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La Triperie - Bruder Bernhard
steht ein für die Inneren Werte!!!

4. Dezember 2009

Alles zu kurz gekommene?

Schönes Wetter heute morgen. Vitamin D werde scheint’s durch Sonne gebildet, also setze ich mich im Trolleybus ans Fenster und lasse mich bescheinen. Wir fahren durch ein schönes Aussenquartier, Bäume, Laub, ein kleines Fussballstadion rechts, ein Tennisplatz links, der Herrgott meint es wieder mal gut mit seinem auserwählten Volk. Ein früherer Stadtpräsident mit seiner Frau steigt zu, die Sonne lacht, ein Freitagmorgen in der Schweiz.

Vorne schwatzen zwei Buschauffeure miteinander. Aus dem Gespräch kriege ich mit, dass wohl eine Demo im Stadtzentrum zu Verspätungen führt. Doch die beiden sind ausnahmsweise mal überhaupt nicht sauer wegen der Störung im Betriebsablauf, nein, sie lachen fröhlich, scheinen sich fast ein bisschen darüber zu freuen, und der Eine fragt den Andern: “Du hesch jo sicher ou jo xschtimmt, oder?” – worauf der andere ein wohlgenährtes Lachen erklingen lässt und mit “Sicher doch, alle die ich kenne haben ja geschtimmt” antwortet. Sie klopfen sich virtuell auf die Schultern, stellen allen Muslimen anheim, sie sollen ruhig ihr Geld aus der Schweiz abziehen, das sei ihnen doch egal, lassen immer wieder ihr selbstzufriedenes Lachen ertönen, freuen sich darüber, endlich endlich mal eine Abstimmung gewonnen zu haben, sonst hätten immer sie das Resultat akzeptieren müssen, nun sei es mal an den Anderen. Die beiden sind sich sympathisch, die beiden sind sich nun offenbar näher gekommen, zwei neue Freunde haben sich da gefunden. Ich kann an mich halten.

Bald steigt der eine der Beiden aus, und ich sehe ihn mir durchs Fenster an. Gut sieht er aus, rosig, Schwimmringe um die Hüften, mindestens 20 Jahre jünger als ich. Die Art Mann, die sich mit einer Ausländerin wohler fühlt, wie die Stammtische ja nicht müde werden zu beteuern. Scheisse! Mein Projekt, all diese Dumpfköpfe zu überleben und der biologischen Lösung des Problems noch teilhaftig zu werden, kann ich nun definitiv begraben.

In der Stadtbibliothek lese ich dann noch den Leserbrief im Zürcher Tagesanzeiger, eine junge Muslimin schreibt, sie gehe seit jeher mit Kopftuch aus dem Haus und zur Arbeit. Nun aber habe sie Angst, Angst um ihre Stelle. Sie stelle aber auch fest, dass die Leute, die Passanten, eine neue Haltung ihr gegenüber einnehmen, provokativ, sie in der Rush Hour anrempeln ohne sich zu entschuldigen – es ist ein beklemmendes Statement.

In der selben Zeitung ein Bericht aus einem Dorf, gut situierte Leute, kein Muslim weit und breit – 3/4 haben für die Initiative gestimmt.

Eben, nochmals die Frage: All diese Leute, alles zu kurz gekommene?

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 15:00

29. November 2009

Bigotte Schweizer

Das hätte ich jetzt nicht erwartet: Dass diese Minarettsverbotsinitiative angenommen wird, und das so deutlich. Wenn man sich vor Augen führt, wer alles für diese Initiative getrommelt hat, ist es allerdings kein Wunder:

  • ‘Feministinnen’ wie die freisinnige Julia Onken sahen in Minaretten Schwänze und machten ein Riesentamtam daraus
  • von SVP über PNOS bis zu den ganz obskuren rechten Gruppierungen waren sowieso alle für das Verbot
  • dem Defensivschweizer und seiner vermummten Frau ist sowieso alles Fremde suspekt
  • die Heilige-Schrift-Fetischisten der Missions-, Ur-, Frei-, Heils- etc. -Kirchen
  • und zu guter Letzt kommen noch all die Bauchnabelhorcher, die dafür plädierten, einem unguten Gefühl ungeniert Ausdruck zu geben. Ich bin fast sicher, die haben den Ausschlag gegeben, weil sie das JA salonfähig gemacht haben

Eine saubere Gesellschaft….

Wir wollen nicht vergessen: Auch Christen fordern gerne ein alttestamentarisches Strafgesetzbuch, unterdrücken ihre Frauen wo’s nur geht (ist halt nicht mehr so einfach wie noch vor ein paar wenigen Jahren) – ach, was will ich noch mehr aufzählen, ist ja sinnlos, alles ist gesagt, es wurde entschieden in voller Kenntnis der Verhältnisse.

Diese Haltung schadet der Schweiz mehr als all die so gern angeprangerten Abzockler und Hochrisikobankler.

Und wenn ich jetzt etwas nicht hören will, dann sind das die scheinheiligen Kommentare wie ‘Jetzt ist die Politik gefordert’ – denn die Politik, das sind nicht einfach die Politiker, an die man das Scheitern dann so wohlfeil delegiert, die Politik, das sind wir alle, und vor allem sind es diese Politikforderer.

Ein bisschen ist mir schlecht.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, — Bruder Bernhard @ 15:00

23. Oktober 2009

Die spinnen, die Welschen

Jetzt hat es ihnen wirklich ausgehängt, meinen guten Freunden beim Westschweizer Radio. Ich habe ja vor ein paar Stunden über diese Sendung berichtet, die eine Petition der UDC/SVP auf unzulässige Weise hochgejazzt hat. Und jetzt, unglaublich, bringen sie diese Nullstory noch in den Abendnachrichten. Und da höre ich über die Petition noch folgendes:

Die Petition zirkuliert seit Montag im Internet, und sie hat 100 Unterschriften. Habt ihr das gehört?

Hundert in vier oder fünf Tagen, und man kommt in den Nachrichten?

Gestatten, das kann ich nur unter meiner hammerhärtesten Rubrik ablegen.

PS: und jetzt haben auch noch die Infotainer von 10vor10 die Nullstory aufgeblasen – ohne Erwähnung natürlich des SVP- und Anti-Calmy-Hintergrundes. Wahrscheinlich sehe ich das einfach zu eng…

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , — Bruder Bernhard @ 18:40

2. Oktober 2009

Qualitätsporno

Gehören Sie auch zu den Leuten, die unbedingt in allen Details nachlesen wollen, wie ein sexueller Übergriff auf ein Kind abgelaufen ist? Dann werden Sie bei unseren Qualitätszeitungen gut bedient.

Ich habe wirklich nicht den Ehrgeiz, hier zum Polanski-Spezialisten zu werden. Aber jeden Tag wieder muss ich mir mühsam den Nuggi unterm Küchentisch hervorkramen, weil es ihn mir bei der Lektüre von Online- und Offlinemedien rausgejagt hat. Das muss bitte aufhören!

So hatte ich gestern das zweifelhafte Vergnügen, den Polanski-Porno in allen Einzelheiten in der Qualitätspresse (Offline) lesen zu dürfen. Nicht, dass die Schilderungen irgend etwas Neues enthalten hätten. Man konnte das schon vor Tagen im Netz nachlesen. Neu ist die pornographische Qualität. Offenbar war es auch unserer Qualitätszeitung aus Zürich nicht ganz wohl bei der Sache, denn sie hat nicht einfach selber auf die bestehenden Quellen zurück gegriffen, sondern einen Strohmann aus Los Angeles vorgeschickt, der sich stellvertretend durch den Staub der Gerichtsarchive wühlt, um dann das selbe zu zitieren, das schon online zu lesen war. Was soll das?

Interessanterweise ist die Weltwoche genau gleich vorgegangen: Der Porno wurde einer amerikanischen Schreiberin aufgetragen. Ganz wohl scheint es unseren Verfechtern der journalistischen Überqualität nicht gewesen zu sein. Ob das der Grund ist, dass der Text nur in der kostenpflichtigen Druckausgabe in voller Länge zu lesen ist? Ein Schelm, wer Anderes dabei denkt…

Selber habe ich mir jedes mal kurz überlegt, wie weit ich in meinen Texten gehen soll und will. Dass Polanski die 13jährige betäubt hat und dann ‘einvernehmlich’ missbraucht hat, sollte eigentlich Information genug sein. Mehr hätte ich Bla-Bla-Blogger nie im Leben geschrieben, da völlig unnötig.

Es ist mir schon seit einiger Zeit aufgefallen, dass unsere Qualitätszeitungen kein Halten mehr kennen, wenn sie über Vergewaltigungen oder Sex mit Kindern schreiben können. Mir unbegreiflich, dass ausgebildete Journalisten nicht merken, was sie da zusammenschmieren, und wie sehr sie das Opfer für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Genauer: Für die Interessen ihres Verlegers – aber heutige Journalisten scheinen sich ja in einer Weise mit ihrem Verleger zu identifizieren, dass man fast versucht wäre, von Ergebenheit zu reden.

Und so verkommt der Begriff “Qualitätszeitung” immer mehr zum Schimpfwort.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags:, , , — Bruder Bernhard @ 12:25

30. September 2009

Polanski: Eigengoal einer Kulturclique

Was ist eine Clique? Wenn wir uns unserer eigenen Cliquenbildung in der Jugend entsinnen: Man wird über gemeinsame Interessen zusammen geworfen, wählt sich die Einzelnen also nicht aus, man hat gemeinsame Ziele und zieht eine Grenze nach aussen. Der Einzelne sollte sich auch nicht ins Abseits manövrieren, deshalb kann man auch unter Umständen von Gruppendruck reden. Unter diesen Gesichtspunkten haben wir es bei der Filmszene Schweiz sicher mit einer Clique zu tun, einem System der gegenseitigen Abhängigkeiten von Einzelkämpfern, Firmchen und Grüppchen. Und, wenn man böse sein will, einem gewissen Gruppendruck zu einer angesagten Meinung.

Nachdem dies definiert wäre, zur Sache. In den letzten Tagen hat sich diese bisher eher vage wahrgenommene Clique erfolgreich in den eigenen Fuss geschossen. Der Höhepunkt war sicher die Sendung Glanz & Gloria des Schweizer Fernsehens, wo Schauspieler und Randfiguren mit unterirdischen Statements für Unglauben sorgten – Unglauben bei mir, dass man so dummdreist herumlafern kann, Unglauben auch, dass das Schweizer Fernsehen so etwas ins Programm hievt. Und damit eine ganze Branche blamiert.

Es gibt auch in der Kulturszene Leute, die nicht einfach ihrem Herdentrieb folgend reflexartig sich vor einen Mädchenschänder stellten, nur weil dieser ein geniales Werk geschaffen hat. So etwa der französische Regisseur Luc Besson, welcher zwar seine Bewunderung für Polanskis Werk ausdrückte, gleichzeitig aber sich gegen die Solidarität mit dessen privaten Höllen verwahrte: Er habe selber eine 13jährige Tochter…

In diesen Tagen hat sich ein tiefer Graben aufgetan zwischen Polanski-Verteidigern und der übrigen Öffentlichkeit. Man muss gar nicht in die Tiefen der notorischen Newsnetz-Populisten abtauchen – die Empörung ist ziemlich breit. Kein Wunder. Im Boulevardblatt Le Matin etwa gab die Chefredakteurin einer vorherrschenden Tendenz so Ausdruck:

“Cet homme-là a réalisé «Le pianiste» et l’on aurait aimé que les sept personnes qui dirigent ce pays s’en souviennent. Qu’il y en ait une, au moins, pour s’insurger. Pour oser dire que les sursauts tardifs de juridisme étroit et la servilité envers les Etats-Unis ne doivent pas l’emporter sur la reconnaissance du statut artistique. Qu’on ne met pas la culture sous mandat d’arrêt.”

Übersetzt: Dieser Mann hat Le pianiste gedreht und man würde sich wünschen, die sieben Personen die dieses Land regieren würden sich dessen entsinnen. Dass wenigstens eine sich wehren würde. Dagegen, dass die verspäteten Ausschläge eines engen Justizismus und die Servilität gegenüber den USA höher gewichtet werden als eine künstlerische Stellung. Man verhaftet die Kultur nicht.

Der letzte Satz bezieht sich natürlich auf die berühmte Äusserung De Gaulles, der in Bezug auf den demonstrierenden französischen Philosophen Jean-Paul Sartre gesagt haben soll: “Man verhaftet Voltaire nicht”. Mit Verlaub: Ariane Dayer, sind Sie noch bei Sinnen? Die Kommentare der Leser könnt ihr selber nachlesen, der Link führt zu ihrem Editorial und den Kommentaren.

Man muss auch ganz offen sagen, dass alle Argumente für Polanski an den Haaren herbei gezogen waren und eine Konzentration auf den eigenen Bauchnabel verrieten, die erschreckend ist. Schon nur die Idee, die Verhaftung sei eine Ohrfeige für die Kultur! Blocher hat man während seiner Amtszeit im Bundesrat immer wieder zu Recht vorgeworfen, das Prinzip der Gewaltentrennung zwischen Politik und Justiz zu verletzen. Die Verhaftung Polanskis ist eine Handlung der Justiz, nicht der Politik, und wer jetzt verlangt, die Justiz hätte die Politik informieren müssen, der macht sich mit Blocher gemein. Folgerichtig ist ja auch die SVP der Meinung, die Aktion sei nicht in Ordnung.

Die Erfahrung der letzten Tage zeigt nun leider eines: Die, welche unter der Politik der SVP so gelitten haben, sind im Ernstfall bereit, genau so wie diese zu handeln. Das ist schon mal sehr ernüchternd. Und noch etwas anderes ist dieser Tage passiert: Die angesprochene Clique hat der Kulturförderung möglicherweise einen gewaltigen Schaden beschert, denn würde heute über einen Kulturkredit etwa für Pro Helvetia abgestimmt, was meint ihr wohl, wie würde an der Urne entschieden? Es brauchte nur ein paar zügige Plakate, etwa: Kein Geld für Mädchenschänder, oder ein paar Originalzitate (das berüchtigte “Jugendsünde…”) mit dem Zusatz: Und diesen Leuten soll man Geld schenken?

Vielleicht aber braucht es nicht mal diese Demagogie, vielleicht ist das Geschirr schon so kaputt genug. Man muss nur mal schauen, welche Extremisten die Schändungsrelativierer aus Film, Presse und Blogsphäre bedienen – Wasser auf die Mühlen der Pädophilierelativierer auf dieser Sexseite, beispielsweise. Und die Rechte jubelt… Die werde ich hier nicht verlinken, gib mal in slug.ch den Suchbegriff ‘Polanski’ ein, eine üble Brühe schwappt da rum.

Kein Wunder: Wenn sogar angesehene Journalisten entweder nachweislich verdrehte Tatsachen in den Ring werfen, weltfremden Verschwörungstheorien huldigen oder zu ganz grotesken argumentarischen Volten Zuflucht nehmen, dann verludert die Debatte vollends.

Vielleicht wundern sich nun langsam Einige, wieso ich mich, als selber ganz hervorragender Künstler, über die Affäre dermassen aufrege, dass ich nun schon meinen dritten Beitrag zum Thema schreibe? Es ist ganz einfach: Ich ertrage Narren nicht freudig.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 13:25

29. September 2009

Petition für Kindlivögler

So nennt man sie halt im Knast, man entschuldige die harsche Ausdrucksweise. Und sie stehen wohl nicht ganz umsonst in der Knasthierarchie auf der untersten Stufe.

Es geht also ein Aufschrei durch die europäische Filmszene, so höre ich in den Nachrichten, eine Petition grosser und geringerer Namen wird lanciert: Sofortige Freilassung von Roman Polanski wird verlangt. Diese bedingten Reflexe von Kulturschaffenden erschrecken mich schon ein wenig, denn ich denke, zum Bild eines Künstlers gehört vorzugsweise die Fähigkeit zur Analyse. Es gibt Ausnahmen, wie Stockhausen, aber diese bleiben Ausnahmen.

Nun zeichnen sich die Argumente für Polanski nicht gerade durch analytischen Reichtum an. Zuerst einmal: Für wen setzen sich diese Petitionenten ein? Für einen Mann, der mit 43 Jahren seine Stellung missbraucht hat, um ein 13jähriges Kind unter Einfluss von Alkohol und Drogen zu einvernehmlichem Sex zu verleiten. Und diese Schilderung ist nur die harmlose Variante – es wird auch von Vergewaltigung geredet. Da bin ich zu wenig Jurist, diesen Punkt zu beurteilen – aber soviel scheint klar, bei diesem Machtgefälle kann keineswegs von ‘einvernehmlichem Sex’ geredet werden, dafür gibt es eher den Begriff des sexuellen Missbrauchs Abhängiger. Denn er tat dies mit einem Mädchen, das er für eine grosse Zeitschrift fotografierte, er war ein weltberühmter Regisseur, er hätte ihr eine Tür in eine Zukunft als bewunderte Schauspielerin öffnen können – genau das hat er schamlos ausgenutzt! Wenn ich mir dieses Setup vorstelle, wird mir übel.

Polanski ist zudem nicht einfach mal ausgerutscht, was zwar für den geschilderten Fall total unwichtig ist, aber die ganze Sache endgültig unappetitlich macht. Polanski hat einen Hang zu jungen Frauen, zu Mädchen, das ist allgemein bekannt, er gibt dies zu, Polanski ist krank und hat möglicherweise noch viel mehr Leid verursacht als dieses eine Mädchen gebrochen.

Für einen solchen Mann wird unterschrieben, weil er halt Polanski ist, der geniale Regisseur. Welch ein Wahnsinn!!! Wäre er ein rumänischer Autohändler, würde sich kein Mensch aufregen über die Verhaftung nach 30 Jahren, auch wenn dieser Autohändler von mir aus regelmässig in seinem Chalet in Gstaad aufgetaucht wäre. Oder stimmt das etwa nicht?

Und was wirft man jetzt ‘der Schweiz’ eigentlich vor? Sie hätte Polanski via die französischen Behörden warnen sollen, meinte zum Beispiel die frühere Präsidentin von Pro Helvetia Yvette Jaggi heute am Radio. Hätte man einen rumänischen Autohändler auch warnen sollen? Es sei ein Kniefall vor den USA, um den Fall UBS auszubügeln, meint meine neue Zielscheibe Daniel Vischer. Und sowas sagt ein Anwalt, der genau weiss, dass der juristische Spielraum genau Null war, nachdem ein Rechtshilfebegehren aus den USA da war und die Deppen vom Zürcher Filmfestival in die ganze Welt hinausposaunt hatten, wann Polanski in Zürich anzutreffen sei. Ich war bis heute noch nicht von der Krankheit des Politikerüberdrusses befallen – Typen wie Vischer könnten das ändern…

Dann hören wir, es werde aus den USA quasi eine Hexenjagd auf Polanski betrieben, er könne mit keinem fairen Prozess rechnen, er sei bereits im ersten Prozess vom Richter vorverurteilt gewesen, es wird sogar die Asyltradition der Schweiz bemüht. Ich lese wieder durch, für welchen Typen man mit so grossen Kanonen auffährt, kotze kurz unter die Tastatur und sage dazu nur noch: Dafür gibt es eben den Rechtsstaat. Wenn das so ist, und Polanski mit Hilfe seiner französischen Männerfreunde Sarkozy, Kouchner, Mitterand Lang etc. die Justiz anruft, wird ihn wohl kein Schweizer Richter wirklich an die USA ausliefern können. Es ist also für die Petitionenten zu hoffen, dass die Verfolgung Polanskis wirklich das Mass sprengt. Die Verfolgung, die zum allgemeinen Unverständnis nun schon 30 Jahre dauere. Da soll man nicht Mitleid haben mit dem armen Genie, der gemäss der TV-Sendung Glanz & Gloria ja nur eine Jugendsünde (mit 43 Jahren…) begangen habe. Dass er durch seine jahrzehntelange Flucht selber für diese späte Sühne verantwortlich ist, scheint nicht ins Gewicht zu fallen. Und dass sein Opfer als unterdessen verheiratete Frau und Mutter nun mit Namen und Bild 30 Jahre nach der traumatischen Erfahrung im Internet herumgezerrt wird, daran scheint sein Verhalten keinen Anteil zu haben.

Kann sein, dass Polanski vom Grössenwahn befallen ist – schon nur, dass er jahrelang in die Schweiz reiste, dort sogar ein Chalet besitzen soll, dabei wird er international gesucht. Was bildet sich der Mann eigentlich ein? Das selbe wie seine Unterstützer: Das Gesetz gelte für einen genialen Künstler nicht.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 09:10

28. September 2009

Polanski: Freibrief für Sex mit 13jähriger

Die Aufregung um die Verhaftung Polanskis in Zürich ist zu Recht gross. Doch es müssen sich wohl die, die sich jetzt so wohlfeil entrüsten, bei der Nase nehmen.

Ich will die Geschichte nicht nochmals zusammen fassen. Die beste Darstellung habe ich natürlich in Le Temps gelesen, ist aber online nicht verfügbar (Jetzt abonniert euch endlich – gute Zeitung). Doch auch dort ist der Unterton derselbe, wie ihn Titus in der Augenreiberei heute darstellt.

  • Polanski ist ein genialer Filmemacher und berühmter Künstler, mit einem grossen Werk
  • er hat der Welt viel gegeben,
  • er hatte ein schweres Schicksal
  • es war einvernehmlicher Sex
  • das Opfer war gar nicht mehr Jungfrau (!)
  • es ist lange her
  • das Opfer will selber nicht mehr, dass er verfolgt wird (weil es seiner Familie, Mann, Kindern, Mutter die Geschichte nicht mehr zumuten will, notabene)
  • eventuell will die Schweiz wegen der UBS sich erkenntlich zeigen

Heisst das also, ein 43jähriger darf eine 13jährige während einer Photosession unter Drogen setzen und danach einvernehmlichen Sex mit ihr haben?

Ja, wenn das so ist – dann soll man das doch bitte so sagen, dann kann man auch drüber diskutieren. Aber nicht solches Geschwurbel ablassen wie es Redder hier von der Pressekonferenz schildert.

Polanski hat übrigens allen Grund, auf seine Umgebung und das Zürcher Filmfestival sauer zu sein. Hoffentlich ist er es. Er und seine Anwälte, die er doch sicher hat, wissen genau, dass er in den USA immer noch wegen dieser Geschichte gesucht wird. Sie wissen genau, dass der Haftbefehl 2005 gar auf die ganze Welt ausgedehnt worden ist. Kann mir bitte jemand erklären, warum dieses Kästchen nicht bei jeder Auslandreise Polanskis in der Checkliste abgehakt wird? Was sind das für Anwälte, und wie naiv ist Polanski selber? Nachdem noch in diesem Jahr sein Gesuch um Einstellung des Verfahrens von einem US-Richter abgeschmettert wurde mit der Begründung, solange er noch auf der Flucht sei, komme dies gar nicht in Frage.

Und wie unbeleckt sind die Schweizer Kulturgroupies, die ihn einladen in ein Land, welches seit Annahme der Initiative für die Unverjährbarkeit für pornographische Straftaten an Kindern durch seine Rechtsabkommen mit den USA verpflichtet ist, Polanski festzunehmen und auszuliefern? Ist denen das nicht mal am Rande in den Sinn gekommen? Ist doch klar, dass die grossartige Ankündigung seines Schweiz-Besuchs im Programm des Festivals die US-Behörden auf den Plan rufen würde. Mit welcher Begründung wohl hätte sich die Polizei rauswinden können, warum sie Polanski wieder nicht festnehmen konnten?

Es hätten mindestens juristische Abklärungen gemacht werden müssen, das wären seine Fans Polanski schuldig gewesen. Dass sie das nicht gemacht haben, das ist der eigentliche Skandal.

Traumtänzer – zuerst total versagen, dann rumheulen und wilde Verschwörungsgeschichten in die Welt setzen. Vischer: jetzt plustert er sich auf, aber auch er, Anwalt, der er ist, ist nicht darauf gekommen, dass Polanski Gefahr droht. Oder soll man annehmen, er hat weder vom Verfahren  noch von der Einladung ans Filmfestival in seiner Stadt gewusst? Seinetwegen eigentlich müsste ich diesen Beitrag in der Rubrik ‘Kotzen’ ablegen – nach der Lektüre von ein paar anderen Reaktionen tu ich’s glaub wirklich.

Beschämend, eigentlich. Und Polanski: Bei solchen Freunden braucht er keine Feinde mehr.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 14:51

23. August 2009

Rechtsfreier Raum Internet

Man muss sich wirklich dieses Video anschauen, um zu verstehen, wieso Politiker und Journalisten in letzter Zeit so gerne die Mär vom “Internet als rechtsfreier Raum” verbreiten. Damit lässt sich nämlich vorzüglich bei einem wenig fachkundigen Publikum punkten. So wie die deutsche Familienministerin im Wahlkampf Ursula von der Leyen das hier tut.

Das Video muss man sich übrigens zweimal zu Gemüte führen oder aber vorher die Fakten zum Thema hier lesen: Sperrung von Kinderpornografie im Netz: Die falschen Tatsachenbehauptungen der Bundesregierung

Eines ist mir nach diesem beängstigenden Video völlig klar: Wer so eklatant emotionalisiert und Tatsachen unterschlägt, dem geht es bestimmt nicht um den Kampf gegen die Kinderpornographie. Da gäbe es nämlich sehr wirkungsvolle Massnahmen. Dem geht es um Wählerstimmen, und dem geht es um die Einführung einer Zensur im Internet. Einmal eingeführt, wird sie sich nach und nach auf andere Themen ausbreiten.

Dann aber: Prost Nägeli.

(Via Stefan Niggemeier)

Die Überwachung der Surfer in der Schweiz wird hier bei ugugu dokumentiert.

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 05:37

10. August 2009

Frank A. Meyers Untertanensprache

Ungelogen: ich bin total und nachhaltig schockiert. Das merkt man schon daran, dass ich heute meinen zweiten Blogeintrag absetze, nachdem ich die Sache doch schon bei ugugu kommentiert habe. Aber ich habe jetzt ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich eine ganze Berufsgruppe diffamiert habe.

Ich entschuldige mich in aller Form bei allen Abwarten. Sorry!

Und ich präzisiere.

Als Bieler kenne ich Frank A. Meyer aus seiner Bieler Zeit recht gut. Das ist wohl so was wie ein Disclaimer. Und deshalb weiss ich auch, dass er immer sehr sorgfältig mit der Sprache umgegangen ist. Vor allem hat er immer den faulen Punkt in der Sprache anderer gefunden. Ich habe bei ihm in dieser Hinsicht einiges gelernt. Und genau darum hat mich sein Schlusssatz in seiner Sonntagsblick-Kolumne ‘Basta!’ so schockiert, dass ich das hier nochmals aufgreifen muss.

Diederich Hessling, Inbegriff des Untertans

Diederich Hessling, Inbegriff des Untertans

“Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten.” Es ist die Konstruktion, die schockiert. Diese distanzierte und gleichzeitig gewalttätige Sprache, die eigentlich einem gemeinsamen Gegner eigen ist: Dem Autoritären Charakter.

Der Autoritäre Charakter tritt in mehreren meiner Lieblingsbücher auf, so vor allem in den Klassikern des Genres, Alexander Döblins “Pardon wird nicht gegeben” und natürlich Heinrich Manns “Der Untertan”. Der Autoritäre Charakter zeichnet sich durch ein Buckeln nach oben und ein Treten nach unten aus. Wenn ich nun lese, wie FAM, immer noch einer der einflussreichsten Journalisten des Landes, seinem Millionenpublikum einen kleinen Blogger namentlich vorführt und zum Abschuss frei gibt, dann frage ich mich ernsthaft, was aus dem Arbeitersohn Meyer geworden ist.

Vielleicht sollte FAM nicht immer nur mit seiner Bibliothek angeben, sondern sie auch wieder mal konsultieren. Ich gehe nämlich jede Wette ein, besitzen täte er diese Bücher….

(via)

Abgelegt unter: Kotzen — Tags: — Bruder Bernhard @ 12:49

8. Juli 2009

Opfer kuscheln?

DER WUNDE PUNKT DES STRAFRECHTS – OPFER ZAHLEN DEN PREIS – TÄTER ZUR WIEDERGUTMACHUNG VERPFLICHTEN – DISKUSSION MIT FRAU MüLLER ET. AL

Schon wieder schlagen Jugendliche unschuldige Opfer spitalreif, schon geht’s wieder los mit den Vorwürfen an die ‘Kuscheljustiz’. Und wie immer gehen die Behörden wieder ein kleines Schrittlein nach rechts und überlegen, gegenüber der Schule möglicherweise das Datenschutzgesetz zu verletzen und dieser jeweils ein Dossier über vorbestrafte Schüler zuzustellen. Da hebt sich die bürgerliche Karin Keller-Suter angenehm ab mit ihrer Aussage am Radio, es gebe halt nie eine 100%ige Sicherheit.

Dass die Kuscheljustizanprangerer bei uns ein so leichtes Spiel haben, liegt wohl doch daran, dass sie den Finger auf einen wunden Punkt legen, und diese Wunde scheint chronisch zu sein.

Zunächst muss man festhalten, dass das Strafrecht in Deutschland einiges schärfer ist als in der Schweiz, wie die Münchner Schläger von der Goldküste zu ihrer Überraschung nun feststellen, lese ich. Und dennoch scheint es seine Wirkung nicht zu tun: Im Zusammenhang mit diesem Fall habe ich ebenfalls gelesen, die Jugendkriminalität sei dort höher. Aber dieser Zahlenkrieg tut sowieso nichts zur Sache. Das Problem liegt ganz wo anders.

Ich lese zum Beispiel, ein 46jähriger Kaufmann sei grundlos so zusammen geschlagen worden, dass er wahrscheinlich nie mehr derselbe sein wird wie vor dem Überfall. Interessant ist, dass ich über die Täter immer sehr schnell viel mehr weiss als über die Opfer – und das Opfer verschwindet auch praktisch jedes Mal hinter der Tat und dem Täter. Dabei ist doch das Opfer das Opfer. Und wir wissen alle: Wer Opfer eines solchen Überfalles wird, der hat halt einfach Pech gehabt. Wie jedes Opfer. Denn an solchen Taten wächst die Gesellschaft, sie gewinnt neue Erkenntnisse, sie kann ihr Rechtssystem jedes Mal neu justieren und noch feiner einstellen, um zwei Ziele (unter anderen) zu erreichen: Den Täter wieder (oder erstmals) in die Gesellschaft einzugliedern und zu verhindern, dass er rückfällig wird.

Das ist jetzt alles gar verkürzt wiedergegeben, natürlich, aber eines bleibt bei allem Hin und Her bestehen: Den wirklichen Preis für den Fortschritt zahlt das Opfer. Dies ist der wunde Punkt unseres Rechtssystems. Wenn sein Leben nie mehr sein wird wie zu vor, wenn der Kaufmann fürs Leben geschädigt zurück bleibt: Pech, kann man nichts machen. Denn darin sind wir uns einig: Die Schraube anziehen, die Täter härter anfassen, das tönt zwar alles irgendwie verlockend, wenn man sich die furchtbare Tat vergegenwärtigt, aber es nützt offenbar niemandem. Nicht der Gesellschaft, aber auch nicht dem Opfer.

Ich versuche mir einfach mal vorzustellen, mir wäre das passiert: Ich komme aus dem Haus und werde brutal zum Invaliden geschlagen. Was hätte ich nun davon, dass der Täter ein paar Jahre länger ins Gefängnis muss? Absolut gar nichts. Mein einziger Wunsch wäre doch, wieder so zu leben wie zuvor, eine vollständige Wiederherstellung meiner damaligen Möglichkeiten. Und dafür soll ein Täter aufkommen müssen. Daran führt kein Weg vorbei, will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, das Opfer weniger wichtig als den Täter zu nehmen.

Es hat noch niemand von unseren Politikern eine brauchbare Lösung entwickelt, dem Opfer Genugtuung zukommen zu lassen. Ich höre nicht einmal ernst gemeinte Überlegungen in dieser Hinsicht.

Was ich mir wünschte, wäre ich Opfer eines dieser Schläger: Bis ich wieder ganz gesund bin, muss mir der zur Seite stehen und das kompensieren, was ich nicht mehr habe. Das ist ein legitimer Wunsch, und ein Strafrecht, das die Opfer ernst nimmt, müsste Wege finden, diesem zu entsprechen.

Und wenn der Schläger halt dann sein Leben lang durch Pflege seines Opfers büssen müsste – das wäre die einzige gerechte Strafe, 1:1 die Konsequenz einer Tat, die nicht das Opfer alleine tragen soll! Man muss sich einfach mal vorstellen, man würde selber durch solch hirnrissige Schläger mitten aus dem Leben gerissen. Bevor Du hier kommentierst: Stell es dir einfach mal vor…

Abgelegt unter: Kotzen — Bruder Bernhard @ 12:24
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