaubliche Behauptung, die Wirtschaftskrise würde von eben den Kreisen berappt, die sie auch verursacht hätten, weil ja sie auch die grossen Steuerzahler sind (waren, glaubt man den Prognosen der Städte). Die Zahlen stelle ich keinesfalls in Abrede. Aber die Idee des von ihm selber so genannten “Gemeinwesens”: Was ich einbringe, steht mir unterm Strich dann auch wieder zu… Ehrlich, ich fass es nicht!!! 

Die Hummler’sche Ungeheuerlichkeit zeigt ein kurzsichtiges Denken, welches mich perplex zurück lässt. Dieser Mann sagt also: Wenn die Reichen schon den Grossteil der Steuern zahlen, dann sollen sie auch prioritär über deren Verwendung entscheiden dürfen! So reden Herrenmenschen. Ich bin echt schockiert!   

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 12:35

8. Dezember 2008

Krise der Krisenbewältigung

Krisen waren lange Zeit eines meiner Lieblingsthemen. In den 70er und 80er Jahren sich mit Politik zu befassen, versuchen, die Welt zu verstehen, das hiess: Über Krisen und Krisentheorien nachdenken. Ich finde es gut, dass das Thema zurück ist….

Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts, dem Abriss der Mauer, dem Verschwinden des antikapitalistischen Erzfeindes gerieten die Krisen etwas aus dem Blickfeld. Kleine Einbrüche wie das Platzen der Dotcom-Blase liessen sich noch einfach, mit der blossen Dummheit der Leute, erklären.

Ganz kurz was zu dieser Dotcom: Es war damals wirklich so, ungelogen, dass ich (ja, ich) gefragt wurde, wann ich nun an die Börse gehe. Alle, die irgend etwas mit Computern machten, hatten damals die einmalige Chance, einen Businessplan herunter zu hacken und unbedarfte Träumer dazu zu bringen, durch Aktienkauf auf den Erfolg des Plans zu wetten. Und die Emissionsbanken spielten das Spiel nur zu gerne mit: Da gab es schliesslich was zu verdienen. Der Fall der schweizer Businesssoftware Miracle ist das typische Beispiel für solch ein Komplott. Es war nämlich in Fachkreisen schon lange vor dem Börsengang gemunkelt worden, die Software sei fehlerhaft und im produktiven Einsatz sehr problematisch. Was sich dann – allerdings erst nach der grotesk überzeichneten Aktienemission – als zutreffend erweisen sollte…. Pech für die Anleger.

Heute stehen wir vor einer Krise, die nicht mehr mit Dummheit allein erklärt werden kann. Nein, hier ist grundsätzlich böser Wille, ein Raubzug auf Provisionen und Prozente die oberflächliche Ursache. Man hat ganz bewusst Leute zur Aufnahme von Krediten verleitet, die ganz offensichtlich nie in der Lage sein würden, diesen zurückzubezahlen oder auch nur zu verzinsen.

Aber noch etwas Grundsätzliches: Wie gesagt, die Krisen sind in den letzten Jahren etwas aus dem Fokus verschwunden. Ich habe in einem früheren Beitrag bereits einmal auf Ernest Mandel und seine Theorie der Langen Wellen der Konjunktur hingewiesen. Für Marxisten war immer klar: Der Kapitalismus steht in jedem Moment entweder vor oder in einer Krise.

Es sind nicht nur Marxisten, die auf einen wunden Punkt des Kapitalismus hinweisen: Die Steuerung der Wirtschaft durch Verschwendung. Und die Sicherung der Herrschaftsverhältnisse durch unproduktive Ausgaben wie z.B. die Rüstungsindustrie – oder ganz allgemein Kapitalvernichtung. Dies ist keine Verschwörung, sondern dies sind die Verhältnisse, die sich hinter dem Rücken der Leute durchsetzen. Und aktuell ist das grad wieder schön zu beobachten!!! Es ist doch auffallend: Das Missverhältnis zwischen Hunger und Elend auf der einen Seite, der Wegwerfmentaliät hier bei uns auf der anderen Seite stellt dem kapitalistischen Wirtschaftssystem zunächst mal ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Hier fressen sie Filet, das dort das Getreide wegfrisst. Hier können sie sich nicht genug tun mit exotischen Mineral-Wassern, über Hunderte von Kilometern herangekarrt, dort trinken sie aus krankheitsverseuchten Tümpeln.

Und so weiter …..

So gesehen ist die Krise eigentlich ein Dauerzustand - nur nicht für uns, die Herrscher dieser Welt.

Nun endlich zu den Massnahmen gegen die Krise. Mit der Tür ins Haus: Es ist völlig verfehlt, den Banken Geld zu geben. Es ist völlig verfehlt, Unternehmen zu unterstützen. Es ist total daneben, mit dem Argument “Arbeitsplätze Arbeitsplätze Arbeitsplätze” überhaupt irgend eine Massnahme zu rechtfertigen!!! Man könnte meinen, die Leute rissen sich um jeden Arbeitsplatz – dabei wollen sie doch meistens bloss den Lohn…. Gebt ihnen den Lohn, aber verschont uns mit diesen Arbeitsplätzen. Wenn schon gönnerhaft Arbeitsplätze geschaffen werden, dann bitte gesunde, welche man mit Freude von Zeit zu Zeit aufsucht! Welche Schande, Blamage, Bankrotterklärung für ein Wirtschaftssystem, das das nicht fertig bringt, aber Trixtrilliarden in Waffen stecken kann. Mir graust …. Vor allem, wenn ich daran denke, dass jetzt ganze Bruttosozialprodukte riskiert werden, nur, um ein immer wieder versagendes System ins Unendliche zu verlängern.

Hingegen bin ich absolut dafür, die jetzt zum Vorschein gekommenen Milliarden, welche die reichen Länder plötzlich einsetzen können, zur Krisenbewältigung zu verwenden. Allerdings zur Bewältigung der oben erwähnten Dauerkrise.

Zuerst: Warum den Banken Geld geben, welches sie, wie wir unterdessen lesen konnten, zur eigenen Sanierung verwenden statt, wie geträumt, es als Kredite an die notleidende Industrie weiter zu geben? Dann: warum sich an Banken beteiligen, wenn man ja keinen Staatskapitalismus will? Also noch einmal: Kein Geld an die Banken!!!

Wohin dann also mit dem Geld? Ja, dumme Frage: Dorthin, wo es wirklich nützt, wo es wirklich fehlt, dorthin, wo der Ursprung der Kreditkrise liegt: Zu den Idioten, die sich ein Haus auf Kredit gekauft haben und nun ruiniert sind. Dorthin, wo die Häuser verfallen, wertlos werden, die Kredite nicht mehr bedient werden können: Zu den Hauskäufern.

Wer jetzt denkt, das sei unfair, das sei ungerecht, hier werde Dummheit noch belohnt, der hat völlig Recht. Aber es nützt. Es nützt weitaus mehr als der heute (und immer wieder) eingeschlagene Weg, welcher genau so ungerecht, unfair und Dummheit belohnend ist. Und warum immer die dort oben belohnen für KEINE Leistung? Mit welchem Recht verweigert man die selbe Behandlung denen dort unten? Kann mir das jemand erklären?

Wären die Milliarden schon im August an die Häuslebauer ausgeschüttet worden, gäbe es jetzt die Krise nicht!!! Aber nein, es musste zuerst eine Bank kaputt gehen (Lehmann) und alle in den Abgrund reissen – bis so ein Vorschlag überhaupt gemacht werden kann, ohne dass gleich nach dem ‘gelben Wägelchen’ gerufen wird…

Es ist beschämend, dass die besten Köpfe eingesetzt werden, um mathematische Risikomodelle, immer wieder neue Anlagemöglichkeiten zu entwickeln – statt dass diese Leute endlich mal etwas Vernünftiges täten und mithelfen würden, die unübersehbaren und schlimmen, ja gar tödlichen Konstruktionsmängel des Wirtschaftssystems zu beseitigen.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags: — Bruder Bernhard @ 17:11

30. November 2008

Saufen für den Lohn

Im Kapitalismus eine Beiz nach meinem Geschmack zu finden, ist sehr schwierig: Ich mags gern gross, üppig, deftig – und natürlich günstig, d.h. sog. ‘preiswert‘. Wenn du dich da auf die Restaurantführer verlässt, bist du aufgeschmissen. Im Kommunismus hatte ich in dieser Hinsicht keine Probleme: Der am stärksten durch Abgaswolken eingenebelte Gasthof war der Richtige, der Beste. Denn die Traktoristen der LPG und Kolchosen liessen ihren Motor grundsätzlich den ganzen Tag laufen, während des Mittagessens im Leergang das Gaspedal zusätzlich mit einer schweren Leninbüste blockiert- ihre Arbeitsleistung wurde nämlich am Benzinverbrauch gemessen!

Ist es Anekdote, Legende aus dem Kalten Krieg, abstrakter Witz? Tut nichts zur Sache. Es illustriert die Problematik einer gelenkten Wirtschaft. Massnahmen oder Direktiven von oben sind grundsätzlich dazu da, unterlaufen zu werden; wir sehen das bei uns. All die Schlaumeiereien, die jeder täglich einsetzt, um einen kleinen Vorteil für sich zu ergattern. Sogar, wenn die Schlaumeierei sich in letzter Konsequenz gegen den Schlaumeier selber richtet: Der Schnäppchentrieb ist einfach zu stark.

Du darfst jetzt den ersten Stein werfen….

Nun, von Kommunismus und Kapitalismus mag ich im Zusammenhang mit der Krise eigentlich gar nicht reden. Ich denke, das bringt uns nicht weiter. Ob wir aber von Verstaatlichung und Privatisierung reden sollen? Mal sehen….

Wovon man ganz sicher reden muss, das sind die Steuerungsprobleme des Wirtschaftssystems. Wenn wir die Wirtschaft als System begreifen, das sich ganz von alleine reguliert und steuert, ecken wir sicher nirgends an, stehen als Bewahrer der Freiheit da – ausser bei den Verlierern des Systems, der Milliarde Menschen, die einen täglichen Kampf ums Überleben, um etwas Essen und Wasser, um die Erfüllung der primitivsten Grundbedürfnisse führen müssen. Wie ihr wisst: Der Milliarde in Saus und Braus (wir) steht eine Milliarde am Rande des Grabes gegenüber…. Aber so erzliberal argumentiert heute glaube ich niemand mehr. Oder?

Übrigens, da fällt mir auf: Der lauteste Propagandist ungebremsten Wirtschaftens auf allen Kanälen, Dr. Thomas Held, der von der Thinktankstelle, dem man eine Zeit lang praktisch nicht entkommen konnte – wo ist der? Man hört wenig von ihm – auf meinen Kanälen sogar nichts, kommt er wenigstens noch am Fernsehen?

Der treffende Begriff
Ich rege mich immer auf, wenn Journalisten die verschleiernde Sprache von Politikern übernehmen, die “langue de bois”: reden sie von den USA, sagen sie “Amerika”; reden sie von Krise, sagen sie “Chance”; reden sie von der Börse, sagen sie “Fieber”. Kürzlich am Radio eine Diskussion über die aktuelle Krise: Da regnete es flächendeckend Begriffe aus Medizin und Meteorologie. Die Wirtschaft als Patient, die Krise als Krankheit, der Kurszerfall als Tsunami. Die Botschaft: Sowas kann einfach passieren, wie schlechtes Wetter, wie Krankheit.

Aber hier ist es tatsächlich richtig. Ich will dem zustimmen. Es ist genau so, wie die Politiker, die Banker, die Journalisten der bürgerlichen Zeitungen schreiben. Und, so wie kein Mensch annehmen wird, schlechtes Wetter und Krankheit könne ein für alle mal gebannt werden, so wird kein Mensch behaupten können, diese Krise sei nicht eine natürliche Krise des Systems. Insofern sind all die Propheten, die jetzt auftauchen und angeben, sie hätten das kommen sehen, sie hätten das vorausgesagt – hm, einfach Glückspilze. Denn das sagen linke Ökonomen, so lange ich mich entsinnen kann. Da war doch mal dieser Ernest Mandel, der trotzkistische Ökonom aus Belgien, der in den 70er Jahren Schweizverbot hatte… Seine Theorie der “Langen Wellen der Konjunktur” wurde damals verlacht. Vielleicht wäre sie im Rückblick zu überprüfen?

Oder die beiden Paul, Baran und Sweezy. Diese haben 1966 in einem Essay über das “Monopolkapital” das jetzige System der managerdominierten Weltkonzerne beschrieben – liest man es heute, findet man viele aktuelle Bezüge. Ja, es ist eben doch gut, hat man die regenbogenfarbene Dekoration der edition suhrkamp (der Nummern unter 1000 hahaha) noch nicht auf den Müllhaufen der Mussmannichtmehrlesen geworfen.

Warum ich die ollen Baran und Sweezy hier anführe: Lustigerweise heben die beiden als ein neues Merkmal der Weltkonzerne hervor, diese seien mehrheitlich selbstfinanziert und von den Banken somit ganz und gar unabhängig! Ha! Buch veraltet! Weg damit! Aber vielleicht wäre eine andere Lesart angebracht: Was den beiden als Machtfaktor der Monopole erschien, wurde durch die Konzerne selber in den letzten Jahren leichtfertig verspielt! Tja, Kapitalisten sollten wahrscheinlich mehr Marxisten lesen, sie würden bessere Geschäfte machen ;-)

Um jetzt nicht in die Marxisten (Marxismen gibt es bekanntlich zwei, und bei beiden wären die beiden Marxens nicht dabei) vs. Kapitalisten-Falle zu trappen, können wir uns sicher auf etwas einigen: Marktwirtschaft bedeutet, kurz gesagt, dass die Preise über den Markt ausgehandelt werden. Das heisst auch, dass verschiedene Risiken in Kauf genommen werden. Eines davon ist jenes der Überproduktion. Unvergessen sind mir die jährlich wiederkehrenden Aktionen der Walliser Grinde, als diese die Tomaten und Aprikosen lieber in die Rhône kippten als sie zu den damaligen Marktpreisen zu verkaufen. Nun ist die Überproduktion ein Systemrisiko, über dessen Eintreten nicht mehr diskutiert werden muss. Nein, die Überproduktion ist unvermeidlich!!!. Nur das Ausmass und die Auswirkungen sind unbekannt. Man denke in diesem Zusammenhang nur an den durch alle politischen Hüttendörfer hindurch gepflegten Wachstumsfetischismus. Stillstand bedeutet in dieser Logik, die rundherum einfach akzeptiert wird, Rückschritt. Wer das anzweifelt, darf ausgegrenzt, der Lächerlichkeit preisgegeben, ja als verantwortungsloser Geselle hingestellt werden.

Ganz am Anfang der Swatch-Manie war Hayek zu Gast bei DRS 3, eine Stunde lang. Diese Sendung, die Chris von Rohr mal bücherwerfend und Arschloch sagend verliess, weil die Fragen wohl gar zu hämisch waren. Müsste ich überprüfen – irgend wo habe ich noch eine Aufnahme davon!!! Von der Hayek-Sendung auch. Da fragte der Journalist den Retter der Schweizerischen Uhrenindustrie doch allen Ernstes, ob es nicht ein bisschen daneben sei, allen Menschen möglichst mehrere dieser Plasticuhren verkaufen zu wollen – das entspreche doch keinem echten Bedürfnis. He, Hayeks Stimme gefror etwas, er fuhr dem Journalisten kurz über den Mund und liess ihn wissen, er könne diese Sendung jederzeit platzen lassen. Der Journalist zähmte in der Folge seine Rede markant! Denn ihm war klar: So fragen? Da töör me nöt! Wäre Hayek gegangen, hätte dieser es dem vaterlandslosen Gerede des Befragers anlasten können – unter dem Beifall der Allgemeinheit.

Doch zurück zur Gegenwart: Man spricht ja neuerdings von der Finanzindustrie. (Das wäre zu den Zeiten von Baran/Sweezy noch undenkbar gewesen). Diese Finanzindustrie hat nun Produkte geschaffen, die niemand mehr haben will. Deshalb schmeisst sie sie in jeden Fluss, den sie findet.

Diese Krise wird vorbei gehen. Das sage ich jetzt, hier und heute, mit absoluter Gewissheit voraus. Die nächste Krise wird folgen. Auch das sage ich mit der genau gleichen Gewissheit voraus. Und kluge Köpfe aus Wirtschaft und Politik gehen hier noch einen Schritt weiter. Sie sagen, die nächste Krise kommt bestimmt, und sie wird noch schlimmer sein als die jetzige. Und wir haben absolut keinen Grund, ihren Aussagen zu misstrauen.

Das waren nun die ausschlaggebenden Gründe für die Krise: It’s the economy, stupid – wie ein Ausländer mal sagte! Es ist das System, Dummkopf! Wie ich mal sagte.

Nächstes Mal dann zu den Massnahmen…

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:14

29. November 2008

Konzerne und Ethik? Dann gäb’s keine Krise…

Gestern hatte ich das Vergnügen, am Beispiel der Pendler ein paar typische menschliche Verhaltensweisen vorzuführen. Dies, um zu untermauern: Das Verhalten wird durch die Rahmenbedingungen bestimmt. Sicher ganz banal, aber in der Diskussion der Krise hilfreich.

Weil’s so schön war, grad noch ein Pendlererlebnis: Diese Woche wurde, wir sassen alle schon im wohlgefüllten Abendzug nach Biel, eine zweistündige Vollpanne angekündigt. Wir sollten den Zug verlassen, in den fahrplanmässigen Regionalzug bis zum nächsten Kaff steigen, wo wir in Busse umgeladen würden. Nun muss man wissen, dass dieser Regionalzug schon im Normalbetrieb immer überfüllt ist. Wenn jetzt noch die Passagiere des Schnellzugs hinzu kommen – eine unmögliche Situation.

Ich habe mir das kurz angeschaut: ein brechend volles Perron, alle warten auf die Einfahrt des Bummlers, um dann die wenigen Eingangstüren zu stürmen. Das nennt man natürliche Auslese.

Ich bin dann übrigens mit dem Velo über die stockdunkle Landstrasse bis nach Schüpfen gefahren, habe dort bei einer etwas gar unterkühlten Wirtin im Bahnhöfli einen wunderbaren, wenn auch ein bisschen fest gekühlten gemischten Salat und ein grosses, wenn auch etwas kross gebackenes Cordon-Bleu mit schönen, wenn auch etwas trockenen Frites und etwas fader Steamer-Gemüsebeilage gegessen, dazu ein Zwickel, 35 Franken. Für die Wlan-Nutzung hätte ich eine halbe Stunde kaufen müssen, da hab ich es dann gelassen…. Kaum fertig gegessen, fuhren auch wieder die Züge – Schwein gehabt, denn die dreimalverfluchten Idioten am Steuer hatten mich mehrmals um mein Leben fürchten lassen, in einem Affenzahn von hinten auf der schmalen Strasse ziemlich knapp an mir vorbei rasend. Ich hatte Licht, im Fall!!!

Und dies überlegt: Ab wieviel werden Menschen zur Menge? Denn nur in der Menge zeigt sich dieses “Jeder ist sich selbst der Nächste”, dieses Drängeln, dieses Wegdrücken. Wären etwa fünf Menschen zusammen, für die vier Plätze vorhanden sind, würden sie sich untereinander absprechen, wer halt jetzt zurück bleiben muss. Interessant übrigens die Situation in Zollikofen, besagtem nächsten Kaff, wo ein paar Busse dem Ansturm Herr zu werden versuchten. Hunderte waren mangels Platz zu Fuss unterwegs, zwischen Zollikofen und Münchenbuchsee, irgend wie ein anmächeliger Anblick voller Alltagspoesie. Und hunderte Männer entblödeten sich nicht, an der wartenden, winkenden und wandernden Menge vorbei zu fahren, allein nach Hause. Allerdings: Es gab auch welche, die anhielten und Plätze anboten…

Musst ich das jetzt tatsächlich alles aufschreiben, ist ja Allen klar? Ja, das musste ich, denn ich will etwas beweisen: Ich will beweisen, dass man sich dem beschriebenen Sog zum widerwärtigen Verhalten schwer entziehen kann, wenn man nach Hause kommen will. Und damit will ich auch beweisen, dass unter den Rahmenbedingungen des entfesselten Kapitalismus den Unternehmen gar nichts anderes übrig bleibt, als ausschliesslich auf ihren Profit zu schauen. Nichts anderes zählt. Wer das nicht tut, sieht die anderen, die Skrupelloseren, an sich vorbei ziehen. Das ethische Unternehmen existiert nicht. Es gibt nur Unternehmen, die zu ethischem Verhalten gezwungen werden – durch die öffentliche Meinung, die Kunden oder Regeln, die nur durch die Politik gesetzt werden können.

Das ist jetzt länger geworden als vorgesehen – deshalb diskutieren wir die Massnahmen gegen die Krise nächstes Mal, gell. Ah, und auch die Gründe.


PS: Für mich war der Zugsausfall ein mehrfacher Glücksfall, übrigens: In einem Brockenhaus auf halber Strecke fand ich ganze vier Operngesamtausgabeboxen von Smetana, alles bei der tschechischen Supraphon, stinkend nach Kellergewölbe, aber ungespielte Platten, ausser “Dalibor” hier unbekannte Opern mit nur tschechischem Namen (”Hubička” etwa, auch ganz schön… so schön wie das Leben, wenn man auf solch eine Mini-Sammlung stösst… ) 

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 08:42

28. November 2008

Finanzkrise – mon oeuil

Die Finanzkrise existiert nicht. Wir haben eine Krise der Politik. Und zwar seit Jahrzehnten. Diese Behauptung habe ich bereits einmal aufgestellt. Möglicherweise zu provokativ, um verstanden zu werden? Unterdessen haben die Akteure alle ihren Platz auf der Bühne eingenommen, lasst uns also darauf zurückkommen.

Schon mal Zug gefahren, am Morgen früh, auf einer der Pendlerstrecken? Dort lässt sich genau beobachten, wo das Problem liegt

Als ich zum ersten Mal die Brutalität des durchschnittlichen Pendlers auf der Strecke Biel-Bern erlebte, erschrak ich. Wirklich. Das blickt nicht links, blickt nicht rechts, blickt auch nicht gerade aus, sondern irgend wie in sich hinein – und marschiert, mindestens fünfmal schneller als eine Kreatur George A. Romeros, aber mindestens so ungerührt, von A nach B. So was nennt man Durchmarsch.

Ehrlich, ich kann auch nett und zuvorkommend sein – vor allem, wenn es darum geht, Damen den Vortritt zu lassen, wie wir das gelernt haben. He, dieses Verhalten ist im Pendlerstrom natürlich total falsch, kontraproduktiv, Stein des Anstosses – und wird auch sofort bestraft. Wer seinen Rang in der Traube vor einem Durchgang aufgibt, findet sich im Nu am äussersten Rand dieser Traube – und passiert den Durchgang als allerletzter. Garantiert. Erlebe ich immer wieder.

Ein konkretes Beispiel: Da ich den SBB nicht traue, nehme ich immer mein Velo mit auf den Zug. In Bern führt eine einzige schmale Rolltreppe vom Perron (ja, ja, Blogwiese, Bahnsteig, isch scho rächt…) zum Ausgang. Wenn Hunderte Pendler sich durch dieses Nadelöhr zwängen, wirds ungemütlich für Velos, Kinderwagen, Rollstühle, Krückengänger. Für diese gibts darum einen Aufzug. Platz für ca. einen Kinderwagen, ein Velo und noch 4 Personen. Als ich nun zum ersten Mal diesen Aufzug nahm, welcher in einem von zwei Seiten zugänglichen Schacht fährt, der echte Schock: Immer wieder drängten sich ganz unbelastete gesunde junge und auch ältere Leute zwischen mich und die Aufzugstür oder eilten – ja, eilten – aus dem wartenden Pulk auf die andere Seite, wo es ja auch eine Tür hat, um so ein bisschen Boden gut zu machen. Und schämten sich überhaupt nicht!!!

Muss ich noch mehr sagen?

Die selben Leute sind privat sicher alle lieb und nett, und wir könnten wohl viel Spass haben miteinander. Aber unter Pendler-Bedingungen kommt dieses eher archaische Verhalten an den Tag – welches mich jedes mal fassungslos macht, so ich es miterleben muss. Zum Glück muss ich an diesem Rattenrennen nur ausnahmsweise teilnehmen!!! Ich glaube nicht, dass ich das täglich mitmachen könnte.

Alles kleine Ospels!!! Jeder schaut für sich, sonst fällt er nämlich vom Karren. Ja, ich gehe noch weiter: Es scheint unausgesprochener Konsens, dass jeder für sich zu schauen hat – nur so geht es für die Mehrheit effizient vorwärts. Die Minderheit von Fusskranken, Müttern (warum eigentlich fast nie Väter?) mit Kinderwagen oder zur Rücksichtnahme erzogenen kommt halt entsprechend langsamer voran.

Diese Zustände werden durch die Rahmenbedingungen hervorgebracht. Zu Spitzenzeiten hats zu wenig Platz in den Zügen und in den Bahnhöfen, und irgendwie scheinen es alle eilig zu haben, offenbar zählt jede Minute. Keine Ahnung, warum, denn die Zeiten der Fabriksirene sind seit langem vorbei. Irgend ein innerer Zwang scheint die Leute so anzutreiben. Verblüffend, und so was von uncool, Mann!!!

Wirklich, wer die Krise verstehen will, muss zwischen 7 und 8 Uhr mal zum Pendler werden.

Fortsetzung folgt – ich hab noch einen zweiten Pfeil.


Wieder mal ein PS: zur Fabriksirene, weil das kennt ja heute niemand mehr. Für meinen Vater war es noch so, dass sie spätestens um 7 Uhr im Überkleid (also bereits umgezogen!!!) die Stechuhr zu betätigen hatten – sonst wurde ihnen eine Viertelstunde abgezogen, wenn sie etwa um 7 Uhr 01 erst gestempelt hätten. Was natürlich niemals vorkam. Das waren die modernen Zeiten der 60er Jahre. Wie genau es mit der Sirene lief, weiss ich eigentlich gar nicht. Mussten die beim Heulen der Sirene bereits an der Maschine stehen? Müsste ich meinen Grossvater, Arbeiter in der Gerberei, damals einzige Fabrik im Dorf, fragen können. Zu spät dafür.

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, — Bruder Bernhard @ 07:44

4. November 2008

Wie ein Meisterjournalist recherchiert

Hey, ging da ein garstig Knistern durch der Schweizer Blogger’s Bildschirme, gestern. Jungjournalist David Bauer, kaum eben der Universität entronnen, die ihn zum Meisterjournalisten ausgebildet hat, legte in der Sonntagszeitung eine Probe seines Könnens vor. Selber Blogger, begibt er sich auf die Suche nach der Relevanz der Schweizer Blogs. Und wird nicht wirklich fündig… Was seinen Arbeitgeber sicherlich freuen wird, denn die Tamedia steht dem Phänomen Blog naturgemäss sehr defensiv gegenüber. Was die Leser vom Artikel halten, der auf der Computerseite der Zeitung erschien, lässt sich an den Reaktionen in den Blogs ablesen. Etwa beim bugsierer oder bei lupe. Eine Sammlung gibts bei rivva.

Was ich nun ganz und gar nicht verstehen kann: Was lernen die eigentlich an der Journalismusuniversität? Ganz ehrlich: Darauf habe ich keine Antwort. Schon gar nicht mehr, wenn ich mir Bauers Arbeit anschaue. Ich bin ja nur ein einfacher Knecht ganz ohne Ausbildung als Schreiber, aber ich hätte diesen Artikel besser gemacht!!!! Ich schwöre es!!!

Schauen wir uns doch schon mal die Kernfrage nach der Relevanz der Schweizer Blogs näher an. Bauer hat Mühe, diese auszumachen. Ja, mein Gott, hätte er doch mich fragen können!!! Denn schon als ganz gewöhnlicher Zeitungsleser, ohne Zugang zu den teuren Datenbanken, die Bauer zweifelsohne nutzen könnte, hätte ich ihm ein paar Tipps aus der jüngsten Vergangenheit aus dem Gedächtnis liefern können!

Also, Bauer, aufpassen, jetzt kommen sie:

Museen von La Chaux-de-Fonds

Am 26. September 2008 stellen die Behörden von La Chaux-de-Fonds einen Bericht über die Zukunft ihrer vier Museen vor. Schon in den Jahren vorher waren mehrere Anläufe unternommen worden, die Museen auf eine solidere Basis zu stellen, die aber kaum Resultate zeitigten. Eine auswärtige Projektleiterin wurde angestellt, welche innert weniger Monate den umfangreichen Bericht fertigstellen und gleichzeitig ihre künftige Arbeit als Gesamtverantwortliche der vier Museen definieren sollte.

Offenbar hatten die Behörden von La Chaux-de-Fonds die Macht der desavouierten bisherigen Kuratoren sträflich unterschätzt. Der Bericht wurde nämlich alsobald in einem eigens geschaffenen Blog “Sauvons nos musées” (Rettet unsere Museen) nach Strich und Faden zerzaust. Der Blog kann einen Sieg auf der ganzen Linie für sich verbuchen. Der Bericht wurde von den Behörden zurückgezogen, das Projekt sistiert, die Projektleiterin ist für immer demontiert und wird wohl bei der nächsten Gelegenheit gehen – und dieser Erfolg ist einzig und allein dem Blog zuzuschreiben, über den die welsche Presse mehrfach berichtet hatte. Und es ist erst wenige Wochen her…. Zumindest dieser Fall hätte in einem Artikel über die Relevanz der schweizer Blogs gewürdigt werden müssen. Aber das googelt sich halt nicht so einfach – Suchbegriff: “Relevanz schweizer Blogs” führt z.B. nicht weiter – da braucht’s jetzt wirklich Recherche

Peter Knechtli

Wenige Tage vor Erscheinen der Bauerschen Mini-Recherche berichtete der Tagesanzeiger* über den möglicherweise erfolgreichsten Schweizer Blog: Die Berichterstattung von Peter Knechtli. Knechtli ist ein richtiger Recherchierjournalist aus der Zeit, wo es noch keine Journalistenschulen und -Unis gab. Als Zeitungsleser war mir sein Name in den 70ern schon aufgefallen. Dafür brauchte es keine besonderen Recherchen: Knechtli war damals einer der bekanntesten Journalisten der Schweiz. Eigentlich absolut erstaunlich, dass diese Karriere den heutigen Journalisten so wenig Aufmerksamkeit wert ist. Aber wahrscheinlich hätte die Tamedia darüber weniger Freude als an der Bauerschen Totschweigerei…

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* Ich kann nicht mehr sicher sagen, wo ich’s las. Gibt man im öffentlichen Bereich des TA-Archivs Peter Knechtli ein, kommt nix. Muss aber praktisch der TA gewesen sein, denn den les ich nur noch gelegentlich, und ich weiss, ich las es gelegentlich….


Nestlé – der erste Erfolg eines schweizer Blogs

Es war im Sommer 2006, als Jean Nouvel seiner Freundin Nelly Wenger die Karriere versaute. Nelly Wenger, meine absolute Lieblings-Expo-Direktorin, war bei Nestlé in die Nesseln getrampt, als sie die verstaubten Marken mit dem Odem des gehobenen Lifestyle veredeln (und verteuern;-) wollte. Jean Nouvel kreierte ihr zu diesem Zweck eine neue Architektenverpackung, die ausser gut aussehen überhaupt nichts Sinnvolles tat. Und beim Publikum durchfiel. Denner schmiss die Ware aus den Regalen. Höchste Gefahr drohte.

In dieser Situation begann ein Nestlé-Kader auf Konfrontation zu bloggen. Die Presse nahm dies zum Anlass, über die internen Zwistigkeiten zu berichten. Nelly Wengers Tage waren von da an gezählt. Nach einer Krankheitspause kehrte sie nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück.

Das sind nur einige Beispiele, die mir beim Melken grad so eingefallen sind. Ich bin selbstverständlich kein Journalist, und nie würde ich von mir behaupten, ich könnte immer es besser. Auf der anderen Seite muss ich schon fragen: Herr Bauer, wie konnte das bloss passieren? Ganz offenkundig kennen Sie die aktuelle Berichterstattung aus Ihrem ureigenen Ressort nicht!!! In der herkömmlichen Journalistenausbildung wären Sie damit nie durchgekommen. Denn die herkömmliche Journalistenausbildung, bevor es die Schulen und Masters gab – ach, ich mag gar nicht drüber reden. Sollen doch die Jungen weiterhin glauben, es reiche, viele Schulen zu besuchen, viele Seminarscheine zu sammeln, viele obskure Auszeichnungen einzuheimsen. Wir Leser, wir wissen es besser


ein PS: Verrückt, musste Lisi die Klauen schneiden, das ging satte 3 Tage, insgesamt. Ist eine Schwierige. Deshalb habe ich gar nicht alles um den Bauerschen Ausraster mitverfolgen können, darum wichtiger Nachschlag: Bei Metablog lesen

Abgelegt unter: BB erklärt die Welt — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 10:36
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